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Konzert-Bericht

W.A.S.P. & Crystallion

Metropolis, München 20.11.2004

War das am letzten Samstag wirklich Dein Ernst, Blackie?????
Gut, nach diesem kleinen Wutausbruch kommen wir kurz auch zu den Fakten. Nachdem Blackie uns ja dieses Jahr schon mal sauber versetzt hat, kündigte er sich zur Feier des zweiten Teils seines aktuellen Werks The Neon God gleich erneut an. Und dieses Mal war er auch wirklich da, wenn auch nicht so richtig lange. Aber dazu später.

Das Metropolis, gelegen im ehemaligen Kunstpark Ost, bietet Platz für schätzungsweise 300 Leutchen und nach einiger Füllzeit sind diese drei Hunderschaften dann auch ordnungsgemäß anwesend. Chinchilla, die bei den anderen Deutschland-Terminen in Frankfurt und Nürnberg den Support übernommen hatten, sind heute abend allerdings nicht mit an Bord. Auf der Band-Website stehen auch nicht gerade schmeichelhafte Sachen über das Benehmen von Lawless & Co. der Vorgruppe gegenüber - vielleicht lag's daran. Auf jeden Fall kommen heute Crystallion zum Zuge, die, so ist den Ausführungen des Shouters Andy zu entnehmen, im Rahmen eines Demo-Wettbewerbs der Rockantenne auserkoren wurden, uns auf Blackie einzustimmen.
Als die ersten Anhänger schon anwesend sind, machen die Jungs noch Soundcheck, verkrümeln sich aber dann und legen pünktlich um acht Uhr los. Dass am heutigen Abend kein Marathon geboten wird, hätte man hier schon ahnen können. Ganze vier (!) Stücke durfen Crystallion zum Besten geben. Leute, da lohnt sich's ja kaum den Verstärker anzuschließen. Nach einigen Soundproblemen kommen Crystallion aber ganz gut in Fahrt, und ihr dritter Song "Eyes Of The Dead" bleibt durchaus einige Zeit im Gedächtnis. Viel Erfolg, Leute, zumindest ihr habt heute schon mal einen guten Job gemacht.

Es ist grade mal zwanzig nach acht, als die Band selbst ihre Sachen packt und der Hauptattraktion das Feld überlässt. Aha, denkt man, da bleibt Blackie ja genug Zeit, uns einen attraktiven Querschnitt aus seinem reichen Schaffen zu bieten. Recht lange passiert aber gar nix, denn die Umbaupause nimmt fast genau eine Stunde in Anspruch. Verwunderlich, weil eigentlich schon alles aufgebaut ist - das Schlagzeug steht schon die ganze Zeit, rechts und links sind große Backdrops mit dem Cover von The Neon God Part 1: The Rise platziert, die einfach aufgeklappt werden und Blackies berüchtigter Mikroständer ist auch schnell hingeschraubt. Auf was warten wir eigentlich?

Naja, wir wollen ja nicht so sein, um 21:20 Uhr geht endlich das Licht aus, und nachdem sich der Fotograf einer bekannten Metal-Postille endlich an mir vorbeigewurschtelt hat und hinter der Absperrung steht, habe ich aus der ersten Reihe auch lecker freie Sicht. Vom Band kommen als Intro seltsame Klapperlaute, die sich nach einiger Zeit als die Hubschrauber aus der Eröffnungssequenz von Apocalypse Now herausstellen, wie im Film untermalt mit "This Is The End" von den Doors. OK, Verweis auf die psychedelischen 60er und 70er, das ist ja wohl ein klarer Tipp in Richtung Neon God. Als Blackie dann hervorspringt, ist er ganz so, wie man ihn sich wünscht: schwarzes (American Football) Shirt, schwarze Hose mit netten Trandeln dran, und vor allem komplett schwarz geschminkte Augen. Schon mal krass. Er steigt mit dem alten Reißer "On Your Knees" ein, und den bringen seine Mannen mit viel Schwung und Intensität. Blackie scheint voll konzentriert bei der Sache, schießt bitterböse Blicke in die Menge und schreit wunderbar in seinen in der Tat eigenwilligen Mikroständer. Nach der Hälfte des Songs wechseln die Jungs über zu "Inside The Electric Circus", auch das wieder nur angespielt; "Somebody To Love" beendet diesen ersten Teil, der als Aufwärm-Medley auf jeden Fall Spass macht. Der Sound ist vom Start weg gut, aber es ist zum steinerweichen laut - wohl dem der was zum in die Ohren stopfen hat. Die Anhänger sind allesamt begeistert, schließlich kennt die alten Schlager wirklich jeder, der hier ist. Ohne viel Worte zu machen zünden W.A.S.P. mit "Love Machine" gleich die nächste Hitrakete, die die Meute schier aus dem Häuschen bringt. Man könnte meinen, es wäre 1986! So, jetzt aber doch genug des Willkommens-Trunks, vielleicht mal was von den neuen Sachen? Nichts da, das Wunschkonzert geht weiter mit "Wild Child". Auch das geht verdammt gut ab und wird auch vom letzten Mattenschwinger mitgesungen. Die am Ende einsetzenden Sprechchöre lenkt Blackie als finsterer Zeremonienmeister in Richtung "Fuck Like A Beast", und auch diesen Bürgerschreck bringen sie aggressiv, frisch und treffsicher.

