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Festival-Bericht
Wacken Open Air
mit Rammstein, Nightwish, Doro, Danzig, Grave Digger, Russkaja, Santiano, Hellride (No), Skyline, Annihilator, 9mm, Blaas Of Glory, Deep Purple, Neaera, Tristania, Powerwolf, Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Kamikaze Kings, Black Messiah, Ihsahn, Ugly Kid Joe, Sabaton, Wasteland Warriors, Feuerschwanz, ASP, Harpyie, Hate Squad, Alestorm, Die Apokalyptischen Reiter, Anthrax, Serum 114, Secret Sphere, DevilDriver, Alice Cooper & Finsterforst
Wacken, Wacken 31.07. - 03.08.2013
(Fotogalerien: Woa20130731 , Woa20130801 , Woa20130802 , Woa20130803 )
Was war das nur bislang für ein Jahr, dieses 2013? Erst ein nicht enden wollender Winter, dessen frostiger Arm bis in den Mai hineinreichte, dann wochenlange Regenfälle, die in der schlimmsten Flutkatastrophe seit Jahren gipfelten, und schließlich eine kaum zu ertragende Hitzewelle mit Spitzentemperaturen von annähernd 40 °C. Das Wetter auf Rekordjagd! Wenn es um Rekorde geht, ist das Wacken:Open:Air aber auch jedes Jahr wieder für eine Überraschung gut. So wurde dieses Mal beispielsweise der Zeitpunkt des Ausverkaufs um Längen unterschritten. Die Tickets für Wacken 2013 waren nämlich bereits im September des Vorjahres, kurz nachdem Rammstein als Headliner angekündigt wurde, restlos vergriffen. Unfassbar! Nur gut, dass der Verkauf fürs folgende Jahr generell erst nach Abschluss des aktuellen Events begonnen wird. Sonst müssten wir uns heute vermutlich schon ein Ticket für 2016 sichern...
Natürlich ist die Heavyhardes-Crew auch heuer wieder mitten drin im Geschehen. Nur leider ist die Anzahl berichtender Redakteure auf gerade einmal zwei Exemplare geschrumpft: mit dabei, wie seit vielen Jahren, natürlich unser Ray und meine Wenigkeit, der Dagger. Um den Mangel an Schreiberlingen, der ja letzten Endes in einem erhöhten physischen Einsatz resultiert, auszugleichen, haben wir noch Kaska, meine fürsorgliche Freundin, mit an Bord, um uns nach anhaltenden körperlichen Strapazen wieder aufzubauen und zu verarzten. Man ist ja schließlich nicht mehr der Jüngste.
(Dagger)
Mittwoch, 31.07.2013

Nach einiger Wartezeit im obligatorischen Anreisestau auf der A 23 erreichen wir in den Nachmittagsstunden den Ort des Geschehens und freuen uns wie ein Schnitzel darüber, dass wir noch einen Flecken Ackerboden auf unserem obligatorischen Pressezeltplatz zugewiesen bekommen und nicht auf dem Überlauf-Gelände irgendwo im Nirgendwo, wo wir im letzten Jahr kampieren mussten. Nach einer kleinen Stärkung geht's auch gleich ab ins Geschehen in Richtung Wacken Center, also zu Biergarten und Wackinger Stage, wo das musikalische Programm schon längst begonnen hat. Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder einige Neuerungen zu entdecken, wenn man denn die Augen offen hält. Das Areal wirkt wieder etwas großzügiger angelegt und es gibt neue Sicherheitskontrollen vor Einlass in den Bullhead City Circus. Dessen gewaltiges Zeltdach wird in den Abendstunden mit wechselnden Motiven von innen angestrahlt, was den Ort schon von weitem zu einem echten Blickfang macht. Auch die Wackener Dorfkirche wurde erstmals in das Festival integriert und dient als Schauplatz für Einzelkonzerte. Daneben stößt man auf dem Festivalgelände selbst natürlich auch immer wieder auf neues Inventar wie zum Beispiel bislang unbekannte Verpflegungsstände und eine Vielzahl künstlerisch gestalteter Skulpturen. Eine Neuerung, die aber nicht überall auf Gegenliebe stoßen dürfte, ist der Getränkeausschank im 0,3-l- anstelle dem gewohnten 0,4-l-Becher. Diesem harten Schlag in die Magengegend muss man natürlich gleich mit einem zweiten Becher Bier entgegenwirken, nachdem der erste so schnell verschlungen war.

Als wir vor der Wackinger Stage eintreffen herrscht dort bereits ein buntes Treiben - nicht nur davor, sondern auch darauf. Denn Österreichs Multikulti-Truppe Russkaja, die letztes Jahr schon hier gespielt hat, heizt mit ihrem wilden Musikmix aus Kasatschok, Jazz und Rock den Metalheads ganz ordentlich ein. Dass wir gerade noch den letzten Song mitbekommen haben macht nichts, denn Russkaja werden in den folgenden Tagen noch öfter zu sehen sein.
Wir drehen nun eine kleine Runde übers Gelände und landen schließlich im Zelt der Wacken Foundation. Dort gibt es Künstlerisches zu beäugen. Neben anderen stellt hier Grave-Digger-Frontmann Chris Boltendahl eine Serie von Fotografien und Gemälden aus, die auch erworben werden können. Um 22:00 Uhr geht es dann wieder retour zur Wackinger Stage und den norddeutschen Chartstürmern Santiano. Deren Seemannsgarn hat mit Metal zwar so rein gar nicht am Hut, kommt dank des hohen Folkanteils, der eingängigen Melodien und der leicht lernbaren Texte aber hervorragend beim Publikum an, eben wie im letzten Jahr auch schon. Zu "Alle Die Mit Uns Auf Kaperfahrt Fahren", "Santiano" und "Frei Wie Der Wind" wird gesungen, getanzt, geklatscht - vor der Bühne ist mächtig was los und die Stimmung könnte gar nicht besser sein. Ein wenig ruhiger wird's dann im Mittelteil, als das Material vom neuen Album präsentiert wird. Dann stoßen Eric Fish und Frau Schmidt von Subway To Sally mit dazu und bringen die Stimmung wieder auf Hochtouren. Wie gesagt: kein Metal, aber dennoch eine mortz Gaudi!
Man könnte nun noch hinüber zum Movie Field wandern, wo bis 0:30 Uhr ein Film über Saxon gezeigt wird - die sind einfach immer präsent, auch wenn sie einmal nicht im Line-Up stehen - wir entschließen uns aber dazu, den Abend im Biergarten ausklingen zu lassen.
(Dagger)
Donnerstag, 01.08.2013

Nanu? Regentropfen, die gegen die Zeltwand klopfen? Das war so aber nicht gemeldet! Das bisschen Nieselregen weicht auch schnell einer unbarmherzigen Hitze, wie sie der Wetterbericht für dieses Wochenende prognostiziert hat. Wie gewohnt beginnt das musikalische Programm auf den Hauptbühnen heute erst um 16:00 Uhr, genug Zeit also für ein ausgiebiges Bierfrühstück am Zelt und den anschließenden Gang zum Biergarten, wo man sein Kaltgetränk immerhin im Maßkrug erwerben kann und nicht in diesem unseligen 0,3er Stamperl. Auf der Beer Garden Stage steht ab 13:00 Uhr die Nürnberger Truppe Hellride in den Startlöchern. Im Priestergewand steckend haben es sich diese Musiker zur Aufgabe gemacht, Klassiker aus Rock und Metal auf rein akustische Weise vorzutragen. Zu hören gibt es also allseits Bekanntes quer Beet von Motörhead und Black Sabbath, über Queensryche bis hin zu moderneren Klängen von Type O Negative oder System Of A Down. Wenn man etwas von der Mucke mitbekommen will, muss man allerdings schon nahe der Bühne stehen, denn auf den Bänken bekommt man aufgrund des dortigen Lärmpegels im Grunde kaum noch etwas mit.
16:00 Uhr und Zeit für das Eröffnungsritual der Hauptbühnen mit der Band Skyline, in der Festival-Chef Thomas Jensen einst den Tieftöner bediente. Skyline starten ihren Gig mit "Strong Arm Of The Law" von Saxon. Macht Sinn. Denn wie erwähnt stehen die Briten heuer ausnahmsweise einmal nicht im Billing, was natürlich nicht heißen soll, dass der eine oder andere Musiker nicht doch noch auf einer der Bühnen auftauchen wird. Ferner gibt es wieder Klassisches zu hören. Black Sabbath, Ozzy, Led Zeppelin, AC/DC, Guns'N'Roses und andere werden gecovert, was natürlich prima seinen Zweck erfüllt und die Menge für die folgenden Shows in Stimmung bringt. Nur leider gibt es bei Skyline heuer keinerlei Überraschungen in punkto Gastauftritte namhafter Musiker, wie es sich in all den Jahren eingebürgert hatte. Auch auf eine neue Festivalhymne muss man heuer verzichten. (Wir erinnern uns: "We Are The Metalheads" mit Doro, "Heavy Metal WOA" mit U.D.O. oder "Wacken Will Never Die" mit Chris Boltendahl) Schade eigentlich, aber auch kein Weltuntergang.
(Dagger)

