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Interview

Interview mit Behemoth (18.11.2006)

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Nach 15 Jahren Bandgeschichte kann man ruhig von einer Institution im Extrem Metal sprechen. Aus diesem Anlass haben Behemoth vor kurzem ihre Sammlung Demonica auf den Markt gebracht, die viel altes Material beinhaltet. Nergal, Kopf hinter Behemoth, hat im Gespräch zu dieser Veröffentlichung und zu anderen Themen Stellung genommen und sich dabei als sehr sympathischer Zeitgenosse herausgestellt.

HH: Hi Nergal, wie geht's? Viel zu tun?

Nergal: Hi, danke, mir geht's gut. Und bei mir ist immer viel los haha

HH: Derzeit steht ja Demonica zum Release an, die neben alten Demoaufnahmen und alternativen Versionen auch bislang unveröffentlichte Songs enthält. Wie kam es dazu, die alten Demos (z.B. From The Pagan Wastelands 1993 und The Return Of The Northern Moon) wieder zu veröffentlichen?

Nergal: Ganz einfach, die Fans haben danach gefragt. Zudem gibt es noch eine Reihe weiterer Gründe. Zum Beispiel waren viele der Songs für Jahre nicht mehr erhältlich. Vieles kam ja in den frühen Neunzigern auf den Markt und das kannst du auf dem normalen Weg oft nicht mehr bekommen. Und die Band ist ja in den Jahren immer größer und größer geworden, und viele stellen sich die Frage, wie alles begonnen hat. Da war es eine gute Gelegenheit, den Fans genau dies zu geben. Es hat mich allerdings Jahre gekostet, das ganze Material zu sammeln, zu sortieren und aufzubereiten. Dazu mussten auch die Hintergründe und der Werdegang niedergeschrieben werden, die Texte mussten gedruckt werden, wobei einige Texte nicht mehr zu finden waren. Die sind irgendwo im Laufe der Zeit verloren gegangen. Wir wollten einfach etwas ganz Besonderes machen, es mit Specials aufwerten. Es ist eine Veröffentlichung für alle Sammler und Die-Hard Behemoth Fans.

HH: Auf Demonica ist der Song "Cursed Angel Of Doom" als bislang unveröffentlicht gekennzeichnet. Dieser Song ist jedoch auf eurem offiziellen Probeband Endless Damnation enthalten. Ebenso "Transylvanian Forest", der auf der EP And The Forests Dream Eternally (1994) und auf Sventevith (1994) enthalten ist. Andere Songs ("Moonspell Rites" oder "Pure Evil & Hate") sind zumindest in einer alternativen Version enthalten. Handelt es sich hier um einen Fehler?

Nergal: Nun, genaugenommen handelt es sich bei diesen Songs um Versionen, die in dieser Form nicht veröffentlicht wurden. Du kannst sie daher sowohl als alternative Version als auch als bislang unveröffentlicht bezeichnen. Bei "Pure Evil & Hate" handelt es sich zum Beispiel um die Vorproduktion, die sich doch von der Version auf dem Album unterscheidet. Für den ein oder anderen mag es daher interessant sein, eine andere, eine rohere Version der Songs zu hören. Es sind einfach Extras für die Fans, denn für einige mag es interessant sein, die Songs in eben dieser Version zu haben und zu hören. Einfach für Sammler.

HH: Demonica kommt recht aufwändig gestaltet in die Läden. Und wie du vorhin schon gesagt hast, hat es dich schon einige Zeit gekostet, alles zusammen zu tragen. Was denkst du, wenn du dir die alten Bilder ansiehst?

