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Festival-Bericht

Feuertanz

mit Subway To Sally, Schandmaul, Tanzwut, Die Apokalyptischen Reiter, Midnattsol & Saltatio Mortis

Burg Abenberg, Abenberg 25.06.2005

Nach einer dank abenteuerlicher Umleitung leicht verlängerten Autofahrt trafen wir im malerischen Abenberg ein, einem kleinen Städtchen unweit der Autobahnausfahrt Allersberg südlich von Nürnberg. Dank einer guten Portion Glück hatte sich für uns noch die Möglichkeit geboten, an diesem Event mit dem aussichtsreichen Billing Midnattsol, Die Apokalyptischen Reiter, Saltatio Mortis, Tanzwut und den Headlinern Schandmaul und Subway To Sally teilzunehmen. Das Festival war bereits früh vollkommen ausverkauft gewesen, doch der Zufall bei Ebay ist etwas das man nicht unterschätzen sollte...
Der Zeltplatz war um 20:00 Uhr bereits recht gut gefüllt und nach einer kurzen Einweisung durch erstaunlich freundliche Securities konnten wir unser Lager in mitten einer bereits sehr imposanten kleinen Zeltstadt errichten. Der Zeltplatz selbst war zum Glück für Allergiker gründlich gemäht worden; es standen Chemieklos, ein Wassertank und Verpflegungsmöglichkeiten mit erfreulich moderaten Preisen zur Verfügung. Die wunderschöne, leicht mittelalterlich angehauchte Stadt Abenberg lud zum Spaziergang ein, überragt von der imposanten Burg der Grafen von Abenberg. Die Burg selbst befindet sich mittlerweile im Besitz der Stadt und dient als beeindruckender Schauplatz zahlreicher Events - welch' besseren Ort kann es für ein Mittelalterrockkonzert geben? Das sehr gemischte Publikum (von sehr jung bis Mitte 50 war alles vertreten) verhielt sich dementsprechend unterschiedlich; manche grillten und hörten Musik, andere unterstützten lieber die örtlichen Brauereien. Zahlenmäßig überlegen waren eindeutig die Schandmaul und Subway To Sally Fans, die sich durch Flaggen, Shirts, Musik und Sprechchöre zu erkennen gaben.
Der Tag war unerträglich heiß gewesen und so wurden wir prompt um 2.00 nachts durch einen heftigen Sturm mit Blitz, Donner und starken Windböen geweckt, der das Einschlafen zu einem Ding der Unmöglichkeit machte. Bis 6:00 Uhr früh tobte der Wind, um einen schließlich reichlich zerzausten (und immer noch angetrunkenen) Haufen von Musikfreunden zurückzulassen. Nach unserer Rückkehr erfuhren wir, dass zeitgleich das Bang Your Head Festival in Balingen von ähnlichem Unwetter heimgesucht worden war, mit einem allerdings etwas weniger glücklichen Ausgang. Die Übernachtung in der Turnhalle blieb uns glücklicherweise erspart. Viel hätte aber nicht mehr gefehlt.

Drückende Hitze weckte uns wenige Stunden später und nach einem kurzen Imbiss begaben wir uns zur Burg, wo uns eine bereits auf mehrere hundert Meter angewachsene Menschenschlange erwartete. Diese schwand nur sehr langsam, da jeder Besucher sorgfältig auf gefährliche Gegenstände durchsucht wurde (auf dem Zeltplatz gab es keine derartigen Vorkehrungen). Inzwischen hatten bereits Midnattsol mit ihrem Gig begonnen. Trotzdem nutzten wir die Zeit um uns mit dem Festivalgelände vertraut zu machen: Die Burg selbst beherbergt ein Restaurant und ein Hotel, der Burghof bietet Platz für einen Mittelaltermarkt. Die Vorburg ist relativ weitläufig und mit einer Bühne, sowie verschiedenen Getränke - und Imbissständen ausgestattet.