Der Zeitplan auf der Black Stage ist heute straff organisiert. Schon 15 Minuten später steht eine echte Legende in Sachen Speed und Thrash Metal nach zehn Jahren endlich wieder auf Wackens großer Bühne. Die Rede ist natürlich von den Kanadiern Annihilator. Die beginnen ihr Set mit "Smear Campaign", einem Stück vom brandneuen Album Feast, und steigen dann schnell in einen Reigen an Klassikern ein, die sie in ihrer langen Karriere zusammengetragen haben. Bandchef Jeff Waters und seine Mannen sind bestens gelaunt und wirbeln wie der Wind zu ihren schnellen und technischen Gitarrenparts über die große Plattform der Black Stage. Nach "Clown Parade" und "Set The World On Fire" dann endlich das erste Stück vom legendären Erstling Alice In Hell: "W.T.Y.D."! Gänsehaut pur für jeden Annihilator-Lunatic und vorerst Höhepunkt der Stimmung im Publikum, wo es trotz ekelhafter Hitze ordentlich zur Sache geht. Die eine Stunde Spielzeit vergeht wie im Flug, schon wird die letzte Nummer angekündigt. Welche könnte das wohl sein? Richtig! Nach 27 Jahren Annihilator ist es Zeit für "Alison Hell". Großes Klangkino! Vielen Dank!
(Dagger)

Zeltgleich stehen 9MM auf dem Programm der W.E.T. Stage. Also begebe ich mich zeitig in das geräumige Zelt, wo gerade noch Wrestling läuft. Früher konnte ich mich ja auch für diese Showkämpfe begeistern, aber mittlerweile finde ich es... naja, lassen wir das. Während ein Teil der Anwesenden den Wrestlern auf der Bühne zujubelt, macht sich der andere Teil bereits vor der W.E.T.-Stage so langsam warm, "9MM Assi Rock'n'Roll"-Schlachtrufe werden lauter und lauter. Dann ist es auch soweit, der Vorhang fällt, die Stimmung steigt. Die vier Jungs auf der Bühne geben von Anfang an Vollgas und der Funke springt auch gleich auf die Fans über, die jeden Ton begeistert aufnehmen und mächtig steil gehen. So soll es sein, und das, obwohl im Zelt subtropische Temperaturen herrschen und das Laiberl sogleich am Körper klebt. Aber egal, die Jungs machen ordentlich Party, egal ob mit neueren Songs wie "Libertad O Muerte" oder einem Medley aus alten Gassenhauern, 9MM geben den Fans keine Chance auf eine Verschnaufpause. Mein persönliches Highlight ist die Coverversion von Dimple Minds "Durstige Männer", ehe zum Abschluss noch dem bösen F-Wort gehuldigt wird... Spielerisch mag man von den Jungs halten, was man will, aber Party und Laune machen sie auf der Bühne ohne Ende. Ein guter Festivaleinstand.
(Ray)
Auf dem Weg zurück zum Infield treffe ich noch auf Blaas Of Glory, die mit ihrer Kapelle gerade vor dem Biergarten Station machen und dort unter zahlreicher Bangerschaft ihre Versionen von "Highway To Hell", "Run To The Hills" oder "Wasted Years" zum Besten geben. Mit ihrer eigenwilligen Instrumentierung sorgen sie für den einen oder anderen Grinser auf den Gesichtern der Schaulustigen, ehe diese weiter ziehen. Immer wieder lustig anzusehen, die Jungs.
(Ray)
Die Altmetaller von Thunder stünden nun als nächster Act auf dem Plan, die Heavyhardes-Crew sammelt sich jedoch beim Zelt, um noch Kräfte zu sammeln für das große Finale dieses Tages - ein Finale, das diesem Donnerstag locker zu einer denkwürdigen Nacht verhelfen dürfte.

Da wäre zunächst der Auftritt von Rocklegene Deep Purple ab 20:15 Uhr. Nur muss ich leider gestehen davon gar nicht sooo viel mitbekommen zu haben. Der Grund: das Gelände platzt bereits jetzt aus allen Nähten und man verbringt eine gefühlte Ewigkeit damit, sich einen halbwegs akzeptablen Platz vor der Bühne zu sichern. Hat man diesen einmal gefunden, heißt es, ihn auch zu verteidigen. Während dessen orgeln sich Deep Purple durch ein Set, das viele Klassiker der Rockgeschichte parat hält. Eingestiegen ist man beispielsweise mit "Highway Star". "Child In Time" fehlt, dafür gibt es gerade gegen Ende ein Schwergewicht nach dem nächsten: "Perfect Stranger", "Smoke On The Water", "Green Onions" und "Hush". Was will man mehr? Eine ausgefallene Bühnenshow? Gut, die haben Mr. Ian Gillian und Co an diesem Abend nicht wirklich zu bieten und das brauchen sie im Grunde auch gar nicht, denn an das, was nun folgen soll, kann ohnehin niemand anknüpfen.
(Dagger)
Lange, lange, gaaaaaanz lange bevor es eigentlich losgeht auf der True Metal Stage, ist das Infield mehr als proppevoll, an ein Durchkommen ist mal eben gar nicht mehr zu denken. Um vom Backstage-Bereich zu einem noch einigermaßen guten Platz zu gelangen, muss ich erst mal das Feld verlassen, einmal komplett außen rum um dann von der Party-Stage her noch einen halbwegs guten Platz zu bekommen... die Idee hatten wohl andere auch. Wie dem auch sei, die Nacht senkt sich langsam über das Holy Wacken Land und die Spannung steigt. Schließlich haben die Wacken-Verantwortlichen mit Rammstein einen Garanten für eine gute Show an Bord geholt, nicht umsonst sind bzw. waren die Deutschland-Gigs in Minutenschnelle ausverkauft. Ich bin ja mal gespannt, was Rammstein so auffahren werden, denn so eine große Open Air-Bühne bietet doch wesentlich mehr Platz und Gestaltungsfreiheit als eine Indoor-Bühne. Gut, vom Gig in Riga war ich schon sehr beeindruckt, aber das geht doch noch größer, denke ich. Dann ist es endlich soweit: Das Intro erklingt, auf der nun enthüllten Bühne werden die ersten Raketen abgeschossen, die außerhalb der Bühne ihre Fortsetzung finden und jeder Knall wird mit lautem Beifall bekundet. Dann senkt sich von der Bühnendecke herab eine Stahlplattform, auf der Till Lindemann in "Ich Tu Dir Weh" einsteigt. Von der ersten Sekunde an steht die Menge hinter den Pyromanen und singt jede Zeile mit. Die Band agiert gewohnt präzise wie ein Uhrwerk und spult routiniert ihr Programm ab, über massig gute Songs verfügen sie ja: "Wollt Ihr Das Bett In Flammen Sehen", "Keine Lust", "Asche Zu Asche", "Sehnsucht" werden auf die Fans losgelassen. Hier und da wird auch mal der Pyromane von der Leine gelassen, aber es hält sich alles noch in Grenzen. Zu Beginn von "Mein Teil" erscheint Till Messer-wetzend im blutverschmierten Metzger-Outfit, ehe Flake (Keys) in einem übergroßen Kochtopf herein gefahren wird, der von Till kräftig mit dem Flammenwerfer angeheizt wird, erst mit kleiner, dann mit großer Flamme. Kennt man aber auch schon von der letzten Tour (die, die das Glück auf eine Karte hatten). Danach wird es erst einmal ruhiger, "Ohne Dich" kühlt die Gemüter vorerst ab. Zu "Wiener Blut" kommt Till auf allen Vieren zurück auf die Bühne gekrochen, ehe es heißt "Du Riechst So Gut". Bei "Benzin" ist der Name Programm, danach wird krrrrräftig marrrrrschierrrrt, "Links 2 3 4" wird kräftig mitgesungen. Nach "Du Hast" erklingen die ersten Töne von "Rammstein", die von Till jedoch mit dem ausgestreckten Mittelfinger zu "Bück Dich" umgebogen werden. Klar, dass hier auch wieder Flake seinen demütigen Auftritt hat. Beim finalen "Ich Will" bindet Till das Publikum gesangstechnisch oft mit ein, ehe die Lichter das erste Mal ausgehen... doch halt! Warum jetzt schon??? 20 Minuten vor dem eigentlichen Ende?!? Erst nach einer gefühlten Ewigkeit kommen Rammstein mit der Piano-Version von "Mein Herz Brennt" für einen kleinen Zugabenteil zurück auf die Bühne. Danach wird die "Sonne" angezählt, und nun kommt, was viele erwartet und ebenso viele befürchtet haben: Heino betritt die Bühne und singt den Refrain zusammen mit Till. Die Reaktionen hierauf fallen in meinem unmittelbaren Umfeld mehr als gemischt aus. Den Sinn dieser Aktion kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, denn nach dem Refrain steht der Schwarzbraun-ist-die-Haselnuss-Trällermann mehr als verloren auf der Bühne und weiß offenbar nicht, wie ihm geschieht bei all den Flammen und Beats. Beim finalen "Pussy" schwingt sich Till dann auf seinen überdimensionalen Dildo, der vor der Bühne auf- und abfahrend kräftig Schaum auf die Fans loslässt. Danach ist Schluss. Außerordentlich gesprächig verabschieden sich Rammstein mit den Worten "Das war Rammstein, es war eine Ehre für uns, hier spielen zu dürfen". Ja, warum spielt ihr denn dann nicht noch weiter? Zeit wäre ja noch übrig... Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Rammstein nach wie vor eine geile Show auf die Bretter legen und sie sich für diesen Abend auf ihre alten Stärken besonnen haben, wenn man sich die Setlist einmal genauer ansieht. Allerdings habe ich mir persönlich aufgrund der größeren Dimensionen mehr von diesem Gig versprochen, denn die Show hat sich von der Hallenshow nur marginal unterschieden. Da wäre bestimmt mehr drinnen gewesen. Wenn man den von Umstehenden aufgeschnappten Worten Glauben schenken darf, war auf anderen Festivals definitiv mehr Feuer und Kawumms geboten. Wie dem auch sei, Spaß hat's auf jeden Fall gemacht, jetzt heißt es erst mal Geduld haben, bis man sich den Weg durch das Infield, das sich langsam aber sicher leert, bahnen kann.
(Ray)
Freitag, 02.08.2013
7:30 Uhr. Aufgewacht. Schweiß. Dicke, stickige Luft. Nichts wie raus aus dem Zelt. Bereits zu so früher Stunde brennt der Fixstern vom strahlend blauen, wolkenlosen Firmament und lässt uns wissen, das wird heute ein ganz besonders heißer Tag. Mehr noch. Mit 33 °C erwartet uns der heißeste Tag in der gesamten Geschichte des Wacken:Open:Air!

