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Interview

English VersionInterview mit Slechtvalk (17.07.2010)

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Logo Slechtvalk

Mit ihrem bislang vierten Langeisen A Forlorn Throne haben die holländischen Black/Viking-Metaller Slechtvalk ihr bislang bestes und vielseitigstes Album abgeliefert und es ist der Band zu wünschen, dass sie damit nun auch die verdiente Anerkennung erntet. Bandchef Shamgar berichtet über den Entstehungsprozess des Albums und gibt uns viele Einblicke in die Band, seine bescheidenen Wünsche und den harten Weg zum Erfolg.

Shamgar (Slechtvalk)

HH: Hey Shamgar, ich freue mich, mir dir dieses Interview machen zu können. Wie geht es dir, nachdem euer neues Werk A Forlorn Throne veröffentlicht wurde?

Shamgar: Uns geht es gut. Wir bekommen gute Kritiken für das neue Album und freuen uns schon auf all die Gigs, die daraus resultieren werden, wenn das neue Album mal seinen Weg zu den richtigen Leuten gefunden hat.

HH: OK - bevor wir über das neue Album reden, würde ich dich um eine Information über die Band bitten. Ihr habt einst den holländischen Namen des Wanderfalken als Bandnamen ausgesucht. Wie seid ihr darauf gekommen?

Shamgar: Zuerst war Slechtvalk ein Soloprojekt. Ich hatte die Nase voll von all den klischeehaften englischen Bandnamen. Die klangen alle gleich für mich, daher wollte ich etwas Holländisches, obwohl ich die Texte in Englisch schreibe. Ich war fasziniert vom Wanderfalken, insbesondere von seiner Fähigkeit sanft in der Luft zu kreisen und dann geradezu zu explodieren, wenn er eine Beute entdeckt hat, wie er sich mit unglaublicher Geschwindigkeit auf sie stürzt und sie tötet ohne dass sie realisiert, was sie getroffen hat. Für mich klang der Name Slechtvalk cool, daher benannte ich mein Projekt nach ihm.

HH: Als ich einen ersten Blick auf euer neues Album warf, bemerkte ich das neue Logo. Und es ist wirklich viel besser als das alte! Ist das neue Logo ein Zeichen für einen Wechsel in der Band oder eine neue Marschrichtung?
Shamgar: Die Musik von Slechtvalk hat sich ganz schön entwickelt seit unserem letzten Album At The Dawn Of War. Sie wurde technischer und reifer und wir fühlten, dass es an der Zeit war, dass unser Logo, das wie ein obskures Underground-Black Metal-Band-Logo aussah, in einer Linie mit der Musik sein muss.

HH: Und dann lass mich auch gleich zu dem Cover-Artwork gratulieren! Das ist wirklich eine fantastische Arbeit! Wer ist der Künstler?

Shamgar: Es wurde von Raymond Swanland entworfen, den man von seiner Arbeit für etliche "Magic: The Gathering"-Spielkarten kennt und von den Oddworld-Videospielen. Seraph, unser Gitarrist, sah einige seiner Arbeiten in einem Magazin und wir mochten seinen Stil sehr. Daher entschlossen wir, ihn zu kontaktieren und ihn zu fragen, ob er nicht das Cover-Artwork für unsere neue CD entwickeln will, denn wir hatten das Gefühl, dass sein Stil perfekt zu der Idee passen würde, die wir hatten.

HH: Ihr wart also in den Entwurfsprozess involviert?

Shamgar: Wir gaben ihm eine Vorstellung davon, was er für uns machen sollte, da das Cover-Artwork auf dem Song "Enthroned" basieren sollte und wir wollten, dass man die Statue sieht, die in dem Song erwähnt wird. Er machte dann einige Skizzen, von denen wir eine auswählten, die er fertig ausarbeiten sollte.

