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Interview

Interview mit Beyond The Void (22.08.2004)

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Die Münchner Goth-Rocker von Beyond The Void bringen vier Jahre nach ihrer Gründung ihre erste CD Our Somewhere Else in die Läden. Und das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen. Deswegen befragten wir Sänger Daniel Pharos und Gitarrist Martin zur neuen CD, Memmen und KFZ-Mechanikern.

HH: Euer erstes Album Our Somewhere Else ist jetzt schon ein paar Wochen in den Läden. Wie sind die Reaktionen bis jetzt - von Fans und Presse?

Martin: Verblüffend positiv, es ist fast erschreckend. Oft hatten wir Angst, sie haben die falsche CD reviewed. Ob es jetzt die passende Zeit, der richtige Ton oder der Trupp Mafia-Killer, den wir auf die Magazine angesetzt haben, wir haben wohl einen Nerv getroffen.

HH: Seid ihr immer noch zufrieden oder würdest ihr im nachhinein Dinge am Album, an der Herangehensweise beim Aufnehmen, etc. ändern?

Martin: Wir würden wohl vieles ändern, werden es aber nicht. Our Somewhere Else ist unser Kind und genetisch modifiziert wäre es nicht dasselbe. Aber beim nächsten Album wird alles anders. Radikaler, kompromissloser und mit mehr Drogen.

HH: Da es euch noch nicht so lang gibt, erzählt mal kurz was zu eurer Entstehung und den Mitgliedern?

Daniel: Mit dem Jahr 2000 trafen wir aufeinander, teils in anderen Bands aktiv, und da es kreativ ziemlich gefunkt hat, wurde Beyond The Void geboren und zu unserer Erstfrau. Wir haben einiges ausprobiert und uns dann immer mehr für ein lebendes Konzept entschieden, an dem wir ständig feilen.
Auf unser Team bin ich stolz. Gründer Dominik spielte Gitarre quasi bevor er laufen konnte und studiert Gitarre an der Hochschule und das hinterlässt deutliche Spuren in der Gitarrenarbeit. Der banderfahrene Martin hat die meisten meiner Bands, die ich so hinter mir habe, mitgemacht und kann auf diverse Positionen als Hauptsongwriter zurückblicken. Rudi ist Konzertpianist seit mehr als zwei Jahrzehnten und auch das lassen wir ihn bei uns ausleben. Ben studiert Schlagzeug und ist damit unsere zweite Professionelle. Ulrich ist unser Neuzugang am Bass und für schwärmende Frauen zuständig. Meiner einer singt dazu.

HH: Was bedeutet euch euer erster Plattenvertrag und was erwartet ihr euch noch von eurer musikalischen Karriere?

Daniel: Unser Label ist jetzt nicht das Größte, wir sind auf jeden Fall für die #2 auf Expansionskurs. Musikalische Karriere - mal schauen. Solange wir beharrlich und präsent sind kann man uns nicht stoppen. Bei unserer Menge an Songwritern und Songideen geht uns sobald nicht der Saft aus. Wie viele Leute sich nun jetzt genau die Ideen reinziehen, die wir auf die Menschheit loslassen wollen und müssen, das ist nicht der Punkt.

HH: Kommen wir mal zur Musik. Wo würdet ihr euch musikalisch einordnen und was sind eure Vorbilder? Ich bilde mir ein manchmal ein wenig Opeth und bei anderen Songs ein wenig HIM herauszuhören...

Daniel: Jeder von uns sechs hat einen anderen Background, andere Einflüsse und andere Vorbilder. Grade diese Vielseitigkeit und Offenheit könnte bewirken, dass unsere Musik nicht langweilig wird. Mit der Bandbreite fällt es uns schwer "die nächsten XYZ" zu sein. Haupteinfluss ist unser Konzept, an dem jeder mitdoktorn kann und das unseren Weg bestimmt.
Vergleiche mit HIM sind natürlich omnipräsent, aber das ist ganz normal, die sind einfach die bekanntesten des Genres in dem wir aktiv sind. Du kannst auch kein weißer amerikanischer Rapper sein und ein Review bekommen in der nicht das Wort Eminem drin vorkommt.

