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Interview

Interview mit Parity Boot (23.08.2009)

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Logo Parity Boot

Parity Boot sind eine interessante Kapelle, die mit ihrer Mixtur aus Crossover und Industrial Metal jenseits aller gegenwärtigen Trends agiert und sich dennoch jede Menge Gehör verschaffen konnte. 2005 konnten sich die Musiker beim Wacken Metal Battle gegen 400 andere Bands aus Niedersachsen durchsetzen. Nach ihrem Album Into Nothing konnten sie sich in diesem Jahr sogar einen Platz im Billing des Wacken Rocks South Festivals sichern. Das spricht doch für sich. Nachfolgendes Generic Interview wurde uns freundlicherweise komplett von der Plattenfirma zur Verfügung gestellt.

HH: Die Band Parity Boot gibt es ja nicht erst seit gestern. Interessiert euch nach all den Jahren eigentlich noch die Meinung der Fans oder der Presse? Oder konzentriert ihr euch ganz auf euch selbst?

Eike: Die der Fans eher als die der Presse. Da sind einfach zu viele Geschmäcker unterwegs.

Thias: Am Ende machen wir aber eh das was wir wollen.

HH: Einige von unseren Lesern haben vielleicht noch nie von euch gehört. Gebt uns doch mal einen kurzen Lebenslauf ab.

Thias: Domi und ich spielen seit unserer Schulzeit durchgängig in einer Band die schon recht früh anfing unter "parity boot" zu laufen. Am Anfang hingen wir noch ein bisschen in der Alternative-Ecke rum. Irgendwann hab ich dann angefangen mich immer mehr mit Elektronik zu beschäftigen und am Ende ging es so um 2000 straight in Richtung Industrial Metal.

HH: Gab es einen Moment, an dem ihr erkannt habt, dass aus "Into Nothing" etwas Besonderes wird?

Eike: Nein, eigentlich nicht. Das Album war ja jahrelang in der Mache, da fehlt einem etwas die Distanz.

Thias: Als ich dabei war die Übergänge zwischen den Stücken zu bauen kam irgendwann der Moment wo ich dachte "woah, wie ist DAS denn passiert??"

HH: Welches sind eure Lieblingsstücke des Albums und warum?

Eike: "Dying Here" und "Until We're Strong".

Jörg: "Into Nothing".

Thias: Wasn das für eine Frage? Das sind alles Hits! Vor allem "Fail"...

HH: Wie ist das Albumcover entstanden und was will es uns sagen?

Eike: In sehr langwieriger Layerarbeit am Computer. Es will dir sagen: Du erkennst uns an diesem Logo, und die Musik hier drin ist aus Eisen und sehr dreckig und mitgenommen.

HH: Gibt es Texte, die euch besonders am Herzen liegen?

Thias: Da steckt überall viel Persönliches drin und liegen daher alle irgendwie nah bei mir. Ich hab auf jeden Fall ein paar Lieblingszeilen wie z.B. "forever wired to the world" aus "Stare And Burn".
HH: Woher nehmt ihr eure Inspiration?

Thias: Ärger, Angst und allem was dazwischen liegt.

HH: Wie lief der Aufnahmeprozess des neuen Albums? Gibt es irgendwelche Anekdoten zu berichten?

Thias: Wie sagt man? Eine wahrlich schwere Geburt. Ich bin kurz nach den ersten Aufnahmen in eine neue Stadt gezogen, habe mich selbstständig gemacht und hatte eigentlich genug damit zu tun, irgendwie mein Leben auf die Reihe zu bekommen. So hat sich die ganze Produktion ziemlich in die Länge gezogen und verlief teilweise auch ganz anders als gedacht. Die Drums haben wir in einem prima Studio im Niemandsland aufgenommen, den Bass zuhause bei meinen Eltern. Gitarren hab ich in Hamburg gemacht und einen Großteil der Vocals in Holland in einem Studio das eine Art Bällebecken für Musiker ist: unglaublich viele Instrumente, auch echte Raritäten, alle völlig in Ordnung und spielbereit. Da saß ich zusammen mit Joris Wolff, der das Album eigentlich auch mischen sollte. Das entwickelte sich aber immer mehr zu einem logistischen Problem und irgendwann dachte ich dann: probierstes halt mal selbst, ich hatte in der Zwischenzeit schon Erfahrungen bei einigen anderen größeren Projekten sammeln können. Das ging dann viel besser als gedacht und ich habe schnell gemerkt, dass ich so den Sound bekomme den ich mir immer vorgestellt hatte. Und dann ging alles verhältnismäßig schnell...

