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Konzert-Bericht

Eläkeläiset & Gankino Circus

Backstage, München 20.04.2012

Eläkeläiset (dt. Die Rentner) spielen Humppa. Für alle, die sich jetzt fragen "Hum...was?": Es handelt sich hierbei laut Prof. Dr. Google um eine Form der Polka, die sich in Finnland in den 1930er Jahren aus dem Foxtrott entwickelte. Soweit so gut.
Wer die Band live kennt, der weiß, dass es vor allem eine Mordsgaudi wird. Also hieß es letzten Freitag auch für mich "Nichts wie ins Backstage!" Vorher noch eine Grundlage schaffen, ein Helles zapfen lassen und dann geht's auch schon los.

Den Anheizer machen die Dietenhofener Jungs von Gankino Circus, die sich selbst als "Fränkisches Punktheater" bezeichnen. Musikalisch gut zu der Hauptband passend gibt es hier eine sehr lustige Mischung aus Punk, Jazz, Ska und Folklore zu hören. Ein fast schon musikantenstadelartig ins Gesicht tätowiertes Grinsen und die Slapstick-Gestik komplettieren die Show. Für meine Begriffe war das Ganze etwas zu dudelig, aber insgesamt eine fähige und überzeugende Gruppe.

Dann war es endlich Zeit für Eläkeläiset. Brav auf ihren Stühlen in einer Reihe sitzend, die Instrumente und Bierflaschen akkurat auf den Tischen vor ihnen aufgebaut und fröhlich grinsend empfingen die Herren ihr Publikum. Was jetzt nach einem schnarchlangweiligen Tanztee klingt, artete innerhalb kürzester Zeit aber zu einem wahren Fest aus. Die Fans starteten eine Polonaise nach der anderen, es wurde getanzt, geschunkelt und gemosht. Die Bühnenshow bestand in erster Linie aus einem wohlwollenden Grinsen, aber das enthusiastische Bedienen der Instrumente oder ein ab und an mit den Füßen gespieltes Keyboard reichen bei diesen fünf "Rentnern" völlig, um das Backstage Werk zum Beben zu bringen. Es wird so gut wie jeder Klassiker der Rock- und Metalgeschichte "verhumppt". Von Midnight Oils "Beds Are Burning" ("Poltettuhumppa") über "Enter Sandman" ("Soramonttuhumppa") und Battle Beasts "Show Me How To Die" ("Kohta humpataan ") bis zu den Humppa-Versionen von Van Halens "Jump" ("Humpp") und "Breaking the Law" ("Humppalaki") bleibt kein Auge und wohl auch keine Kehle trocken. Normalerweise ist es kein gutes Zeichen, wenn sich die Menschen am Bierstand drängen, während die Band sich einen abfiedelt. In diesem Falle gehört das allerdings dazu. Genauso, wie die obligatorische Schlagzeugeinleitung eines jeden Songs und das in jedem Songtitel enthaltene Wort "Humppa". Ausnahme bildet der Song "Das Model", im Original von Kraftwerk. Dieser wird im Originaltext zum Besten gegeben. Auch die Ansagen enthalten einen lustigen Mix aus Englisch und Deutsch, was der Band weitere Sympathiepunkte sichert.
Sehr positiv überrascht hat mich auch der Sound. Endlich mal wieder ein sauber abgemischtes Konzert, bei dem man auch ohne Ohrastöpsel keine Schmerzen erleiden muss. Genau richtig, druckvoll und klar.
Alles in allem ein bunter Abend für ein buntes Publikum. Vom schwerstens tätowierten Hardcore-Hünen über den langhaarigen Bombenleger, den nerdigen Programmierer und bis zur aufgetakelten Blondine und der Familie mit achtjähriger Tochter ist alles anwesend, was Humor hat. Sie sind an diesem Abend alle Teil einer tanzenden, hüpfenden und die in fast jedem Song vorkommenden "leileileileilei" inbrünstig mitsingenden Masse. Da kann nicht einmal der sonst immer böse dreinblickende Mann von der Security sein Grinsen verbergen.
Die Band wird nach jedem Song frenetisch gefeiert. Das Publikum schafft es sogar, die Band nach der ersten Zugabe ein weiteres Mal auf die Bühne zu klatschen und zu einer weiteren Zugabe zu überreden.
Am Ende kann man in viele heitere und verschwitzte Gesichter blicken. Eläkeläiset haben aufs Neue gezeigt, was sie können und dass sie trotz der langen Zeit, die sie schon dabei sind, immer noch eine sehr fannahe Band sind. Ein großartiges Konzert.
"Thank you for Humppa and good night".

Gast

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