HH: Ihr habt mir vor zwei Jahren mal eine Promo mit dem Arbeitstitel The Infinite Eye zugesteckt, von der sich jetzt zwei Songs auch auf der CD befinden. Was ist mit den zwei anderen passiert?

Daniel: Das war unsere selbstvertriebene Mini-CD The Infinite Eye, in einer Frühfassung.

Martin: Die beiden anderen haben es nicht geschafft, Friede ihrer Asche. Unsere Selektionsmethode ist gnadenlos. Die Schwachen werden nicht beweint.

HH: Ist für dich ein Unterschied zwischen den beiden "alten" Songs und dem neuen Material?

Martin: Die alten sind tot.

HH: Die Musik von Beyond The Void ist manchmal ziemlich düster und depressiv - wie kann man sich eine Bandprobe bei euch vorstellen, hängt ihr da alle tot traurig mit ein paar Flaschen Rotwein zusammen und leidet oder geht es doch eher fröhlich ab?

Daniel: Beyond The Void ist unser Ventil. Damit kann man viel ablassen von dem inneren Schmutz. Und natürlich nehmen wir uns mit Humor, wie könnte man dieses Leben sonst ertragen? Anders gesagt: Am Musikmachen, an der Kreativität, an Beyond The Void können wir uns aus dem Schlamm ziehen, wenn er droht uns zu ersticken.

HH: Was bedeutet der Albumtitel Our Somewhere Else? Klingt ziemlich philosophisch?

Daniel: Our Somewhere Else ist jener andere Ort, der auf nur für einen kurzen Moment existiert, wo alles etwas weniger grausam ist. Manchmal zerplatzt dieser Ort wie ein Traum mit dem Erwachen. Realitätsflucht und Realitätsbewältigung, darum geht es auf dem Album.

HH: Wenn ihr dem Album einer Wetterstimmung (dicker Nebel, Sonnenaufgang/-untergang, starkes Gewitter, wolkenverhangener Tag mit dicken grauen Wolken, etc.) zuordnen solltet, welche würde zu ihm passen?

Martin: Invertierter Sonnenschein und Regen der nach oben fällt.

HH: Daniel, Du selbst hast dich ja vom Metal ein wenig entfernt und spielst jetzt in einer Rockband. War das ein natürlich Prozess bei dir, bei dem du alte Dinge hinter dir gelassen hast und interessante neue Erfahrungen gesucht hast? Oder wie kam diese "Wandlung" zu stande?

Daniel: Meine Hauptband macht jetzt modernen Goth Rock, aber nach wie vor bin ich in der Metal Szene aktiv sofern meine minimale Restzeit das erlaubt, z.B. mit der Extreme Doom Band Worship. Außerdem hat auch Beyond The Void natürlich viele Metal-Einflüsse, welche auch auf Metaller ihre Wirkung nicht ganz verfehlen, z.B. Metal Hammer 6 / 7 Pkt. und Heavy Oder Was!? 11 / 12 Pkt.

Martin: Der Metal war sehr lange unsere Heimat, aber er ist auch ein Dogma. Gewisse Dinge sind für Metal einfach nicht "schicklich". Das weckt den Rebellengeist und trieb uns in die Arme der Hure Rock 'n' Roll. Hier ist alles erlaubt. Solange es schmutzig ist.

HH: Die Frage geht wieder an Daniel: Man könnte deinen Gesang auf der Platte manchmal als "leidend" charakterisieren. Bist du im Leben eher eine Memme oder der harte Mann?

Daniel: Beides, wie wohl die meisten. Ich finde zum Beispiel, noch eine Memme sein zu können im richtigen Moment viel härter als andere, die daran scheitern. Gefühle zulassen, das machen nur die ganz Harten. :)

HH: Was für einen Charakterzug könnt ihr an euch gar nicht leiden?

Daniel: Ich halse mir dauernd mehr auf als ich in der Qualität händeln kann, die ich von mir erwarte. Das führt immer zu Konflikten mit mir selbst.

HH: Was würdet ihr an der Menschheit verbessern, wenn ihr könntet?

Martin: Mehr Vernunft wäre brauchbar. Größere Titten wären auch ok.