Dennoch steht der brave Redakteur um Punkt 11:00 Uhr vor der Black Stage, wo Neaera als engagierte Krachkapelle den Tag eröffnen. Siehe da, der brave Redakteur ist nicht alleine. Tatsächlich haben sich schon richtig viele Fans hier eingefunden, worüber sich besonders Frontmann Benny unglaublich freut und neben seinen amüsanten Witzeleien gar nicht oft genug betonen kann, wie klasse er es findet, dass zu so früher Stunde und trotz der Bullenhitze schon so viele gekommen sind, um sich das Konzert anzusehen. Die Wall Of Death, nach der im Publikum immer wieder geschrien wird, ist in Wacken ja untersagt, nicht aber der gute alte Circle Pit. Auch nicht das beliebte Crowd-Surfing. Zu beidem werden wir herzlich von Neaera eingeladen mit Nackenbrechern wie "Armamentarium" oder "Between Us And Annihilation" - eine Einladung, die von vielen nur zu gern angenommen wird. So gerät dieser erste Akt zu einem durchgehend unterhaltsamen und schweißtreibenden Vergnügen.
(Dagger)
Andere Menschen, wie beispielsweise unser Ray, haben zur selben Zeit mit ganz anderen Problemen zu kämpfen...

Ja, leider fängt dieser Freitag für mich gar nicht gut an, denn mein rechtes Auge hat sich über Nacht kurzerhand überlegt, sich eine Bindehautentzündung zulegen zu müssen. Da heißt es erst mal Marsch Marsch ab zum Sani-Zelt. An dieser Stelle daher ein großes Lob an die auf dem W:O:A tätigen Sanis und Notärzte, die mit einer bewundernswerten Gelassenheit, aber jederzeit souverän ihren Job erledigen. Nach einem weiteren Gewaltmarsch zur ortsansässigen Apotheke bin ich dann erst mal bedingt einsatzfähig... kämpfe mich aber durch gar nicht mal so kalte Temperaturen vor die True Metal Stage, wo Tristania bereits mitten im Set sind. Vor der Bühne haben sich zu so früher Stunde schon zahlreiche Fans eingefunden, um dem Gothic Metal bei Mittagssonne zu frönen. Die Band jedenfalls ist sehr agil und spielfreudig unterwegs und Frontfrau Mariangela Demurtas lässt nichts unversucht, die Fans ständig mitzureißen, was angesichts der Temperaturen mehr als gelingt. Da das rechte Auge nach wie vor rumzickt, schau ich mir den Gig halt nur mit links an... ja ja, mit dem zweiten sieht man besser. Ein guter Gig, aber zu heiß.
(Ray)
Auf dem Rückweg zurück zum Zelt durch den Backstagebereich fällt mein eindimensionaler Blick auf eine großspurige Ankündigung: in Kürze wird DIE Black Metal-Sensation des Jahres bekannt gegeben. Gut, ein Auge kann ich ja mal riskieren, har har. Es hat sich ja wohl inzwischen rumgesprochen, dass sich dahinter Emperor verbergen, die anlässlich des 20. Geburtstages ihres Debutalbums In The Nightside Eclipse einen Gig auf dem W:O:A 2014 absolvieren werden, voraussichtlich sogar mit Faust an den Drums. Im Pressezelt stehen aktuell Ihsahn und Samoth für Fragen bereit und so erfahren wir, dass sich dahinter leider keine vollständige Reunion versteckt. Es wird kein neues Studioalbum geben (gut, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt), es werden nur ausgewählte Konzerte / Festivals bespielt. Aber diesen Klassiker einmal live zu hören, das allein sollte schon den Weg in den hohen Norden rechtfertigen.
(Ray)

Schon lange auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, aber erst seit relativ kurzer Zeit von Ehre und Erfolg geküsst, ist das Saarländer Rudel Powerwolf. Dass dieser Erfolg auch durchaus seine Berechtigung hat, kann am heutigen Tag ab 14:45 Uhr auf der True Metal Stage erlebt werden. In obligatorischer Gesichtsbemalung liefern Powerwolf mit ihrem hochmelodischen und denkbar einfach gestrickten Kirchen-Schlager-Metal-whatever einen triumphalen Gig, woran nicht zuletzt der charismatische Sänger Attila einen gehörigen Anteil hat. Aber auch die Mannen an den Klampfen wirbeln nur so von einem Eck der Bühne zum anderen und demonstrieren Spaß am Spiel. Gemeinsam binden sie die Fans zu jedem Song in das Geschehen mit ein. Gassenhauer, wie etwa "We Drink Your Blood", "Werewolfs Of Armenia" oder "Resurrection By Erection" sind dafür auch bestens geeignet. Schließlich endet mit "Lupus Die" eine astreine Vorstellung, bei der man selbst die schweißtreibende Hitze für kurze Zeit vergessen hat. Amen und Attacke!
(Dagger)

