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Interview

Interview mit Cradle Of Filth (29.03.2005)

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Als Cradle Of Filth im Rahmen ihrer Nymphetamine-Tour 2005 wie im letzten Jahr in München gastierten, konnte ich Gitarrist Paul ganz exklusiv das Mikro unter die Nase halten. Angst vor den schwarzen Männern brauchte dabei keiner zu haben: alle Beteiligten präsentierten sich äußerst zuvorkommend. Selbst Oberschreihals Dani streckte während des Interviews kurz den Kopf rein, entschuldigte sich höflich und zog wieder ab. In jedem Fall erfährt man im Gespräch mit den extremen Metallern aus England so einiges: So gibt's etwa auf der Tour wohl was Gutes zum Essen, in Arizona ist es heiß, und wer genau von den britischen Horrorstars noch lebt, das sollten sie nochmal bei Halliwell's Film Guide nachsehen.

HH: Paul, ihr seid jetzt schon einige Zeit für das neue Album auf Tour, wie läuft's bislang?

Paul: Sehr gut, es läuft bestens. Wir haben ein paar sehr gute Konzerte gespielt - irgendwie ist es die einfachste Tour, die wir bislang hatten. Alles ist noch Mal eine Stufe besser als letztes Mal, vor allem das Essen. Wir hatten auf Tour eigentlich immer schlechtes Essen, dieses Mal war es bisher immer sehr gut. Es hilft Dir auf Tour ganz enorm, wenn Du vernünftiges Essen bekommst und ordentlich schlafen kannst. Bei den Auftritten gab es bis jetzt nur kleinere Probleme, die Fans machen 100% mit - es ist fantastisch!

HH: Ihr habt Moonspell und The Haunted als Support dabei, habt ihr Spaß mit den Jungs?

Paul: Ja, haben wir. Adrian kennt The Haunted sowieso, weil er bei denen gespielt hat, und wir kennen Moonspell schon sehr lange. Wir kommen sehr gut mit ihnen aus, wir sind sehr gute Freunde. The Haunted kenne ich nicht so gut, ich hatte noch nicht Gelegenheit ausführlicher mit ihnen zu reden - sie sind sehr ruhig... ich habe mich mit dem Sänger und dem Gitarristen unterhalten, die waren in Ordnung. Aber ruhig.

HH: Auf Damnation And A Day und Nymphetamine habt Ihr mit Rob Caggiano von Anthrax gearbeitet. Was macht er anders als andere Produzenten und Mixer?

Paul: Auf Damnation hat er eigentlich nicht viel gemacht, da waren andere mehr beteiligt. Aber bei Nymphetamine hat er stark mitgewirkt. Wir hatten bislang noch nie gemeinsam als Band im Studio aufgenommen, bei Nymphetamine haben wir das erstmals gemacht, also zusammen gejammt und aufgenommen. Das war anfangs verdammt schwer, weil wir gewohnt waren, erst die Drums einzuspielen, dann die ganzen anderen Dinge, alles nacheinander. Gemeinsam aufzunehmen war echt schwere Arbeit, weil wir das nicht gewohnt sind. Aber Rob hatte eine klare Vorstellung, was er tun wollte, also haben wir mitgemacht. Das Ergebnis ist sehr gut - ich mag vor allem den Aspekt, dass es heavy klingt - was wir unbedingt wollten. Die Scheibe hat immer noch die typischen Cradle Of Filth-Elemente, klingt aber nicht wie altes Material von uns. Wir wollten endlich mal wie eine richtige Band klingen, haha. Da gibt's z.B. den typischen Metallica-Sound, mit diesen verdammt heavy Gitarren, die sehr klar herauskommen. So etwas wollten wir auch für Nymphetamine. Damnation ging schon etwas in die Richtung, aber die anderen Alben waren überhaupt nicht so, da hörst du nur Gesang und Keyboards, vielleicht ein bisschen Drums, aber keine Gitarren... wir sagten Rob also, was wir wollten. Er setzte es um, und das Ergebnis ist hervorragend. Also ist seine Arbeit als Produzent völlig anders als das, was wir vorher hatten.

