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Eberhard Schoener - Flashback (Re-Release)

Eberhard Schoener - Flashback (Re-Release)
Stil: Klassik, Rock. Elektronik
VÖ: 25. Februar 2011
Zeit: 46:34
Label: Mig
Homepage: www.eberhard-schoener.de

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Wo "Sting" draufsteht ist auch Sting drin. Zur Gänze alle Platten von The Police, die zahlreichen Solo-Scheiben und Projekte wie The Living Sea (1995) oder Dolphins (2000) tragen den nimmer zu fälschenden Stempel des Ausnahmekünstlers und vor allem -Sängers Gordon Matthew Thomas Sumner (so sein bürgerlicher Name). Im Folgenden geht es aber mitnichten um ein weiteres Projekt des Engländers, sondern um die Neuauflage von 1977/78 entstandenen Aufnahmen, zu denen einst der Dirigent, Komponist, Avantgardist und Multi-Instrumentalist Eberhard Schoener die Musiker einer damals noch kaum bekannten und in Geldnöten steckenden Combo mit dem Namen The Police zu sich nach München einlud. So sind auf Flashback nicht nur jener Sting, sondern auch seine Bandkollegen Andy Summers und Stewart Copeland zu hören; umringt vom Orchestra of the Munich Chamber-Opera. Dazu Sting: "Deswegen war es, ..., zu verlockend, um ein paar Wochen Arbeit in Deutschland als Teil einer (wie Andy sagte) ‚Multimedia-Komposition aus Laser, Zirkus, Rock, klassischer und elektronischer Musik mit Balletttänzern und einem Pantomimen‘ abzulehnen." (aus "Eberhard Schoener - Grenzen gibt es nicht"; 2010).
Wie ist jenes Projekt zu beschreiben? Schoener selbst spricht von einer Trilogie, die sich als Aufbruch, Reise und Rückkehr ausnimmt und in die Teile "Bali-Agung" - "Trance-Formation" - "Flashback" aufgespaltet wird. Ferner lässt sich jedoch auch eine Zweiteilung in "From The New World" (Reise U.S.A. nach Europa) und "From The Old World" (der Lauf des Rheins von seiner Mündung bis zur Quelle) vornehmen, womit sich schon aus den verschiedenen semantischen Zuschreibungen die Komplexität bzw. der avantgardistische Anspruch der Kompositionen heraus lesen lässt.
Einzelne Titel lassen sich kaum aus dem Gesamtkonzept lösen. Das Album beginnt beispielsweise mit dem Sound eines abhebenden Flugzeugs ("Trans-Am"), worauf Fanfarenstöße eine Überleitung bilden zu sphärisch-erhabenen (dann und wann an die gemäßigten Tracks von Devin Townsend erinnernden), von E-Piano durchsetzten und von vertrackt-innovativen, aber auch nach vorne drängenden Drum-Rhythmen getragenen Klanglandschaften ("Why Don't You Answer"). Über allem schwebt die unverwechselbare Stimme von Sting in einem frühen Stadium seiner künstlerischen Ausdruckskraft, was hier durchweg positiv zu bewerten ist, erklimmt er doch fast unmenschliche Höhen und setzt sein Organ quasi als zusätzliches Lead-Instrument ein. Man höre sich in diesem Kontext nur das anfangs Wah-Wah-lastige und durchaus Vergleiche zur mittleren Pink Floyd-Periode zulassende "Only The Wind" an, das, in seinem Mittelpart gänzlich elektronisch geprägt, in einem stimmigen Klangbogen zum Ende hin wieder das Anfangsarrangement aufnimmt.
Den drei Titeln des zweiten Abschnitts "From The Old World" liegt Musik für den Film "Rheingold" von Niklaus Schilling zugrunde, die jedoch teilweise durch variablen Einsatz von Synthesizern, aber auch durch E-Gitarren-Verzierungen (wie in "Rhine-Bow") in neuem Licht erstrahlt und den Hörer animiert, sich in Phantasielandschaften zu versenken, durch die "der Halbgott", wie ihn einst Friedrich Hölderlin in seiner mehrere Seiten umfassenden Hymne "Der Rhein" bezeichnete, sich windet und in Musik umgesetzt seinen Lauf je verbreitert, verlangsamt oder in Stromschnellen verwandelt.
Flashback ist jenseits der von Schoener selbst getroffenen Zuschreibungen eine Reise in die Vergangenheit, in der die Verbindung von klassischer Musik, Electronica und Rock noch in den Kinderschuhen steckte, wenn gar nicht-existent war. Es ist darüber hinaus ein Zeugnis dafür mit welchen Ansprüchen die Musiker von The Police ursprünglich an ihre Kunst herantraten, doch zuvorderst die musikalische Umsetzung der Vision eines Gesamtkunstwerks, mit der sich Schoener weit, weit vor ihrer Zeit einen Markstein setzte.
Dazu noch mal Sting: "Eberhards kultivierte Weltoffenheit, sein altmodischer deutscher Hang zur Romantik und sein Beharren darauf, dass auch das moderne Leben noch ein Abenteuer sein könne, inspirierten mich sehr, denn er wirkte wirklich wie ein Mann aus einer anderen Zeit."

Fuxx

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