9 Headbänga online
04.12.2020 Coogans Bluff
04.12.2020 The Disaster Area
05.12.2020 Eisregen
05.12.2020 Eisregen
06.12.2020 Mina Caputo & The Sad Eyed Ladies
07.12.2020 Rhapsody Of Fire
Reviews (10198)
Navigation
Artikel des Tages
Review:
Mad Max

Interview:
Ingrowing

Live-Bericht:
Wacken Open Air

Video:
Plector
RSS RSS
Atom Atom
 

Konzert-Bericht

Pungent Stench, The Vision Bleak, Dark Fortress & Lunar Aurora

Bavarian Battle

Lokschuppen, Rosenheim 14.01.2006

(Fotogalerie)

Tja, wie heißt es doch so schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So trafen wir also frohen Mutes um viertel nach fünf an besagtem Abend vor dem Lokschuppen zu Rosenheim ein in froher Erwartung kostengünstiger Hopfenkaltschalen, die es ja bis 18:00 Uhr hätte geben sollen. Also schnell in die kurze Schlange eingegliedert und gewartet. Und gewartet. Und gewartet. Und... nix passierte. Na ja, eines passierte doch: Aufgrund der subarktischen Temperaturen, die herrschten, rückten die Wartenden schön eng zum Gruppenkuscheln zusammen. Wie sich später herausstellen sollte, war die Verzögerung der verspäteten Ankunft von The Vision Bleak zu verdanken. Ein paar Infos an die Wartenden wären aber durchaus sinnvoll gewesen, da hätte man sich die "Happy Hour" durchaus anders vertreiben können.
Als sich um 18:00 Uhr dann endlich die Pforten öffneten, betraten dann die ersten Steiff-Gefrorenen (incl. Knopf im Ohr) die Halle.
Die erste Anlaufstelle war auch für Meinereiner die Theke, an der sich alles dezent bis auffällig drängte. Doch nix war mit verbilligten Bierpreisen, als ob wir was für die Verspätung konnten. Na ja, sei's drum, bewaffnet mit zwei Becher ging es erst mal Richtung Bühne. Kaum einer schenkte zu diesem Zeitpunkt den bereits dort stehenden Scarcross Beachtung, die noch in den letzten Zügen vom Soundcheck waren. Mit einem eher schüchtern wirkenden "Tschuldigung, sollen wir anfangen?" ging es dann um kurz nach sechs Uhr endlich los. Zu diesem Zeitpunkt war der Lokschuppen weniger als spärlich gefüllt, die meisten waren noch draußen vor den Toren. Diejenigen, die sich selbst noch bewegen konnten, halfen den anderen beim Auftauen. Die Rosenheimer Band legte einen gepflegten Mix aus Death, Thrash und Black auf's Parkett mit Synthesizer Untermalung. Trotz des sich mehr und mehr füllenden Lokschuppens hielt sich der Applaus in Grenzen. Der ein oder andere Banger war zwar gesichtet, jedoch zog es der Rest vor, dem Ganzen aus der Ferne zu lauschen. Mehr als Höflichkeitsapplaus war da nicht drin. Zurück zum Bierstand.

Gerade als ich wieder das Objekt meiner Begierde in den Händen hielt, gingen auch schon wieder die Lichter aus für die Münchner Infestus, die für Armistice eingesprungen waren. Nach der Aufforderung "Intro bitte" ging dann auch die schwarzmetallische Raserei los. Allerdings nur aus den Boxen, den vor der Bühne herrschte Statik. Hier und da eine kreisende Matte, das war's dann auch schon. Vielleicht lag es am undifferenzierten Sound, der da aus der PA quoll. Oder taten es die Fans dem Mann am Viersaiter gleich, der den Bewegungsradius einer Briefmarke voll und ganz ausschöpfte? Wir werden es nie erfahren. Jedenfalls steht und fällt vor allem beim Black Metal der Gig mit dem Sound. Und wenn dieser dann verwaschen aus den Boxen kommt, geht die Schose einfach den Bach runter. Einzig Dagon (Vocals) war bemüht, die Fans mitzureißen, was allerdings nur bedingt gelang. So preschten Infestus von Song zu Song und mit dem Coversong "Possessed (By Satan)" von Gorgoroth schloss man den 25minütigen Gig dann ab, der auf entsprechende Gegenliebe stieß. Zeit für Flüssigkeitsnachschub.

