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Festival-Bericht

Bang Your Head!!!

mit Blind Guardian, Journey, U.D.O., W.A.S.P., Lita Ford, Hardcore Superstar, Pink Cream 69, Sodom & Exodus

Messegelände Balingen, Balingen 26. & 27.06.2009

Freitag, 26.06.2009

Die Ehre, den Reigen zu eröffnen, hatte nach schöner Gepflogenheit der Gewinner eines lokalen Bandcontests - in diesem Jahr durften die jungen Recken von Hatstick ran, die den Job ordentlich erledigen.
(Siebi)

Ross The Boss sind die erste Band, auf die ich mich besonders freue. Erinnernd an den coolen Gig im Münchner Metropolis einige Monate zuvor, denke ich an eine geile Special-Manowar-Festival-Setlist. Doch leider wird daraus heute nichts. Ross und seine teutonischen Freunde an Gesang, Bass und Drums halten sich nahezu an die Tour-Setlist, was etwas enttäuschend kommt. "Gloves Of Metal" entschädigt zumindest ein bisschen und zeigt, dass das eigene Songmaterial nicht an diese Klasse heranreicht, auch wenn "Blood Of Knives" und "I Got The Right" old school-Feeling und vereinzelt fliegende Haare aufkommen lassen. So sorgte neben der ungemeinen Spielfreude die Agilität von Sänger Patrick Fuchs beim abschließenden "Hail And Kill" für zünftige Stimmung. Insgesamt gut, aber nicht herausragend.
(Siebi)

Die Iren von Primordial konnte ich bedingt durch die gleichzeitige Listening Session zum neuen U.D.O.-Album nur recht kurz bestaunen, aber das reichte schon, um festzustellen, dass die Kombo um Sänger Alan "Naihmass Nemtheanga" Averill (wie immer mit hübscher weißer Farbe verziert) einen unglaublich atmosphärischen, düsteren Sound zaubert, der in seiner finsteren, mit Doom-, Folk- und Paganelementen durchsetzten Epik einen ganz eigene Charakteristik entwickelt. Stücke wie "Heathen Tribes" von der aktuellen Scheibe To The Nameless Dead oder "Coffin Ships" vom Album The Gathering Wilderness verbinden dichte Klangwelten mit anspruchsvollen Texten (hier geht es um die Hungersnöte in Irland im 19. Jahrhundert), kamen allerdings leider in der gleißenden Sonne von Balingen nicht so Recht zur Geltung - ein düsteres Geschehen gehört an einen düsteren Ort. Insofern sehr gute Leistung, die die Menge allerdings nicht zu euphorischen Reaktionen veranlassen konnte. Dennoch Respekt.
(Holgi)

Old School as can be hieß es dann flugs danach - die (halb)legendären Thrasher von Sacred Reich standen auf dem Programm. In den 80ern machten die Kollegen mit ihrem sozialkritischen Polit-Thrash (zu bestaunen auf Ignorance und der EP Surf Nicaragua) durchaus Furore, bevor sie in der Versenkung verschwanden und erst 2007 auf dem Wacken Open Air wieder auftauchten. So herrschte denn auch freudige Erwartung, als Phil Rind (der mittlerweile sofort die Hauptrolle im King Of Queens übernehmen könnte), Wiley Arnett, Jason Rainey und Greg Hall die Bretter enterten und mit "Truth And Justice The American Way" richtig Gas gaben. Sehr gut gelaunt führte der rundliche Phil durchs Programm, das mit "Independence", "Executive Decisions", dem Signaturtrack "Sacred Reich", "One Nation" und "Crimes Against Humanity" keinen Ausfall enthielt. Thrash der alten Schule, freudig dargeboten, das ist immer gerne genommen. Besonders nette Episode: Herr Rind entdeckt einen jungen Fan, lässt sich mitteilen wie alt der sei und meinte dann: "Sieben? Sehr schön. Ich habe auch einen Sohn, der sieben ist. Ein sehr schönes Alter." Ja, auch im Thrash haben sich die Zeiten geändert. Bis auf den Sound. Gut!
(Holgi)

Immer eine Bank sind die Ruhrpott-Recken um Tom Angelripper. Von Beginn an ist klar, dass Sodom auch hier wieder ein Heimspiel haben. Die Menge geht bei Reißern der Marke "The Saw Is The Law" und "Agent Orange" wie gewohnt verzückt mit und feiert Tom, Bernemann und Bobby fast schon etatmäßig ab. "Wanted Dead" und "M16" brettern gepflegt vorüber, und die gute Laune des Fronters überträgt sich zunehmend auf die feiernde Menge. Dass er über den Tellerrand hinauszulugen vermag, beweist der gute Tom, als er ironiefrei einen Song dem guten, eigentlich gar nicht so alten Jacko widmet - und die aufkeimenden Buhrufe gar nicht zulässt: "Das hat mit uns nicht viel zu tun, aber er war trotzdem ein Superstar." Wo er Recht hat... "Ausgebombt" wird dann sogar mit einem zünftigen Moshpit honoriert, bevor das von vielen geforderte "Bombenhagel" den Schlusspunkt setzt. Solche zuverlässigen Fixpunkte sind nicht zuletzt die Essenz eines gelungenen Festivals.
(Holgi)

