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Edgar Allan Poe Projekt - Visionen

Edgar Allan Poe Projekt - Visionen
Stil: Gothic Metal
VÖ: 26. Mai 2006
Zeit: CD1 70:27 - CD2 51:40
Label: G.U.N. Records
Homepage: -

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Ha, hier kann ich mal so richtig angeben. Also, los geht's: Edgar Allan Poe gehört zu den einflussreichsten Figuren der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Als einer der frühen Meister der Kurzgeschichte erschuf er eine morbide Welt, in der sich alles um Motive wie Tod, Leiden, Krankheit, Wahnsinn, Alptraum und Verfall drehte. In seinen Geschichten wimmelt es von Irrsinnigen, Mördern, lebendig Begrabenen und Paranoiden. Entscheidend für Poe war die Erzeugung einer unheimlichen Atmosphäre, einer Stimmung des Abseitigen, Beklemmenden - des Arabesken, wie er es in einem seiner Essays nannte. Zu seinen bekanntesten Erzählungen gehören The Fall Of The House Of Usher (Bruder begräbt seine Schwester versehentlich lebendig), The Pit And The Pendulum (während der Inquisition wird ein Gefangener mit einem sich stetig auf ihn herabsenkenden rasiermesserscharfen Pendel gequält), The Black Cat (Mörder mauert versehentlich eine Katze mit seinem Opfer ein und wird so verraten), The Premature Burial (wieder mal lebendig begraben) und The Masque Of The Red Death (der Tod höchstselbst dringt in ein dekadentes Maskenfest ein). Neben seinen Kurzgeschichten verfasste Poe zahlreiche Gedichte, in denen es um ähnliche Themen ging - allen voran The Raven, in der ein um seine Geliebte Trauernder durch einen schwarzen Raben in den Wahnsinn getrieben wird.
Dass ein solch amüsantes, lockeres Werk natürlich Scharen von Lesern anzieht, ist kaum überraschend - und auch Filmemacher Roger Corman erkannte die Attraktion der Poeschen Schauergeschichten, die er in den 60er Jahren mit Vincent Price gleich reihenweise auf die Leinwand brachte. Comic-Koryphäen wie Bernie Wrightson setzten Poes Geschichten in haarsträubende Visionen um.

Dass die Stimmungen und Wirrnisse dieses ernsthaft Gestörten auch heute keinerlei Kraft verloren haben, zeigt nun das vorliegende Kompendium, das aus einem langen Hörbuch und einer musikalischen Interpretation ausgewählter Werke Poes besteht. Der Hörbuch-Part präsentiert einige Gedichte Poes, die von illustren Sprechern wie z.B. Ulrich Pleitgen ("Der Rabe"), Iris Berben ("Die Schläferin"), Gudrun Landgrebe ("Brautballade"), Dero ("Traumland") und, last but not least, Christopher Lee vorgetragen werden - wobei letzterer im Gegensatz zur Earthshaker-Pleite 2005 hier auch tatsächlich mitmischt. Neben einem auf Deutsch (!) vorgebrachten Gedicht zeigt seine englische Version von "The Raven", dass Gedichte in der deutschen Übersetzung einfach leiden müssen - die deutsche Variante kommt einfach nicht ans Original heran. Untermalt von stimmungsvollen Sounds, kommt aber bei allen Interpeten gehörig Schauern auf.
CD zwei präsentiert dann von Poeschen Werken inspirierte Musik von so verschiedenen Künstlern wie L'ame Immortelle (Rosenstolz goes Rock mit "Dein Herz"), Die jungen Tenöre ("The Raven" - kommt gut), Katharina Franck ("Ligeia") und natürlich wieder Christopher Lee, der in einwandfreiem Tenor "Elenore" schmettert. Den besten Song der Musik-Abteilung liefern aber zweifelsohne Subway To Sally, die mit "Finster, Finster" einen parforce-Ritt durch alle Poe-Motive bieten. Guter Song, noch besserer Text.

Alles in Allem bietet dieses mächtige Werk einen beeindruckenden Querschnitt durch das lyrische Schaffen eines der wichtigsten und auch coolsten Autoren der amerikanischen Literatur. Wer meint, Stephen King sei gruselig, der sollte hier mal reinhören. Wer Poe kennt und schätzt, sowieso. Quoth the Raven - nevermore!

Holgi

4 von 6 Punkten

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