12 Headbänga online
Reviews (10286)
Navigation
Artikel des Tages
Review:
Cradle Of Filth

Interview:
Firewind

Live-Bericht:
Tarja Turunen

Video:
Arch Enemy
RSS RSS
Atom Atom
 

Konzert-Bericht

Destruction & Burning Witches

Backstage, München 12.09.2020

Es ist ein bizarres Bild. Unten, im geräumigen Pit zwischen Mischpult und Bühne, da wo normalerweise die Meute tobt, stehen ein paar Biergarnituren, seitlich an den Treppenrängen einige einzelne Stühle und oben, zwischen Theken und Merchandise, noch mal wenige Biertische und -bänke. Alles im Mindestabstand von 1,5 Metern. So verlieren sich kaum 200 Leutchen im geräumigen Werk des Münchner Backstage, einer Location, die normalerweise über 1000 Besucher mehr unterbringt. Abseits des eigenen Sitzplatzes nur mit Mundschutz und ausschließlich zum Zwecke des Be- oder Entsorgens von Getränken.

Immerhin gibt es überhaupt mal wieder Konzerte und zwar nur in diesem engen Zeitfenster, September - Oktober, wie wir inzwischen leider wissen. Derzeit, Stand November 2020, geht ja erneut gar nichts mehr. Covid 19: Du bist ein Arsch!

Aufgrund der begrenzten Zuschauerzahlen hat man beschlossen, zwei Shows an einem Tag zu spielen: eine am Nachmittag und eine am Abend. Damit sich der Aufwand für die Bands wenigstens ein bisschen lohnt. Denn Destruction haben es sich nicht nehmen lassen, selbst für diese beiden Minigigs mit Special Guest anzureisen. Ich befinde mich auf dem Nachmittagskonzert, am Abend steht bei mir das parallel zum zweiten Destruction-Gig stattfindene Biergartenkonzert der Emil Bulls auf dem Programm.

Um 16:00 Uhr entern also zunächst die Schweizer Mädels Burning Witches die Bühne. Deren neue Sängerin kommt aus Holland und scheint sich zu fragen: Warum mit Reizen geizen? Zumindest legt das ihre sehr (!) enge Lederhose sowie ihr sehr (!!!) knapper Leder- äh - BH? nahe. Heißes Outfit der brennenden Fronthexe! Zu hören gibt es auch was. Der Powermetal der Eidgenossinnen tönt angenehm druckvoll und weist, zumindest live, eine fast schon thrashige Note auf - durchaus passend also zum Headliner. Zumal die Burning Witches als kompetente Anheizerinnen nichts anbrennen lassen und ihre straighten Nummern versiert und mit großer Spielfreude ins Publikum feuern.

Als die baden-württembergischen Zerstörer an der Reihe sind, wird eines klar: Unter normalen Umständen ein mitreißendes Konzert abzuliefern, können sicher nicht alle - aber doch viele Bands. Aber in fast leerem Haus vor ein paar gemütlich sitzenden Bierbänklern einen derartigen Abriss zu veranstalten - das schaffen eben nur durch und durch professionelle Überzeugungstäter wie die legendäre Teutonic-Thrash-Institution. Frontmann Schmier stellt angesichts von Gemecker im Vorfeld über angeblich unmetallische Abstandskonzerte vor sitzendem Publikum erst mal klar, was Metal eigentlich ist. Wir! Dann geht es ab! Auch im Publikum. Ob alt ("Nailed To The Cross"), ganz alt ("Curse The Gods") oder neu ("Born To Perish"), alles klingt wie aus einem Guss und knallt ohne Ende. Die Band präsentiert sich im martialischen Einheitslook wie ein einziges breitbeiniges Thrash-Urviech und musiziert tight wie eine verdammte Stahlwand. Ganz besonders innovativ feiert diese Darbietung eine rothaarige junge Dame auf dem Stuhl vor mir ab. Sie kreiert ein patentwürdiges Stuhl-Banging, bei dem sie Arme und Beine gleichzeitig in die Höhe katapultiert und dann wieder auf Boden bzw. Stuhllehne hämmert. Ein herrlicher Anblick.

Leider muss ich mitten im Gig für 20 Minuten weg, um ein Interview mit Christoph von den Emil Bulls zu führen und verpasse so ausgerechnet "Mad Butcher", die Bandhymne schlechthin. Als ich zurückkomme, ist es dennoch, als hätte ich mich nur einmal kurz weggedreht, denn das Riffgewitter prasselt und peitscht wie zuvor. So wird noch eines klar: Man mag den, allesamt sehr soliden, Alben der letzten Jahre nicht zu Unrecht vorwerfen, nicht durchwegs essentiell zu sein. Aber! Live sind Rampensau Schmier, Riffmeister Mike und ihre (neuerdings) zwei Mitstreiter eine Macht, auch wenn sie die neueren Songs zocken. Das ist grandioser Stoff für den Konzertsaal und vielleicht weniger fürs Wohnzimmer. Den finalen Nackenschlag gibt es dann doch via Klassiker - "Bestial Invasion"! Warum heißt eine Band eigentlich Zerstörung? Genau darum!

Setlist Destruction:
Curse The Gods Intro
Curse The Gods
Nailed To The Cross
Armageddonizer
Tormentor
Total Desaster
Rotten
Mad Butcher
Thrash Till Death
Betrayal
Inspired By Death
Life Without Sense
Release From Agony
Eternal Ban
The Butcher Strikes Back
Born To Perish
---
Thrash Attack
Bestial Invasion

Dr Drümmer

Zur Übersicht
Zur Hauptseite

Werbung:

© www.heavyhardes.de