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Konzert-Bericht

Journey, Foreigner, Kansas & Night Ranger

Rock The Nation

Schwabenhalle, Augsburg 22.06.2011

(Fotogalerie)

Ein Abend, an dem die Zeitlosigkeit guter Musik zur kollektiven Feier einlud! Ein Abend, an dem die pure Energie des Rock n' Roll über Stunden fühlbar wurde! Ein Abend, an dem nachdrücklich unter Beweis gestellt wurde, dass Hard Rock nicht nur eine Sache der Jugend ist und dass Jugend nix mit den Jahren, die einer oder eine auf dem Buckel hat, zu tun hat! Ein Abend, an dem die Nostalgie vergangener Tage schlagartig zur Präsenz gelangte, damit eine neue, wohl einmalige Gegenwart des Augenblicks erschuf und so die Zukunft des Rock in Farben der Zuversicht gestaltete! Ein Abend, der jedoch erstmal überhaupt nicht philosophisch seinen Anfang nahm.

Denn als euer Heavyhardes-Berichterstatter eine Haltestelle vor der Uni Augsburg aus der 3er-Tram ausstieg und den Weg zu den Messehallen zurück legte, schüttete und stürmte es erstmal, als gäbe es kein Morgen und die anfängliche Hoffnung, dass vielleicht nur Jacke und Hose einem Spülwaschgang unterzogen werden würden, verflüchtigte sich mit jedem Meter Wegstrecke. Nass bis auf die Haut! Was ein Sauwetter! Vor der Schwabenhalle (unter den wenigen überdachten Plätzchen) hatten sich bereits lange Schlangen gebildet, die aber recht zügig Einlass fanden, und auch im Inneren des Komplexes herrschte bereits reges Treiben. Viele nutzten die verbleibende Zeit bis zum Showbeginn um 19:00 Uhr, um sich noch schnell einen leckeren Burger, Pommes, 'nen Teller Salat oder 'ne Rote rein zu pfeifen; und das völlig stressfrei, denn Sitzgelegenheiten und Stehtische waren im Eingangsbereich genügend vorhanden. Für Verköstigung war also zu annehmbaren Preisen reichlich gesorgt. Ein kurzer Besuch beim Merchandise-Stand: Shirts ab 18 bis hin zu 35 Euro, allerdings mit vielen verschiedenen Motiven der beiden Hauptacts, Schlüsselanhänger, Programmhefte etc. Die Auswahl war zumindest recht groß. Auch die Bierpreise: vier Euronen für 0,4 l. Aber an den diversen Ausschank-Ständen herrschte kaum Gedränge und man wurde, ohne lange warten zu müssen, flux und freundlich bedient. Dann mal rein in die eigentliche Halle. Ahhh, der Stimmungstöter Tribüne war nicht ausgefahren worden. Optimal! Ausgelegt für etwa 8500 Leute war die Schwabenhalle am Ende fast ausverkauft.

Beim Opener des Abends fanden sich jedoch zunächst nur etwa zwei Drittel des Publikums ein. Wer zu spät kommt, den bestraft...; selten hatte dieser Satz mehr Geltung, denn das Feuerwerk, das Night Ranger in den folgenden 40 Minuten Spielzeit abfackelten, gehörte ohne jede Diskussion zum Besten, was man dieses Jahr bis dato an Live-Geschichten gesehen hat.
Night Ranger
Anno 1985 (!) verabschiedete sich ein gut gelaunter Jack Blades bei der ersten Ausgabe von Rock am Ring von seinem deutschen Publikum mit den Worten: "We'll be back soon!" Es sollte jedoch bis dieses Jahr dauern, dass die Californian Sonnyboys ihren God Time Rock n' Roll wieder in die Alte Welt rüber schipperten. Das Warten hat sich gelohnt. Blades, Brad Gillis, Kelly Keagy (die Originale), Joel Hoekstra und Eric Levy hatten sich "Touch Of Madness" als Opener ausgekuckt. Perfekt: denn der Uptempo-Rocker, der vielleicht eines der wenigen Stücke im Repertoire von Night Ranger ist, das tatsächlich als "Metal" bezeichnet werden kann, ließ den Energielevel im Rund sogleich immens noch oben schnellen. Doch nicht nur der Song selbst: die Herren, die mittlerweile alle auf die 60 zugehen, legten eine solch unglaubliche Spielfreude an den Tag, dass der Funke quasi gezwungen wurde, aufs Publikum überzuspringen. Ein ständiges Kreuzen der Musiker auf der Bühne. Blades und Gillis hatten am Ende des Sets sicher einige hundert Meter im Spurt zurück gelegt und nutzten die Riesenbühne zur Gänze aus.
Night Ranger
Der Aufforderung der nächsten Nummer "Sing Me Away" kamen die meisten Anwesenden, sofern sie mit dem Songmaterial von Night Ranger vertraut waren, gerne nach und "Growin' Up In California", der einzige Song vom brandneuen Album (Somewhere In California) avancierte zum Live-Hammer, der mit einer der unglaublich sympathischen Ansagen von Blades auf den Weg gebracht worden war. Überhaupt: eine Einbindung des Publikums kann nicht besser gemeistert werden wie von Night Ranger an diesem Abend. Immer ein Grinsen auf dem Gesicht lud Blades die Menge beispielsweise zu sich in sein Wohnzimmer in - klar - California ein. Da könnte man drauf zurückkommen... Die Songauswahl ließ bei der geringen Spielzeit keine Wünsche offen. Die einstige Hitsingle "When You Close Your Eyes" wurde gebracht genauso wie der Speedbolzen "Don't Tell Me You Love Me", der u.a. mit Versatzstücken aus "Hotel California" von den Eagles ("That's the music we grew up to!") aufbereitet wurde. Anschließend durfte Drummer Keagy das Mikro übernehmen, was nichts anderes bedeuten konnte, dass der Überhit "Sister Christian" anstand. Alles als wäre es noch 1985. Einfach nur großartig! Vor dem finalen Stück gab Blades tatsächlich wieder das Versprechen, bald zurückzukehren, Gillis schnallte sich seine Axt in den Farben der US-amerikanischen Flagge um und es hieß: "(You Can Still) Rock In America" das natürlich mit den Worten "You Can Still Rock In Germany" beendet wurde. Was ein Auftritt! Wenn man liest, welche Songs Night Ranger einen Tag später bei einem Headliner-Gig in London noch im Programm hatten, schreibt man sich eine ausgedehntere Tour stante pede ganz oben auf den Wunschzettel für die nächsten Monate. Viele im Publikum kannten die Songs vorher nicht, überzeugt wurden an diesem Abend jedoch wohl fast ausnahmslos alle.