Die nächste halbe Stunde waren ganz im Zeichen von Death/Thrash Metal. Possession kann man getrost als erstes Highlight des Abends bezeichnen. Und zum ersten Mal kam auch richtig Stimmung im bereits gut gefüllten Lokschuppen auf. Bis in die hintersten Reihen wurde gebangt und gemosht. Gut so. Sichtlich von den positiven Reaktionen angestachelt steigerten sich Possession im Laufe des Gigs weiter. Kein Wunder, wurde doch jeder Song ausgiebigst abgefeiert. Verdammt, wie soll man mit einer Kaltschale in der Hand vernünftig moshen ohne die Hälfte zu verschütten??? Die Band stellte mich vor ein Problem. Also schnell weg gekippt und abgegangen. Leider war der Gig mit 30 Minuten definitiv zu kurz. Das sahen wohl alle anderen auch so, doch die Rufe nach Zugabe blieben ungehört. Tja, die Verspätung musste ja irgendwie aufgefangen werden. Mit viel Beifall wurden die Jungs verabschiedet. Wo war gleich nochmal die Theke???

Wieder frisch aufmunitioniert harrte ich der Dinge, die da noch kommen mochten. Und sie kamen. Gewandet in Mönchskutten, in unheilvolles grünes Licht getaucht und mit einem schier nicht enden wollenden Intro legten die Rosenheimer Lunar Aurora mit ihrem Black Metal los. Zumindest musikalisch ließen sie nichts anbrennen und streuten ihre schwarze Saat ins Publikum. Leider engten die Kutten die Band wohl arg ein, denn von Bewegung auf der Bühne konnte nicht annähernd die Rede sein. Alles sehr statisch. Auch vor der Bühne das gleiche Bild, obwohl die Reihen zwischenzeitlich sehr viel dichter geworden waren als noch bei Possession. Trotzdem konnten Lunar Aurora das von Possession vorgelegte Stimmungslevel nicht erreichen. Da auch hier der Sound wieder schlechter geworden ist und die Natur zudem ihr Recht verlangte, hörte ich mir den Gig von draußen an, wo ich ca. die Hälfte der anwesenden Fans traf. Als ich gegen Ende wieder die vorderen Reihen vorstieß (natürlich mit vorherigem Abstecher zur Bar), flogen doch einige Matten durch die Luft. Unter Zugabe-Rufen war dann um halb zehn der Spuk vorbei.

Dass es auch anders geht, zelebrierten kurze Zeit später die aus Landshut angereisten Dark Fortress und unterstrichen dicke, dass der Deal mit dem Major Century Media zu Recht an Land gezogen wurde. Hier war von Anfang an der Stimmungspegel im oberen Bereich angesiedelt, was sich in unzähligen Bangern niederschlug. Die Jungs wechselten gekonnt zwischen alter, skandinavischer Raserei und erhabenem Midtempo. Auch zwei neue Songs des inzwischen erschienen dritten Albums schafften es auf die Setlist (der Opener "Ghastly Indoctrination" und das über alle Zweifel erhabene "CataWomb"). Dass die Jungs 2005 nicht viel livehaftig unterwegs waren, merkte man ihnen nicht an, dafür wirkte der Gig sehr routiniert. Fast hatte man den Anschein eines Heimspiels, denn bis in die hintersten Reihen waren die Fans am Bangen. Zudem war der Sound bei den Jungs besser abgemischt und kam klarer aus den Boxen. Zu guter Letzt durfte natürlich "I Am The Black Wizards" von Emperor nicht fehlen, der nach rund 45 Minuten viel zu früh einen Schlusspunkt setzte. Hier wäre eine Zugabe dringend nötig gewesen. Nach dieser Darbietung war flüssige Stärkung angesagt... warum da aber plötzlich zwei Theken waren, konnte ich mir nicht erklären...