Da sich die Wege des W:O:A im Laufe der Zeit arg verlängert haben, mache ich mich nun zeitig auf zur Headbanger Stage, um mir Black Messiah anzusehen. Davor komm ich gerade an der Wackinger Stage vorbei, wo unsere direkten Zeltnachbarn Mr. Hurley & Die Pulveraffen einen ihrer Auftritte haben. Gut, Zeit zum Verweilen ist noch reichlich vorhanden und so lausche ich wie zahlreiche andere den Klängen. Der Name lässt es ja schon erahnen, dass wir es hier mit Freibeutern zu tun haben und entsprechend gewandet treten die Pulveraffen auch auf. Ich muss sagen, das Ganze macht richtig Laune. Die Fans vor der Bühne haben sichtlich ihren Spaß und schwingen bereitwillig das Tanzbein, sobald sie dazu aufgefordert werden. Egal ob "Piratenbraut" oder "Schiffe, Schätze, Schlampen, Schnaps", dessen Refrain aus zahlreichen Kehlen mitgegrölt wird, die Jungs (und das Mädel) haben ein leichtes Spiel. Zum Schluss wird noch mit "Komm Zur Marine" die richtige Berufswahl angestoßen, ehe es weiter in Richtung Zeltbühne geht. Hat Spaß gemacht.
(Ray)

Junge Junge, wer dachte, draußen ist es heiß und Schatten spendet Abkühlung, der ist noch nicht im Bullhead City Circus gewesen. Während es draußen "angenehme" geschätzte 33 Grad hat, kocht das Innere des Zelts. Wann ist gleich nochmal der nächste Aufguss??? Reichlich früh bin ich hier angelandet, weil mich die Beschreibung der Kamikaze Kings im Wacken Programm Heft neugierig gemacht hat. Aber wie heißt es doch so schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Dass Berlin die Heimatstadt so mancher schriller Vögel ist, ist ja reichlich bekannt. Aber schrill ist nicht immer mit gut gleich zu setzen. Doch der Reihe nach: das Zeltareal ist einigermaßen gut gefüllt (zumindest der vordere Bereich), als die Kings die Bühne betreten. Links und rechts werden sie von zwei leicht bekleideten Damen flankiert, wobei die eine mehr, die andere weniger überzeugend während des Sets dauerhaft die Hüften kreisen lässt. Nach dem ersten Song gesellt sich noch eine dritte Dame hinzu, die für die restliche Bühne zuständig ist. Soweit, so schlecht. Die vier Jungs selber kann man am besten als eine Mischung aus Lordi, Gwar und Twisted Sister mit Manowar-typischem Leder-und-Nieten-Macho-Gehabe beschreiben, deren Friseur hauptberuflich was ganz anderes macht. Wie heißt es doch im W:O:A Programmheft "...die auf dem schmalen Grad zwischen Parodie und Peinlichkeit wandeln." Nun, als Parodie geht das Ganze sicherlich nicht mehr durch, dazu fehlt den Jungs klar das Charisma, um das Ganze Do-You-Love-Pussy-Gehabe auch nur halbwegs glaubhaft rüber zu bringen. Auch das divenhafte Posing der selbsternannten Bitch Of Rock'n'Roll, Frontmann Elmo Kamikaze, wirkt auf mich einfach nur peinlich. Zwar ernten die Kings für ihren dreckigen Rock'n'Roll guten Beifall, aber richtig gute Stimmung schaut anders aus und hört sich vor allem auch anders an.
(Ray)

Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich bei den anschließend auftretenden Black Messiah, bei denen die Fans deutlich zahlreicher ins Zelt strömen und somit für ordentlich Stimmung sorgen. Die Jungs geben auch gleich von Anfang an gut Gas und sorgen für reichlich Bewegung bei den Fans. Während in den vorderen Reihen das Haupthaar kräftig geschüttelt wird, wird weiter hinten der Platz zum Tanzen genutzt. Etwas Leid können einen die Jungs allerdings schon tun, denn bei diesen subtropischen Innentemperaturen stehen sie in voller Bühnenmontur mit Fellbehang & Co. auf den Brettern, da fließt der Schweiß in Strömen. Die "Ausziehen, Ausziehen" Rufe von einigen Unerschrockenen werden mit einem "Das wollt ihr nicht wirklich sehen" kommentiert. Weiter geht es im Pagan/Viking-Programm, das richtig Laune macht, dementsprechend euphorisch fallen dann auch die Reaktionen der Fans aus. So soll es sein. Mit Songs wie "Der Ring Mit Dem Kreuz" kann man eh nicht viel falsch machen. Ein mehr als gelungener Set, hoch die Hörner!
(Ray)

16:00 Uhr. Die Hitze steht mit etwa 33°C auch im Freien vor ihrem Zenit. Ströme einer nicht unbedingt wohl riechenden Mixtur aus Schweiß und Wackenstaub schlängeln sich den Rücken hinunter und sammeln sich - naja, ihr wisst schon. Zu dieser Stunde muss Emperor-Frontmann Ihsahn mit seiner Band den Gig auf der Black Stage bestreiten. Einerseits ja eine Ehre, auf solch einem Podium stehen zu dürfen, am heutigen Tag aber auch ein Fluch. Denn die meisten sind wohl noch mal zum Zelt zurückgekehrt, um Kräfte für den Abend zu sammeln. So wenige Schaulustige sieht man vor der großen Bühne jedenfalls nur selten. Das mag natürlich auch an der schwer verdaulichen, progressiven Kost liegen, die Ihsahn zu bieten hat. Wenngleich "Called By Fire" oder "Frozen Lakes On Mars" tadellos vorgetragen werden, kann man zu dieser Art von anspruchsvoller Musik einfach nicht abfeiern oder ausrasten. Dazu ist es viel zu schwere Kost.
(Dagger)
Ganz anders sieht es dagegen zeitgleich vor der Party Stage aus, wohin ich mich ab Halbzeit begebe. Dort haben Ugly Kid Joe nämlich einen Pakt mit der Sonne geschlossen und heizen dem Publikum ganz ordentlich ein mit altbekannten Liedern wie etwa dem Radio-Hit "Cats In The Cradle". Aber auch Neueres der Marke "Goddamn Devil" weiß der Audienz zu gefallen, die bei ausgesprochen guter Laune ist. Zuletzt erscheint noch Motörhead-Gitarrist Phil Campbell auf der Bühne und zockt "Ace Of Spades", ehe der Gig mit dem Bandhit "Everything About You" sein Ende nimmt.
(Dagger)

Nach kurzer Pause am Zelt geht es dann zurück ins Getümmel und zu einer Kapelle, um die gegenwärtig ein Hype gemacht wird, wie man ihn nur selten erlebt. Sabaton spielen wirklich an jeder Straßenecke und heuer eben auch zum ersten Mal in Wacken, was Sänger Joakim mit Recht als Ritterschlag zu würdigen weiß. Für mich haben die denkbar simpel gestrickten Songs mit dickem Synthesizer ein bisschen was von Pop oder Schlager - wenig Tiefgang, dafür umso leichter verdaulich und erst recht massenkompatibel. Diese Massen wissen wie man feiert zu Hitmaterial der Marke "Ghost Division", "Carolus Rex" und natürlich "Primo Victoria". Dazwischen treibt Energiebündel Joakim mit dem Publikum seine Spielchen und umgekehrt. Er tauscht die Weste mit einem Fan aus dem Publikum und kippt jedes Mal ein Bier, wenn der Pöbel danach ruft. Bekannte Szenen. Bei Sabaton ist eben vieles bereits ritualisiert. Von der Musik kann man ja nun halten, was man will - eines ist jedoch unumstößlich: live auf eine große Bühne gestellt funktioniert diese Truppe und weiß, wie man die Fans begeistert.
(Dagger)
Wir bleiben an Ort und Stelle, drehen uns um 90° und blicken auf die Black Stage. Dort ist es nun an der Zeit für einen alten Bekannten, einen gerne gesehenen Gast in Wacken und darüber hinaus eine der größten Kultfiguren der Szene: Lemmy Kilmister mit seiner Band Motörhead. Noch vor kurzem gingen die Gerüchte, dass er den Gig abgesagt hätte, da er dieses Jahr einen Schrittmacher bekommen hat und die Ärzte ihm zur Ruhe rieten. Dessen ungeachtet steht er heute auf der Bühne und lässt seine altbekannte Parole erklingen: "We are Motörhead and we play Rock'N'Roll!" Die Menge tobt. Aber Junge! Herr Kilmister sieht richtig mitgenommen aus! Nach dem Opener, ironischer Weise "I Know How To Die", witzelt Lemmy noch darüber, dass man ihm eigentlich empfohlen hatte nicht zu spielen. Doch dann, nach weiteren vier Nummern (u.a. "Stay Clean" und Metropolis"), verschwindet er hinter dem Backdrop, während Phil Campbell ein Solo gibt. Dann eine kurze Pause. Lemmy schleppt sich zurück auf die Bühne, spielt "The Chase Is Better Than The Catch", verabschiedet sich dann kurz und verschwindet erneut. Phil und Micky folgen. Die unbarmherzige Sonne, die um diese Zeit genau in die Bühne brennt, war wohl doch zuviel für den angeschlagenen Rockveteranen. Keine Pfiffe, keine Buh-Rufe aus dem Publikum. Stattdessen hallen die Appelle Lemmy! Lemmy! Lemmy! übers Feld. Dann tritt Veranstalter Thomas Jensen ans Mikro und stellt klar, dass der Gig vorüber ist und bedankt sich bei Lemmy für die großartige Leistung und den guten Willen. Geschockt und wie benommen stehen wir nun alle an Ort und Stelle. Jeder hofft, es ist nichts Ernstes. Dann geht die Menge mit geisterhafter Stille auseinander.
(Dagger)