Nergal: Nun, das Ganze ist einfach ein Teil von mir. Es zeigt mich einfach zum damaligen Zeitpunkt. Einige sind ganz lustig, einige vielleicht etwas seltsam, aber das ist nun mal die Geschichte von Behemoth. Die Bilder zeigen, wie alles begann. Und ich bin stolz auf alles, was ich in meinem bisherigen Leben geleistet habe. Ich wollte das alles den Fans zeigen wie wir damals waren als eine Art Vermächtnis der Geschichte Behemoths. Ich habe nichts zu verbergen, denn schließlich haben die Bilder von damals nichts mehr mit dem zu tun, was Behemoth heute sind. Aber es ist ein Teil der Band. Die Bilder zeigen einfach, wie es damals war... sorry, kleinen Moment bitte (im Hintergrund läutet sein Handy... - Ray)

HH: Ihr seid nun 15 Jahre am Start. Wie siehst du die Szene heute im Vergleich zu früher?

Nergal: Oh, da gibt es riesige Unterschiede! Damals waren wir einfache Schuljungen, wir hatten kein Geld und wir hatten keine Jobs. Wir mussten uns in der Szene durchkämpfen. Wir taten einfach unser Bestes, in einer Band zu spielen und das Ganze halbwegs professionell aufzuziehen. Aber natürlich hat es Jahre gedauert, bis wir wirklich professionell waren. Letzten Endes zeigt unsere Geschichte den Kampf von uns und unseren Fortschritt, den wir über all die Jahre erarbeitet haben. Damals waren auch ganz andere ökonomische Verhältnisse am Start, alles war komplett anders als heute. Wir waren im Umbruch, wir sind erst seit 1981 eine Demokratie. Kurz danach habe ich die Band gegründet und habe fleißig Briefe geschrieben um einen Plattenvertrag zu bekommen. Ich liebte die Arbeit, aber es war schon sehr hart. Einen Plattenvertrag zu bekommen war bei Weitem nicht so leicht wie heutzutage. Du musstet es dir verdient haben, eine CD veröffentlichen zu dürfen. Heutzutage dagegen gibt es viel zu viele CDs, viel zu viele Bands und einfach viel zu viel Scheiße. Damals mussten alle Bands im Underground für die Band kämpfen. Es war hart und beileibe nicht leicht, aber genau darum haben die Leute für ihre Bands viel härter gearbeitet als heute. Heutzutage ist es doch so: o.k., mein Vater ist reich, hier ist meine CD. Ich habe ja auch schon für ein Magazin geschrieben und ich kann dir sagen, da wirst du zugeschüttet mit CDs, das hältst du im Kopf nicht aus. Es ist einfach zu viel.
Damals mussten wir uns noch mit dem Tausch der Tapes begnügen, CDs waren fast unerschwinglich. Wenn überhaupt, dann konnte ich mir eine pro Monat leisten. Es war alles so anders. Da könnte ich glatt sentimental werden ha ha aber ich liebte es und ich liebe es immer noch. Es war einfach die schönste Kindheit, die ich haben konnte.

HH: Ist es deiner Meinung nach heute leichter oder schwerer für Bands, voran zu kommen?

Nergal: Beides. Auf der einen Seite hast du Geld und kannst einfach ins Studio gehen. Auf der anderen Seite brauchst du fast kein Studio mehr, denn viele Bands nehmen ihre Songs einfach daheim auf. Da ist die Technologie inzwischen schon so weit fortgeschritten, das ist unglaublich. Du kannst auch deine eigenen Covers entwerfen und die CDs dann auch noch selbst übers Internet vertreiben. Ist eigentlich ganz einfach. Aber gleichzeitig wird der Markt genau dadurch mit CDs überflutet. Und das meiste davon ist doch einfach nur Müll. Um ehrlich zu sein: wenn du mich fragen würdest, ob ich heute eine Band starten würde, ohne "normal" zu sein, ohne einen bekannten Namen zu haben... mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe würde ich wahrscheinlich nein sagen.
Aber Behemoth sind nun schon 15 Jahre am Start, heute ist es einfach für mich, ich weiß wie es war, wie das Geschäft funktioniert, wir sind oft genug auf die Fresse geflogen. Ich weiß einfach, wie ich mit dem ganzen Müll um uns herum umgehen muss. Aber wenn du ein junger Musiker bist, der das erste Mal mit dem ganzen Business in Berührung kommt, wirst du sofort übers Ohr gehauen. Daher ist es auf der einen Seite leicht, eine CD zu veröffentlichen, aber auf der anderen Seite ist es extrem hart und schwer im Geschäft.