Jetzt endlich sagt Blackie mal ein bißchen was und spricht vom neuen Album The Neon God. Aha, jetzt ist der Warm-up-Block also vorbei, mal gespannt, wie sich die ja durchaus komplexen neuen Sachen auf der Bühne machen. Mit "Come Back To Black" hat er sich auch gleich den wohl besten Live-Song von Part 2: The Demise ausgesucht, das Stück knallt ohne Ende. Jetzt endlich zeigt uns Blackie auch mal, was er mit seinem Mikroständer alles machen kann: er krabbelt auf die eingebauten Fußstützen, thront über uns und schwingt dann wie ein Berserker auf dem Ding hin und her, so dass er mal über unseren Köpfen, mal fast im Schlagzeug hängt. Und dabei spielt er noch Gitarre. Ja gar ned schlecht!

Weiter geht's mit "The Headless Children", das ebenfalls sehr gut gebracht ist. Blackie sprüht beim Singen das pure Gift, wer auf seinen Sound steht kommt voll auf die Kosten. Dann der showmäßige Höhepunkt des Abends: zu "My Tortured Eyes" erklimmt Blackie wieder seinen Mikroturm. Angestrahlt von Speziallicht, beginnt eine Farbe, die er sich ins Gesicht schmiert, geisterhaft zu leuchten. Als er fertig ist, schaut da eine Mischung aus Freddie Krüger und der Blair Witch persönlich auf uns herab. Grauslich gut!

Jetzt gibt's noch "The Real Me", die Who-Cover-Version, und so langsam werde ich schon ein bißchen nervös. Wo sind denn die ganzen Stücke von The Neon God, und überhaupt wo bleibt denn sein Geniestreich The Crimson Idol? Ah, jetza, Blackie erzählt von der Story von Jonathan, und das sich anschließende "The Idol" markiert mit einem exzellenten Gitarrensolo ein weiteres Highlight des Abends. Danach wieder direkter Kurswechsel hin zur Abfeier-Musik: die Party-Hymne "I Wanna Be Somebody" steht auf dem Programm. Sehr lobenswert, der Saal tobt, aber ein böser Verdacht - das ist doch immer der Rausschmeißer?? Richtig geraten! Nach sage und schreibe ganzen 60 Minuten haut Blackie mit einem kurzen "Thank You" ab!! Da bleibt einem der Mund und was nicht noch alles offen stehen. Man müht sich natürlich redlich und er läßt sich sogar noch mal bitten und bringt ein mitreißendes "Blind In Texas". Nach dieser einen (!!) Zugabe ist aber endgültig aus, Schluss, finito, Licht an, Musik an, Klappe zu, Affe tot.

Ja, bin ich denn im falschen Film? 70 Minuten Spielzeit ist ja wohl eine bodenlose Unverschämtheit. Was Blackie da gebracht hat, war ganz genau ein halbes Konzert - nämlich die Hälfte, die er zusätzlich zu den Songs von The Neon God und The Crimson Idol hätte spielen müssen. Wenn es das Meisterwerk nicht gäbe und die neuen Sachen schlecht wären, dann wäre zumindest die Songauswahl ja in Ordnung gegangen. Aber vom unbestritten besten Album einen einzigen Song zu bringen und vom gesamten neuen Werk ebenso viele, das hat mit Fanorientierung nichts zu tun, das ist einfach nur mies. Findet Blackie seine anspruchsvolleren Arbeiten selbst nicht gut genug, dass er live nur auf die schlichten alten Fetzer setzt? Ober hat er einfach keinen Bock auf längere Spielzeiten? Wenn der Auftritt komplett schlecht gewesen wäre, dann könnte man das ja einfach abhaken. Aber eine Band, die wie W.A.S.P. an diesem Abned mit viel Power und Dampf unterwegs ist, ihr bestes Material aber unter den Tisch fallen lässt und außerdem auch noch eine extreme Form der 35-Stunden-Woche praktiziert - das ist einfach nur noch ärgerlich.

Mit diesem Eindruck wollte ich W.A.S.P. eigentlich nicht in Erinnerung behalten, ich hätte es wohl bei den Alben belassen sollen. Oder beim 89er-Konzert, seinerzeit im Frankfurter Volksbildungsheim, wo sie anständige 90 Minuten da waren und das damalige Album The Headless Children ordentlichen Raum einnahm. Aber das haben sie heute wohl nicht mehr nötig. Einziger Lichtblick: wenigstens kam ich noch rechtzeitig zum Sportstudio nach Hause. Na, immerhin. Blackie, Du Bananenbieger!

Setlist W.A.S.P.:
Medley: On Your Knees - Inside The Electric Circus - Somebody To Love
Love Machine
Wild Child
Animal (Fuck Like A Beast)
Come Back To Black
The Headless Children
My Tortured Eyes
The Real Me
The Idol
I Wanna Be Somebody
---
Blind in Texas
(Aus!!!)

Holgi

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