6 Headbänga online
05.12.2020 Eisregen
05.12.2020 Eisregen
06.12.2020 Mina Caputo & The Sad Eyed Ladies
07.12.2020 Rhapsody Of Fire
10.12.2020 Machete Dance Club
12.12.2020 Maidenhead
Reviews (10199)
Navigation
Artikel des Tages
Review:
Hellish War

Interview:
Chimaira

Live-Bericht:
Heino

Video:
Saxon
RSS RSS
Atom Atom
 

Konzert-Bericht

Bon Jovi & Gianna Nannini

Olympiastadion, München 24.05.2008

Es wird sie wohl immer geben, diese Momente, die unvergesslich bleiben. Sei es im Sport, in der Musik oder privat. Dinge an die man sich immer gerne erinnert und die das Gefühl der Unbeschwertheit und Leichtigkeit zurückbringen. Dass im Mai 2008 gleich mehrere dieser Momente aufeinander treffen und zu einem großen Ganzen vereint werden, war so nicht zu erwarten.

Da hat es ganz gut gepasst, dass an eben jenem 24. Mai die Schwester des Formel 1-Rennfahrers Alessandro Nannini das Vorprogramm zu Bon Jovi bestreitet. Denn Gianna Nannini, die knapp 52-jährige Sängerin, die ihre große Zeit in den 80ern und Anfang der 90er hatte, enterte um 19:00 Uhr das mit 68.000 Zuschauern gefüllte Rund des Münchener Olympiastadions. Viele waren verwundert wegen dieser Auswahl, denn bei den letzten Malen haben immerhin Gotthard, Live und Nickelback ihre Duftmarke dem Publikum hinterlassen. Aber was die quirlige Italienerin, die vor Energie nur so strotzte, da auf dem Parkett 45 Minuten lang ablieferte war allererste Sahne. Klar ging sie auf Nummer Sicher und legte Wert auf ihre großen Hits, aber wer damals in Italien in Urlaub war, sei es mit den Eltern oder auf eigenen Füßen, der erinnerte sich an alle. Es war natürlich nicht viel Zeit, also mussten "Fotoromanza", "Lamento" (in richtig rockigen Versionen), "Meravigliosa Creatura", "Profumo", "I Maschi" und "Latin Lover" erst Recht gespielt werden. Mitsingen war für die Nicht-Italiener natürlich schwer, aber das Publikum machte gut mit und auch Gianna zeigte, dass sie gut rocken kann (sogar der Sound war überraschend klar und wuchtig) und sehr viel Spaß an der ganzen Sache hatte. Und diese Stimme, sie klingt immer noch so, als ob sie am Abend davor ihre Stimmbänder in Whisky einlegt. Rauchig, rau aber immer noch unter die Haut gehend. Das tat es dann auch bei dem Lied, das Bayernfans dieses Jahr knappe 40mal hören durften: "Bello E Impossibile", ja schön und unmöglich, das war es und sehr viele haben mitgesungen, wenn auch nur beim Refrain aber es wurden brav die Hände gehoben und mitgeklatscht. Es gibt halt nicht nur einen Luca Toni, es gibt auch nur eine Gianna. Aber dann gab es noch diesen ganz großen magischen Moment: es war 1990 und es war der italienische Sommer, es war "Un Estate Italiana". Deutschland wurde Fußball-Weltmeister. Und da war es wieder dieses gewisse Funkeln, diese Gänsehaut, die sich über das ganze Stadion legte und alle Erinnerungen an diese tolle Zeit hervorbrachte. Sogar die Sonne lugte hinter den Wolken hervor um sicher zu gehen ob noch alles mit rechten Dingen zugeht. Das tat es, Gianna Nannini rockte, verbreitete gute Laune und ebnete den Weg für Bon Jovi.

