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Interview

Interview mit Emerald (CH) (12.01.2011)

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Mit Re-Forged haben die Schweizer Emerald (zumindest meiner Ansicht nach) eines der Power-/Melodic Metal-Highlights des vergangenen Jahres abgeliefert, das sich durch exzellente Vocals, filigrane Gitarrenarbeit und gewiefte Arrangements sowie 80er-Spirit, hinüber gerettet ins (gar nicht mehr so) neue Jahrtausend auszeichnet. Ein Interview mit Bandleader und Gitarrist Michael Vaucher wollte sich euer Heavyhardes-Team also keineswegs entgehen lassen. Im Folgenden erfahrt ihr nicht nur alles Wissenswerte übers neue Album und die frischen Gesichter in der Band, sondern darüber hinaus stimmt einen Vaucher in seinen Zeilen zur aktuellen Szene in der Schweiz, zum ständigen Kampf einer (immer noch) im Underground verhafteten Band um Engagements und berechtigte Aufmerksamkeit und auch zum Tod von Steve Lee von Gotthard nachdenklich, wobei jedoch stets das (smaragd-grün) lodernde Feuer eines Musikers, der Metal lebt, an die Oberfläche drängt. Viel Spaß beim Lesen!

HH: HeyHo, beste Wünsche und metallische Grüße aus der Heavyhardes-Redaktion in die Schweiz. Bei Minusgraden, die einem die Füße an den Boden gefrieren lassen, und angesichts des allgemeinen Winterchaos lobt man sich doch eine Scheibe wie Re-Forged, auf die man sich abends freuen kann. Ein sprichwörtliches heißes Eisen habt ihr da ins Feuer gelegt.

Michael: Metal Salute! Wow, vielen Dank für die netten Worte, das freut uns riesig zu hören. Die endlose Arbeit scheint sich gelohnt zu haben. Die ersten Reviews sind spitzenklasse geworden, vor allem auch bei den großen Magazinen wie Rock Hard oder Heavy haben wir grandios abgeschnitten, Freude herrscht im Emerald-Lager !

HH: In eurem Fall muss man ja vom smaragd-grünen Feuerchen sprechen, welches dann auch auf dem überragenden Coverartwork zu bestaunen ist. Wem gebührt hier die Anerkennung und wurde das Sleeve vor, parallel zu oder nach den Kompositionen entwickelt?

Michael: Das Artwork wie auch das komplette Booklet, die vielen Illustrationen etc. wurden von unserem neuen Drummer Al Spicher gemacht. Er ist wirklich sehr talentiert und wir sind natürlich damit in einer sehr glücklichen Lage. Das Cover und die Illustrationen im Booklet sind erst am Schluss entstanden, also nach den Studioaufnahmen zum neuen Album.

HH: Die nächste Frage mag ein Schuss ins "Grüne" sein, aber seid ihr Fans des DC-Comic-Superhelden Green Lantern (die Grüne Leuchte)? Das Cover und euer Bandname lassen diesen Schluss durchaus zu. Und wenn ja, welche Serie bzw. welche Green Lantern gefällt euch am besten (ich halte es mit Kyle Rayner)? Was fasziniert so an der Figur?

Michael: Ups, jetzt muss ich grad ganz ehrlich sagen, dass ich noch nie von diesem Comic gehört oder gelesen habe. Bin kein großer Comic-Fan, ehrlich gesagt. Der Bandname und das Cover sind auf jeden Fall nicht davon beeinflusst. Der Bandname stammt von dem Thin Lizzy-Song "Emerald" und das Cover sollte einfach den Albumtitel Re-Forged, also "neu geschmiedet" ausdrücken. Der Titel bezieht sich natürlich auf das neue Band Line-Up, in dem jetzt immerhin drei neue Leute am Werk sind gegenüber dem letzten Album (Al Spicher an den Drums, Thomas L. Winkler am Gesang und Manuel Werro an der 2. Gitarre). Wir wollten damit ausdrücken, dass wir auch mit dem neuen Line-Up immer noch Heavy Metal in reinster Form schmieden und statt am Ende zu sein, jetzt erst recht mit neuer Stärke loslegen.

