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Interview

Interview mit Xandria (29.11.2004)

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Auf ihrer ersten Headliner-Tour schauten Xandria am 24.11. auch in München vorbei. Während der Rest der Jungs schon mit dem Soundcheck beschäftigt waren, standen mir Lisa (Gesang) und Nils (Bass) zu einem Gespräch zur Verfügung. Die beiden waren absolut reizend, da könnten sich manch andere diverse Scheiben abschneiden... Auch wenn der Rockclub Garage die kleinste Spielstätte ihrer Deutschland-Tour war, konnten Xandria beim anschließenden Konzert voll überzeugen. Mehr dazu im Konzertbericht.

HH: Ihr seid zum ersten Mal auf Headliner-Tour unterwegs. Wie läuft's bis jetzt, seid ihr zufrieden?

Lisa: Ich finde, es läuft extrem gut. Wir haben die Säle nicht immer ganz voll gekriegt, aber ich hatte bis jetzt doch immer noch das Gefühl, dass es den Leuten sehr gut gefallen hat. Wir haben sehr viel Spaß gehabt auf der Bühne, und ich denke wir können auch ganz zufrieden mit uns sein. Ich hoffe, dass die Fans das dann ähnlich sehen. Es ist sehr spannend jetzt als Headliner unterwegs zu sein - zumal mit zwei sehr guten Bands im Vorprogramm, Lab und Entwine, die ich beide schon häufiger gesehen habe. Ich denke, jede dieser beiden Bands könnte verdientermaßen auch Headliner sein, vielleicht haben sie es sogar noch eher verdient als wir. Es ist ein schönes Paket.

HH: Was gefällt Euch besser, die Atmosphäre auf den großen Festivals wie dem Summer Breeze oder der nähere Fankontakt in den Clubs und Hallen?

Lisa: Nils, sag mal was...

Nils: Hat beides seine Reize, finde ich. Zum Summer Breeze kann ich nicht wirklich was sagen. Wir haben im Sommer in Korea gespielt, was für uns sehr beeindruckend war, zum einen weil es das erste Mal außerhalb Deutschlands war, zum anderen weil da 30.000 Leute wirklich bis hinten hin abgegangen sind, was man in Deutschland ja jetzt nicht unbedingt kennt von Festivals. Das war dann natürlich unglaublich. Andererseits haben wir auch in Korea zwei Tage später ein Club-Konzert gespielt vor nur 70-80 Leuten, die aber dermaßen Stimmung gemacht haben, das hatte dann eine ganz eigene Energie. Es kann beides toll sein, es gibt beschissene Festivals und Club-Konzerte genauso wie umgekehrt - ist also nicht wirklich vergleichbar.

HH: Wie kommt Ihr auf Euren Support, die finnischen Entwine und Lab?

Lisa: Wir sind anfangs des Jahres mal als die "Finnen unter den Deutsch-Gothen" bezeichnet worden, was eigentlich ein wenig seltsam klingt. Wir haben durchaus einige finnische Elemente in unserer Musik, die finnische Szene ist ja sehr eigen, und doch passt es musikalisch sehr gut zusammen. Entwine war von vornherein eigentlich eine unserer Wunschbands - ich hätte nur nie geglaubt, dass es auch klappt. Immerhin sind sie ziemlich erfolgreich und sehr bekannt und haben auch viel Bühnenerfahrung - ich hätte nie gedacht, dass sie sagen, Ok, wir gehen mit einer Band wie Xandria als Support auf Tour. Da hab ich nicht damit gerechnet, es hat aber geklappt und es ist ganz toll für uns, und für die hoffentlich auch! Lab war eine Band, die uns von der Plattenfirma vorgeschlagen worden ist, wir sind ja beide bei Drakkar. Wir hatten ein schlechtes Gewissen, weil wir nichts von denen kannten, also haben wir da mal reingehört und sie am ersten Tag gesehen. Ich bin total umgehauen von dieser Band. Die sind grandios und ich bin sehr froh, dass sie dabei sind. Anna, die Sängerin, ist ein richtiger Schatz, die bringt mir lauter finnische Schimpfwörter bei...

Nils: ...und ich muss das ausbaden...

Lisa: ...richtig, ich laufe herum und bezeichne alle Finnen nur noch als [finnisches Wort], das heisst Pisskopf. Die Finnen nehmen's mit Humor, ich kann noch nicht viele andere Sachen sagen... Die Bands sind beide ganz toll, und wir sind mehr oder weniger durch Zufall oder als Fans auf die Gruppen gestoßen. Spätestens jetzt sind wir alle Fans.