HH: Auf Damnation And A Day hatten Ihr ein großes Thema, den Sündenfall und die Apokalypse. Gibt es auf Nymphetamine auch ein Thema - der Titel heißt ja soviel wie Sucht nach schönen Frauen...?

Paul: Ja ja, so ungefähr, genau gesagt ist es die Sucht nach in klassischem Sinn schönen Frauen [na da war ich aber nah dran!! - Holgi]. Aber Nymphetamine hat kein Thema, es ist kein Konzept-Album - weil das einfach viel zu lange dauert. Du musst die ganzen Texte abstimmen, das Artwork muss passen - das ist einfach a pain in the arse. Dieses Mal haben wir uns gesagt: wir machen es uns leicht - wir schreiben ein Album, ein paar Songs, und zwar die besten, die wir zu diesem Zeitpunkt abliefern können. Ich glaube wir haben das geschafft, wir sind zumindest sehr zufrieden. Die Scheibe hat kein Konzept, auch wenn jeder Song seine eigene Story erzählt. Aber es gibt keine Verbindung, und das war um einiges einfacher als bei Damnation And A Day.

HH: Im Opener verwendet ihr das im Englischen wohl unhöflichste Wort. Macht euch so eine Provokation Spaß?

Paul: Welches Wort...? Nein ehrlich, ich verwende diesen Ausdruck überhaupt nicht - nicht weil ich ihn anstößig finde, sondern weil er so viel heißen kann. Dani hat das Wort da reingenommen, um einen Schockfaktor zu erzielen. Ich weiß nicht, wie es außerhalb des englischen Sprachraums wirkt...

HH: ...gar nicht, weil es da keiner kennt.

Paul: Wir haben es reingenommen, um anstößig zu sein...und die Kids mögen es!

HH: Ihr habt auf Nymphetamine ein Duett mit Liv Kristine. Die Kombination von harter Musik und Frauenstimmen ist derzeit sehr populär, vor allem durch die Gothic Bands. Wieso habt Ihr so etwas gemacht?

Paul: Die Motivation war nicht die Tatsache, dass es derzeit viele Bands mit Frauenstimmen gibt, sondern eher, dass wir wieder mal etwas anderes ausprobieren wollten. Wir haben ja schon immer opernhafte Elemente in der Musik gehabt, wir wollten einfach mal einen anderen Stil versuchen. Wir haben verschiedene Leute getestet, bei denen das aber nicht funktioniert hat, es klang seltsam. Dann hat Roadrunner Liv vorgeschlagen, und wir haben gesagt ok, wir probieren das aus. Wir haben ein Demo des Songs zu Roadrunner losgeschickt, die haben es dann an Liv weitergeleitet. Die meinte, das klingt toll, und wir sagten, ja schön, aber wir wollen das mit Deinen Vocals hören. Sie hat also die Vocals eingesungen und das Demo zurückgeschickt, und wir haben gedacht: fuck, das klingt ja unglaublich gut! Also haben wir den Track fertig gemacht, das Video gedreht, und sind dabei auch noch gute Freunde geworden. Ehrlich gesagt hat mir die Idee am Anfang gar nicht gefallen, aber nach ein paar Mal fand ich das Stück echt cool, jetzt finde ich's fantastisch.

HH: Eure Musik verbindet die verschiedensten Elemente, Black, Death, Thrash...

Paul: ...alles eigentlich...

HH: ...für viele Die-Hard-Fans heißt das Kommerz und Ausverkauf, für andere öffnet das die Türen zu eurer Musik. Wie wird diese Kombination in Zukunft weitergehen, wollt ihr auch weiterhin so viele Elemente verarbeiten?