HH: Die Energie, die von der Außenhülle von Re-Forged ausgeht, verspricht nicht zuviel. Der Sound, der einem ab den ersten Riffs von "The Wanderer" entgegen bricht, lässt weder den heutzutage oft zitierten Schub noch die Wärme, die immer mehr neuen Hochglanzproduktionen abgeht, vermissen. Seid ihr bereits mit konkreten Vorstellungen vom fertigen Gesamtsound ins Studio oder anders gesagt, wie hoch ist der Beitrag von V.O. Pulver bzw. der Möglichkeiten, die das Little Creek Studio bot, zum Gelingen von Re-Forged einzuschätzen?

Michael: Wir verdanken V.O. Pulver wirklich viel, er hat sehr hart an dem Sound des Albums gearbeitet und einige Nachtschichten für uns absolviert. Wir hatten sehr konkrete Vorstellungen, wie bei jedem Emerald-Album zuvor. Nur hatte das bis jetzt noch niemand richtig umsetzen können. Wir wollten einen Old School Metal-Sound mit viel Wärme und Druck, der niemals modern, aber auch nicht altbacken klingen sollte. V.O. hat das aus unserer Sicht einfach perfekt hingekriegt und wir waren sowas von glücklich, als wir das Endresultat zu hören bekamen.

HH: Es tummeln sich ja illustre Gäste auf der Platte. So sind neben Mike Steel (Steelclad) und Damir Eskic (Gonoreas) Mike Sifringer von Destruction auf "Where's Your God" und Sean Peck von Cage auf "Secret Agenda" zu hören. Wie kam es zu den diversen Kollaborationen?

Michael: Cage sind eine meiner absoluten Lieblingsbands der letzten zehn Jahre. Sie sind die wahren Nachfolger von Judas Priest und haben aus meiner Sicht schon drei Mal ihr Painkiller abgeliefert. Ich habe seit dem Konzert von Cage auf dem Keep It True- Festival E-Mail Kontakt zu Sean und als ich "The Secret Agenda" für unser neues Album schrieb, wurde ich stark von Cage beeinflusst. Ich dachte mir dann, es wäre einfach zu schön, wenn Sean diesen Song für uns singen würde. Ich schickte ihm dann ein Demo und zu meiner Freude gefiel es ihm richtig super, so dass er zusagte und schlussendlich seinen Killergesang für uns einsang. Ich bin riesig stolz auf diesen Song. Mike Sifringer von Destruction ist ein guter Freund von unserem neuen Gitarristen Manuel Werro und ich kenne ihn jetzt auch schon eine Weile persönlich. "Where's Your God" war der erste Song, den Manuel und ich nach seinem Einstieg bei Emerald zusammen geschrieben haben. Da der Song sehr heavy ist und am Schluss schon fast Thrash-Metal, und nach einem Slayer-mäßigen Solo verlangt, haben wir Mike gefragt und er hat ebenfalls zugesagt, weil ihm der Song persönlich sehr gefallen hat. Er hat ein absolutes Killersolo eingespielt, ich konnte unser Glück kaum fassen, haha. Damir Eskic von Gonoreas ist ebenfalls ein Freund von uns, wir haben mit Gonoreas schon oft zusammen live gespielt hier in der Schweiz. So, unter Schweizer Bands, wollten wir etwas Zusammenhalt demonstrieren und zudem ist Damir aus meiner Sicht einer der besten Gitarristen, die ich je gesehen habe, gerade hier in der Schweiz ist er völlig unterbewertet. Zum Schluss noch Mike Steel, der den Dudelsack für "The Pipes Are Calling" eingespielt hat. Wir brauchten für diesen Song einen Dudelsack und wollten unbedingt einen echten Dudelsack haben und nicht diese Keyboard-Imitationen. Mike hat bereits für White Skull und andere Bands sowas gemacht und war zum Glück auch bereit, uns zu helfen. Vergessen hast du noch Oromi alias David Luterbacher, ein guter Freund aus unserer Gegend, welcher ebenfalls einige Killersoli für unser Album eingespielt hat. All diese Gastbeiträge machen uns sehr stolz und waren sehr wertvoll für das Endergebnis des Albums.