HH: Das Ergebnis reflektiert die majestätische Atmosphäre, die viele der Songs dem Hörer vermitteln. Habt ihr dem Künster hierzu genaue Angaben gemacht oder konnte er sich vielleicht einen euerer Songs anhören, bevor er mit der Arbeit begonnen hat?
Shamgar: Als Jens Bogren (der Produzent - Dagger) ein erstes Pre-Master fertig gestellt hatte, als Raymond sich an die Arbeit machte, haben wir ihm den Song "Enthroned" und einen weiteren geschickt, um ihm einen Eindruck zu verschaffen, wonach sich unsere Musik anhört.

HH: Dann lass uns mal über die Songs sprechen. Ich bin sicher, du wirst mir zustimmen, wenn ich vom bislang besten Slechtvalk-Release spreche...

Shamgar: Ja, wir glauben es ist unsere bislang beste Veröffentlichung. Es gibt viel mehr Abwechslung innerhalb der einzelnen Songs, was sie interessant macht und zwar von Anfang bis Ende. Durch das Hinzufügen von Seraph an der Gitarre und die großartigen Verbesserungen unseres Drummers Grimbold, die beide sehr auf technischen Metal stehen, war es uns möglich unsere Songs schärfer zu machen. Wir versuchten außerdem, uns an die "Weniger-Ist-Mehr"-Philosophie während des Songwritings zu halten, um die Lieder noch weiter zu öffnen.

HH: Bitte erzähl mir ein wenig über den Prozess des Songwriting und der Produktion.

Shamgar: Wir suchten schon nach einer Plattenfirma seit einigen Jahren und als wir dann endlich eine fanden, hatten wir zahlreiche Songs schon wieder weggeworfen, weil sie nicht mehr zeitgemäß waren. Als wir die Gelegenheit bekamen, ein viertes Album aufzunehmen, wollten wir viel besser sein im Vergleich zu At The Dawn Of War, damit die Leute den Eindruck bekommen, dass wir ein Album übersprungen haben. Das bedeutete natürlich auch eine bessere Produktion, als die eines durchschnittlichen Viking/Black Metal-Albums. Viele unserer Lieblingsbands wurden produziert von Jens Bogren von Fascination Street, daher baten wir ihn, das Mischen und das Mastering des neuen Albums zu übernehmen, obwohl wir immer noch nach einem Ort suchten, wo wir es aufnehmen konnten. Er gab uns den Ratschlag, Johan Örnborg von Studio Mega zu kontaktieren, da er schon viel mit ihm gearbeitet hatte. Wir verbrachten dann 16 lange Aufnahmetage im Studio Mega, wo Johan Örnborg das Album produziert hat. Die Zusammenarbeit mit Johan war sehr gut, wir haben viel gelernt und hatten eine prima Zeit mit all den Jungs vom Studio.

HH: Gibt es ein Mastermind in der Band oder haben alle Mitglieder ihren Anteil an diesem Schaffensprozess?

Shamgar: Generell schreibe ich die meiste Musik, obwohl auch Premnath und Ohtar gelegentlich einen Song für Slechtvalk schreiben und Seraph oft mit interessanten Riffs rüberkommt, die ich dann als Basis für einen neuen Song benutze. Wann immer ich einen Song oder einen guten Teil eines Songs geschrieben habe, nehme ich ihn zu den Bandproben und wir arbeiten dann zusammen daran. Seraph und Grimbold haben oft Ideen für gute Rhythmen und Othar kümmert sich um die meisten der klaren Gesangslinien. Premnath an den Keyboards schloss sich Slechtvalk einige Monate vor der Studioarbeit wieder an und zu dieser Zeit dachte ich nur an ein oder zwei Songs, in denen Keyboard-Parts verwendet werden sollten. Obwohl sein Anteil in diesem Prozess begrenzt war und die meisten Songstrukturen auch schon standen, als er dazu stieß, hat er es geschafft, einiges an zusätzlicher Tiefe und Atmosphäre mit seinen Arrangements beizusteuern.