HH: Wie würdet ihr eure Musik selbst beschreiben?

Eike: Groovy Thrashmetal mit viel Elektronik.

Thias: Laut?

HH: Wie stellt ihr euren Sound zusammen? Welches Equipment nutzt ihr?

Thias: Wir benutzen gerne Modeller bei den Gitarren, zurzeit spielen Eike und ich beide mit einem Vox Tonelab. Für die Synths und Samples benutz ich alles Mögliche an Softsynths, bau aber auch viele Samples selbst. Generell sind wir keine großen Gearslutz - wenns funktioniert dann funktionierts.

HH: Erzählt uns doch mal etwas über euren Songwriting Prozess.

Eike: Thias schreibt alles, wir anderen haben ein gewisses Mitbestimmungsrecht was die Details angeht.

Thias: Glauben sie zumindest...

HH: Wo liegen eure musikalischen Einflüsse?

Eike: In der Hauptsache bei Devin Townsend, aber auch Biohazard oder Crowbar und vor allem Die Krupps haben unseren Stil geprägt. Fear Factory interessanterweise gar nicht, denn mit denen hatte sich Thias noch gar nicht beschäftigt, als er den Sound von Parity Boot entwickelte.

Thias: Ja, das ist echt interessant weil die in sovielen Reviews des Albums genannt werden. Die gingen mir früher immer total auf den Sack. Ich war auf der Abschiedstour die Fear Factory mit Strapping Young Lad gespielt haben und bin nach drei Stücken raus und nach Hause gefahren weil mich das so gelangweilt hat. Ist aber auch schwer nach Strapping Young Lad noch irgendwas reißen zu wollen... Hab mir aber in letzter Zeit die Sachen nochmal angehört und kann damit inzwischen langsam etwas anfangen.

HH: Wir würden gern wissen, wie ihr als Musiker angefangen habt. Wie habt ihr spielen gelernt und welche Musiker haben euch technisch beeinflusst?

Eike: In meinem Falle pures Learning by doing, Haupteinfluss dürfte Ministry gewesen sein.

Jörg: Bei mir war es ähnlich wie bei Eike. Bass gekauft und losgelegt. Bei mir war der Haupteinfluss eher Motörhead.

Thias: Ach, ganz klassisch, erst als Kind lange Klavierunterricht, dann eine kurze Zeit Drums und dann ziemlich fix über meinen Vater Gitarre. Technisch kann ich's nicht wirklich sagen, ich hab eine Zeit lang versucht alles Mögliche nachzuspielen...

HH: Was denkt ihr, wie Parity Boot in fünf Jahren klingen werden? Gibt es einen Masterplan?

Eike: Den gibt es (zum Glück) nicht. Ich tendiere in Richtung psychedelic und würd's gerne sehen wenn wir noch etwas weiter aus dem Metalschema ausbrechen und mehr experimentieren würden.

Thias: Whaa, das zweite Album.... fragt mich nicht, das weiß ich wenn's fertig is.

HH: Nennt uns doch mal ein paar aktuelle CDs, die ihr zu Hause gerne hört.

Eike: Fast gar keinen Metal, in der Hauptsache obskures und handgemachtes Zeug von Leuten, die ihre Musik gratis ins Internet stellen.

Jörg: Höre eigentlich viel Metal, fast quer durch alle Genres. Im Moment begeistern mich Gama Bomb und The Answer.

Thias: Ich hör im Moment ziemlich wenig Musik, eher Hörspiele /-bücher. Wenn Musik, dann kreuz und quer durch alle Stile. Empfehlen würd ich grad spontan aber auf jeden Fall Here Come The Waterworks von Big Business. Die braucht einen Moment, ist aber ziemlich großartig.

HH: Wie denkt ihr über Trends wie Metalcore?

Eike: Kann man machen, aber es ist doch viel interessanter eben nicht beim Trend mitzumachen. Dann muss man auch nicht so sehr mit anderen Bands um Aufmerksamkeit konkurrieren.

Thias: Außer mit Brooklyn Hardcore konnte ich eigentlich noch nie etwas mit irgendwelchem -core-Krams anfangen.