HH: Ihr seid ja bereits seit eurem letzten Output Hymns To Steel (2007) bei Pure Steel Records unter Vertrag, die sich nicht erst in letzter Zeit zur No.1-Adresse für Liebhaber des sogenannten "Underground" herausgeputzt haben. Seid ihr ebenfalls alte Patch-Jacket-Sympathisanten geblieben und was macht die Zusammenarbeit mit genau jener Plattenfirma aus?

Michael: Ja, ich habe meine Kutte immer noch an, an Konzerten und Festivals. Vor allem Manuel und ich sind absolute 80er-Freaks und würden uns am liebsten in eine Zeitmaschine setzen und zurück ins Jahr 1983 reisen, haha. Andreas und auch Markus und Volker (von Pure Steel; Fuxx) sind gute Freunde der Band und absolute Idealisten. Die Zusammenarbeit ist sehr gut, da sie unsere Musik sehr geil finden und deshalb absolut hinter der Band stehen. Und wir wissen, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, da die Zusammenarbeit auf Freundschaft und den Werten des Heavy Metal basiert. In Union We Stand ! Und natürlich gibt es bei Pure Steel auch Vinyl für uns, was uns immer immens wichtig war.

HH: Der Untergrund brodelt, was man nicht nur an der konstant hohen Beliebtheit solcher Festivitäten wie des Keep It True oder des Headbanger's Open Air ablesen kann, sondern auch an der Tatsache, dass sich relative Jungspunde wie Steelwing, Enforcer oder die genialen Striker aus Canada aus den regionalen Clubs ins Rampenlicht der größeren Metalbühnen katapultieren. Was haltet ihr von den Jungen Wilden und ferner der Rückbesinnung auf die 80er, was die dargebotene Mucke und auch den Look anbelangt?

Michael: Finde ich natürlich sehr geil. Vor allem Enforcer haben mit Diamonds ein absolutes Killeralbum hingelegt. Eine andere Band, die ich einfach unglaublich geil finde sind Sign Of The Jackal, da wird noch ganz Großes auf uns zukommen. Es ist dafür die Tragödie des Jahrzehnts, dass sich Powervice ohne ein vollständiges Album aufgelöst haben (es gibt nur das 2005er Demo Behold The Hand Of Glory; Fuxx). Diese Band hätte Iron Maiden mal ablösen können. Und auch der Split von Immortal Avenger fand ich einen riesigen Verlust für die Szene. Es ist halt nach wie vor sehr schwer sich durchzusetzen und Erfolg zu haben mit dieser ehrlichen ungekünstelten Musik. Aber ich hoffe, dass noch mehr Bands aus diesem Genre Erfolg haben und den echten Heavy Metal wieder dahin bringen, wo er hingehört und in den 80ern mal war.

HH: Wo würdet ihr die eigene Band in dieser Entwicklung einordnen? Ihr seid ja immerhin als Emerald schon einige Jährchen unterwegs. Konntet ihr vom gesteigerten Interesse am traditionellen Metal in den letzten Jahren profitieren?

Michael: Ja, wir haben dieses Jahr tatsächlich schon 15 Jahre Jubiläum, wie schnell die Zeit vergeht. Von einem gesteigerten Interesse haben wir bis jetzt leider noch gar nichts bemerkt. Hier in der Schweiz ist Death Metal oder Metalcore angesagt, wir sind alleine auf weiter Flur mit diesem Stil... aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

HH: Ohne an den Gesangsleistungen auf euren früheren Outputs etwas kritisieren zu wollen, so ist mit der Verpflichtung von Thomas Winkler am Mikro doch ein Quantensprung gelungen. Die Vocals versprühen derart viel Power (ähnlich dem jungen Harry Conklin) und Emotionen, dass einem Hören und Sehen vergeht. Würdet ihr kurz rekapitulieren, wie Winkler zur Band stieß bzw. welche Überlegungen, Bewegungen und Gründe zu seiner Aufnahme führten?