Leider erreichten wir den Konzertplatz erst, als bereits ein gutes Stück des Auftritts von Midnattsol absolviert war, aber auch so konnte man einige Eindrücke vom Nordic Folk-Metal der norwegisch-deutschen Band gewinnen. Angeführt von der schmucken Frontfrau Carmen Espanaes absolvierten die sechs eine sympathische Vorstellung, die für so manchen Melodic Metal Fan sicher einmal einen Hinhörer wert sein mag. Hauptthematik ihrer Musik ist die skandinavische Sagenwelt; sehr atmosphärisch und melodiös eignet sich deren Musik für manchen Abend vor dem Kaminfeuer, als Anheizer für ein Medieval Open Air ist sie wohl nur bedingt geeignet. Hin und wieder verzerrten einige Soundprobleme gegen Ende des Auftritts die eigentlich schöne Singstimme der Sängerin. Für mich persönlich war es weniger spektakulär, da es mittlerweile im Genre des Folk-Metal Dutzende von Bands gibt, die alle ähnliche Klischees bedienen. Analog verfolgten die meisten Zuschauer auf dem lediglich halb gefüllten Konzertplatz (Fassungsvermögen ca. 4000 Zuschauer) den Auftritt mit eher gemäßigtem Interesse; Alkohol und die unmenschliche Hitze mögen fernerhin ihren Teil dazu beigetragen haben, dass gerade mal das vordere Drittel der Zuschauer Ansätze zeigte die junge Band zu unterstützen. Wieder einmal zeigte sich: Als Opener hat man es meist schwer... Für Genrefans sicher unterhaltsam, aber ausbaufähig. Nach einer Stunde war der Spuk auch schon wieder vorbei, und die Umbauarbeiten begannen.

Für deutlich mehr Stimmung sorgten die Apokalyptischen Reiter mit ihrem sehr eigenwilligen Gemisch aus Folk, klassischem Heavy Metal, mittelalterlichen Instrumenten sowie zahlreichen Death- und Thrashelementen. Geprägt von sowohl melodischem Gesang als auch düsteren Growls mangelte es der Darbietung der fünf Jungs unter Frontmann Fuchs sicher nicht an Abwechslung. Mit breitem Grinsen im Gesicht animierten sie unermüdlich die Menge vor der Bühne, was diese auch durch fleißiges Haareschütteln honorierte. Die Mehrzahl jedoch konnten offensichtlich mit dem gewöhnungsbedürftigen Musikstil der Weimarer nicht sonderlich viel anfangen. Der Großteil der Leute war offensichtlich eher auf Musik der Marke Tanzwut, Saltatio Mortis, Schandmaul oder Subway To Sally eingestellt. Doch davon ließen sich die fünf nicht beeindrucken und rockten los wie die Teufel. Irgendwie konnte ich mich jedoch nicht des Eindrucks erwehren, dass die Truppe bei diesem speziellen Festival leicht deplaziert war.
Fazit: Geräuschvoll aber geringfügig. (Hä? - Red.)

Einen wesentlich leichteren Stand hatten die Spielleute von Saltatio Mortis, die sich in der Band ungewöhnliche Namen wie Falk Irmenfried von Hasenmümmelstein verliehen hatten und ihren Auftritt mit einem großen Augenzwinkern absolvierten. Ein sehr gelungener Gig übrigens, der durch abwechslungsreichen Einsatz der verschiedensten mittelalterlichen Instrumente wie Drehleiher, Schalmeien, Dudelsack und vielem mehr an Farbe gewann und schnell den sieben Herren die Sympathien des gesamten Publikums sicherte. Sonst eher auf Mittelaltermärkten vertreten, traf Saltatio Mortis den Nerv der Zuhörer recht genau. Sägende Gitarren und schwungvolles Acting wechselten sich mit ruhigeren, fast besinnlichen Stücken ab. Erwähnenswert auch die zahlreichen elektronischen Elemente, die sich jedoch nicht in den Vordergrund drängten, sondern die Musik eher abrundeteten. Gegen Ende des Gigs beschloss der Gitarrenverstärker spontan in Rente zu gehen, was jedoch innerhalb kürzester Zeit behoben werden konnte. Eine ungewöhnliche Band mit einem gewissen Schuss Exzentrik, die für manchen Fan von Mittelalter-Rock sicher interessant sein dürfte.