Um 20:20 Uhr war es dann auch soweit. Der Lost Highway führte ins Olympiastadion und begann mit dem Titelsong. Mitfahrer waren neben dem schon allseits bekannten Line-Up eine Geigerin sowie ein zweiter Gitarrist, der Richie Sambora kräftig unterstützte. Denn so ganz der Alte war dieser nach einigen Problemen in jüngster Vergangenheit (Scheidung und Alkoholmissbrauch inklusive Führerscheinentzug) noch nicht so ganz. Man sah es ihm auch an, aber das sei nur so nebenbei bemerkt. Schon gleich bei den ersten vier Songs fiel auf, dass soundtechnisch ein ziemlich ordentliches Brett aufgefahren wurde und "Born To Be My Baby", "You Give Love A Bad Name" und "Raise Your Hands" die volle Hütte rockten wie schon lange nicht mehr. Dagegen war das Konzert vor zwei Jahren an selbiger Stelle ein Kindergeburtstag. Bemerkenswert hierbei wie gut die Rhythmusfraktion Hugh MacDonald am Bass und Drummer Tico Torres harmonieren. Sehr einfach aber präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Gerade letzterer hat in den letzten Jahren stark dazu gewonnen. Über Frontmann Jon braucht man (und Frau sowieso) keine Worte verlieren. Seine sympathischen Ansagen, gepaart mit seinem unnachahmlichen Mienenspiel (wie bei "Just Older") und seinem Arschgewackel bringt vor allen Dingen die weibliche Meute zum Ausrasten. Johnny Boy sagte etwas von seinem "second home" hier in München und das nahm man ihm jederzeit ab. Das vom Publikum abgefeierte "Captain Crash And The Beauty Queen From Mars" mag nicht unbedingt jedermanns Fall sein, aber live ist die Stimmung bei dem Song schon fast unschlagbar. Nachdem man erst dann schläft, wenn man tot ist war dann auch weiterhin Party angesagt. Dass dabei von den Rolling Stones "Start Me Up" kurzzeitig vorstellig wird ist zwar cool aber jetzt nicht so die Überraschung, dass hingegen "Mercy" der Waliserin Duffy angespielt wird und Mr. Bon Jovi dabei eine echt gute Figur macht hingegen schon. Bon Jovi covert Duffy, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Einerseits prallt Mainstream auf Mainstream, andererseits ist das so was wie ein Ritterschlag für die 24-jährige Sängerin. Sehr mutig und gewagt, das Publikum zollte aber gebührend Respekt.

Nach 45 Minuten wurde es immer dunkler und somit war die Zeit reif für die erste große Ballade: "Always". Überall gingen Lichter an, das Publikum sang sich die Gefühle aus dem Leib. Kuscheln war angesagt, aber das nicht nur wegen dem Song. Es wurde auch frischer und die Wolkendecke verdichtete sich. Mh, irgendwie hatte ich ein Deja Vu, was sich nach "Whole Lot Of Leavin" bestätigte. Es fing an zu regnen, und dann auch noch ausgerechnet pünktlich zu "In These Arms", wie schon am 30.06.2001, welches bis dato eines der besten, wenn nicht sogar das beste Bon Jovi-Konzert hier in München war. Und ja, da war wieder dieser eine große Moment. Eine der Stadionhymnen schlechthin, die Bon Jovi für die große Bühne geschrieben haben, trieb das Konzert voran weiter in den Regen, aber das war den Fans vollkommen egal. Singend und klatschend wurden "die Tränen der Engel" (O-Zitat Jon Bon Jovi) abgefeiert und der Spaß stand im Mittelpunkt. Sein zweites Zuhause, ja das ist es wohl ohne Wenn und Aber. Ein München ohne Regen gibt es für ihn nicht, aber auch das ist egal, denn die gesamte Band steigerte sich in eine Spiellaune hinein, die besser nicht hätte sein können. Dazu gab es eine wirklich beeindruckende Lichtershow und auf der riesigen Videoleinwand wurde jeder Song mit Videos und/oder Bildern unterlegt, was in der Dunkelheit verdammt cool aussah. Das nenn ich mal einen Aufwand der Sonderklasse. Also weiter, immer weiter. Das altbekannte Oliver Kahn-Zitat traf auch auf die Jungs und das Mädel aus New Jersey zu. Es hieß ja schließlich an diesem Abend auch "We Got It Going On", und das knallte viel mehr als auf CD. Apopros knallen: als dann "It's My Life" ertönte konnten sich meine Ohren schwer entscheiden wo sie denn hinfliegen sollten: entweder nach hinten, da der Song aus den Boxen donnerte wie ein Gewitter oder nach vorne, da das Auditorium (allen voran die Mädels) sich in eine unglaubliche Ekstase schrie, so dass sogar die Fledermäuse das Weite suchten...