Was The Vision Bleak boten, war nicht nur ein Ohren, sondern auch ein kleiner Augenschmaus. Schon ein Blick auf die Bühne verriet, dass die ehemaligen Empyrium Jungs viel Wert auf Optik legen und ihre Musik als Gesamtkunstwerk betrachten: große Backdrops links und rechts vom Schlagzeug mit Wald und Mondlandschaften sowie efeuberankte Mikroständer. Als es dann um 23:00 Uhr auch losging, hatten The Vision Bleak sofort alle auf ihrer Seite. Banger und emporgereckte Pommesgabeln von vorne bis hinten. Und das, obwohl die Musik gänzlich anders war als der Rest des Abends. Am ehesten kann man noch eine Mischung aus Black und ganz viel Dark Metal als Bezeichnung heran ziehen. Jedenfalls lieferten sie eine souveräne Show ab. Allen voran der Mann am Mikro, Allen B., der absolut souverän und selbstsicher in den Kompositionen aufging und diese mit einer durchaus theatralischen, aber niemals überzogenen Gestik unterstrich. Gegen Ende des Sets wurde es merklich leerer im Lokschuppen, doch genau diesen Platz brauchten die Anwesenden, um den ersten Pit des Abends einzuläuten. Nach einer kurzen Zwangspause – die PA hatte stellenweise ihren Geist aufgegeben – wurde der gelungene Gig mit einer Zugabe noch ausgeläutet.

Tja, laut Zeitplan hätte das Konzert ja jetzt aus sein müssen, denn die Uhr schlug zwölf Mal. Doch noch stand der Headliner des Abends aus. Als die Kult Deather Pungent Stench schließlich um kurz nach Mitternacht die Bühne betraten, war der Lokschuppen schon recht leer (manch eine soll dem Vernehmen nach dem Gott der Schüssel gehuldigt haben ;-) ). Doch das kümmerte die Sickos recht wenig, vielmehr legten sie noch eine Schippe drauf. Die restlichen Fans dankten es ihnen, den noch vorhandenen Kräften entsprechend. Dass die Luft langsam raus war, merkte auch Martin Schirenc (Vocals, Guitar), der mit seinem unnachahmlichen Schmäh immer wieder die Leute anstachelte: " Gell, ihr seids scho a weng müd...". Das und Songs der Marke "Splatterday Night Fever" verfehlten ihre Wirkung nicht und schon wurde der Pit wiederbelebt. Ansonsten wurden Pungent Stench abgefeiert, was die müden Knochen noch hergaben. Gegen Ende wurde auch in zunehmenden Maße die Bühne erklommen um einmal mit seiner Lieblingsband abschädeln zu können. Doch die anwesende Security machte dem schnell ein Ende und beförderte die Fans wieder Richtung "Menge" bzw. Hallenboden. Um eins in der Früh war dann aber Schicht im Schacht, denn "...mann will ja keinen Ärger mit der Polizei haben". Doch dem Unmut mancher Fans (und wohl einiger fliegender Gegenstände) ist es wohl zu verdanken, dass Pungent Stench nochmal zurück kamen um "noch schnell einen runterzuklopfen". Die Fans nahmen dies dankbar an. Dann war jedoch endgültig Schicht im Schacht und der Abend endete so, wie er begonnen hatte: in der Eiseskälte.

Ray

Zur Übersicht
Zur Hauptseite

Werbung:

© www.heavyhardes.de