Während den einzelnen Auftritten hatte man Gelegenheit die Umbaupausen (ca. 40-50 Minuten) für einen Besuch auf dem Mittelaltermarkt im Burghof zu nutzen. Nicht nur Verpflegungsbuden, die Flammkuchen, Crepes oder Waffeln anboten, sondern auch eine Vielzahl an Verkaufsständen luden zum Verweilen ein. Getränke an sich waren auf gehobenem Preisniveau, das Essen dafür relativ billig. Findige Geister nutzten die Pfandbecher um sich am Wasserhahn mit Leitungswasser zu versorgen, was so manchem einen Kreislaufkollaps ersparte. Hin und wieder liefen dem Besucher auch Gäste in mittelalterlichen Samtgewändern, Rüstungen und Wämsern über den Weg; anbetracht der glühenden Hitze entweder verwegen oder verrückt. Die teilweise krebsroten Gesichter sprachen zumindest Bände. Insofern war es nicht verwunderlich, dass die meisten Besucher lieber im Schatten Zuflucht suchten, anstatt sich auf den Konzertplatz zu begeben. Ab 18:00 Uhr erhörte der Wettergott endlich unser Flehen und schob einige gnädige Wolken vor die bis dahin erbarmungslos brennende Sonne.

Tanzwut profitierte als nächste Band von diesem Umstand: Viele Gäste strömten auf den Konzertplatz, der nach wenigen Minuten annähernd voll war. In phantasievollen (selbstkreierten) Kostümen stürmten die sieben Jungs die Bühne. Nach den hochgestreckten Händen und fliegenden Haaren zu urteilen schien für viele Tanzwut ein Grund gewesen sein, das Festival zu besuchen, für mich jedoch war dies weniger nachvollziehbar. Eine langweilige Live-Performance und immer wieder redundante Melodielinien des elektronischen Zweiges von Corvus Corax rissen mich nicht gerade vom Hocker. Als nach über einer halben Stunde die Mischung aus Dudelsack, harten Beats und Metal noch immer nicht an Eintönigkeit zu verlieren begann, ging ich lieber zum Wasser holen. Man mag über den Einsatz elektronischer Elemente in der Musik streiten, viele Gruppen setzen diese sinnvoll und bereichernd ein, jedoch nicht so penetrant und dominierend wie das bei Tanzwut der Fall ist. Ein weiteres Problem stellt die bereits erwähnte Monotonie in ihrer Musik dar; kaum ein Instrument wird variiert, die Beats durchgedrückt, gleich ob es passt oder nicht. Stellenweise glaubte ich mich auf einer Techno-Uffta-Uffta Veranstaltung zu befinden. Zusammengefasst gesagt: definitiv nicht mein Geschmack. Wer jedoch Corvus Corax mag und Techno gegenüber aufgeschlossen ist, mag hier glücklich werden.

Um 20:00 Uhr kam endlich der erste der beiden Headliner zum Zuge: Schandmaul lieferte vom Publikum gefeiert seine gewohnt gute Liveperfomance ab und überzeugte auf ganzer Linie. Der mittlerweile gut gefüllte Platz (3500-4000 Menschen) feierte fleißig mit den Münchnern und diese ließen zum ersten Mal richtig Stimmung aufkommen. Über 90 Minuten wurde nahezu jedes bekanntere Lied gespielt, was die Zuschauer mit Sprechgesängen, Hüpfen und Mittanzen honorierten. Dieses mal konnte man den Sound (im Gegensatz zum Circus Krone Konzert) nicht bemängeln; im Gegenteil - Schandmaul lieferte ebenso wie Subway To Sally später einen klaren, druckvollen und differenzierten Sound, der die mitreißende Darbietung zusätzlich aufwertete. Hinzu kam noch die mittlerweile von allen Seiten angestrahlte Burg mit einem leicht bewölkten Himmel als stimmungsvoller Hintergrund. Als besonderes Plus wurde auch die neue Single promoted. "Bin Unterwegs" fand so logischerweise auch einen Platz auf der Setlist. Ein sehenswerter Auftritt, der jeden Zuschauer begeisterte und die lähmende Stimmung auflockerte. Ein Umstand der aber kaum den Bands sondern eher der tödlichen Kombination aus Alkohol und 35 Grad Celsius zuzuschreiben ist. Nach dem Auftritt nahm die Band sich ebenso wie Tanzwut extra Zeit um mit den Fans zu reden und Autogramme zu geben.