HH: Schaut ihr euch Shows anderer Bands an? Gab es welche, die euch besonders beeindruckt haben?

Eike: Ja, in chronologischer Reihenfolge: Waltari, Strapping Young Lad, Knorkator, Hanzel und Gretyl.

Jörg: Beeindruckend waren für mich Motörhead, Anthrax, Overkill, Destruction und Gamma Ray.

Thias: Wild durcheinander neben oben genanntem: Zimmers Hole, The Devin Townsend Band und Strapping Young Lad (in der Reihenfolge an einem Abend!). Radiohead, jedes Mal. Console, Elbow, The Notwist. Atari Teenage Riot auf dem Dynamo...

HH: Worin unterscheiden sich Parity Boot von anderen Metal-Bands?

Eike: Wir funktionieren offenbar auch für nicht-Metalhörer, ohne den "richtigen Metallern" zu luschig zu sein. Und Domis Drumming ist oft ziemlich Metal-untypisch. Keiner von uns ist tätowiert, wir hören fast alle fast alles.

Thias: Immerhin trinken wir seit 1-2 Jahren vorm Gig Bier statt Tee. Wobei es da noch die obligatorische Kuchenrunde vorm Losfahren gibt...

HH: Wir würden gern etwas über den Metal Underground in eurer Heimat erfahren. Wo hängt ihr so rum und gibt es noch unbekannte Bands, die ihr empfehlen könnt?

Eike: Mittlerweile hängen wir ja in Hamburg rum, wo es drei Millionen Bands gibt, aber aus unserer ursprünglichen Heimat (dem Emsland) stammen etwa Storm Of Wind, die ziemlicher Wahnsinn sind, genauso wie deren andere Band The Splatter And Gore Department.

HH: Wie wichtig ist es euch, live zu spielen?

Eike: Sehr, darum geht's so ziemlich am meisten.

Thias: Man kann ja nicht immer nur im Studio hocken...

HH: Mit welcher Band würdet ihr am liebsten ein Konzert durchziehen, wenn ihr die freie Wahl hättet?

Eike: Hanzel Und Gretyl sind schon ziemlich nah am Optimum!

HH: Wie sieht es mit zukünftigen Live-Aktivitäten aus?

Eike: Im Sommer gibt's ein paar versprengte Festival- und Indoor-Shows, Ende August geht's dann mit Hanzel Und Gretyl auf Deutschlandtour mit Gigs auf den Wacken Rocks Festivals direkt im Anschluss. Eine größere Tour ins europäische Ausland wäre natürlich auch sehr schön!

HH: Was erwartet ihr euch von Into Nothing?

Eike: Dass eine ansehnliche Anzahl Menschen, denen sowas gefällt, auf uns aufmerksam wird.

Thias: Ich erwarte nichts. Das Album ist für mich das geworden was es sein sollte. Wenn jemand beim Hören merkt -hey, das kenn ich so auch - und das hilft ein bisschen den ganzen Scheiss erträglicher zu machen, dann is das schon cool, aber ich erwarte nichts.

HH: Noch drei Fragen, dann seid ihr erlöst. Was haltet ihr von Metal-Web-Magazinen?

Eike: Sehr viel, wenn es um die Idee und die Hingabe geht mit der dort oft gearbeitet wird. Es ist schön, dass so kleine Formate viel spezialisierter berichten können als z.B. größere Printmagazine, die vielleicht mehr an harten Kostenkalkulationen zu leiden haben. Mich persönlich nervt aber oft die Qualität der Schreibarbeit auf kleineren Seiten: Die pure Begeisterung für eine Sache macht leider noch keinen guten Artikel.

HH: Auf welche Frage würdet ihr jetzt gern noch antworten und wie würde die Antwort lauten?

Eike: Auf eine Frage zum Thema "Veränderungen in der Musikindustrie". Unsere Antwort würde progressiv ausfallen: Man kann als Band gut damit fahren, dass konventionelle Strukturen wegbrechen. Auf eine gewisse Art sind wir autonomer als früher.

HH: Wir freuen uns, euch auf Tour zu sehen. Irgendwelche letzten Worte?

Eike: Ja, übernehmt ein bisschen Verantwortung, Leute. Die Welt geht kaputt, und das muss doch nicht sein.

Thias: Aber wenn ihr nicht wollt: unser Album ist'n prima Soundtrack dazu. Alles platt machen!

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