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Festival-Bericht

Emergenza Finale

mit Hardcase, March Of Dimes, Konrad Und Der Löwe, Königskinder Crew, Absolut, Eternal Torture, Kapuzinger, The Red Bricks, The Excess, Notorious Beat Plank, Breach The Shadow, Stone Creek, Black Pudding & Altbewaehrtes

Muffathalle, München 13.06.2009

Ungewohntes musikalisches Terrain bot sich dem Rezensenten am 13. Juni in der Muffathalle, denn auf Einladung von Black Pudding (Jungs, ständig mit "Sie" angequatscht zu werden, führt dazu, dass ich mich noch älter fühle, als ich eh schon bin!), die beim Rage-Contest einen Platz bei diesem Event gewonnen hatten, stellte sich der alte Mann nun also so exotischen Klängen wie Power Pop, Ska, Reggae und vielem anderen, was normalerweise nicht wirklich zu seinen Hörgewohnheiten gehört. Aber zumindest könnte es ja der Horizonterweiterung dienen...

Das Emergenza ist ein Bandwettbewerb, bei dem durch Publikumsvoting ein Teil der auftretenden Kapellen in die engere Auswahl kommt, aus der dann eine Jury den Sieger des Abends auswählt. Das Voting findet per Handzeichen statt und zwar direkt nach dem Auftritt der jeweiligen Combo. Diese Art der Stimmabgabe ist meines Erachtens etwas zweifelhaft, denn so richtig akkurat können die beiden Zähler auf der Bühne mit Sicherheit nicht jedes Handzeichen erkennen bzw. nicht jeden, der beide Hände hebt, aussieben. Dazu kommt noch, dass die zuerst auftretenden Band ziemlich in den Allerwertesten gekniffen sind, da sie erstens noch nicht vor voller Halle spielen und zweitens das Publikum anfangs deutlich zurückhaltender abstimmt (so nach dem Motto: "Simmer erst mal vorsichtiger mit den Handzeichen, wer weiß, was da noch alles kommt"). Und natürlich sind Gruppen mit kurzem Anreiseweg auch im Vorteil, da sie eher ihren Fanclub mitbringen können. Aber das ist nur meine persönliche Einschätzung des Wertungsmodus', vielleicht sieht das ja die Mehrheit anders.

Wie dem auch sei, irgendjemand muss ja anfangen und das taten dann die Jungs von The Red Bricks. Als Opener hat man es eh immer schwer und bei einem Wettbewerb gleich doppelt und so spielten sie erst mal vor ziemlich leerer Halle und einem noch etwas unterkühlten Publikum. Aber mit der Zeit konnten sich einige der Anwesenden für den recht soliden Garage Rock der Jungs erwärmen, womit sich die roten Ziegel zumindest einen Achtungsapplaus und 52 Stimmen verdienen konnten.

Bei Hardcase, der nächsten Band, war dann schon um einiges mehr los im Auditorium. Offensichtlich hatten es die Alternativ Rocker geschafft, einen nicht zu überhörenden Teil ihres Fanclubs für dieses Event zu mobilisieren, Das schlug sich denn auch in 145 abgegebenen Stimmen nieder, obwohl der leicht punkige Sound von Hartkäs für meine Ohren an einigen Stellen doch arg holprig rüberkam. Aber das ist nur die Meinung eines Einzelnen...

Als nächstes waren die einzigen "Ausländer" dran, nämlich die Salzburger Rocker von Kapuzinger. Aufgrund der etwas weiteren Anreise war klar, dass diese Band nicht viele Fans mitgebracht haben konnte, aber sie gaben trotzdem ihr Bestes. Und während ich die ersten Songs als recht solide, wenn auch ein bisschen unspektakulär bezeichnen würde, war ihr vorletztes Stück, ein Bluesrocker vor dem Herren (es ging um Schuhe!), für mich das erste Highlight des noch jungen Abends und auch das abschließende Instrumental war aller Ehren wert. Leider war die Musik doch eher auf ein erwachseneres Publikum zugeschnitten und so mussten sich die Österreicher mit 63 Stimmen begnügen.

Danach wurde es akustisch, denn Stone Creek verzichteten auf Stromgitarren, was das Publikum aber nicht wirklich störte, denn die Herren versprühten jede Menge Energie auf der Bühne. Nicht wirklich meine Musik, dazu war mir das Ganze etwas zu funky, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und zumindest die Show war selbst für mich durchaus in Ordnung, für den Rest des Publikums auch der Sound und so kamen die drei Jungs (und die Dame) mit 214 Stimmen verdientermaßen in die weitere Jury-Auswahl.

