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Interview

Interview mit Dark Fortress (14.02.2006)

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Ein jahr lang war es still um die Landshuter Düsterheimer. Dann jedoch veröffentlichen Dark Fortress mit Seance ein Hammeralbum, das die Band weit in die Spitze des europäischen Black Metals katapultieren wird. Gitarrist und Songwriter V.Santura nahm sich die Zeit, von mir mit meinen Fragen gelöchert zu werden und entpuppte sich hierbei als ebenso gesprächiger wie sympathischer Gesprächspartner.

HH: Hi, bevor wir mit dem eigentlichen Interview beginnen interessiert es mich, ob du als Bayer unsere kleine Postille Heavyhardes kennst *grins*?

V Santura: Klar, ist mir schon ein Begriff.

HH: Richtige Antwort ha ha.
Erst mal Glückwunsch zum wirklich geilen neuen Album. Wie zufrieden seid ihr nun mit etwas Abstand mit dem Endergebnis?

V Santura: Also, bei diesem Album sind wir wirklich höchst zufrieden. Wir waren zwar auch mit Stab Wounds schon sehr zufrieden, aber mit Seance ist uns ein weiterer großer Schritt nach vorne gelungen. Vor allem mit dem Sound bin ich persönlich dieses Mal sehr zufrieden. Bei Stab Wounds könnte meiner Meinung nach der Gitarrensound einen Tick geiler sein, doch dieses Mal ist er so geworden, dass ich wirklich zufrieden bin.

HH: Welcher Teufel hat euch eigentlich geritten, ein dermaßen intensives Album aufzunehmen?

V Santura: Eine wirklich gute Frage, meine Maxime bzw. mein Traum war es, ganz extrem krasse, düstere Musik zu machen, denn diese Art von Atmosphäre oder Feeling in der Musik hat mich schon immer fasziniert, eigentlich schon von frühester Kindheit an. Demnach war es mein Hauptziel, eine richtig düstere Platte zu machen. Zudem ist die Musik ziemlich stark von den Texten beeinflusst, die in eine düstere, mystische und spirituelle Richtung gehen. Und die Musik vertritt ja die Texte, demnach war es eine logische Konsequenz, dass dieses Mal die Musik extrem düster und auch mystisch sein muss.

HH: Nach Red Stream und Black Attakk seid ihr nun beim Riesen Century Media gelandet. Habt ihr keine Angst, hier nur eine Nummer zu sein, also nicht die Aufmerksamkeit zu erlangen, die ihr euch wünscht?

V Santura: Nun, ein wenig Angst hat man in dieser Hinsicht vielleicht schon, aber man muss hier auch bedenken, wie der Kontakt zu Century Media zustande gekommen ist. Wir sind über einen Mitarbeiter von Century Media, der ein großer Fan von uns ist, zu Century Media gekommen. Und solange dieser Mensch dort beschäftigt ist, haben wir ja unseren direkten Ansprechpartner. Zudem bekommen wir bei Century Media eine viel geilere Promotion, als wir bei anderen jemals auch nur ansatzweise bekommen hätten. Klar gibt es andere Bands bei Century Media, die mehr Aufmerksamkeit bekommen, z.B. wenn sie in den Charts vertreten sind, aber wir können uns nicht beschweren und finden es einfach saugeil, bei diesem Label unter Vertrag zu sein.

HH: Immer, wenn eine Black Metal Band bei einem großen Label landet, hört man ja immer wieder Ausverkauf-Schreie und Verrat an der Szene. Was denkst du darüber?

V Santura: Da kann ich nur ganz selbstbewusst sagen: Wer uns Ausverkauf oder kommerzielle Aspekte vorwirft, der braucht sich nur unser neues Album Seance anhören, denn das ist Argument genug. Wenn behauptet wird, dass Seance in irgend einer Art und Weise kommerziell ist oder sich irgendwo anbiedert, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir haben uns einen alles andere als leichten Weg ausgesucht, denn Seance ist das sperrigste und unkommerziellste Album unsere bisherigen Bandgeschichte. Wenn ich an unser Debut Tales From Eternal Dusk zurück denke, das war viel eingängiger und melodischer, ja wenn man es so nennen will, massenkompatibler. Wir sind auf unserem neuen Album viel "eigenbrötlerischer" geworden, weil wir wirklich ganz bizarre Sachen machen und diese ganz konsequent durchziehen. Dabei haben wir noch nicht mal ansatzweise Kompromisse machen müssen bei Century Media, weder beim Songwriting noch bei der Produktion, wobei ich hier dazu sagen muss, dass wir den Vertrag unterschrieben haben, nachdem die Produktion schon so gut wie fertig war. Und wenn wir wirklich kommerzielle Gedanken hätten, würden wir keinen Black Metal spielen.

HH: Wie wahr. Kannst du mir etwas über die lyrischen Aussagen von Seance sagen? Wovon handeln die Lieder? Satanismus oder die allseits beliebte Kriegspropaganda fallen ja aus.

V Santura: O.K., ich versuche, das Ganze kurz zusammen zu fassen: unser Sänger Azathoth könnte hier zwar die besseren Statements abgeben, da von ihm ja sämtliche Texte stammen, aber ich gebe die Texte einfach mit meinen eigenen Worten wieder. Seance handelt größtenteils von "der anderen Seite", es stellt diverse Vorstellungen dar, wie das Leben nach dem Tod, eben auf der anderen Seite ist. Zudem handeln die Texte von diversen persönlichen Erfahrungen mit paranormalen Existenzen, über rastlose Seelen. Das ist eigentlich die Kernaussage von Seance.