Nach kurzer Umbauphase enterten dann Kansas bedächtigen Schrittes die Bühne, Dave Ragsdale platzierte sich mittig und intonierte mit seiner Fiedel die ersten Melodielinien von "Magnum Opus". Die Atmosphäre wurde feierlicher, die Halle in stimmungsvolle Farben getaucht - vor allem vom überdimensionalen Multi Media Screen, der dort erstrahlte, wo sonst die verschiedenen Backdrops prangen und mit all den diversen Video-Schnipseln, Lichteffekten und sich abwechselnden Szenen eine Show für sich darstellte.
Kansas
Selbstredend wusste jeder vorher, dass die Songs von Kansas weniger dazu taugen, einen Moshpit zu starten, doch allein die Präsenz, die Ausstrahlung von Phil Ehart, Billy Greer und natürlich Rich Williams und Steve Walsh trugen dazu bei, dem Treiben auf der Bühne mit wohligen Gefühlen zuzusehen und sich über solche glänzenden Momente der Musikhistorie wie "Point Of Know Return" oder das überraschenderweise gleich als Viertes gespielte "Dust In The Wind" (Junge, Junge war das ein lauter Publikumschor!) zu freuen.
Kansas
Walsh (wie gewöhnlich meist hinter seinem Keyboard thronend), Williams (der zwischendurch zur doppelläufigen Gitarre griff) und Co. hatten eine Setlist zusammen geschustert, die in der Klimax "Portrait (He Knew)", "Fight Fire With Fire" und dem grandiosen "Carry On Wayward Son" gipfelte. Tosender Applaus war den Herren sicher, aber so langsam dehnte man sich ein wenig zurecht für das, was darauf folgen sollte.

Ein Lichtgewitter. Stroboblitze. Imitierter Funkenregen, der auf dem Screen in den Foreigner-Schriftzug mündete, und mit einem Satz begann Kelly Hansen wie von der Tarantel gestochen über die Bühne zu wirbeln und Mick Jones zockte die ersten Riffs von "Double Vision". Herrlicher Sound. Richtig schön laut. Da sage mal einer, Foreigner wären in die Jahre gekommen. Wie schon bei Night Ranger regierte von der ersten bis zur letzten Sekunde die pure Spielfreude; jetzt noch mit dem Unterschied, dass jeder im Publikum so gut wie alle Songs in und auswendig kannte. Nachdem gleich an zweiter Stelle "Head Games" und an dritter "Cold As Ice" in die Menge gefeuert wurden, wurde einem deutlich vor Augen geführt, was für eine Hitmaschine Foreigner damals in den Achtzigern doch waren.
Foreigner
Und verlernt haben Michael Bluestein, Mark Schulman und selbstredend die erwähnten Giganten plus Jeff Pilson und Tom Gimbel nix, aber auch gar nix. Man hatte von schwächeren Auftritten in den letzten Jahren zwar gehört, an diesem Abend zeigten sich Foreigner jedoch in absoluter Topform. Das Publikum fraß Mr. Jones und Co. geradezu aus der Hand: kein Wunder bei Übernummern der Marke "Waiting For A Girl Like You" oder "That Was Yesterday". Tausendmal gehört, aber eben noch nie so gespürt! Für die Kenner gab's mit "Feels Like The First Time" und einer megageilen (mir gehen die Superlative aus) Version von "Starrider" feine, feine Überraschungen und auch der Diskoklassiker "Urgent" dröhnte live ziemlich frisch. Es gelang Foreigner fast spielend die Energie eine ganze Stunde (plus ein paar Minuten) lang auf dem höchsten Level zu halten. Bei "I Want To Know What Love Is" forderte Hansen alle Anwesenden auf, ihren jeweiligen Nachbarn zu umarmen, was dann sogar vielerorts zu beobachten war. Ja, ja, die Gänsehaut! Den Abschluss des regulären Sets bildete eine extra-hart rockende Version von "Hot Blooded", wie überhaupt alle Songs im Live-Format deutlich mehr an Biss und gar metallischem Glanz hinzu gewannen.
Foreigner
Zugabe? Freilich! Bei "Juke Box Hero" tickte die Schwabenhalle dann unisono aus und ja: selbst der eine oder andere Moshpit wurde gesichtet - bevölkert von im Schnitt Vierzigjährigen, was als Erläuterung der einleitenden Zeilen gelesen werden kann.