HH: Der Titel A Forlorn Throne könnte genauso gut der Titel einer Erzählung sein, einer Geschichte eines alten Königreiches. Gibt es ein Konzept oder einen roten Faden, der die Songs verbindet?

Shamgar: Schon seit unserem zweiten Album The War That Plagues The Land hatte ich die Idee, meine eigene Fantasy-Saga zu kreieren, ähnlich wie Tolkien. Alle Texte, die ich schreibe, basieren auf dieser Welt und es gibt viele Verbindungen zwischen den Storys auf den verschiedenen Alben. Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal einen Roman darüber schreibe, aber der Alltag kann nun mal sehr zeitaufwändig sein. Der Titel A Forlorn Throne basiert auf dem Stück "Enthroned" und in der Rahmengeschichte erforscht der Erzähler in den Songs "Tamers Of The Sea", "Forsaken" und "Desolate" diese Statue, Jahrhunderte nach den Ereignissen, die im Song "Enthroned" stattfinden. Obwohl dieser Link zwischen "Enthroned" und dem Rest des Albums aus den Texten nicht wirklich klar hervorgeht, wird er aber Gegenstand des Romans sein, den ich plane zu schreiben. "Enthroned" ist jedenfalls ein gutes Beispiel für viele Ereignisse in der Rahmengeschichte und dafür, wie mächtige Männer und ihre Königreiche durch den Betrug des Feindes in Vergessenheit geraten, für den "Spoils Of Treason", ein Song von unserem letzten Album, ein Beispiel gibt.

HH: Gibt es irgendeinen Song auf dem Album, auf den du ganz besonders stolz bist?

Shamgar: Ich bin persönlich sehr stolz auf den Song "Forsaken", da es das erste Mal seit "Falconry" war, dass ich die klaren Gesangsparts mal wieder selbst übernommen habe. Ich bin der Meinung, dass es ziemlich cool geworden ist und außerdem ist es ein sehr epischer Song. Die meisten von uns sind außerdem von "Enthroned" sehr angetan, schon wegen der großartigen Atmosphäre in Kombination mit dem lyrischen Konzept, das wirklich zur Musik passt, und von "Vengeance Of A Scorned King", weil er einfach ein echter Hammer ist, der alle Elemente beinhaltet, die Slechtvalk ausmachen.

HH: Mein absoluter Favorit ist "Forsaken" und im Review erwähnte ich einige Ähnlichkeiten zu Schwedens beliebtesten Wikingern Amon Amarth. Kannst du dem zustimmen?

Shamgar: Ja, kann ich. Amon Amarth waren eine große Inspiration für uns, da sie es fertig bringen Death Metal mit echter Wikingerstimmung zu spielen, ohne dass es ein Viking Metal-Album wird. Ich glaube aber auch, dass sie manchmal vergessen, dass Pedal durchzudrücken und stattdessen lieber im Midtempo bleiben und dabei dann oft Riffs aus älteren Alben wieder verwenden, was denke ich ok ist, wenn sich der Rest des Songs vom Original unterscheidet. Wir dachten, dass ihr Stil ein wenig extra Würze benötigt und dass unsere eigene Musik mit etwas mehr Groove besser klingen könnte. Daher haben wir das in unseren eigentlich mehr Black Metal-lastigen Stil eingebaut.

HH: Wo siehst du die Wurzeln von Slechtvalk?

Shamgar: Unsere Wurzeln liegen im Black Metal, aber dieser Boden verlor allmählich seinen Nährstoff. Daher mussten wir expandieren und uns selbst erlauben auch von anderen Stilen beeinflusst zu werden, um uns davor zu bewahren, das gleiche Album wieder und wieder machen. Ich mag Abwechslung und die ist oftmals sehr beschränkt in traditionellem Black Metal, aber hier und da ein Wikinger-Touch und ein wenig Death Metal-Brutalität bewirken wahre Wunder.

HH: Was würdest du mit der Band gerne erreichen?

