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Festival-Bericht

Rage - The Contest - Finale 2010

mit Decon, Fallen Crowned, Maelstorm, Green Mile & Far Beyond Innocence

Hansa 39, München 20.11.2010

Ich bin wichtig! Schon zum zweiten Mal nach 2008 darf ich Juror sein beim Finale des Rage - The Contest. Jedes Mal ist der Contest gewachsen, bei dieser Ausgabe haben 30 Bands um den Sieg bei diesem Nachwuchswettbewerb wetteifert. Vier kamen ins Finale, bei dem nicht nur der Zuschauerzuspruch über die Platzierung entscheidet, sondern eben auch die Meinung einer fachkundigen Jury.

Als die österreichischen Anheizer Far Beyond Innocence um 19:25 Uhr den Abend eröffnen, ist der Startschuss für einen größtenteils sehr unterhaltenden Abend gefallen. Größtenteils deshalb, weil Far Beyond Innocence meiner Ansicht nach nicht die beste Wahl für einen Opener darstellten. Optisch mit Gummimasken a la Slipknot angetan, boten die fünf Jungs älteren Semesters in der Besetzung Schlagzeug, Gitarre, Bass und zwei Sänger langweiligsten Schrammelthrash. Da gabs keine Melodien, keine Soli. Sänger Vermes (als einziger ohne Maske) gab den fies blickenden Mephistopheles, aber auch diese Pose langweilte nach dem zweiten Song. Die ca. 60 in der Halle des Hansa39 anwesenden Leute - mit überraschend hohem Frauenanteil - sahen's trotzdem mit einigem Wohlwollen und spendeten höflichen Applaus. Beim dritten Song, "Today I Try To Die" vom neuen Album Torture Circus fanden sich sogar einige Banger vor der Bühne ein. Als letztes Lied ließen die Oberösterreicher noch die Prügelorgie "Brain Sucker" vom Stapel. Der Sound war recht laut, aber gut ausgewogen. Um 20:00 Uhr war mit Far Beyond Innocence Schluss und es folgte das eigentliche Finale.

Die Startreihenfolge der vier Finalisten war im Vorfeld unter garantierter Abwesenheit eines Notars ausgelost worden.

Zuerst einmal folgte jedoch eine recht lange Umbaupause. Diese kam daher, dass der Schlagzeuger der nächsten Band Green Mile ein Linkshänder ist und das Schlagzeug daher recht (zeit-)aufwändig umgebaut werden musste. Schade, denn dies ging voll von der Spielzeit von Green Mile ab, die erst um 20:35 Uhr loslegen konnten. Die Nürnberger selbst präsentierten sich vor ihren mitgebrachten Fans optisch recht uneinheitlich. Ich persönlich kann kurze Hosen auf der Bühne ja mal so gar nicht leiden, das geht einfach gar nicht. War hier aber doch recht oft vertreten, nicht nur bei Green Mile. Der kleine drahtige Sänger erschien ganz in Schwarz mit einer purpurfarbenen Krawatte (für die Männer: dunkelrotlila), gar nicht übel. Die Franken boten ihren Standard-Metalcore mit viel Schwung dar. An die 50 überwiegend weibliche Fans direkt vor der Bühne gingen von Anfang an gut mit und bildeten zeitweilen sogar einen hübschen kleinen Moshpit. Auch das Crowdsurfen wurde nicht vernachlässigt, wobei das mangels Mithelfer oft eher ein Wir-lassen-uns-durch-die-Gegend-tragen denn echtes Surfing war. Sänger Timur arbeitete die meiste Zeit direkt am Publikum und nahm direkten Kontakt auf. Aber auch bei seinen Mitstreitern war durchaus Bewegung zu verzeichnen. Der Sound war soweit ok, leider war das Background-Mikro irgendwie aus, jedenfalls hat man den Background-Gesang/Geshoute nicht gehört. Bereits beim zweiten Song entledigte sich Timur seiner Krawatte und seines Hemdes, was bei mir ziemlich aufgesetzt ankam, da wäre ein späterer Zeitpunkt wohl angemessener gewesen. Allerdings kann man ansonsten an Timurs Optik nichts mäkeln, das war schon in Ordnung. Das Animieren des Publikums, eine Wall Of Death oder später einen Circle Pit zu veranstalten, wurde fast komplett ignoriert, da muss noch mehr Autorität her - oder man lässt die Leute vor der Bühne einfach so ihren Spaß haben.
Die musikalische Darbietung war in Ordnung, besonders gut hat mir der präzise arbeitende Schlagzeuger gefallen. Das Songmaterial wurde umso abwechslungsreicher je jünger es war, was dem Material hörbar guttat. Das Stageacting der gesamten Band wurde mit zunehmender Spielzeit immer unbefangener und zum Schluss hin war es richtig gut. Jedoch mussten Green Mile um 21:00 Uhr Schluss machen und konnten bei der folgenden Publikumsabstimmung 45 Stimmen für sich verbuchen.