Nils: Und nicht zuletzt deshalb verstehen wir uns untereinander auch so gut, besser als das von vielen anderen Touren bekannt ist...

Lisa: ...vor allem weil ich alle Pisskopf nenne...

Nils: ...ernsthaft, das ist nicht selbstverständlich. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis untereinander.

HH: Die Vergleiche mit Evanescence, Nightwish & Co. könnt Ihr sicher nicht mehr hören. Wo seht Ihr selbst Eure Einflüsse, wo liegen Eure musikalischen Wurzeln?

Lisa: Ganz ehrlich ist es eigentlich gar nicht so, dass ich den Vergleich nicht mehr hören könnte, zwischendurch ja, aber jetzt ist es ok. Mit den Einflüssen ist es aber so: wir sind keine diplomatische Band, wo sich jeder zu gleichen Teilen einbringt. Die meisten Ideen kommen von Marco, der auch die meisten Songs schreibt. Marco bringt einen Song an, stellt den vor und fragt, wie man den spielen würde, also bringt jeder zu einem gewissen Grad seine eigene Sichtweise ein. Und die ist natürlich von dem beeinflusst, was jeder persönlich hört. Da kommen bei fünf Leuten wie wir, die unterschiedlichen Musikgeschmack haben, Einflüsse hinzu, die man gar nicht als Musikstil eingrenzen kann. Sowohl Nils und ich haben zum Beispiel recht unterschiedliche Vorlieben. Bei mir reicht es von Klassik über Jazz bis zu den etwas härteren Death Metal Sachen, doomig darf's auch mal werden. Und wenn ich mal Lust auf ganz ganz düstere Gothic Sachen habe, dann sind das eben die. Und bei Nils reicht das ja auch von Pop bis Metal...

Nils: Und Klassik auch, ist ja nicht so dass es da keine Überschneidungen gibt...

Lisa: ...wollte dich jetzt nicht beleidigen! Jeder hat unterschiedliche Gewichtungen, unser Schlagzeuger ist eher begeistert von progressiven Dingen, mag aber auch Schweinerock. Wir haben alles dabei in unterschiedlicher Gewichtung, da kann man sich nicht auf eine bestimmte Band festlegen. Marco ist bestimmt wesentlich eindeutiger von klassischen Gothic Metal Bands beeinflusst, er ist ein großer Tiamat-Fan, auch Paradise Lost, Entwine - und das kommt uns natürlich zu Gute, weil das alles sehr gute Bands sind. Es sind schon deutliche Einflüsse da, aber nichts, wo ich sagen würde, wir als Band richten uns danach aus. Und es gibt auch eine Menge Einflüsse, die so abwegig sind, dass die keiner von einer Gothic Metal Band erwarten würde. Zum Beispiel, wenn ich grade ein Jazz-Album gehört habe, und denke Ella Fitzgerald macht da eine Sache mit ihrer Stimme die ich jetzt auch machen will - das hört halt keiner direkt heraus, aber es ist trotzdem da.

HH: Kommen wir mal zum neuen Album. In Eurer Presseinfo wird Ravenheart als "stilistischer Urknall" bezeichnet. Wo seht Ihr die Hauptunterschiede und wichtigsten Fortschritte seit Kill The Sun?

Lisa: Wir sind erwachsener geworden, ohne dabei jetzt arrogant klingen zu wollen: musikalisch ist es noch ein weiter Weg, bis wir ausgereift sind. Der Hauptunterschied liegt im Songwriting. Bei Kill The Sun hatten wir drei Jahre Zeit um die Songs zu schreiben, für die Grundideen noch länger. Als wir im Proberaum in Bielefeld saßen (Bielefeld gibt's nicht!! - Red.) und davon geträumt haben, irgendwann einen Plattenvertrag zu bekommen, und das dann geklappt hat, haben wir ja genau diese Songs, die wir schon als Demoband gespielt haben, aufgenommen. Wenn ich die Songs heute höre, kann ich mich damit immer noch sehr gut identifizieren, aber manchmal denkt man schon "Gott waren wir naiv". Das ist das Gleiche was ich wahrscheinlich nächstes Jahr von Ravenheart denken werde, wäre ja auch schade wenn man sich nicht weiterentwickeln würde. Bei Ravenheart war das Ganze dann im extremen Zeitraffer, wir hatten nur noch ein Jahr Zeit, hatten dafür aber auch extrem viel Input, deshalb war das ein sehr kreatives Jahr. Wir haben sehr viele interessante, prominente Leute kennengelernt - es ist immer irgend etwas passiert. Wir hatten zum ersten Mal die Chance, zu sehen, wie das Musikbusiness so läuft. Das hat sich dann ganz deutlich vor allem auch in den Texten bemerkbar gemacht. Mal sehen wie das dritte Album wird, aber ich glaube die Richtung passt.