Shamgar: Es gibt viele Kontroversen um Slechtvalk und da sind auch viele Gerüchte und Vorurteile uns gegenüber. Wir wollen den Leuten beweisen, dass sie falsch liegen und dass wir das gleiche Recht wie jede andere Band auch haben, das zu tun, was wir wollen und das Beste daraus zu machen. Wir hoffen, dass andere das eventuell einsehen werden und dass wir die Aufmerksamkeit bekommen, die wir verdienen, und all die Möglichkeiten, die daraus entstehen.

HH: Nach vier Alben und einer Best-Of seid ihr in euerer Heimat ja vermutlich schon bekannt. Aber ich glaube, dass es euer Bekanntheitsgrad noch nicht über die Grenze nach Deutschland geschafft hat. Eine gute Strategie, das zu ändern, ist es, möglichst viele Konzerte zu spielen. Ist da irgendwas in Planung? Vielleicht eine kleine Tour, um das neue Album zu promoten?

Shamgar: Dieses Jahr gab es bereits Pläne für eine Tour durch Deutschland. Die Sache wurde aber abgebrochen, weil es mit der Finanzierung nicht geklappt hat. Unsere Booking-Agentur Redback und wir selbst arbeiten aber immer noch an anderen Gigs, aber es ist nicht so einfach, wie wir gehofft hatten. Wegen der Finanzkrise sind viele Club mehr daran interessiert, einen Disco-Abend, als einen Metal-Gig zu organisieren, und es gibt einfach sehr viele Metal-Bands, die ebenfalls versuchen, an Auftritte heranzukommen, viel mehr als noch vor einigen Jahren. Und die andauernde Kontroverse um Slechtvalk hilft da natürlich auch nicht weiter.

HH: Gäbe es denn irgendwelche besonderen Plätze, an denen ihr unbedingt mal spielen wollt?

Shamgar: Wir haben keine Liste von Zielen, die wir erreichen müssen, um uns erfolgreich zu fühlen. Wir genießen den Ritt und die Ziele, die wir haben, sind Dinge, die wir hoffen zu erreichen. Es frustriert uns allerdings auch nicht, wenn wir das nicht schaffen. Eines dieser Ziele war es zum Beispiel, ein Album zu veröffentlichen, dessen Produktion mit den Besten in der Szene mithält, und das haben wir erreicht. Dann würden wir noch gerne viel öfter in Deutschland und anderen Ländern spielen und bei einigen größeren Sommer-Festivals. Wir streben zwar danach, die Dinge zu erreichen, die wir wollen, aber wir glauben, dass es das Wichtigste ist, das zu genießen, was man gerade im Moment tut. Denn wenn man dazu nicht fähig ist, befriedigt es einen am Ende auch nicht, wenn man seine Ziele erreicht hat.

HH: Wäre eines dieser Ziele vielleicht, mit einer bestimmten Band die Bühne zu teilen?

Shamgar: Es wäre natürlich super, wenn wir einmal mit Bands spielen könnten, die wir selbst am meisten mögen, wie Immortal, Amon Amarth, Borknagar oder Opeth. Aber bis dahin genießen wir es, mit jeder andern Band spielen zu können.

HH: OK - allmählich kommen wir zum Ende. Wer würdest du sagen, ist der perfekte Konsument für A Forlorn Throne? Welche Anforderungen muss der Hörer erfüllen, um mit dem Album glücklich zu werden?

Shamgar: Der beste Konsument für A Forlorn Throne ist jemand, der gutes Songwriting und gut ausgeführte Musik zu schätzen weiß, der aber nicht zu wählerisch ist, wenn es um vage Dinge wie Originalität geht. Er sollte auch nicht zu engstirnig sein, um Musik auch dann genießen zu können, wenn nicht alles nach seinen Regeln läuft.

HH: Vielen Dank für das Interview! Eine letzte Botschaft an unsere Leser?

Shamgar: Catch you on the flip side.

Dagger

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