HH: Hast du als Musiker eigentlich noch Zeit, selbst Fan zu sein oder interessiert dich das Schaffen anderer Musiker oder Bands nicht?

Nergal: Ich bin auf alle Fälle ein Fan geblieben! Definitiv! Ich bin und bleibe ein Metal-Freak ha ha Dabei lege ich mich nicht auf eine bestimmte Musikrichtung fest, ich kann einerseits was Softes hören und im nächsten Moment ziehe ich mir die neue Napalm Death rein. Mein Geschmack ist da recht vielfältig und das ist auch gut so. Ich bin ein Fan und ein Freak. Und ich kaufe mir nach wie vor CDs. Je mehr Geld ich verdiene, desto mehr CDs kaufe ich mir. Ich habe Tausende CDs bei mir daheim. Zudem bin ich ein gr0ßer Vinyl Fan.
Wenn ich dann jedoch Bands höre, die behaupten, sie seien originell, hätten ihren eigenen Stil und sind von nichts und niemanden beeinflusst, kann ich nur sagen: Bullshit! Das glaube ich einfach nicht. Ich höre selbst viel Musik und bin von vielen Bands der extremen Gangart beeinflusst, und das brauche ich auch. Wenn ich die neue Suffocation oder die neue Napalm Death anhöre, solche Qualität, da kann man nur einfach WOW sagen. Das alles gibt mir einen extra Kick, ich brauche diesen Einfluss. Ich will jetzt aber nicht behaupten, dass Behemoth wie Napalm Death klingen sollten, aber ich brauche einfach diese Musik. Immer wenn ich zum Joggen gehe, höre ich extremen Metal...

HH: Weil dann das Laufen schneller geht?

Nergal: Fucking right man ha ha ha Ich brauche diese Energie, diese Aggressionen, die diese Musik freisetzt. Es ist einfach mein Treibstoff.

HH: Welche Band kannst du derzeit empfehlen?

Nergal: Heute? Extrem Metal?... (überlegt lange - Ray). Nun, Necrophagist sind gut. Aber es gibt viele Bands, da brauche ich nur in meine Sammlung zu sehen. Es gibt da einige, die schon länger in der Szene sind, aber die ich erst vor kurzem für mich entdeckt habe. Da gibt es einfach zu viele, um sie aufzählen zu können...

HH: Euer letztes reguläres Album, Demigod, resultiert bereits aus dem Jahre 2004. Wie sieht es mit neuen Songs aus? Wann können wir mit einem neuem Studioalbum rechnen?

Nergal: Gebt uns da noch etwas Zeit. Behemoth stehen für Qualität, wir werden nie etwas veröffentlichen, was nicht unseres Qualitätskriterien entspricht. Wir wollen den Fans für ihr Geld einfach das Beste bieten, das verdienen sie. Die neue Scheibe wird schon noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, wir haben bislang für sechs Songs die Basics zusammen getragen. Wir haben jetzt dann erst etwas Urlaub, aber auch da werde ich ein wenig jammen. Danach geht es mit dem Songschreiben weiter. Texte müssen ja auch noch geschrieben werden. Ich denke, wir werden gegen Ende des Jahres ins Studio gehen. Die neue Scheibe wird dann voraussichtlich im Sommer 2007 erscheinen.

HH: Die letzten beiden Alben (Demigod und Conjuration) wurden über Regain Records veröffentlicht. Wie seid ihr mit eurem Label zufrieden?

Nergal: Ja, wir sind sehr zufrieden und auch die nächste Scheibe wird wieder über Regain veröffentlicht. Alles läuft gut.

HH: Wie schaut es mit einer Tour durch Europa aus? Wann können wir euch wieder in Deutschland sehen?

Nergal: Naja, wir haben nur für Demigod fünf Tourneen durch Amerika gemacht, das war schon recht viel. Wir sind einfach Metalheads, wir müssen dieses Leben so leben. Wir sind nicht geboren fürs daheim Sitzen ha ha. Aber wir planen eine Tour durch Europa im Frühling nächsten Jahres, kurz vor Veröffentlichung der neuen Scheibe.