Als Zweites durften Maelstorm aus München ran. Die Lokalmatadoren konnten natürlich jede Menge Fans organisieren und somit war vor der Bühne und in der Halle einiges los. Mich hat die Jugend der Band überrascht, so jung schauen sie auf ihren Bildern bei MySpace gar net aus. Allerdings müssen auch Maelstorm noch an ihrer Optik arbeiten. Rotkariertes Holzfällerhemd beim Bassisten? Goldkettchen, Husky-Hundekopf-Mütze und Spongebob-Kissen-Vieh bei Sänger Mateusz? Irgendwie hab ich den Witz nicht verstanden. Immerhin nahm er seine seltsame Erscheinung mit Humor und bezeichnete sich selbst als eine Mischung aus Druiden und Digimon. Maelstorm fühlen sich sichtlich wohl auf der Bühne und sind von Anfang an gleich aktiv dabei. Der Melodich Death Metal läuft gut rein, ist abwechslungsreich, besonders gut gefällt mir das doppelläufige Solo das gleich beim ersten Song eingestreut wurde. Das Publikum, inzwischen um einiges männlicher und härter geprägt (will man den rumlaufenden T-Shirts glauben), geht gut mit, klatscht bereits beim zweiten Song fleißig, viele Banger gesellen sich vor die Bühne. Beim dritten Song "Path Of Luminary" wird ein gewissen Benny als Gastsänger auf die Bühne geholt, das Ganze läuft sehr souverän und organisch ab, alle Beteiligten haben eine Menge Spaß. Das Lied selbst kommt mit viel mehr Schmiss rüber als auf der MySpace-Seite. Im weiteren Verlauf lassen die Jungs dann jedoch nach, v.a. Mateusz wird übermütig. Zwischendrin will Gitarrist Emanuel einen Gast-Gitarristen auf die Bühne holen, das bügelt Mateusz jedoch rüde ab mit "Nein, wir spielen jetzt "Helios"". Da musste jemand wohl den Chef rauskehren. Der Gast-Gitarrist kam später, Emanuel übernahm dann selbst das Mikro und sang zusammen mit Mateusz, und dann schlugen die Jungs vollends über die Stränge und der Auftritt wurde zum Kasperletheater. Mateusz entledigte sich seiner Oberbekleidung, zog sich eine andere lächerliche Mütze auf und war komplett außer Rand und Band. Spielfreude in allen Ehren aber das war mir zuviel. Um 21:55 Uhr waren Maelstorm fertig und konnten frenetischen Jubel sowie 117 Stimmen einheimsen.

Über die beiden Moderatoren habe ich bisher nichts erzählt, sie machten ihre Aufgabe die Bands ordentlich an- und abzukündigen recht ordentlich, allerdings ließen sie nach Maelstorm etwas nach und mussten auf der Bühne mühsam ihren roten Faden wieder suchen. Dieser ward zum Glück bald gefunden und so konnten sie Fallen Crowned ankündigen, die ab 22:13 Uhr sehr anhörlichen und ansehnlichen (Melodic) Thrash fabrizierten. Die Fürstenfeldbrucker zogen ihren Auftritt richtig professionell auf, mit Intro und Einnebelung der Bühne. Der Saal war zwischenzeitlich etwas leerer geworden, was aber der guten Stimmung in der Halle keinen Abbruch tat. Fallen Crowned zeigten sich einheitlich schwarz gekleidet, Gitarrist Ling präsentierte sich gleich von Anfang an oben ohne (ist das jetzt Mode oder was? An den Temperaturen im Saal konnte es jedenfalls nicht gelegen haben, da war es recht frisch). Von Anfang an bliesen Fallen Crowned eine massive Soundwand in den Saal, ihre Songs konnten mich von Anfang an überzeugen - was mit diesem Gegrowle und Geshoute nicht gerade einfach ist. Fallen Crowned agierten ziemlich abgebrüht auf der Bühne, sehr cool, die Jungs haben das schon öfter gemacht oder extrem geübt. Vielleicht war aber bei dem technischen Anspruch der Songs keine Zeit für Nervosität? Frontmann Mo kündigte seinerseits eine reduzierte Bühnenshow an, hatte er sich doch kürzlich die Rippen geprellt. Aber bis auf seine völlige Ernsthaftigkeit (ihm ist soweit ich sehen konnte wirklich kein einziges Grinsen entschlüpft!) bot er eine agile Leistung, möchte mal wissen wie er rumtobt wenn er nicht durch Schmerzen gehandicapt ist. Er war sehr viel unterwegs, auch im Pit bei den Leuten. Musikalisch boten Fallen Crowned noch einen Tick mehr Groove als Maelstorm und die massive Soundwand habe ich ja schon erwähnt. Mit "The Empire" wurde ein recht neuer Song vorgestellt, der gut zum melodischen bisherigen Material passte, aber nochmals druckvoller von der Bühne kam. In der zweiten Hälfte des Gigs entledigte sich dann auch Mo seines T-Shirts und er hatte sogar eine Botschaft zu verbreiten: Neben dem Fallen Crowned-Schriftzug auf dem Rücken prangten auf Brust und Bauch die Worte "Break You Down". An seinem Klargesang muss Mo jedoch noch arbeiten, der kam ein bisschen dünn rüber. Einen guten Eindruck vom Energielevel dieser Band bekommt man vielleicht, wenn ich erzähle dass Fallen Crowned die erste Band des Abends waren, die tatsächlich geschwitzt hat. Beim letzten Song "California Girls" baten Fallen Crowned dann noch einen Clown ("der "Fallen Clown"") auf die Bühne, einen richtigen Clown mit feuerroter Perücke, buntem Anzug, gepunkteter Fliege und geschminktem Gesicht. Dieser hampelte zur Musik herum und warf ein paar Bonbons in die Menge. Um 22:48 Uhr war dann Schluss.
Von meinem Standpunkt aus sah die folgende Abstimmung recht gleich wie bei Maelstorm aus, aber das täuschte. Fallen Crowned konnten 87 Stimmen als Lohn für den gelungenen Auftritt einpacken.