Was der nächsten Band, der Königskinder Crew, nicht gelang. Der Rap des Trios war zwar zumindest textlich unterhaltsam, aber kam bei den Anwesenden nur teilweise an. Möglicherweise liegt das auch daran, dass Rap von weißen Deutschen meist irgendwie unauthentisch wirkt, mag sein, dass das zwar zur Mucke passende, aber im Kontext des Abends eher deplaziert wirkende Rumgehampel nicht den Geschmack der breiten Masse traf, auf jeden Fall bekamen die Rapper 132 Stimmen vom nun schon besser gefüllten Saal und waren somit aus dem Rennen.

Danach wurde es wieder rockiger, denn The Excess setzten wieder auf elektrische Gitarrenmusik im Stile der 70er Jahre. Ok, das Bademantel-Outfit war etwas gewöhnungsbedürftig, aber das Quintett ging mit herzerfrischender Unbekümmertheit zur Sache und wusste von Anfang an das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Gute Partymucke für gute Laune von einer gut aufgelegten Kapelle, das war in Ordnung, das war gut. Fanden auch die Zuschauer und gaben der Band 227 Stimmen.

So, nun also meine Gastgeber. Power Pop, diese Stilbezeichnung gab mir anfangs schon ein wenig zu denken, aber meine Befürchtungen sollten sich im Laufe dieses Gigs recht schnell zerstreuen. Denn die Musik der Jungs war ziemlich rockig ausgefallen, was mir wirklich gut gefiel. Aber nicht nur mir, denn 173 weitere Stimmen brachten die Jungens in die Endausscheidung, meiner Meinung nach absolut verdient.

Danach wurde es richtig bunt auf der Bühne, denn die Style O' Phones hatten sich wohl unter dem Motto "Orange" ihr Bühnenoutfit ausgesucht. Sah wirklich stylisch aus, zumindest bei den Instrumentalisten, denn Madame Frontfrau hob sich durch ihr weißes Schlabbershirt doch etwas vom Rest der Band ab. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt, denn dieser Auftritt war der bis zu diesem Zeitpunkt professionellste des Abends. Der Ska mit Reggae-, Rock- und Latin-Einflüssen kam absolut glaubhaft rüber und die Protagonisten wussten sowohl mit der Choreografie als auch der musikalischen Performance zu überzeugen. Verdiente 326 Stimmen waren der Mühe Lohn, mehr sollte keine andere Band des Abends erhalten.

Nun wurde es aber Zeit, dass auch Musik gespielt wird, die der Rezensent zu verstehen glaubt; March Of Dimes sollten das Banner des progressiven Metal hochhalten. Ich habe die Band schon einmal in Miesbach gesehen, damals war ich recht angetan von dem Auftritt. So waren meine Erwartungen an diesen Gig nicht die Geringsten, doch leider ging selbiger ziemlich an mir vorbei. Irgendwie wollte das Liedgut der Band bei mir einfach nicht greifen, ich konnte keine wirkliche Linie in den Stücken finden. So plätscherte der Auftritt ziemlich an mir vorüber und die 141 Stimmen bedeuteten für die Band, dass das Finale ohne sie stattfinden würde.

Egal, die nächsten Metaller standen schon in den Startlöchern und obwohl die Band als Melodic Metal Combo angekündigt war, ließ der Bandname Eternal Torture bei mir keinerlei Zweifel ob des dargebotenen Stils aufkommen. Ich sollte recht behalten, denn das Quartett bot einen Mix aus melodischem Death und Old School-Geprügel. Leider war der Mix für meine Ohren recht unausgegoren und bildete keine organische Einheit, sondern musikalisches Stückwerk. Mal melodisch, dann wieder Geknüppel, irgendwie wirkte das alles recht ziellos. Sorry, aber mir gefiel's nicht wirklich und 89 Stimmen in der jetzt recht gut gefüllten Halle sprachen auch eine deutliche Sprache.

Leider musste der Berichterstatter jetzt wegen anderweitiger (persönlicher) Verpflichtungen die Berichterstattung abbrechen, so bleibt mir nur nachzutragen, dass der Gewinner des Abends The Excess waren, die zwar nicht die meisten Publikumsstimmen auf sich vereinen konnten, aber in der Jury-Auswahl ganz vorne lagen. Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Wertungssystem meiner Meinung nach, aber ganz unverdient war das Weiterkommen der Sieger im Endeffekt dann doch nicht. Zumindest gibt dieser Wettbewerb jungen Band eine Chance auf ein breiteres Publikum und das ist doch auch schon mal was, nicht wahr?

Hannes

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