Michael: Vielen Dank für das Kompliment. Ich bin selber auch ein großer Fan von unserem neuen Sänger, haha. Als Jvo (Julmy; Fuxx) ausgestiegen war, hatten wir natürlich große Sorgen, überhaupt einen richtigen Metalsänger hier in der Schweiz zu finden. Umso genialer und glücklicher waren wir, als wir in Thomas Winkler innerhalb kürzester Zeit einen absoluter Super-Sänger fanden. Er ist für mich eine Mischung aus Bruce Dickinson, Rob Halford und Matt Barlow. Der Thomas sang damals für die kleine Underground-Band Nieverlore und wir hatten einfach mal angefragt, ob er nicht auch noch für uns singen möchte. Nach einer Probe und einem Gespräch war die Sache geritzt und er war das Beste, was uns passieren konnte. Wir haben dann auch die bestehenden Songs noch mal neu arrangiert und seine Leistung im Studio war mehr als beeindruckend. Ich denke, auf dem nächsten Album werden wir dann aber so richtig aus den Vollen schöpfen, wenn er von Anfang an beim Songwriting dabei ist.

HH: Die Platte wirkt von Anfang bis zum Ende kompositorisch höchst ausgereift und sollte in ihrem Mix aus Melodic- und Power Metal-Hymnen gepaart mit NWOBHM-Leads und ruhigen Gänsehautmomenten spartenübergreifend Anhänger finden. Ein Trip, auf dem es immer wieder neue "Sehenswürdigkeiten" zu entdecken gibt. Wie dürfen wir uns den Kompositionsfortgang vorstellen? Welche Songs standen am Anfang, gab es ein Gesamtkonzept und wie arbeitet ihr als Band beim Komponieren zusammen?

Michael: Vielen Dank fürs Kompliment, das ist ja echt perfekt umschrieben und freut mich riesig. Wir sind jetzt sechs Bandmembers und jeder war beim Songwriting involviert, was eine unglaubliche Vielfalt ergab, am Schluss. Die Songs entstehen aber meist alleine zu Hause. Wenn ein Bandmitglied einen Song fertig geschrieben hat, bringt er diesen in den Proberaum, wo dann die anderen mithelfen beim Arrangieren und noch Ideen beisteuern können. Sehr oft wird dann noch was gekürzt oder ergänzt oder umarrangiert. Für dieses Album war es insofern noch etwas speziell, da wir eigentlich damals kurz vor dem Ausstieg von Jvo schon die ersten Demos machten für ein neues Album. Es standen also schon viele Songs fixfertig. Nachdem mit Thomas Winkler und Manuel Werro aber zwei neue sehr talentierte Leute in die Band kamen, haben wir fast alle bestehenden Songs noch mal kräftig überarbeitet, vor allem hinsichtlich des Gesangs und der Gitarren. Songs wie "The One", "Pipes Are Calling", "Secret Agenda", "Witches Tower", "Mark Of The Beast", "Alteration" oder "The Last Legion" klangen doch noch sehr anders auf den ersten Demos mit Jvo. Und das hatte uns dann auch den Antrieb gegeben, nochmals einige ganz neue Songs mit den neuen Members zu schreiben, was in "Where's Your God", "Until My Winter Comes" oder "The Wanderer" mündete.

HH: Auch textlich scheint der Hörer eine Reise mitzuerleben. Angefangen vom hin- und her gerissenen "Wanderer" über die "dunklen" Machenschaften in "Secret Agenda" bis hin zu den Ausbrüchen in "Mark Of The Beast". Gibt es denn nun einen echten roten Faden und könntet ihr kurz Einblick in die Geschichten hinter erwähnten Tracks gewähren?

