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Interview

English VersionInterview mit The Haunted (06.01.2006)

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Zwei Mal waren The Haunted anno 2005 zu Besuch in München, einmal als Support von Cradle Of Filth, einmal als Headliner mit ihrer eigenen Tour. Genug Gelegenheiten also sich mit einem überaus sympatischen Sänger Peter Dolving über allerlei Dinge zu unterhalten.

HH: Hi Peter, wann seid ihr in München angekommen?

Peter: Wir waren um sechs Uhr heute morgen hier, das weiß ich, weil ich nachts nicht schlafe. Ich schlafe dann tagsüber.

HH: Du spielst also den Gig am Abend und danach steigt die Party im Bus?

Peter: Nein. Keine Party für mich. Ich absolviere den Auftritt, lese dann ein wenig, male oder mache Sachen am Computer. Ich kann nicht sonderlich gut schlafen, wenn wir unterwegs sind, also sollte ich besser wach bleiben, weil ich anders nicht entspannen kann.

HH: Was liest du gerade?

Peter: Ich habe ziemlich viele Soziologie-Sachen und Magazine gelesen. In letzter Zeit versuche ich davon weg zu gehen und mich mehr mit Gedichten und Romanen zu beschäftigen. Und ich habe angefangen Sachen von dem Typ zu lesen, der Fight Club geschrieben hat, Chuck Palahniuk. Er hat einige Romane geschrieben, er ist ein brillianter Schriftsteller. Lesen ist ein guter Zeitvertreib, ebenso wie Videospiele. Aber ich habe keinen eigenen Computer.

HH: Nicht? Auch nicht, um irgendwelche Sachen auf zu nehmen oder ähnliche Dinge?

Peter: Nein, ich bin keine High Tech Person.

HH: Aber du musst ja auch keine High Tech Person sein, um im Internet unterwegs zu sein, so wie du es auf eurer Homepage tust.

Peter: Nein, so kann ich eben mit den Fans in Kontakt treten.

HH: Welches Album hast du dir zuletzt gekauft?

Peter: Ich habe mir Bubblegum von der Mark Lanegan Band gekauft, Mark Lanegan spielte bei den Screaming Trees. Und ich habe mir ein Album von My Bloody Valentine gekauft, aber ich kann mich nicht mehr an den Titel erinnern. Ich habe die Platte in England für einen akzeptablen Preis mitgenommen, in einem Megastore gab es ein Angebot vier CDs für 14 oder 20 Pfund. Da drüben fangen sie endlich an zu verstehen, dass Musik zu teuer ist. Virgin senkt seine Preise, weil es sich keiner mehr leisten kann, Alben zu kaufen.

HH: Hier in Deutschland ist das Gegenteil der Fall, hier erhöhen sie die Preise.

Peter: Das ist lächerlich! Als Band mag ich es natürlich, wenn du es dir leisten kannst und meine Platte kaufst, aber wenn du die Musik wirklich haben möchtest, sie dir aber nicht leisten kannst, würde ich sagen, klau sie dir oder kauf dir das Album, überspiel es und verbreite die Musik auf diese Weise. Ich weiß schon, dass die Plattenfirmen das nicht mögen. Aber die Labels müssen auch die Tatsache erkennen, dass Musik zu teuer ist. Sie leben in einer Welt, die für die obere Mittelschicht konstruiert ist. Alles ist auf diese Schicht zugeschnitten, überall in Europa, auf eine kleine Gruppe von Leuten, die gutes Geld verdienen. Aber das ist unnatürlich. Das ist nicht die Wirklichkeit, normale Leute sind nicht so reich, sie haben nicht so viel Geld. Und diesen Leuten den Zugang zu diesen Dingen nicht zu gewähren, ist nicht fair, das ist nicht demokratisch. Du kannst das nennen wie du willst, nenn es Neo-Liberalismus, aber nicht Demokratie. Weiß du, ich mag diese neuen Download-Gestze und alles was damit zusammen hängt nicht. Das alles dient nur dazu, die Macht der Konzerne zu vermehren, sie konsolidieren ihre Macht über das Produkt. Das ist wie in Dune von Frank Herbert. Derjenige, der das Spice kontrolliert, kontrolliert das Universum, kontrolliert das Produkt, alle Produkte und nimmt den Leuten die Freiheit.

HH: Das stimmt schon, aber Musik ist nicht essentiell zum Leben, ich kann Musik zum Beispiel nicht essen.