Um kurz vor viertel zwölf (23:12 Uhr) trat dann die letzte Finalistenband auf: Decon aus Burglengenfeld bzw. Regensburg spielten ihren sehr Hardcore-geprägten Metalcore. Der Saal war merklich leerer geworden, sowohl das Publikum als auch die Band waren um einiges gealtert. Optisch präsentierten sich Decon sehr in Ordnung (alle hatten lange Hosen an!!), nur ein giftgrünes Misery Signals-Shirt fiel etwas aus dem Rahmen. Die Musik, sehr core-orientiert mit vielen Breaks, wies trotzdem eine angenehme Härte auf und wurde technisch sehr gut rübergebracht. Die Show untermalte die Musik routiniert, auf der Bühne war viel Bewegung zu verzeichnen. Das Ganze war nochmal um einiges routinierter als noch bei Fallen Crowned oder ihren Vorgängern. Die Leute vor der Bühne gingen gut mit, der Pit hatte viel Platz zur Entfaltung. Zwischen Band und Publikum baute sich im Laufe des Gigs eine tolle Energie auf, eine richtige Feedbackschleife, die sich unten in viel Bewegung und oben in breitem Grinsen Bahn brach. Alle Beteiligten hatten jede Menge Spaß bei der Sache, das war nicht zu übersehen. Bei "Ashes You Leave", einem fiesen Groovemonster, wurde ein schöner Soloteil eingebaut, "Swansong" kam dem Titel entsprechend sehr melodisch rüber. "Romance Is Dead" hat mir besonders gut gefallen weil es so schön abwechslungsreich ist. Man merkt den Jungs an, dass sie bereits über viel Erfahrung verfügen und schon einige Alben in petto haben. Das ist besonders erwähnenswert weil dieses Line-Up wohl noch nicht so lange zusammenspielt. Von Abstimmungsschwierigkeiten merkte man jedoch überhaupt nichts. Ein sehr solider Gig, der einfach Spaß machte. Um 23:52 Uhr war dann auch hier Ende angesagt und die Jury zog sich zur Beratung zurück. Decon erhielten vom Publikum 36 Stimmen.

Jury und Publikum waren sich bei der Bewertung der Bands nicht immer einig. Konnten Maelstorm mit 117 Stimmen den meisten Publikumszuspruch verbuchen, so sah die Jury Fallen Crowned ganz vorne. Als zweites setzten die Leute mit 87 Stimmen Fallen Crowned, hier stand laut Jury Decon. Für den dritten Platz hatte das Publikum - es waren übrigens insgesamt ca. 260 Leute anwesend - Green Mile vorgesehen, die Jury überraschenderweise ebenfalls. Den vierten Platz sollte laut Abstimmung mit 36 Stimmen Decon belegen, hier sah die Jury Maelstorm.

In der Gesamtwertung - Publikums- und Jury-Wertung zählten jeweils zur Hälfte - konnte sich somit Fallen Crowned als Sieger durchsetzen. Maelstorm wurden Zweite, Decon Dritte und Green Mile Vierte. Der dritte Platz war besonders knapp, weil im Endeffekt Decon und Green Mile dieselbe Gesamtpunktzahl hatten, aber da im Zweifelsfall die Jurymeinung überwog, konnten Decon den dritten Platz erobern. Die Bands konnten sich über folgende Preise freuen:

1. Platz: Fallen Crowned
Gitarre DBZ Barchetta *sponsored von hfm music*
200 Euro Einkaufsgutschein für just music
Interview mit heavyhardes
Interview mit afk.tv
100 Euro Einkaufsgutschein für www.bandstuff.de

2. Platz: Maelstorm
100 Euro Einkaufsgutschein für just music
50 Euro Einkaufsgutschein für www.bandstuff.de

3. Platz: Decon
50 Euro Einkaufsgutschein für just music
25 Euro Einkaufsgutschein für www.bandstuff.de

Nach der Siegerehrung feierten die Bands noch mit ihren Fans und ich für meinen Teil freue mich schon auf die nächste Ausgabe des Rage - The Contest. Mal sehen was die Jungs nächstes Jahr für uns bereit halten! Was es auch ist - Hauptsache ich bin wieder wichtig.

Kara

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