Auch Richie Sambora durfte dieses Mal seine Gesangeskünste wieder unter Beweis stellen, und zwar wie schon die vergangenen Male bei "I'll Be There For You". Er bekam das schon ganz ordentlich hin, wurde aber zur Entlastung von David Bryan und der Geigerin etwas unterstützt. Natürlich durfte auch "Blaze Of Glory" nicht fehlen, dazu wurde auf der Videoleinwand der Westernromantik Platz gemacht. Klasse Bilder, und der Song ist sowieso toll. In bester regnerischer Feierlaune wurden "Someday I'll Be Saturday Night" und "Who Says You Can't Go Home" dargeboten. Gefundenes Fressen für die Fans, die fleißig mitmachten und eine Energieleistung sowohl in der Arena als auch auf den vermeintlichen Sitzplätzen ablieferten. "Have A Nice Day" bretterte wieder schön wuchtig und mit viel Wumms nach vorne bevor es dann zum Endspurt hinging. "Bad Medicine" mit dem schon obligatorisch integriertem "Shout" von The Isley Brothers (und sehr netten Mädels auf der Videoleinwand...) und das unkaputtbare "Living On A Prayer" beendeten den offiziellen Teil. Ob "I Love This Town" das Bekenntnis zu München ist, wage ich zu bezweifeln oder wie ist es sonst zu erklären, dass neben den visuellen Länder- und Städteimpressionen ausgerechnet Bilder von Schalke 04 auf der Leinwand auftauchen? Das müssen wir jedenfalls noch mal üben Mr. John Bongiovi! Weniger geübt werden muss hingegen "Twist And Shout" (auch von The Isley Brothers), welches in "I Love This Town" integriert wurde. Schließlich wurde es Zeit für eines der Lieder für die Ewigkeit und darüber hinaus: "Wanted Dead Or Alive". Ja, Leute, da hilft weder ein These Days noch ein Lost Highway und erst Recht kein Crush Album. Slippery When Wet, ja das war es in jeder Weise. Zeitlos, genial und jeder Song ein Treffer ins Schwarze. Ganz dicht gefolgt von New Jersey und Keep The Faith. Aus New Jersey sind sie gekommen und da hören sie auch auf. Denn nachdem das Publikum noch mehr wollte gab es nach Absprache "Blood On Blood" und dann war nach insgesamt zwei Stunden und 40 Minuten Schluss.

Zwar dauerte das Konzert nicht ganz so lange wie vor sieben Jahren, aber die Atmosphäre war eine ähnliche, eine die in Erinnerung bleibt, denn gestern ist immer noch heute. Das war es bei Gianna Nannini, und erst Recht bei Bon Jovi. Sie alle sind da am besten bei dem was sie stark gemacht hat. Sie sind da wo die großen Momente im Mittelpunkt stehen, die für die Ewigkeit. Schön und unmöglich, das war es immer noch. Bon Jovi sind angekommen, und das ganz ohne den "Ohrschrauber" von Luca Toni. Hier in der zweiten Heimat. Für viele war Bon Jovi der Einstieg in die Welt der hartrockenden Musik, für diese werden sie daher einen ganz besonderen Status innehaben. Mainstream hin, Stadionrock her. Das gilt auch für Gianna Nannini. Denn vielleicht ist "Un Estate Italiana" als Vorbote für die kommende EM zu verstehen, ganz sicher vereint aber der erste Absatz dieses Liedes Fußball und Musik in einem: "Vielleicht ist es nicht ein Lied, das die Spielregeln verändert aber ich will das Abenteuer genießen ohne Grenzen und mit dem Herzen im Hals..." Moment, was war da? War da nicht schon wieder so ein Funkeln?

Setlist Bon Jovi:
Lost Highway
Born To Be My Baby
You Give Love A Bad Name
Raise Your Hands
Just Older
Captain Crash And The Beauty Queen From Mars
I'll Sleep When I'm Dead (inkl. Mercy und Start Me Up)
Always
Whole Lot Of Leavin'
In These Arms
Runaway
We Got It Going On
Hey God
It's My Life
Keep The Faith
I'll Be There For You
Blaze Of Glory
Someday I'll Be Saturday Night
Who Says You Can't Go Home
Have A Nice Day
Bad Medicine (inkl. Shout)
Livin On A Prayer
---
I Love This Town (inkl. Twist And Shout)
Wanted Dead Or Alive
---
Blood On Blood

Andi

Zur Übersicht
Zur Hauptseite

Werbung:

© www.heavyhardes.de