Peter: Oh doch, Musik ist essentiell für das Leben. Ich wäre nicht mehr am Leben, wenn es keine Musik in meinem Leben geben würde und ich habe nur für wenige Platten etwas bezahlt. Musik ist für jeden da, Musik gibt es für jede Stimmung. Musik ist essentiell weil sie es ermöglicht, Emotionen zu zeigen. Wir brauchen Musik, Musik ist wie Luft. Wir brauchen keine coolen T-Shirts und wir brauchen keine coolen Autos, wir brauchen keine verrückten Frisuren oder riesige Muskeln. Wir brauchen das alles nicht, aber wir brauchen Musik, weil Musik etwas ist, das es uns ermöglicht unsere Gefühle und alles andere auf die Reihe zu bringen und uns eine Möglichkeit bietet, emotional zur Ruhe zu kommen. Musik inspiriert uns, andere Dinge zu tun. Du kannst daraus Kraft ziehen, wenn du müde bist, sie gibt dir zusätzlichen Schub, wenn du Spaß hast. Deshalb ist Musik wichtig und sollte nicht teuer sein.

HH: Erklär das mal den Labelchefs. Als Anfang 2005 der Erfolg von Apples iTunes immer größer wurde, meinten einige Plattenfirmen, dass die Preise für die Download zu niedrig seien, weil sie so viel davon verkaufen würden. Also planten einige schon die Preise zu erhöhen.

Peter: Kapitalismus wird die Gesellschaft töten. Kapitalismus wird die Gesellschaft ermorden. Kapitalismus kennt keine Moral. Kapitalismus hat kein Bewusstsein. Kapitalismus schert sich um nichts anderes als um Kapitalismus. Wir können ihn nicht aufhalten, aber wir können ihn verändern. Wir alle können das, es ist möglich. Stückchen für Stückchen, nicht auf einen Schlag nach dem Motto: "JETZT SOFORT!" Das funktioniert nicht. Die Leute müssen darüber reden, was am Kapitalismus falsch ist, was daran gut ist. Ich bin mir sicher, dass wir das tun werden. Wir müssen über das Wort Kapitalismus reden. Wir reden viel über Linke oder Rechte, wir reden über Extreme welcher Art auch immer. Das ist doch inzwischen nicht mehr so wichtig, wir leben im Jahre 2005, heutzutage haben wir Kapitalismus oder nicht. Wir haben die Wahl. Die Leute müssen das Wort in ihren Mund nehmen und darüber reden. Wir leben in eine kapitalistischen Gesellschaft egal ob wir uns in Bangkok, Mexiko, Deutschland oder in Kanada befinden, egal wo du lebst, du lebst im Kapitalismus. Die Gesellschaft wird von ein paar Politikern gesteuert, die ihre Entscheidungen des Geldes und nicht der Leute wegen machen. Es sollten aber die Leute sein, weswegen sie ihre Entscheidungen treffen, wir sind nämlich die Gesellschaft, jeder von uns. Wir brauchen dieses Geschwätz von Legislaturperioden nicht. Wir können auch nicht weiter über "die" und "uns" diskutieren, weil wir uns doch gar nicht im Klaren darüber sind der "die" und "wir" sind. Du kannst doch niemanden aus der Türkei dafür verantwortlich machen, dass er dir deinen Job weg genommen hat. Das ist doch nicht seine Schuld. Das ist die Schuld jemandens, der bei Braun, Volvo oder General Motors dafür verantwortlich ist, dass billige Arbeitskräfte eingestellt werden. Das ist gefährlich und wir müssen verstehen, was die Geschichte vorher gebracht hat. Das aktuelle Problem ist der Kapitalismus.

HH: Im Frühjahr ward ihr zusammen mit Cradle Of Filth und Moonspell auf Tour. Wie war das für euch?

Peter: Es lief ziemlich gut. Wir haben vorher sechs Wochen lang Headlinershows in Skandinavien und England gespielt und sind dann auf die Cradle-Tour aufgesprungen. Meistens war es ganz gut vor allem die Gigs in Deutschland. Es ist ziemlich seltsam für das Cradle-Publikum zu spielen. Die kennen uns nicht und erst mit den letzten paar Songs merken sie, dass das ganz gute Musik ist. Aber bis dahin finden sie einfach nicht rein. Es ist ziemlich hart, sie zu überzeugen.

HH: Und wie ist euer Verhältnis zu Cradle Of Filth und Moonspell?