Vor dem Feuerschwanz-Gig statte ich nun mal dem Wackinger Village einen Besuch ab, neben den üblichen "Verdächtigen" fällt mir eine Gruppe besonders ins Auge. Die Wasteland Warriors haben sich nicht wie die ansonsten bekannten LARP-Gruppen dem Mittelerde-Thema verschrieben, nein, hier stand Mad Max definitiv Pate. Mit ihren futuristischen, selbstgebauten Gefährten und den aus allerlei "Schrott" zusammengebauten Rüstungen stellen sie klar einen Kontrastpunkt zu Feen, Elfen & Co. dar. Berührungsängste sind hier fehl am Platz, wer möchte, kann die selbstgebauten Fahrzeuge gerne aus nächster Nähe ansehen und auch gerne mal probesitzen. Auf dem Dach der eigenen Bar lärmt während dessen die eigene Band, unterstützt von allerlei Flammenwerfern. Der Sound ist ebenfalls leicht endzeitmäßig angehaucht, Hauptsache, es lärmt. Musikalisch guter Heavy Rock, gesanglich ist dagegen noch deutlich Luft nach oben. Aber es passt zum Ambiente.
(Ray)
Das W:O:A ist ein beliebter Ort, um Geburtstage zu feiern, so auch heute wieder. Metal-Queen Doro, der man ja ohnehin jedes Jahr hier begegnet, zelebriert 30 Jahre ihrer Karriere und hat dafür eine ganz besondere Show in petto. Nach dem fulminanten Einstieg mit "I Rule The Ruins" ist es ihr jedoch zunächst ein großes Anliegen uns mitzuteilen, dass es ihrem Weggefährten Lemmy schon wieder etwas besser geht. Dann steigt die große Sause mit tonnenweise Hitmaterial, vorwiegend aus ihrer Zeit bei Warlock, aber auch mit einigen brandaktuellen Nummern. Dazu holt das Energiebündel immer wieder gut bekannte Freunde zur Unterstützung an ihre Seite. Zu "East Meets West" ist es Chris Boltendahl von Grave Digger und kurz darauf erscheint Saxons Biff Byford auf dem Podium, um mit Doro seinen eigenen Hit "Denim And Leather" zu geben. Die Wackenhymne "We Are The Metalheads" darf eine Gruppe ausgewählter Fans an Doros Seite kräftig abfeiern, ehe Scorpions-Urgitarrist Ulli Jon Roth die Ballade "Für Immer", die heute übrigens Ronny James Dio gewidmet wird, mit einem wunderbaren Solospiel veredelt. Den "Metal Tango" tanzt die kleine Blonde dann mit Subway-To-Sally-Sänger Eric Fish, zum Priest-Cover "Breaking The Law" unterstützt Phil Campbell die Herren an den Klampfen und schließlich kommt zur Warlock-Hymne "All We Are" noch einmal alles auf die Bühne, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Mit dabei auch Joakim von Sabaton und die Band Corvus Corax. Doro ist überwältigt, wir sind es auch. Zum Dank noch "Earthshaker Rock" als Zugabe und zu Ende ist ein denkwürdiges Konzert und ein Highlight dieses Jahres zugleich.
(Dagger)

Drüben, auf der Wackinger Stage laden zeitgleich Feuerschwanz mit reichlich Mittelalter-Comedy zum Tanz. Vor dem Podium ist auch reichlich Tanzvolk anwesend, als die Truppe die Bühne betritt und mit "Mach Dich Frei" in den Set einsteigt. Flankiert von den beiden Met-Miezen sorgen Feuerschwanz gleich von Anfang an für gute Laune und verstehen es, die Fans für ihre Zwecke zu gebrauchen. Wo sonst erlebt man, dass, während Sänger Feuerschwanz eine Geschichte erzählt, das Ganze von den Fans akustisch untermalt wird. So erleben wir Donner, Regen, Erstaunen, Bedauern und noch so einiges mehr aus zahlreichen Mündern. Wenn es heißt "Dreht euch", dann wird sich auch gedreht. Ausgelassen geht es zu, während "Wir Lieben Dudelsack" oder "Hurra Hurra Die Pest Ist Da" durch die PA geträllert wird. Die Met-Miezen sorgen unterdessen für entsprechende Unterhaltung, wenn sie Schilder mit dem Refrain ("Lalalalalalalala") hoch halten oder während "Met Und Miezen" fleißig Frei-Met an die ersten Reihen verteilen, zumindest an diejenigen, die ein geeignetes Behältnis parat halten. Zu "Wunsch Ist Wunsch" wird eine Fee aus dem Publikum auserkoren, die Wahl fällt auf einen Fan im Batman-Kostüm, dem kurzerhand Feenflügel umgehangen werden. Nach "Metnotstand Im Märchenland" und dem abschließenden "Johanna" ist dann erst mal Schluss, doch die Fans geben sich damit nicht zufrieden. So kommt die Truppe noch einmal für die zwei Zugaben "Metvernichter" und "Das Niemals Endende Gelage" auf die Bühne zurück und heizt noch einmal richtig ein. Zum finalen Song gibt es dann auch noch eine gar nicht mal so kleine Polonaise durch das Publikum. Met rules!
(Ray)

Zu später Stunde ist dann noch etwas Gothic Rock angesagt. ASP geben sich die Ehre und machen ihren Wacken-Auftritt auch gleich zur Release Party des neuen Albums Maskenhaft. Um viertel nach Mitternacht geht es los und der Andrang vor der Black Stage ist ungebrochen. Mit "A Prayer For Sanctuary" und viel Pyrotechnik wird in den Set eingestiegen und man merkt, dass die Fans auch nach diesem langen Tag an Musik noch immer nicht genug haben. Die unausweichlichen Songs "Kokon" und "Krabat" folgen, ehe es mit "Die Löcher In Der Menge" erstmals einen Song vom neuen Album gibt. Die Reaktionen hierauf fallen während des Songs eher verhalten aus, schließlich ist mit diesem Material noch keiner vertraut. Danach geht es aber mit dem Type-O-Cover "I Don't Wanna Be Me" flott weiter. Vor der Bühne wird kräftig mitgeklatscht, etwas abseits wird der doch vorhandene Freiraum zum Tanzen, vor allem von der holden Weiblichkeit, genutzt. "Ich Bin Ein Wahrer Satan" darf ebenso wenig fehlen wie das "Schwarze Blut", ehe mit "Und Wir Tanzten" ganz tief in die Vergangenheit gegriffen wird. Sehr schön wird hier der Refrain optisch untermalt, denn Kunstschnee (oder vielmehr Schaum) wird hier über die Menge verteilt. ASP hat sichtlich Spaß am Set, schade findet er es hingegen, dass die einzige Band, die er sich ansehen wollte (Amorphis), zeitgleich auf der Party Stage ihren Auftritt hat. Eine kurze Erklärung zu "Werben" folgt, denn dieses Lied ist kein Liebeslied, vielmehr geht es um die Verführung durch die Sender, vor allem der Werbung. Dass dieser Auftritt von zdf.kultur aufgenommen wird, wird mit den Worten "Da sind unsere GEZ-Gebühren ja wenigstens einmal sinnvoll angelegt" kommentiert. Klar, dass darauf noch etwas herum geritten werden muss, denn man darf ja jetzt auf keinen Fall das Wort "Ficken" sagen, was natürlich so oft wie möglich eingebaut werden muss... Das abschließende "Ich Will Brennen" kann getrost als Steilvorlage für den anwesenden Pyrotechniker gesehen werden, hier darf er sich noch einmal so richtig austoben. Die Fans zeigen sich mehr als textsicher und machen diesen Song zum Höhepunkt des Sets. Darf Gothic Spaß machen? Ja, definitiv!!!
(Ray)