Dass man immer wieder mal auch fast schon vergessene Helden aus der Truhe holt, dafür bürgt der nächste Programmpunkt: in den 80ern dürfte es wohl kaum einen jungen, hoffnungslosen Metaller gegeben haben, der kein Bildchen der platinblonden Lita Ford irgendwo kleben hatte. Die ex-Runaways-Klampferin war in den goldenen Zeiten des traditionellen Metal eine der wenigen Damen, die in die Saiten griffen (eigentlich sind das heute immer noch wenig) und mit ihrem durchaus kommerziellen US-Hard Rock einiges reißen konnte. Gute 20 Jahre gehen natürlich auch an diesem Fräulein nicht vorbei, aber dennoch wirft sich die gute Frau mit "Gotta Let Go" gleich massiv ins Zeug, auch wenn die Gitarre in Form einer Wodka-Flasche ein wenig sehr kitschig ist. Stimmgewaltig und auch bühnenakrobatisch bestens ins Form (die Dangerous Curves funktionieren immer noch), räkelt sie sich durch ihre bekanntesten Nummern wie "Black Widow" und "Back To The Cave". Die Band, junge Typen in Kapuzenpullis, wirkt daneben mitunter etwas deplatziert, aber nachdem der Hauptattraktionspunkt ohnehin die Frontfrau ist, fällt das nicht ins Gewicht. Die droht einstweilen permanent die Hose zu verlieren ("these damned pants are falling off!"), feuert aber unverdrossen weitere Hits in die Menge ("Hungry", "Falling In And Out Of Love"). Auch von technischen Problemen lässt man/frau sich nicht beeindrucken, auch wenn die eine dargebotene neue Nummer bestenfalls das Prädikat "vergessenswert" verdient. Als Verstärkung holt sie sich dann noch einen Hünen auf die Bühne, der sich als der ehemalige Nitro-Fronter Jim Gillette und ganz nebenbei ihr Ehemann entpuppt. Abgefeiert wird natürlich ebenfalls der größte Hit "If I Close My Eyes Forever", seinerzeit noch als Duett mit Ozzy eingesungen. Dazwischen stellt auch Frau Ford fest, dass durchaus jüngere Fans anwesend sind, und holt kurzerhand ihre eigenen beiden Kinder und somit ihre ganze Familie auf die Bühne. Danach dürfen wir noch zum Mitsing-Kracher "Kiss Me Deadly" antreten, bevor sich Lita Ford nach einem durchweg gelungenen Auftritt verabschiedet. Sehr fein.
(Holgi)

"Beim Festival, da wollen die Leute Hitparade", hatte mir Herr Dirkschneider im Interview erzählt, und schon mal verraten, dass mal gleich mit einem Knaller anfangen werde. Stimmt, denn als von Tschaikowsky entlehnte Töne ins Balinger Rund schallen, ist klar, was nun kommt: U.D.O. ziehen eine Greatest Hits-Show ab, die sich zu nicht wenigen Anteilen aus den Klassikern seines ersten Arbeitgebers speist. Los geht's mit "Metal Heart", wodurch man die Menge natürlich sofort im Griff hat, und wer mit "Midnight Highway" und "They Want War" gleich zwei weitere bewährte Eisen ins Feuer schiebt, kann eigentlich gar nichts mehr verkehrt machen. Die Bandkollegen um den Cheffe und seinen langjährigen Weggefährten Stefan Kaufmann fahren ein tightes Brett, und dem Meister selbst merkt man seine gefühlten 100 Jahre Bühnenerfahrung in jeder Sekunde an. "24/7" und "Vendetta" liefern wieder Beispiele aus der mittlerweile Dekaden umspannenden Solokarriere des Brüllwürfels, bevor man mit "Princess Of The Dawn" eine der live immer noch am besten kommenden Accept-Perlen auspackt, garniert mit hervorragenden Gitarrenduellen. Mit "Living For Tonight", "Man And Machine" und "Thunderball" dreht sich das Hitkarussell weiter, bis der Titeltrack des ersten Soloalbums "Animal House" den Set beendet. Ja ja, klar, es gibt noch Zugaben: es folgt "Holy" und dann kündigt Udo einen Song an, "den kennt kein Mensch, aber wir spielen ihn halt trotzdem". Ein Schelm, der Böses dabei denkt - geht es doch um "Balls To The Wall". Nach dem alten Gassenhauer "I'm A Rebel" ist dann aber endgültig Schicht im berühmten Schacht. Und, Freunde, hier liegt auch schon der Kritikpunkt: immerhin als zweiter Headliner des Tages gesetzt, macht U.D.O. die vorgegebene Spielzeit nicht voll, sondern spielt lieber einige Songs des demnächst erscheinenden Albums vom Band vor. Das ist ja vielleicht eine nette Idee, aber in der Zeit hätten wir uns doch lieber weitere Live-Schätzchen vom Schlage "Restless And Wild", "Fast As A Shark" oder "Midnight Mover" angetan. Das gibt Punktabzug, zumal die Leistung an sich absolut stimmig war.
(Holgi)