HH: Das Video zu "Ravenheart" ist immer wieder mal in der Clipstrecke auf Viva zu sehen. Hat Euch das irgendwie geholfen, oder sehen das sowieso nur die, die sich ohnehin schon für die Musik interessieren?

Lisa: Fernsehen macht schon den Unterschied. Das sieht man an meinen Eltern, die es das ganze letzte Jahr über nie ernst genommen haben, und Kill The Sun ist so schlecht ja nun auch nicht gelaufen. Da kamen immer noch die Sprüche "Kind, lern‘ doch was anständiges". Aber dann wurden sie angesprochen auf ihre Tochter im Fernsehen. Man wird auch selbst öfters angesprochen. Fernsehen ist von den Zuschauerzahlen eben noch mal deutlich besser als ein Szenemagazin, weil viele Leute einfach durchzappen und dann hängenbleiben. Um so mehr als wir keinen Thrash Metal machen, das schreckt den Durchschnittsgucker ja nicht ab. Es hat sehr viel geholfen, und es lässt einen ein bisschen Blut lecken - beim "Ravenheart"-Video war's zum Beispiel einfach toll, damit ins Fernsehen zu kommen. Bei "Eversleeping" hatten wir dann Blut geleckt und dachten "Jetzt muss das aber ganz oft laufen" - man wird da ein bisschen süchtig. Aber der beste Weg Leute zu überzeugen ist immer noch live. Ich hoffe, dass wir das auch heute schaffen, ich bin ein wenig erkältet, aber es muss trotzdem gehen...

HH: Lisa, wie hältst Du Deine Stimme auf Tour fit, vor allem jetzt, wenn's draußen stürmt und schneit?

Lisa: Gute Frage. Die letzten fünf Tage ist es super gelaufen. Gestern hatte ich einen kleinen Schockmoment, weil ich bei einem Song eine Growl-Einlage habe. Nils witzelt immer, das ist so wie bei der Sportmoderatorin damals, die sich mit "Schalke 05" bis auch die Knochen blamiert hat [war die erste Moderatorin des Sportstudios...], so ist das wenn Du als Frau Death Metal auf der Bühne bringst und dann die Stimme wegknackt. Beim Soundcheck ist mir genau das passiert, ich hab mich den ganzen Tag nicht getraut es wieder zu probieren, aber abends ging's dann wieder. Heute morgen hatte ich dann eine leichte Erkältung, die Stimme ist ein bißchen angeschlagen, jetzt lutsche ich kiloweise Hustenbonbons. Ich rauche nicht mehr - das fällt mir besonders leicht...Sarkasmus! - und werde mir leider die anderen Bands heute nicht ansehen können. Ich könnte in der Halle gar nicht reden, man müsste ja brüllen, alles ist zugequalmt, auch der ständige Wechsel zwischen warm und kalt ist schwierig. Ich nehme warme Getränke, verzichte auf Eis und kalte Getränke, trage Schals. Was noch? Möglichst warm anziehen, auch wenn einem nicht kalt ist, möglichst gute Laune behalten, sich selbst was Gutes tun. Aber Stimme ist nicht alles - unser Gitarrist hat gerade ein Pflaster am Finger und kann seine Plektren nicht mehr halten, aber das scheint irgendwie nicht im öffentlichen Interesse zu stehen.

HH: Ihr bastelt ja schon an Album Nummer drei, was dürfen wir da erwarten?

Lisa: Wir haben gerade erst angefangen, es sind eine Menge Ideen da, Marco nennt das Rohdiamanten. Hoffen wir mal, dass es Diamanten sind und nicht Plastikperlen...aber ich bin guten Mutes, es sind alles gute Sachen. Nils, was meinst Du?

Nils: Von dem, was ich bisher gehört habe, könnte es ein bißchen metallischer ausgerichtet sein!

Lisa: Ja, es wird härter. Ich denke, Nils freut sich ganz besonders drauf, immerhin ist es das erste Album das du mit uns einspielst... er ist ja erst nach Ravenheart dazugekommen und sagt immer noch "Ihr habt da das und das gemacht". Er hat sich noch nicht dran gewöhnt "wir" zu sagen...

HH: Danke für das Gespräch!

Holgi

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