HH: Deutschland ist gerade in einem ziemlichen Umbruch (Hartz IV) und jeder meckert und jammert, dass es ihm schlecht geht, er zuwenig Geld bekommt und sowieso in Deutschland alles scheiße ist. Findet ihr das gerechtfertigt, denn es steht ja fest, dass man sich hier in Deutschland eigentlich nicht beschweren sollte - wir haben hier keinen Bürgerkrieg, keine Hungersnöte, keine politische Diktatur, man darf denken und tun was man will - und wenn man es geschickt anstellt, könnte in Deutschland doch eigentlich jeder "gut" leben. Man muss nicht mal arbeiten und bekommt eine Wohnung und Geld, zwar nicht viel, aber man bekommt was...

Martin: Fast die gesamte ausländische Presse versieht unsere "Reformen" mit dem Beiwort "milde". Was wir mühsam versuchen einzuführen, ist im Rest Europas schon Politik. Und die Leute glauben immer noch an den Obrigkeitsstaat, in Form eines preußischen Offiziers, der einem diktiert, wie man korrekt pinkelt, und über den man sich aufregen kann, wenn er mal Fehler macht. Dabei ist es unser Staat, der nicht weiter kommt, nicht unsere Regierung. Schon bei der Diskussion über die 40-Stunden-Woche hätte man meinen können, es ginge in Wirklichkeit um standartisierte Penisamputationen, so groß war das Geheule. So viele Memmen auf einem Haufen, es ist beinahe peinlich. Aber die Zeiten ändern sich. Das man mal jahrelang Geld bekam ohne zu arbeiten, das werden uns unsere Enkel ohnehin nie glauben. Man soll natürlich nicht verschweigen, dass viele Fehler gemacht werden, zu viele. Kritik ist lebenswichtig. Aber nicht auf Blockadebasis. Das ist einfach nur infantil.

HH: Glaubt ihr, dass eure Musik unzufriedenen Menschen helfen kann?

Daniel: Bestimmt, das kriegen wir immer wieder bestätigt. Meine Texte sind nicht nur fertig, sie haben mir auch manchmal Hoffnung gegeben und Auswege gezeigt, und das kann ansteckend sein.

HH: Seid ihr zufrieden mit dem was ihr bis jetzt habt oder fehlt euch noch was zum glücklich sein?

Daniel: Richtig glücklich sein ist nicht das leichteste, wer kann das schon, und wer kann schon alles abschütteln was hinter uns liegt? Aber ich bin sehr dankbar für das Jetzt, denn zur Zeit geht alles bergauf.

HH: Mit wem würdest du gerne für eine Nacht in einem Aufzug eingesperrt sein?

Daniel: Mit einem Aufzug-Mechaniker? Und wenn der mal wieder nicht kommt, wenn man ihn braucht, dann häng ich dir eine Liste an von einigen lustigen Label-Bossen, mit denen ich gern mal "Ihren-Namen-Schreiben" üben möchte.

HH: Geht ihn in naher Zukunft auf Tour oder bleibt es erst mal bei vereinzelten Konzerten?

Daniel: Wir machen eine kleine Tour, präsentiert vom Zillo & von Radio Dunkle Welle. Termine gibt's auf www.beyondthevoid.de. Da kommen aber auch noch ein paar dazu, die derzeit noch in Verhandlung sind.

HH: Seid ihr mit eurem Label zufrieden?

Daniel: Wie gesagt, unser Label hat uns mehr einen Startschuss gegeben. Transformer Records ist das Label von Artur Silber, dem Besitzer des Downtown Studios, wo wir aufgenommen haben. Ihm hat unsere Musik sehr gefallen und er hat uns sehr viel unterstützt und weitergebracht. Für das zweite Album stehen wir aber zur Verfügung für Angebote interessierter größerer Labels.

HH: Was ist das für ein Gefühl, seine eigene Scheibe in einem CD-Regal im Laden zu sehen?

Daniel: Unbeschreiblich. In den Dingern steckt immer mehr Arbeit als 12 x 12 cm vermitteln können.

HH: So, ich denke das langt erst mal. ;-) Mögt ihr noch was berühmtes loswerden? Eure letzten Worte...

Daniel: Danke an Heavyhardes.de für die Unterstützung seit der ersten Stunde!!

HH: Bitte, bitte...

Thorsten

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