Um 1.45 Uhr heißt es dann ein letztes Mal rüber zur benachbarten True Metal Stage und zu Grave Digger, die heute Nacht die Kerzen ausblasen dürfen. Keine Ahnung, wie oft die Truppe in Wacken schon zu sehen war, es macht aber immer wieder Spaß. Nur dieses Mal gestaltet sich der Einstieg trotz üppigem Pyro-Einsatz etwas holprig. Die beiden Stücke vom aktuellen Album "Clash Of The Gods" und "Death Angel & The Grave Digger" wollen beim Publikum nicht so recht zünden. Auch sonst läuft nicht alles optimal. Die Acapella-Truppe Van Canto, die wieder einmal die Choräle beisteuern darf, ist viel zu leise abgemischt. Überhaupt scheinen die Fans nach diesem langen, heißen Tag ziemlich ausgebrannt. Neben den altbekannten Klassikern eines jeden Digger-Konzerts bekommen wir auch Raritäten wie "Wedding Day", "The House" und ein feines Medley aus mehreren älteren Stücken zu hören. Für die Nummer "Highland Farewell" gesellt sich der Badpiper, ein australischer Punker im Schottenrock mit feuerspuckendem Dudelsack (viele mögen ihn von Youtube kennen) zu den Totengräbern. Schließlich begegnen wir erneut Sabatons Joakim Broden, der beim Versuch das Boltendahl'sche Reibeisen zu kopieren doch glatt den Bandhit "Rebellion" verhunzt und dabei ein Posing hinlegt, dass es einem selbst beim Hinschauen schon irgendwie peinlich wird. Als Zugabe dann, wie könnte es auch anders sein, "Heavy Metal Breakdown". Summa summarum natürlich ein feiner Abschluss für diesen Abend, aber sicher nicht der beste Grave-Digger-Auftritt.
(Dagger)
Samstag, 03.08.2013
An diesem Morgen sind es weder Regentropfen, noch die unbarmherzige Hitze, die unserem Schlaf ein jähes Ende bereiten. Nein es ist der Wind, der gar kräftig an der Zeltwand rüttelt. Der Himmel ist bewölkt und es hat spürbar abgekühlt. Prima! Da kann man ja glatt noch ein bisschen liegen bleiben. Diesen Tag lassen wir mal etwas ruhiger angehen, aber halt! Um 12:00 Uhr spielen ja schon Hate Squad auf der Headbangers Stage! Da muss ich dann wohl doch hin.

Auf dem Weg verharre ich noch vor der Wackinger Stage, wo die Mittelalter-Rocker Harpyie ihren Gig vor einer mehr als überschaubaren Gruppe Zuhörer absolvieren. Ist schon bitter, da darf man in Wacken spielen und dann kommt keiner. Vielleicht war ja gestern mehr los, denn da durften oder besser gesagt mussten die Bad Oeynhausener auch schon um 11.00 Uhr den Wecker ersetzen.
(Dagger)

Nun aber doch weiter zu Hate Squad. Die Jungs aus Hannover feiern heuer nämlich ihr 20-jähriges Bandbestehen und präsentieren uns zu diesem Anlass eine bunte Mischung aus ganz Altem und ganz Neuem. Es haben sich schon etliche Schaulustige im Zelt eingefunden und selbst die Temperatur hier drinnen ist ausnahmsweise mal erträglich. So richtig Stimmung will zu den harschen Klängen zwischen Thrash und Hardcore aber trotzdem nicht aufkommen. Auf Shouter Burkhards Frage, wer denn schon das neue Album besitzt, das im Grunde ja gar nicht mehr sooo neu ist, hebt nur eine äußerst überschaubare Nummer die Pfote. Neben drei oder vier Hartgesottenen, die versuchen einen Pogo ins Leben zu rufen, regt sich auch nicht viel im Zelt. Ja, Hate Squad haben ihre besten Zeiten eben hinter sich. Es ist aber auch noch verdammt früh, um schon wieder amtlich abzurocken.
(Dagger)
Für viele andere kommt der musikalische Einstieg in den letzten Festivaltag aus Schottland und eröffnet die Party Stage um kurz nach eins. Die Freibeuter Alestorm haben in Wacken angelegt und eröffnen mit "The Quest" ihren Set. Allerdings muss man schon recht nahe an besagter Bühne stehen, denn kaum steht man etwas abseits donnern Fear Factory von der Black Stage herüber. Es ist auf jeden Fall gut was los vor der Bühne und die Fans feiern die Schotten mächtig ab. Ab und an wird sogar auch mal geschunkelt, wenn es das Musikgut zulässt. Die Frage, ob Wikinger vor der Bühne sind, wird kräftig bejaht, gut, meint Christopher Bowes (Keys, Vocals), denn "the next Song is about killing vikings". Was folgt, ist "Back Through Time", gefolgt von "Wenches & Mead", der teils sogar in Deutsch vorgetragen wird. "Keelhauled" ist allen kleinen Menschen, Zwergen und Gobblins gewidmet, bei dem es auch einen ordentlichen Pit zu bestaunen gibt. Keine Frage, Alestorm verstehen es, den Kater aus dem Kopf zu vertreiben und nach "Captain Morgan's Revenge" und "Rum" ist der Set viel zu schnell wieder vorbei. Aber wenigstens ist der Schädel frei.
(Ray)

Recht früh am Nachmittag ist der Gig der Apokalyptischen Reiter angesetzt, doch über mangelnden Zuspruch brauchen sich die Jungs wahrlich nicht beklagen. Sehr voll ist es vor der True Metal Stage, und als das Intro erklingt, werden tausende Fäuste in die Luft gereckt. "Komm" ist da der passende Einstieg in den Set, ehe alle kleinen Wichte aufgefordert werden, für Bewegung zu sorgen. Nachdem dann der Adler geflogen ist, wird erst einmal zur "Revolution" aufgerufen, ehe festgestellt wird "Es Wird Schlimmer". Wie Recht Fuchs (Vocals) doch hat, denn nun gibt es Crowdsurfer im Dutzend billiger. Die Band präsentiert sich in bester Spiellaune, auch wenn ich wieder feststellen muss, dass mir die Reiter in kleineren Hallen wesentlich besser gefallen als auf einer großen Festivalbühne. Nachdem die Fahne der Revolution wieder im Bühnenhintergrund verschwunden ist, wird "Adrenalin" in die Venen gepumpt, ehe "Nach Der Ebbe" erst einmal für etwas Ruhe sorgt. Doch das ist nur die Ruhe vor dem bekannten Sturm, denn wie wir alle wissen, "Metal Will Never Die". Schon geht es wieder rund vor der True Metal Stage. Ein Drumsolo läutet "Moral & Wahnsinn" ein. Bei "Seemann" kommt es zu einer spontanen Rudereinlage der Fans vor der Bühne, danach wird mit "Die Sonne Scheint" das Festivalwetter bestens beschrieben. Vor "Reitermania" kommt von Fuchs die Ansage, dass sie eigentlich vorhatten, zu diesem Song 100 limitierte T-Shirts unters Volk zu werfen, allerdings sei das vom Veranstalter verboten worden. Zwar wird gesagt, wir machen's trotzdem, doch irgendwie haben wohl die Shirt den Weg an den Securities vorbei nicht gefunden. Kurzerhand wird versprochen, die ersten 100 Fans bei der angesetzten Autogrammstunde bekommen so ein Teil. Den Abschluss unter diesen kurzweiligen Set markiert der Cover-Song "Ghostriders In The Sky", der von allen noch einmal kräftig mitgesungen wird.
(Ray)
Auf dem Weg zurück zum heimischen Domizil komme ich gerade rechtzeitig am Pressezelt vorbei, wo in wenigen Minuten die Pressekonferenz der Veranstalter stattfinden wird. Wie jedes Jahr ist das ein kleiner Pflichttermin für mich, schließlich erfährt man dann schon mal die ersten Verpflichtungen fürs nächste Jahr. Wie immer gibt es von den Einsatzleitern und den Vertretern der öffentlichen Behörden nur Lob für das W:O:A, was auch durchaus gerechtfertigt ist. Die Kriminalität ist lt. Einsatzleiter der Polizei sogar bislang geringer als 2012, das Hauptdelikt sind jedoch nach wie vor die Zeltdiebstähle. Leider gibt es auch 2013 einen Todesfall zu beklagen, ein Fan hat in seinem Zelt wohl einen Kreislaufzusammenbruch erlitten und konnte nur noch tot geborgen werden. Mein Beileid an dieser Stelle an die Hinterbliebenen. Die bislang für 2014 bestätigten Bands sind ja inzwischen jedem bekannt, also kommen wir gleich zum Frage-und-Antwort-Teil, hier speziell der Frage, warum dieses Jahr nur noch 0,3l Becher ausgegeben werden, und das zum Preis des letztjährigen 0,4l-Bechers. Die Antwort des Veranstalters, dass dies ein ausdrücklicher Wunsch der Fans war, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, denn welcher Fan stellt sich gern freiwillig öfter an??? Also, wenn schon Preissteigerung, dann bitte nicht gar so dreist! Die Wahl, der Pressekonferenz beizuwohnen stellt sich auch als richtig heraus, denn mittendrin kommt es zu einem gar gewaltigen Wolkenbruch, der allerdings so nicht vorgesehen war und das Festivalgelände dann doch noch in die gewohnte Schlammwüste verwandelt. Gut, wer im Trockenen sitzt.
(Ray)
Ja, es dürfte so kurz vor 16:00 Uhr sein, da verdichten sich die Wolken zu einem beängstigenden Massiv, das eine finstere Farbe trägt und sich sogleich in besagtem, nicht besonders langem, dafür aber umso heftigerem Platzregen entlädt. Meine bessere Hälfte Kaska und ich sind glücklicherweise gerade am Zelt und können unseren Pavillon vor dem Schlimmsten bewahren. Baugleiche und derzeit herrenlose Konstrukte haben da weit weniger Glück und knicken eines nach dem anderen ein. Die Temperatur fällt währenddessen spürbar, worüber aber niemand sonderlich traurig sein dürfte.
(Dagger)