Durchaus gespannt sein durfte man nun auf den Headliner des ersten Abends: wie erwähnt dürften die Ami-Rocker von Journey im Vorfeld so manche Augenbraue nach oben gezogen haben. Die Veranstalter konterten, auch bei Foreigner sei am Anfang die Skepsis groß, am Ende die Begeisterung ebenso groß gewesen. Die Gemengelage bei Journey war durchaus vergleichbar: kommerzieller, durchaus radiokompatibler Sound, der allerdings oft durch exzellentes Songwriting und herausragende Gitarrenarbeit glänzt. Dazu ein paar unsterbliche Nummern, die jeder kennt - dann schauen wir mal, lautete die Devise. Pünktlich enterten die Herren die Bühne, und die Blicke richten sich natürlich zuerst auf den Fronter Arnel Pineda, der seit Dezember 2007 offiziell den Mikroposten von Vor-Vorgänger und "Ursänger" Steve Perry und den beiden mehr oder weniger glücklosen Nachfolgern Steve Augeri und Jeff Scott Soto übernommen hat. Der kleinere Mann zeigt sich sofort als äußerst agil, mit viel Bühnenpräsenz und vor allem mit einer Stimme, die nicht nur dem Songmaterial absolut gerecht wird, sondern auch sehr nah an die Perry-Fassungen heranreicht, die man im Ohr hat. Und da sie mit "Separate Ways" ihr wohl bestes Stück gleich zu Anfang abfeuern, wird so mancher Zweifler sofort eines Besseren belehrt. Der Sound ist mächtig, wie immer bei AOR-Truppen live einen Zacken heftiger als im Studio, und von Beginn an zeigt Gitarrenmeister Neal Schon allen anderen aufgetretenen Herren, wie technisch versiertes, aber gleichzeitig hochmelodisches Spiel auszusehen hat. Eine Lehrstunde für Gourmets - von der es am nächsten Tag bei Y&T übrigens gleich eine Fortsetzung geben würde. Aber zurück zu Journey: umrahmt von nichts als einem Backdrop und einem massiven Klavier (das wohl nur als Auflage für das Keyboard dient), schwingen sie sich weiter durch melodische Sternstunden wie "Never Walk Away", "Stone In Love" und "Rubicon". Das klassische Beispiel eines 80er-Teenie-Film-Soundtrack-Beitrags, "Only The Young" (war 1985 auf dem Madonna-Vehikel Vision Quest/Crazy For You zu hören), zeigt dann, dass selbst die arg hörerfreundlichen Stückchen live ganz eigene Qualitäten entwickeln - nicht zuletzt dank des wirklich hervorragenden Gesangs von Herrn Pineda, der einen um den anderen Glanzpunkt setzt - wenn er nicht gerade das Kunststück übt, kurz vor Songende den Hans Rosenthal-Hüpfer zu präsentieren und exakt zum Ende wieder aufzukommen. Muss man auch erst mal machen. "Ask The Lonely" demonstriert, dass hier im Gegensatz zu manch anderen Kombos die Background-Chöre wirklich von den anderen Bandmitgliedern gesungen werden, bevor sich Meister Schon nach einigen weiteren Nummern dann zu einer feinen Mundharmonika-Solo-Einlage anlässt. Der erste veritable Hit der Kombo, den ich eigentlich als Zugabe vermutet hätte, schließt sich an - "Wheel In The Sky" macht Freude, auch wenn es mich immer noch an meine Schulbusfahrten Anfang der 80er erinnert, wo es im Radio rauf- und runterlief. Bei "Faithfully" schließlich widerlegen Journey dann endgültig alle Skeptiker, denn gerade bei dieser feinen Ballade herrscht im Balinger Rund die wohl beste Atmosphäre des ganzen ersten Tages. Für solche Momente gibt es Open Airs. Als weitere Sahnehäubchen feuern sie uns dann noch "Don't Stop Believing" (Meister Arneda im Dauer-Hüpf-Modus), "Be Good To Yourself" und den ganz alten Kracher "Any Way You Want It" raus, bevor man sich von "Balinjen", wie er immer sagt, verabschiedet - leider ohne Zugabe, obwohl noch zehn Minuten Spielzeit drin gewesen wären. Das ist aber auch der einzige kleine Makel an einer wirklich beeindruckenden Show, die so manchen jüngeren Musikerkollegen ins Grübeln gebracht haben sollte, ob man sich denn nicht doch mal wieder auf das Schreiben guter Songs verlegen sollte. Bis morgen!
(Holgi)

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