Doch dieser Auftritt ist nichts im Vergleich zu der spektakulären und stimmungsvollen Show von Subway To Sally Frontmann Eric Fish und seiner Band. Wie eine Wand standen die Zuschauer hinter den sieben, die von einer Welle der Zuneigung getragen Bestleistungen ablieferten. Wieder einmal konnte man die Fähigkeiten Erics bewundern eine Menge heiß zu machen - zum ersten Mal an diesem Abend gings so richtig ab. Alle anderen Auftritte zuvor hätten zusammengesetzt nicht so viel Energie, Spielfreude und Esprit freisetzen können. Von CD sind für mich die Lieder weniger beeindruckend, live allerdings gewinnen sie eine Kraft, der man sich nur schwer entziehen kann. Gespielt wurden vor allem ältere Stücke, von der neueren Engelskrieger CD nur einige wenige Lieder. Während andere Bands mit dem Einsatz von Pyros eher gegeizt hatten, ließ sich Subway To Sally nicht lumpen und lieferte ein wahres Feuerwerk an verschiedenen Effekten, einschließlich der obligatorischen Feuerschluckernummer. Von der ersten bis zur letzten Minute bewies das Publikum, dass es noch am Leben war und spornte die Band weiter an. Nach mehreren Zugaben (zum Abschluss "Julia und die Räuber" aus 4000 Kehlen) und über 90 Minuten musste die Truppe wieder die Bühne räumen, was so mancher Zuschauer nicht so recht wahr haben wollte. Allein für den Gig hatte sich die Fahrt schon gelohnt, keine Frage. Selbst Leute, die mit der Musik der Band weniger anfangen können, sollten vielleicht bei Gelegenheit ein Konzert in kleinerem Rahmen ansehen, es lohnt sich absolut.

Viertel vor zwölf war Schicht im Schacht, was viele nicht daran hinderte, die anschließend statt findende Aftershow-Party zu besuchen, bei der die DJs von Saltatio Mortis auflegten. Wir hingegen sahen uns noch etwas den Markt an und zogen uns erschöpft zum Wein trinken vors Zelt zurück. Als Fazit des Festivals könnte man die Aussage treffen: Klein aber fein. Durch die natürliche Begrenzung auf ca. 3500-4000 Zuschauer gestaltet es sich überschaubar, relativ kostengünstig und stimmungsvoll. Was die Preise betrifft, so waren in erster Linie die Getränke relativ teuer, im Gegensatz dazu Merchandising und Verpflegung relativ günstig zu erwerben. Das zwar teilweise eigenwillig gekleidete, aber dennoch zumeist freundliche und friedliche Publikum stellte die Sicherheitsleute vor keine allzu großen Probleme, die historische Kulisse harmoniert nicht nur perfekt mit dem Thema des Festivals, sondern ist auch für einen Museumsbesuch eine Reise wert. Was die Organisation betrifft, kann man nur wenig bemängeln, es wäre nur schön gewesen vielleicht auf der Festival-Homepage zu vermerken, dass keine Karten an der Abendkasse angeboten werden. Alles in allem ein sehr schönes Festival, das für jeden ein Erlebnis sein sollte.

Robert

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