Paul: Wir bei Cradle sind nicht nur an einer Art von Musik interessiert, wir glauben nicht, dass man nur eine Art von Musik hören sollte, nur weil man in einer bestimmten Szene ist. Wenn Du das machst, steckst Du Dich selbst in eine Schublade, und wenn dann diese Szene nicht mehr funktioniert, bist Du auch weg. Außerdem wollen wir so viele unterschiedliche Stile wie möglich in unsere Musik packen. Weil wir am Ende des Tages einfach nur eine extreme Heavy Metal Band sind - wir wollen nicht in eine Schublade gesteckt werden, sondern unter dem großen Oberbegriff Heavy Metal alles ausprobieren. Wenn Du fanatische Anhänger von z.B. extremem Black Metal anschaust, die laufen für mich mit Scheuklappen durch die Gegend, ohne sich für andere Stilarten zu interessieren, und als Musiker ist das das Schlimmste, was man tun kann. Klar kannst Du einen Stil verfolgen, aber wenn Du alles andere ignorierst, wie willst Du Dich da noch weiterentwickeln? Dann hängst Du doch nur noch in Deiner Ecke herum und denkst, es muss hart sein, es muss schnell sein, es muss dies und das sein - Du machst Dich selbst zum Narren. Ich hoffe, dass die Cradle-Fans clever genug sind zu erkennen, dass es da draußen eine ganze Welt voll guter Musik gibt und nicht nur einen einzigen Stil. Das ist der Grund, warum wir immer als Kommerz verschrieen sind, nur weil die Leute nicht verstehen, dass es noch andere gute Stilrichtungen gibt.

HH: Das Nymphetamime Video ist gelungen und ist bei uns auch häufig im Fernsehen zu sehen. Wie war die Zusammenarbeit mit dem Regisseur? Der hat vorher doch Pop-Videos gemacht?

Paul: Ich kann mich nicht mehr an den verdammten Namen erinnern...

HH: ...Dani Jacobs...

Paul: ...ja genau.

HH: Hat der Euch verstanden, Euren Stil gut einfangen?

Paul: Das war wirklich seltsam, wir haben seine Videos vorher gesehen und dachten, das könnte ganz gut funktionieren. Ursprünglich wollten wir allerdings diesen Typen aus Schweden, der die Dimmu Borgir Videos gemacht hat, wir wollten komplette Storyboards von ihm, aber irgendwie hat das nicht geklappt. Also haben wir gesagt, wir machen das Video mit Dani Jacobs, der ist aus England, und wir können in London drehen, wir müssen nicht weiß Gott wohin reisen. Das Shooting war dann in einem riesigen Tunnel, wir haben um 7 Uhr morgens angefangen, sind rumgehangen und haben kleinere Szenen gedreht - wir haben keine Ahnung gehabt, wie das zusammenpassen soll. Zwei Uhr nachts haben wir dann ein paar Musikszenen eingespielt, für 45 Minuten, und dann war Schluss. Aber als dann der erste Rohschnitt kam, haben Dani und ich uns das angeschaut, und wir dachten: Mann, das ist ja großartig - wir haben überhaupt nichts mehr ändern müssen, weil es schon so gut war. Also hoffe ich, dass wir auch für das nächste Video mit diesem Regisseur zusammenarbeiten können.

HH: Die britische Szene ist sehr kurzlebig, es gibt ein Menge Hype für neue Sachen, die dann aber genau so schnell wieder fallen gelassen werden. In dieser Szene hat man euch oft als die Iron Maiden des Extremen Metal beschrieben, weil ihr seit Jahren konstante Qualität liefert. Wie seht ihr die britische Szene?

Paul: Ja, das ist schon verdammt kurzlebig. Die Medien unterstützen ihre eigenen Bands nicht. Britische Zeitungen und Medien mögen ihre Bands nur, so lange sie nicht erfolgreich sind. Da gibt es den Hype, das ist das nächste große Ding und so weiter. Aber sobald die Bands ein bestimmte Popularität erreichen, werden sie in der Luft zerrissen und niedergemacht, so lange, bis die Band zerstört ist. Das ist eine bizarre Mentalität, mit der eigenen Szene so umzugehen. Aber US-Bands, denen kriechen sie in den Hintern, die können gar nichts falsch machen. Für mich sind die britischen Medien total schizophren. Die sollten doch ihre eigenen Bands unterstützen, nicht die US-Bands - aber so sind sie eben.

HH: Das Ozzfest war ein hartes Stück Arbeit, aber auch eine Riesenchance für Euch. Würdest ihr so was noch mal machen?