Michael: Nein, da fast alle in der Band Texte beigesteuert haben gibt es keinen roten Faden. Wir haben schon immer sehr unterschiedliche Texte gehabt bei Emerald, genau aus diesem Grund. Mein Bruder Thomas, der ja auch Schriftsteller ist, nebenbei, schreibt meist Fantasy-Texte und Sachen über Burgen, Krieger und Schlachten (z.B. "Mutiny", "Pipes Are Calling"). Meine Texte sind dann eher kritisch und setzen sich mit üblen Machenschaften unserer Machthaber dieser Erde auseinander. Bei "Secret Agenda" geht's darum, dass unsere Politiker nicht fürs Volk, sondern für die Konzerte, die Wirtschaft und die reichen Machthaber arbeiten und üble Pläne für das Volk haben. Bei "Where's Your God" geht's dann um die organisierten Religionen, welche auch nur noch um Machtanspruch kämpfen und sich in Widersprüchen und Skandalen winden. Aber ich habe auch noch Texte wie "Alteration" geschrieben, wo es darum geht, dass jeder an sich glauben soll und mit etwas Einsatz und Mut zur Veränderung auch eigentlich unmöglich erscheinende Träume wahr werden können. Einen ähnlichen Inhalt hat auch "Until My Winter Comes" von unseren neuen Sänger Thomas, der auch mit "The Wanderer" einen sehr positiven Text über die Suche nach dem Licht geschrieben hat.

HH: Neben Bassist Adriano Troiano haben auf dessem Projekt Distant Past bzw. auf der Scheibe Alpha Draconis auch euer Schlagzeuger Alex Spicher und du selbst mitgewirkt. Wie lief die Platte? Darf man sich Distant Past als kleinen Bruder von Emerald vorstellen, wo liegen die Unterschiede zu eurer Mainband und gab es Priortätsüberschneidungen?

Michael: Nein, Distant Past ist ganz einfach das Solo-Projekt von Adriano und hat eigentlich weder musikalisch noch sonst etwas mit Emerald gemeinsam. Es stellt sich auch nicht die Frage wegen der Priorität, da Distant Past keine Liveband ist, sondern ein Studioprojekt. Adriano ist halt sehr kreativ und will sich musikalisch und textlich immer wieder selber verwirklichen, was er jetzt auch schon zig Mal ganz toll unter Beweis gestellt hat. Bei Emerald gibt es halt stilistisch schon Einschränkungen, was dann Adriano bei Distant Past nicht hat. Und klar, unter Freunden hilft man sich gerne und so haben einige von uns immer wieder gerne etwas zu seinen Alben beigesteuert. Das hat immer Spaß gemacht und ich denke, beide Bands können am Schluss voneinander profitieren.

HH: Wie ist es um die Metal-Szene in der Schweiz bestellt? Irgendwelche interessanten Newcomer? Neue, einen Besuch lohnende Clubs? Im Rockcity in Uster wird ja nach wie vor ordentlich gezockt, wenn sich auch die Geschäftsphilosophie zwangsläufig ändern musste.

Michael: Naja, die Szene ist nicht wirklich toll hier. Gerade für echten Heavy Metal gibt es kaum Möglichkeiten. Es gibt keine Magazine, nicht viel Clubs und keine Labels in dieser Hinsicht. Ich habe gerade kürzlich mit einem Club-Besitzer darüber geredet, welcher frustriert feststellen musste, dass Heavy Metal-Konzerte sehr schlecht laufen. Er meinte, dass vor allem Death Metal und Metalcore, halt das moderne Zeugs, gut laufen und vor allem auch Coverbands oder Karaoke. Bands wie wir haben es echt schwer in der Schweiz. Es gibt sicher einige coole Clubs wie das Rock City, das Downstairs, das Dynamo und das Bad Bonn, aber die Besucherzahlen sind da selbst bei bekannteren Bands wie Omen, Agent Steel oder Mystic Prophecy ziemlich schlecht, leider.

HH: Ich hoffe die Frage ist dir nicht unangenehm, aber wie hart traf euch als metallische Landsmänner die katastrophale Nachricht vom Tod Steve Lees? Das Jahr 2010 wird wohl ohne Zweifel als eines der tragischsten in die Geschichte des Metal eingehn. Dio, Pete Steele, die Hiobsbotschaften scheinen traurigerweise nicht abzureißen...