HH: In einem Interview mit Unleashed habe ich gelesen, dass ihr auf der gemeinsamen Tour im September 2005 nur mit Gasmasken bekleidet durch die Gegend gehüpft seid. Macht ihr immer solche Sachen? *g*

Nergal: Wer hat das gesagt?

HH: Johnny Hedlund.

Nergal: Johnny war das??? Hahaha, ja wir machen immer verrückte Sachen auf Tour. Ich kann mich an diese Aktion erinnern und sie war einfach cool. Was soll ich sagen, wir sind einfach Witzbolde, wir müssen so was einfach machen. Wir haben uns diese Aktion ausgedacht, als Pungent Stench auf der Bühne waren ha ha

HH: Wenn du etwas ändern könntest aus eurer Vergangenheit, was wäre das?

Nergal: Nichts! Das würde keinen Sinn machen. Wenn ich etwas ändern würde, würde ich mich evtl. jetzt gerade nicht mit dir unterhalten. Und ich genieße es, mit dir zu reden. Es ist einfach so wie es ist. Wenn du in der Vergangenheit nur eine Kleinigkeit ändern würdest, hätte das Auswirkungen auf alles, was du bislang gemacht hast, das ganze Spektrum wäre davon betroffen. Alles, was passiert ist, hatte auch seinen Sinn.

HH: Wie auch auf eurer Homepage zu lesen ist, hat sich Jon Nödtveidt selbst das Leben genommen. Wie standet ihr zu seiner Vergangenheit und seiner Entscheidung, Selbstmord zu begehen?

Nergal: Ich schätzte Jon sehr. Er war ein cooler, freundlicher und sehr gebildeter Mensch in der Szene. Er war ein großartiger und geachteter Mensch. Wir hatten die Möglichkeit, mit den Jungs von Dissection zwei Gigs auf einer gemeinsamen Tour zu spielen. Es waren großartige Shows. Ich erinnere mich, dass ich Stunden damit verbrachte, mit ihm ernste und philosophische Themen zu diskutieren. Und ich erinnere mich, dass wir in manchen Dingen geteilter Meinung waren, in manchen Dingen wiederum der selben Meinung. Wir hatten einfach Respekt voreinander. Auf der einen Seite ist es natürlich tragisch, dass er sich selbst das Leben genommen hat. Aber auf der anderen Seite war es sein freier Wille, es war geplant, es war seine Entscheidung und er hat es aus freiem Willen gemacht. Und das respektiere ich.

HH: Nicht jeder respektiert dies...

Nergal: Mir ist es egal, was irgendjemand sagt. Ich habe meinen Standpunkt, meine Meinung, nicht die der anderen. Ich respektiere seine Entscheidung. Solange es seine bewusste Entscheidung war, respektiere ich es.

HH: Unterscheidet sich eigentlich der Mensch Nergal von der Person, die du auf der Bühne verkörperst?

Nergal: Das ist die selbe Person. Aber jedoch unter anderen Umständen. Ich muss hier nichts vortäuschen oder mich verstellen, ich bin ich, nur unter anderen Umständen. Ich zeige auf der Bühne nur eine andere Seite von mir, aber was die Fans sehen, das bin ich. Ich denke, jeder von uns hat verschiedene Seiten oder Oberflächen, die dann und wann zum Vorschein kommen. Auf der Bühne ist eine Facette, privat daheim ist eine andere. Aber keiner kann sagen oder beurteilen, welche nun die "richtige" ist. Denn es handelt sich immer um die gleiche Person.

HH: Wenn du eure Musik als Essen beschreiben müsstest, wie würde es schmecken?

Nergal: Wie ein riesiges, saftiges und würziges Burrito. Sehr scharf!

HH: Danke, dass du dir Zeit genommen hast. Die berühmten letzten Worte gehören dir.

Nergal: Stay evil und bleib der Szene treu.

Ray

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