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Metal Church - This Present Wasteland

Metal Church - This Present Wasteland
Stil: Heavy Metal
VÖ: 19. September 2008
Zeit: 57:23
Label: SPV
Homepage: www.metalchurchmusic.com

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Unser Englisch-Lehrer war eine richtig coole Socke. Man muss dazu wissen, dass er nebenbei auch noch Religionslehrer war, und das sind ja üblicherweise nicht die größten Rock'n'Roller. Nicht hier. Wir konnten da immer wieder ungewöhnliche Lehrinhalte erproben - so durfte ich z.B. einen Leistungskurs mit dem "Rime Of The Ancient Mariner" in voller Länge quälen (so wegen romantischer Lyrik und so, haha), und andere setzten durch, dass man in einer Reli-Stunde den Text von Slayers "Jesus Saves" auseinandernahm. Wir spielten ihm auch Blessing In Disguise, den Drittling der Seattle-Ikonen Metal Church aus dem Jahr 1989, zu, da der Opener "Fake Healer" auf falsche Heilande (gibt es diese Mehrzahl? Wurscht) hinwies. Könnte ihn ja vielleicht interessieren. Und da wir auch in der Zeit lebten, als man sich anstelle von Xing und Lokalisten noch in persona traf, hockten wir wieder mal in Klassenstärke bei ihm und mussten uns vor den Gutmenschen für unsere metallischen Musikvorlieben rechtfertigen. Da sprang er uns bei und rief gut gelaunt (obs wohl an den diversen Single Malts lag?): "Also, die Jungs von Metal Church - die habens drauf!" Das ist bei uns bis heute ein geflügeltes Wort. Und jetzt 20 Jahre her.

Für Metal Church hat sich seit diesen Tagen, genau wie für uns, so einiges geändert. Ihr Ursänger David Wayne, mit dem sie die beiden Klassiker Metal Church und The Dark eingehämmert hatten, war ihnen damals schon abhanden gekommen, der besagte "Fake Healer" war von Mike Howe eingesungen worden. In den düsteren 90ern verlor sich die Spur, Bandchef Kurdt Vanderhoof machte unter eigener Flagge weiter, während seine Mitstreiter teilweise vollends von der rechten Bahn abkamen (Kirk Arrington nahm ein Album mit Sir Mix-A-Lot auf - der Name ist kein Witz, sondern ein Rapper). 1999, als man wieder Metal spielen durfte, kam es zur Reunion der Urbesetzung mit der Scheibe Masterpeace als Lebenszeichen. 2004 schoben die Herren dann The Weight Of The World nach, das durchaus für Gefallen sorgte und mit Ronny Munroe erneut einen frischen Sänger am Start hatte. 2006 lieferte die gleiche Formation A Light In The Dark und stellt nun ihren neuesten Output zur Diskussion.
Auf This Present Wasteland zeigen Metal Church wieder, dass in Seattle irgendwas im Trinkwasser sein muss (auch wenn Nirvana aus der falschen Quelle gesoffen haben). Immerhin gehören die Lokalmatadoren Queensryche (trotz aller Studioenttäuschungen der letzten Zeit) zur Oberliga des progressiven Metal, und genau in diese Kerbe schlagen auch die Jungs um Herr Vanderhoof gezielt und gekonnt. In anderen Worten: hier wird Metal für den denkenden Menschen geboten, der ein Ohr für feine Melodien und Arrangements hat. Was man hier nicht findet, sind 1-2-3-Hymnen mit eingängigem Refrain, sondern vielmehr dichte, athmosphärische, nicht selten epische Songs, die sich musikalisch auf allerhöchstem Niveau abspielen. Man nehme sich nur einmal "Deeds Of A Dead Soul" vor: geisterhafte, cleane Gitarren, schweres Riffing, ein Walzsolo, und darüber die beeindruckende Sangesleistung von Munroe, der irgendwo zwischen Dio und Halford agiert. So geht das über "Meet Your Maker" (astreine Priest-Attitüde und dann plötzlich ein Akustik-Part), "Monster" und "Crawling To Extinction" weiter, und wenn auch nicht alle Stücke die hohe Qualität halten können, ist der Truppe dennoch ein starkes Werk gelungen, das alle Freunde des klassischen Sounds verzücken sollte. Es geht dabei weniger um einen einzelnen Song als vielmehr um den Gesamteindruck eines in sich geschlossenen, metallischen Universums, das nicht partytauglich, aber bestens zum wohligen Reinziehen ist. Vielleicht geb ich das Teil ja mal unserem Englisch-Instruktor. Damit er prüfen kann, ob es die "Jungs von Metal Church" auch aus seiner Sicht immer noch draufhaben.

Holgi

5 von 6 Punkten

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