Michael: Natürlich waren wir auch sehr betroffen über diesen schlimmen Unfall und den Tod von Steve. Ich habe Gotthard damals schon live auf der Bühne gesehen, als die Band erst das Debut-Album aufnahm und noch unbekannt war. Damals schon sind sie intensiv durch die Schweiz getourt und haben überall gespielt und gerockt ohne Ende. Und es war klar, dass sie mal ganz groß werden würden. Das Ganze zeigt mir wieder mal, dass man schätzen muss, was man hat. Es kann so schnell gehen und es kann ja eigentlich jeden von heute auf morgen treffen. Ein Unfall auf der Autobahn oder sonstwo, weil ein anderer nicht aufpasst, und schon ist alles vorbei. Da kommst du natürlich ins Grübeln. Aber man muss versuchen, das Leben und alles zu genießen und zu schätzen, solange man gesund ist. Hoffen wir, dass jetzt 2011 nicht mehr dauernd Todesmeldungen durch die Metalszene flattern werden; war schon krass letztes Jahr.

HH: Stehen wir am Anfang einer Entwicklung, in der der Metal nach und nach seine Gesichter, seine Aushängeschilder und damit auch seine Präsenz in der Musiklandschaft zu verlieren droht? Running Wild haben sich aufgelöst, Priest spielen nächstes Jahr ihre Abschiedstournee und wer weiß wie lange Maiden, AC/DC, Metallica und Konsorten noch Platten heraus bringen und live zu sehen sind. Hat die Szene genug Substanz, um die Verluste nach und nach zu kompensieren?

Michael: Eine gute Frage. Die Helden meiner Jugend gehen alle auf die 60 zu oder sind sogar schon drüber. Irgendwann wird es die momentanen Dauer-Headliner nicht mehr geben. Ich frage mich, wer dann noch mal so groß werden soll? Die heutigen Bands können aus meiner Sicht gar nicht mehr so groß werden wie damals Led Zeppelin, AC/DC oder Iron Maiden. Dazu hat sich die Szene viel zu sehr gewandelt. Es geht heute nur noch um den schnellen Erfolg. Ohne Gewinn oder schnelle Aussicht auf Gewinn wird keine Band mehr groß gemacht. Und es gibt heute so viele One Hit Wonders, die kommen und gleich wieder gehen. Sehr bedenklich und traurig, ich kann dir jedenfalls keine neue Band nennen, der ich mal Legenden-Status wie Black Sabbath oder Motörhead zutrauen würde. Und das liegt wie gesagt nicht an den Bands selber, sondern daran dass die neuen Bands schon entweder gar nicht die Möglichkeit dazu bekommen oder von der Industrie vorher kaputt gemacht werden. Ich hoffe jedenfalls, dass Iron Maiden, Saxon und viele andere noch lange weitermachen und schätze es, dass sie immer noch frische Alben rausbringen, ohne sich den Trends zu beugen.

HH: Ist ein Überleben einer handgemachten musikalischen Spielart wie des Metal im Allgemeinen inmitten von Computer-Piraterie, des Aussterbens der Record Companies, exorbitanten Ticketpreisen und (teilweise) schwindenden Zuschauerzahlen bei Konzerten überhaupt zu erwarten? Für den Metal-Fan wird das Hobby immer teurer, wie es für den professionellen Metal-Musiker schier gar unmöglich wird, von der Musik zu leben. Alles eine Geldfrage oder sehen wir uns einem gefährlichen Mentalitätswandel der jüngeren Generation gegenüber?

Michael: Ich bin sicher, dass die Szene überleben wird und es wird immer Musiker und geile Bands geben. Bloß so teure und tolle Produktionen wie in den 80ern wird es nicht mehr geben, die Qualität wird leiden. Das heißt schlechtere Qualität für mehr Geld. Viele werden halt wie wir die Musik neben einem festen Job machen müssen und somit nicht soviel Zeit und Geld investieren können, wie sie eigentlich möchten. Das ist sehr schade aber im Moment wohl nicht zu bremsen.