Doch danach war eben noch lange nicht Schluss. Die Spannung stieg: würde es Journey gelingen, dem bis dato Gesehenen etwas Äquivalentes hinzu zu setzen? Die Antwort lautet: ja. Einen kaum zu überschätzenden Beitrag daran, dass Mastermind Neil Schon und seine Mannen sich als würdiger Headliner erwiesen, hatte ohne Zweifel der immer noch "Neue" in den Reihen der Erfinder des AOR: Arnel Pineda. Dessen dargebotene Gesangsleistung verdiente von den ersten Tönen des Openers "Seperate Ways (Worlds Apart)" (die Wahl hätte nicht besser ausfallen können) schlichtweg das Prädikat "Weltklasse".
Journey
Ja: im ursprünglich von den Philippinen stammenden Stimmakrobaten haben Journey nach langem Hin und Her endlich gleichwertigen Ersatz für Steve Perry gefunden, den so keiner während der nächsten eineinviertel Stunden vermisste. Energiebündel und Ausnahmesänger in Personalunion verlieh Pineda den Schon-Kompositionen wie "Stone In Love" (einfach nur toll!) oder "Keep On Runnin'" Frische und darüber hinaus sogar noch einen eigenen Touch, der jedoch zur Musik von Journey passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Stücke der neuen Platte wie "Edge Of The Moment" oder die bereits bei den meisten bekannte Hitsingle "City Of Hope" wurden gekonnt ins Set eingeflochten und gaben sich mit Sternstunden der Musikgeschichte wie "Open Arms", "Lights" oder dem oft als Bikerhymne betitelten "Wheel In The Sky" die Klinke in die Hand. Weder der Altrocker "Escape" noch die wunderbar intonierte Ballade "Faithfully" glänzten durch Abwesenheit. Doch DER Moment der ganzen Extravaganza war gekommen, als Jonathan Caine die ersten Klavierfolgen von "Don't Stop Believin'" auf die Reise schickte, und Schon mit seinem sich steigernden Delay-Lick in den Song einstieg. Ladies and Gentlemen, das war ein Augenblick, den man sein Leben lang nicht vergisst! Nachdem die Nummer zusammen mit dem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes zelebriert worden war, verschwand die Band für ein paar Sekunden... doch nur mit einem Knall das Grande Finale, das auf den Namen "Anyway You Want It" hörte, einzuleiten. Ein Wort: Party!
Journey

So ging ein außergewöhnlicher, ein großartiger Abend viel zu schnell vorüber. Ein Abend, von dem alle, die dabei waren, noch lange sprechen werden. Hier wurde ohne Abstriche "Value for Money" geboten; vor allem vor dem Hintergrund, dass die im Durchschnitt zu berappenden 60 Euro im Normalfall für jede der vier Bands hingeblättert werden müssen. Gute Musik bleibt! Wenn sich die da kommenden Rocker-Generationen nur eine kleine Schippe von dem abschneiden, was Night Ranger, Kansas, Foreigner und Journey den aus allen Teilen Bayerns in die Schwabenhalle Gepilgerten anboten, ist einem um die Zukunft nicht mehr bange.

Setlist Night Ranger:
Touch Of Madness
Sing Me Away
Growin' Up In California
When You Close Your Eyes
Don't Tell Me You Love Me
Sister Christian
(You Can Still) Rock In America

Setlist Kansas:
Magnum Opus
Point Of Know Return
Hold On
Dust In The Wind
Miracles Out Of Nowhere
Portrait (He Knew)
Fight Fire With Fire
Carry On Wayward Son

Setlist Foreigner:
Double Vision
Head Games
Cold As Ice
Waiting For A Girl Like You
Can't Slow Down
That Was Yesterday
Starrider
Feels Like The First Time
Urgent
I Want To Know What Love Is
Hot Blooded
---
Juke Box Hero

Setlist Journey:
Seperate Ways (Worlds Apart)
Ask The Lonely
City Of Hope
Stone In Love
Keep On Runnin'
Edge Of The Moment
Lights
Open Arms
Wheel In The Sky
Escape
Be Good To Yourself
Faithfully
Don't Stop Believin'
---
Anyway You Want It

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