Pünktlich zum nächsten Date vor den Hauptbühnen hat sich das Unwetter wieder verkrümelt. Thrash-Lunatics dürften sich nun vor der True Metal Stage eingefunden haben, wo Anthrax ein wahres Feuerwerk an messerscharfen Riffs und echten Genreklassikern abfeuern. Die Truppe aus New York ist bestens gelaunt. Gerade Fronter Joey Belladonna kennt keinen Halt und springt auf der Bühne umher, als wäre er noch ein junger Hüpfer. Dank großkalibriger Hits der Marke "Among The Living", "Caught In A Mosh" und "N.F.L." ist auch vor der Bühne schnell die Hölle los und auf durchweichtem Boden etabliert sich ein ansehnlicher Circle Pit der zu den Gassenhauern "Indians" und "I Am The Law" noch auseinander geht, wie ein Hefekloß.

Etwas nebenan, vor der Black Stage, ereignet sich derweilen ein Spektakel der etwas anderen Sorte. Dort hat sich dank der Niederschläge nämlich ein großer See gebildet, der von einigen Unerschütterlichen zu einer Art Mud-Sliding genutzt wird. Einer der Verrückten, die sich mit langem Anlauf in die Pampe hechten, ist sogar mit einem Schwimmreifen bewaffnet! Da dauert es nicht lange, schon wimmeln Menschen mit Foto und Videokameras um das Geschehen, um spektakuläre Klischeebilder zu ergattern, die dann letzten Endes über all in Zeitung, Internet und Fernsehen um die Welt gehen. Warum sollte man sich da selbst ausklammern?
Zur selben Zeit gehen Anthrax in den Endspurt und hauen mit "Madhouse" und "Antisocial" noch einmal richtig auf die Kacke. Ein ganz großer Gig von einer Band, die nicht umsonst zu den Big Four des Thrash Metals gerechnet wird! (Dagger)
Wieder mache ich mich zeitig auf den Weg zu den Zeltbühnen, schließlich will ich mir den Gig von Serum 114 nicht entgehen lassen. Dort angekommen, bekomme ich noch die letzten Songs des Secret Sphere-Gigs mit. Der progressive Power Metal der Italiener findet seine Fans, die Stimmung ist gut. Vor allem beim wunderschönen "Lie To Me", dessen Chorus sich schnell im Mittelohr festsetzt. Allerdings ist der Song so gänzlich anders als der Rest des Materials. Wie dem auch sei, die Stimmung ist sehr gut und die Band wird nach ihrem Set sehr gut mit Hey-Hey-Rufen abgefeiert. Schade nur, dass man die Keys nicht wirklich gehört hat.
(Ray)

Der Platz vor der Headbanger Stage füllt sich langsam aber sicher, allerdings mit einigen Lücken, denn trotz Dach steht das Areal der Zeltbühnen gut unter Wasser. Klingt komisch, ist aber so. Die zahlreichen Fans von Serum 114 finden also dicht gedrängt auf den wenigen trockenen Inseln ihr Zuhause, es ist einiges los, allerdings ziehen auch auffallend viele Securities ihre Kreise. Dann ist es soweit, mit einem Bengalo in der Hand betritt Esche (Vocals, Guitar) die Bühne und beginnt ohne Umschweife mit "Seid Ihr Bereit" den Set. Sofort ist der Teufel los vor der Bühne, die Energie der Band springt sofort auf die Fans über. "Ich Lasse Scherben Zurück" setzt den Set fort, gefolgt von "Die Freiheit + Ich" und "Ich Bin So". Dann macht Esche die Ansage, dass er beim Ende des nächsten Songs beim Bierstand sein will und so verbringt er diesen Song Gitarre-spielend, surfend auf den Händen der Fans, die ihn dorthin bringen. Dort angekommen, fackelt er nicht lange, schnallt sich die Klampfe auf den Rücken und besteigt die Traverse, wo er dann unter dem Zeltdach sein Solo spielt. Das ist Rock'n'Roll! Danach heißt es erst einmal für die Fans auf die Knie, bevor gesprungen werden darf. Nach einem kurzen Gastspiel auf der Bühne gesellt sich Esche erneut unter die Fans und singt und spielt dort die nächste Nummer, ehe "Viel Zu Lang Hier" schon wieder den Schlusspunkt setzt. Unter lautstarken Zugabe-Rufen beenden die Frankfurter Jungs ihres mehr als erfolgreichen Set. Manche Dinge sind einfach viel zu schnell vorbei.
(Ray)

Leider, leider kann man nicht an zwei Orten gleichzeitig sein, denn während Devil Driver auf der Party Stage ordentlich Gas geben, bin ich noch auf dem Weg dorthin (Serum 114 und Devil Driver spielen leider gleichzeitig). Der Weg dauert dann doch etwas länger und die Einlasskontrollen auch (danke im übrigen an den netten Security, der mir quasi vor der Nase den angesteuerten Eingang dicht gemacht hat!). Doch wenigstens komme ich noch rechtzeitig, um "I Could Care Less" zu hören, dass soeben angestimmt wird. Vor der Party Stage ist ordentlich was los, und dass, obwohl zeitgleich Danzig spielen. Der Fixstern gibt sich auch mal wieder die Ehre und schon bekommt man wieder Hitzewallungen. "Clouds Over California" sorgt noch einmal für Bewegung, bevor "Hold Back The Day" eigentlich schon fast wieder das Ende des Sets markiert. Da die Band jedoch noch eine Minute Spielzeit über hat, packt man noch schnell einen drei-Minuten-Song hinten dran. Meine Befürchtungen, dass den Jungs mittendrin der Saft abgedreht wird, bewahrheiten sich Gott sei Dank nicht, und mit viel Beifall werden die Jungs in den Feierabend verabschiedet.
(Ray)

Auf keinen Fall entgehen lassen wollen sich viele andere die Show von Danzig zur selben Zeit auf der Black Stage. Schließlich ist der mittlerweile auch schon 58-jährige Recke und frühere Misfits-Fronter in unseren Breiten nur recht selten anzutreffen. So gibt der kleine Muskelprotz heute sein einziges Deutschland-Konzert in diesem Jahr, ein Grund mehr also, um dabei zu sein. Trotz fortgeschrittenem Alter erweist sich Herr Danzig als wahres Energiebündel, als er zu "Skin Cadaver" auf die Bühne rumpelt. Das Publikum wirkt dagegen eher statisch, da wohl alle von dem aggressiven Gebaren des mittlerweile etwas wampigen Kraftpakets gefesselt sind. Nach einer Reihe von Songs aus der Danzig-Ära gesellt sich der ehemalige Misfits-Klampfer Paul Doyle Caiafa an Danzigs Seite, ebenfalls muskelbepackt und mit dem typischen Facepainting ein echter Blickfang. Gemeinsam zocken sie nun sechs oder sieben Misfits-Klassiker, ehe Danzig mit "Mother" zum vermutlich größten Hit seiner Karriere ausholt. Tolles Klangtheater! Da vergehen 60 Minuten wie im Flug.
(Dagger)