HH: Eine Platte wie Re-Forged schreit geradezu danach, im Live-Enviroment dargeboten zu werden. Wie sehen die Tour-Pläne aus? Eine schnuckelige Club-Tour - hoffentlich auch durch deutsche Lande - oder der eine oder andere Festivalauftritt sollte doch drin sein....

Michael: Wir würde nichts lieber als sofort in einen Tourbus steigen und eine Tour starten, am besten als Support einer bekannten Truppe. Aber wie du dir ja denken kannst, gibt es für eine Band wie uns keinen Toursupport seitens der Plattenfirma. Und es fehlen uns auch die nötigen Beziehungen, um überhaupt die richtigen Möglichkeiten angeboten zu bekommen. Im Moment sind ja viele tolle Bands auf Tour wie z.B. Accept, Helloween, Grave Digger, Axel Rudi Pell etc. Aber wir bekommen weder überhaupt die Möglichkeit noch hätten wir das nötige Geld, um sowas überhaupt finanzieren zu können. Das ist sehr frustrierend, denn ohne eine solche Support-Tour werden wir es nie auf einen nächsten Level schaffen. Und auch die ganzen Festivals in Deutschland werden halt mit Anfragen überschwemmt, so dass wir auch vom KIT, HOA oder Swordbrothers nur Absagen erhalten haben (was bei der Klasse von Emerald ein Joke ist; soviel muss gesagt werden; Fuxx). Naja, wir werden versuchen, 2011 viele Einzel-Gigs zu buchen und immerhin, ein paar geile Sachen können wir nächstens spielen: wir werden am Elements Of Rock Festival in der Schweiz spielen und am Up The Hammers Festival in Griechenland. Dazu haben wir gerade zwei Support-Shows für Blaze Bailey in der Schweiz zugesprochen bekommen. Wie gesagt, wir hoffen auf viele Gig-Anfragen und wer uns buchen möchte, schreibt bitte an info@emerald.ch.

HH: Ich denke ihr habt es geschafft, eure 80er-Einflüsse auf ureigene Art und Weise ins Jahr 2010 zu transportieren, ohne in irgendeiner Hinsicht altbacken oder "retro" zu klingen. Könntest du zum Abschluss eine kleine Liste mit den zehn wichtigsten 80er-Alben für euch als Band zusammen stellen?

Michael: Nur zehn, das wird verdammt schwierig, haha. Denn eigentlich müsste ich ja jetzt die ersten sieben Iron Maiden-Alben aufführen und dazu die ersten drei von Metallica, Slayer und Omen. Aber ich versuche es mal in meiner Liste, jede Band nur einmal zu nennen:

Iron Maiden - Live After Death 2-LP
Savatage - Hall Of The Mountain King
Omen - Battle Cry
Crimson Glory - Transcendence
Metallica - Ride The Lightning
Slayer - Show No Mercy
Virgin Steele - Age Of Consent
Running Wild - Gates To Purgatory
Helloween - Walls Of Jericho
Metal Church - Metal Church

Fehlen natürlich jetzt noch ca. 666 Klassiker von Judas Priest, King Diamond, Accept, Agent Steel, Manowar, Jag Panzer, Warlord, Medieval Steel, Overkill, W.A.S.P., Warlock, Exciter, Cloven Hoof und, und, und...

HH: Noch mal: ich denke nicht nur mir persönlich habt ihr mit Re-Forged eines der Highlights dieses Jahres beschert und so war es mir eine Ehre, diese Hand voll Fragen für euch zusammen zu stellen. Die letzten Sätze gebühren selbstredend euch:

Michael: Ganz herzlichen Dank für den tollen Support und dass wir uns hier präsentieren konnten. Wer uns anchecken möchte, hier ist unsere Homepage www.emerald.ch und MySpace www.myspace.com/emeraldch. Für Booking-Anfragen bitte info@emerald.ch anschreiben. Heavy Metal is not just music, it's a lifestyle and passion!

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