Paul: Hm ... darüber haben wir gerade vor ein paar Tagen gesprochen - ich glaube, wenn es die Chance wieder gäbe, würden wir das wieder machen. Aber es war so verdammt hart, Du bist 10 Wochen von zu Hause weg, als Headliner der Second Stage, und auch noch für Deine eigenen Shows. Das Ozzfest ist außerdem im Sommer, da wird es verdammt heiß. Wir haben in unserem kompletten Leder-Outfit gespielt - bei einem Open Air in Arizona müssen auf der Bühne mindestens 110 Grad gewesen sein. Bevor wir rausgegangen sind, haben wir zwei, drei Salztabletten eingenommen und jede Menge Wasser getrunken. Das ist total seltsam, du trinkst literweise Wasser und musst danach nicht auf die Toilette, weil Du die ganze Flüssigkeit sofort wieder rausschwitzt. Dennoch glaube ich, wir würden wieder mitmachen. Aber ich hätte dann gerne eine gute Position auf der Main Stage, mit guter Lightshow... aber ich weiß nicht, ob sie uns nochmal fragen.

HH: Der Song Nymphetamine ist auf dem Soundtrack zu Resident Evil: Apocalypse. Hast Du den Film gesehen? Der ist totaler Mist, der Soundtrack ist aber spitze.

Paul: Ja? Keine Ahnung, ich hab den Film nicht gesehen. Die Leute fraqen mich öfter danach, der Song kommt nur aber sehr kurz vor, irgend jemand hört das auf seinen Kopfhörern. Aber der Song ist auf dem Soundtrack.

HH: Euer ganzes Auftreten ist öfter mit der britischen Tradition und den Hammer Filmen verglichen worden. Manowar haben derzeit eine Zusammenarbeit mit Christopher Lee, der mit ihnen auf den Open Airs im Sommer auftreten wird. Wäre so eine Zusammenarbeit mit einem britischen Horror-Star auch etwas für Euch?

Paul: Das wäre natürlich gut... Vincent Price ist der, der schon tot ist, oder?

HH: Ja, der ist tot...

Paul: ...als wir mal schön einen in der Krone hatten, haben wir gesagt: irgendein Schauspieler sollte mal etwas für uns machen, am besten Vincent Price - dann haben wir gemerkt, dass der tot ist - ha ha... Lee wäre natürlich gut, es müsste der richtige Song sein.

HH: Er macht Erzählparts für Manowar und singt mit Rhapsody.

Paul: Wusste ich nicht! Cool.

HH: Du selbst arbeitest am Design für Eure Website, auch für die Audio DVDs. Wie wichtig ist dieser optische Aspekt für Dich?

Paul: Das ist mir extrem wichtig, weil niemand außerhalb der Band wirklich das visualisieren kann, was wir uns vorstellen. Wir haben schon versucht, mit Leuten außerhalb der Band zu arbeiten, aber das funktioniert einfach nicht. Wir sind verdammt wählerische Hunde, wenn es um unser Image geht, also hab ich irgendwann gesagt: fuck it, ich mach das einfach selbst. Ich habe die Extras für die letzte DVD zusammengestellt, auch für die neue DVD, die Ende des Jahres herauskommt. Im Moment mache ich das Behind the Scenes Material.

HH: Wird das wieder eine Live-DVD?

Paul: Ja, wir filmen das Konzert in Paris am Ende der Tour. Die DVD wird so ähnlich wie Heavy Left Handed And Candid, mit Szenen vom Ozzfest - das sollte wieder ganz gut werden... Das Artwork ist sehr wichtig, außerdem ist das ein guter Ausgleich, wenn ich versuche Songs zu schreiben und nicht weiterkomme. Dann setze ich mich einfach an den PC und mache ein paar Designs, dann bin ich immer noch für die Band künstlerisch aktiv... das habe ich übrigens auch schon professionell gemacht, ich habe schon im Mediensektor gearbeitet.

HH: Danke für das Gespräch!

Paul: Kein Thema, jederzeit.

Holgi

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