Peter: Die Cradle-Crew war einfach nur schrecklich, sie haben uns ziemlich mies behandelt, sie waren einfach nur scheiße. Sie hatten keinen Respekt vor uns. Wir sind schon länger als Musiker unterwegs als Cradle Of Filth und wir haben sie noch in Windeln gesehen und das ist ziemlich respektlos, unterste Schublade. Aber man kann schließlich nicht alles haben. Wir werden diese Typen jedenfalls nie anheuern. Mit dieser Tour haben wir ein Experiment gestartet. Wir haben versucht, eine andere Hörerschicht zu erreichen. Wir haben unsere Hörerschaft und wir dachten uns, hey, lasst uns versuchen, andere Leute zu erreichen. Es ist einfach, eine bestimmte Gruppe von Leuten zu erreichen. Ich denke, es war ganz ok, wir haben einige Shows gespielt, die nach einigen Songs richtig gut wurden. Aber es war harte Arbeit, wie ich schon gesagt habe. Die Tour in Polen war großartig, alle Auftritte außerhalb Deutschlands liefen sehr gut, weil die Szenen keine so großen Scheuklappen haben. Das ist eins der Dinge bei The Haunted, wir versuchen nicht nur bestimmte Gruppen zu erreichen, weil wir wissen, dass unsere Musik für jedermann da ist, der extreme Musik mag. Wir haben das schon einmal gemacht, als wir vor über einem Jahr im Vereinigten Königreich mit Funeral For A Friend, die ja schon fast eine Popband sind, unterwegs waren. Aber es lief großartig. Ich hätte nie gedacht, dass es so gut wird, als ich alle diese 13 Jahre alten Popkids da unten stehen sah. Alles diese jungen Leute vor der Bühne, das war wirklich beängstigend, aber es lief wirklich gut.

HH: Vor dieser Tour habt ihr die USA zusammen mit Damage Plan unsicher gemacht, richtig?

Peter: Ja, das war eine großartige Tour, wir hatten wirklich viel Spaß und eine gute Zeit!

HH: Dann wart ihr sozusagen Zeugen, als Dimebag Darell umgebracht wurde.

Peter: In gewisser Weise schon. Nun, man muss das Ganze auch aus einem positiven Blickwinkel betrachten. Ich weiß, es hört sich verrückt an, aber auf diese Art zu sterben war wirklich Rock'n'Roll, weil es schnell ging, es war extrem. Irgendwie war es wie ein Verkehrsunfall.

HH: Hmm, stimmt irgendwie, er starb bei dem, was er am liebsten gemacht hat.

Peter: Ja und das ist die beste Art und Weise ab zu treten, wenn du gehen musst. Das oder während du Liebe mit deiner Frau machst, die beiden Arten. Der Tod ist eine grausame Sache, aber wir alle müssen sterben. Er ist tot, er ist von uns gegangen und es ist jetzt an uns, ihn im Gedächtnis zu behalten und ich mache das indem ich meinen Job erledige.

HH: Hat dich das irgendwie beeinflusst, wenn du auf die Bretter steigst?

Peter: Nein! Das darfst du nicht zulassen. Wenn du zulässt, dass Paranoia Einfluss auf das hat, was du tust, kannst du keinen anständigen Auftritt mehr abliefern. Ich glaube, wir müssen akzeptieren, dass wir sterblich sind. Eigentlich nur eine kleine Sache, die wir verstehen müssen. Sterblichkeit ist eine Gabe.

HH: Wie im Herrn der Ringe, die Menschen sind mit der Gabe der Sterblichkeit gesegnet.

Peter: Ja, es ist eine gute Sache. Es hört sich vielleicht seltsam an, aber es ist eine gute Sache. Wir haben nur begrenzt Zeit und wenn wir diese Zeit genießen und frei leben, denke ich, dass wir besser schlafen können. Wenn du dann stirbst, ist es ok zu sterben.

HH: Wenn wir schon von guten Sachen sprechen, was war das freudigste Ereignis 2004?

Peter: Die Geburt meines Sohnes am 23. Februar. Ich war dabei, als er zur Welt kam, es war eine harte Zeit, aber als er dann da war, war das Gefühl unbeschreiblich. Inzwischen kann er laufen und es ist faszinierend zu zu sehen, wie er aufwächst! Es ist einfach großartig!

HH: Letzte Frage: Stell dir vor, Revolver ist ein Möbel, was wäre das und warum?

Peter: Äh... ein Trampolin! Weil ein Trampolin gut für dich ist, du kannst damit spielen und du kannst dich darauf ausruhen. Es ist gut für einen Körper und für dich selber. Es wäre ein Trampolin.

Lord Obirah

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