He's back! Alice Cooper ist zurück in Wacken und wer ihn kennt, der weiß, dass nun eine Musikshow der ganz besonderen Art auf die Abertausenden Metalheads wartet, die sich mittlerweile im Infield versammelt haben. "Hello Hoorey" begrüßt der Vater des Shockrock seine Jünger und geht mit "House Of Fire", "No More Mr. Nice Guy" und "Under My Wheels" gleich richtig in die Vollen. Dabei durchlebt und mimt er seine Stücke wie ein Schauspieler, hat immer einen Showeffekt auf Lager und ist durch und durch echter Entertainer. Nach einem glamourösen Mix aus all seinen Schaffensphasen startet die richtig große Show jedoch erst in der zweiten Hälfte des Sets, als sich Alice in "Feed My Frankenstein" in einen großen Transformator stecken lässt und als übergroßes Monster auf die Bühne zurückkehrt. In Zwangsjacke geschnürt und von einer sadistischen Krankenschwester gepeinigt findet er sich sogleich in der Ballade von Dwight Fry wider. Der verzweifelte Versuch die Peinigerin zu überwältigen endet schließlich mit der obligatorischen Hinrichtung des Rockers auf der Guillotine und dem rabenschwarzen "I Love The Dead", in dem die sagenhaften Mitstreiter an den Instrumenten zu Hauptdarstellern mutieren. Als Toter findet sich Alice nun zwischen den Grabsteinen ehemaliger Musikerkollegen wieder, denen er sogleich mit einer Reihe von Coversongs Tribut zollt. Da wäre Jim Morrison von den Doors, deren Hit "Break On Through (To The Other Side)" nun zum Besten gegeben wird. Es folgt eine Hommage an John Lennon mit "Revolution" und schließlich kommt auch Jimi Hendrix nicht zu kurz. Ihm zu Ehren erschallt "Foxy Lady" über das Festivalgelände. Zum Finale werden schließlich noch einmal einige original coopersche Klassiker ausgegraben: das frenetisch gefeierte "Poison" und "I'm Eighteen". Dann das grande finale mit "School's Out" inklusive dem Pink-Floyd-Evergreen "The Wall", Abertausenden von Luftblasen, Konfetti und Luftballons, die vom Bühnendach regnen. Was für ein Spektakel! Alice, vielen Dank! Diese Show war einmal mehr ein echtes Highlight!
(Dagger)

Als letzte Band stehen zur selben Zeit die Finsterrecken von Finsterforst auf dem Programm. Schade nur, dass die Band auf der (fast) kleinsten Bühne des Festivals spielen müssen, denn mit sieben Leuten Besetzung wird es doch arg eng auf der Wackinger Stage, der Bewegungsradius ist arg eingeschränkt. Doch noch vor dem eigentlichen Beginn kommt es zum ersten Surfer, der von der Security... einfach mal eben zurück geworfen wird. Keine feine Sache. Im Laufe des Konzerts nimmt sich die Security dieses Fans noch einmal besonders an, keine Ahnung, was genau dem Sec. da sauer aufgestoßen ist. Egal, auf der Bühne beginnt der Set mit den Worten "Hallo, wir sind das Alice Cooper-Begleitprogramm" (selbiger spielt zeitgleich auf der Black Stage und ist durchaus laut zu hören). Gespannt bin ich, welche Songs denn ihren Weg in die Setlist gefunden haben, denn Finsterforst sind ja nicht gerade für kurze Songs bekannt. Der Sound ist jedenfalls schon mal gut, auch das Akkordeon kommt gut zur Geltung. "Lauf Der Welt", "Des Waldes Macht" und die "Försterhochzeit" werden durch die PA gejagt und vor der Bühne wird andächtig gebangt, vor allem der Refrain zur "Försterhochzeit" wird lauthals mitgesungen! Leider muss ich sagen, dass die Ansagen von Oliver Berlin (Vocals) meist etwas hölzern und unbeholfen wirken, hier ist durchaus noch Luft nach oben. Ansonsten macht er einen mehr als guten Job, auch wenn die Vocals ab und an im Gesamtsound untergehen. Mit "Ein Lichtschein" beenden die Baden-Württemberger ihren Set und werden mit viel Beifall verabschiedet. Ein gelungener Gig und mein persönlicher Abschluss des W:O:A 2013.
(Ray)
Jetzt schnell etwas zu Trinken organisiert und zurück ins Getümmel. Nightwish, die finnischen Stars des Opera Metals, geben sich nach vielen Jahren einmal wieder die Ehre in Wacken aufzutreten, und dieses Klangspektaktel darf man sich natürlich nicht entgehen lassen. Nach dem Ausscheiden von Sängerin Anette Olzon sind heute alle Blicke auf Floor Jansen gerichtet. Die ehemalige After-Forever-Frontfrau kann man getrost zur creme de la creme der metallischen Sängerinnen rechnen und heute erlebt sie vermutlich das Konzert ihres Lebens. Nach monumentalem Intro steigen die Finnen mit den beiden Hits "Dark Chest Of Wonder" und "Wish I Had An Angel" ein, womit das Eis schon mal gebrochen wäre. Floor macht eine glänzende Figur, flirtet mit der Audienz und lässt zu jeder Gelegenheit die lange Mähne kreisen. Sie weiß aber auch stimmlich zu überzeugen und zeigt bei den folgenden, jüngeren Nummern, dass sie den Spagat zwischen Tarja und Anette sehr gut zu meistern versteht. Ein mächtiger Sound und eine beeindruckende Lightshow tun das ihre, um den opulent instrumentierten Songs einen würden Rahmen zu geben. Zu den folkloristisch angehauchten Liedern stößt Celtic-Folk-Musiker Troy Donockley, der auch schon auf den letzten beiden Alben zu hören war, zu der Band und verzaubert mit seinen archaischen Klängen. Besonders das Instrumentalstück "Last Of The Wilds" gerät dank seinem Beitrag zum echten Ohrenschmaus. Gänsehaut pur! Die ist wenige Stücke später auch zum epischen Mammutsong "Ghost Love Score" garantiert, in dem Nightwish noch einmal alle Register ziehen. Toll! Da kann man sich jetzt schon auf die DVD freuen, die hier heute Nacht aufgenommen wurde.
(Dagger)
Es würde nun noch orchestral weiter gehen, und zwar mit Rage und dem Lingua Mortis Orchester auf der benachbarten Black Stage. Aber schließlich ist man ja kein Duracell-Häschen und die Batterien sind, ehrlich gestanden, allmählich leer. Dazu kommt noch, dass wir das ehrgeizige Ziel verfolgen, morgen früh um 6:30 Uhr aufzustehen, um dem obligatorischen Abreisestau zu entgehen. Also Schicht im Schacht für dieses Jahr.
Rückblick
Was war das nur für ein Wacken, dieses 2013? Die anfangs erwähnten Wetterkapriolen des bisherigen Jahres fanden wir in komprimierter Form während der letzten drei Tage: Hitze, Regen, Wind - alles war dabei. Verdrängt man einmal das Ärgernis mit den verteuerten Getränken und die Präsenz von Heino, so war dieses heißeste Wacken:Open:Air aller Zeiten natürlich wieder ein durchschlagender Erfolg mit vielen tollen Bands und einem Angebot an Freizeitaktivitäten, wie man es wohl sonst auf keinem anderen Musikfestival finden dürfte.

Die große Sensation, das Unfassbare ereignet sich schließlich etwa 40 Stunden nach Beginn des Ticketverkaufs, also am Dienstagnachmittag. Wacken 2014, das 25-jährige Jubiläum des Festivals, ist ausverkauft. Da fehlen einem die Worte. Das ist einmalig. Man fragt sich natürlich schon, wo das noch hinführen soll. Lassen wir uns überraschen. Hoffentlich sind wir auch im nächsten Jahr wieder mit dabei, dieses Mal mit Bands wie Emperor, King Diamond, Iced Earth, Kreator und vielen vielen mehr, wenn es wieder heißt: Faster, Harder, Louder - Rain Or Shine!