HH: Wie entstehen eigentlich Songs bei euch? Klassisch bei den Bandproben oder wer hat das Zepter in der Hand?

V Santura: Also, die Songs bis zum Album Profane Genocidal Creations (2003) haben wir zusammen im Proberaum geschrieben, aber mittlerweile hat sich die Art und Weise etwas verändert. Inzwischen mache ich den größten Teil des Songwritings, unser zweiter Gitarrist (Asvargr) steuert nach wie vor einiges zum Songwriting bei, aber für mich funktioniert es am besten, wenn ich meine Ideen alleine ausarbeiten kann, weil mir da viel intensivere Ideen kommen. Ich habe die Erfahrungen gemacht, dass bei sogenannten Jam-Sessions zwar meist ganz nette Ideen rauskommen, aber wirklich tiefgründige, durchstrukturierte und durchkomponierte Songs kann ich nicht bei einer Bandprobe schreiben, allein schon wegen der Stimmung. Deswegen entstehen die meisten Songs zu Hause im stillen Kämmerlein und wenn ich Ideen habe, werden die auch sofort aufgenommen und mit Drumcomputer entsprechend unterlegt. Die fertigen Arrangements werden dann aber zusammen mit der kompletten Band gemacht, dort kann natürlich jeder noch seinen Teil dazu beisteuern.

HH: Der Rest also bei den Bandproben oder erst im Studio? Geht ihr erst mit komplett ausgearbeiteten Songs ins Studio?

V Santura: Wir gehen eigentlich komplett ausgearbeitet und arrangiert ins Studio. Diesmal hat es ein paar kleine Ausnahmen gegeben, bei zwei Songs haben wir noch etwas mit dem Gesang experimentiert, nämlich bei "Ghastly Indoctrination", unserem Opener, und bei "While They Sleep". Bei beiden Songs standen die Gesangslinien noch nicht eindeutig fest und wir haben uns bewusst die Zeit genommen wirklich spontane Sachen aufzunehmen. Denn ich habe die Erfahrungen gemacht, dass man z.B. auf einem Demotape mit verschiedenen Sachen experimentiert, die sich jedes Mal auf ihre Art und Weise einfach geil anhören. Und im Studio versucht man dann, diese Sachen zu reproduzieren und oft verliert man dadurch einfach dieses gewisse Etwas. Deshalb waren wir diesmal bewusst nicht dermaßen akribisch vorbereitet, haben bewusst Freiräume gelassen um auszuprobieren, was funktioniert und genau das ist das Geile an diesem Album, es sind viele spontane Sachen bei den Vocals drauf. Ich denke, das werden wir für die nächsten Alben so beibehalten. Aber die Drums, die Gitarren und der Bass sind komplett bis auf den letzten Ton auskomponiert, wenn wir ins Studio gehen.

HH: Vergleichen wir mal zwei Songs vom aktuellen Album: "CataWomb" und "Incide", die unterschiedlicher nicht sein können. Was darf man im Black Metal, was nicht? Wo sind die Grenzen, sofern es denn welche gibt?

V Santura: Ich finde, die Grenzen, die wir uns selbst setzen, beziehen sich nur auf die Atmosphäre, das Feeling in der Musik. Für mich definiert sich Black Metal nur über die Atmosphäre, er muss krass, intensiv und düster sein. Und der Track "Incide" ist für mich absolut abartig und krass. Auch wenn dieses Stück so ziemlich ohne E-Gitarren auskommt definiert es für mich Black Metal. Generell finde ich eh bei uns in der Black Metal Szene, dass man sich viel zu sehr darüber Gedanken macht, was darf man und was nicht, was ist true und was nicht. Ich finde es schade, dass man sich bei sämtlichen Musikrichtungen irgendwelche Schranken auferlegt und sich damit selbst limitiert. Damals, als Black Metal hochgekommen ist war es ein Musikstil, die revolutionär und rebellisch war und auf einmal sind alle der Meinung, Black Metal muss nach einem bestimmten Muster klingen bzw. funktionieren. Black Metal muss auch weiterhin revolutionär und rebellisch sein und bleiben und daher darf man ihm keine Grenzen auferlegen.

HH: Da sprichst du mir aus der Seele, denn dieses derzeitige Gehabe, wer böser ist und wer nicht geht mir tierisch auf den Sack. Wie schaut es eigentlich mit der Liveumsetzung der Songs aus? "CataWomb" haben wir ja schon das ein oder andere Mal live zu hören bekommen, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass z.B. "Incide" live funktioniert. Diesen Song muss man genießen. Wie schaut's mit den anderen Songs aus?

V Santura: Ich denke mal, dass "While They Sleep" auch nicht live aufgeführt wird, schlicht und einfach weil es zu aufwändig wäre, schon allein wegen dem langen Percussion Part. Zudem sind einige aufwändige Instrumente dabei. Ein Freund von uns baut u.a. Skulpturen und Instrumente, die einen ziemlich geilen Sound haben und eines davon haben wir bei diesem Song verwendet. Dieses Instrument immer mitzunehmen, wäre schon sehr aufwändig. Aus dem selben Grund würden wohl auch drei bis vier Songs live nicht umsetzbar sein, doch trotzdem werden drei Viertel der Songs auf Seance live definitiv funktionieren.

HH: Wie werdet ihr das Album promoten? Wie schaut die Live-Planung für dieses Jahr aus? Auf welchen Festivals seid ihr vertreten? Oder steht eine Tour an?

V Santura: Gerade das mit den Festivals ist ein klein wenig problematisch, da kümmern sich zwar Century Media drum, aber hier ist das Problem, dass wir den Deal mit Century Media erst relativ spät unterschrieben haben. Und bei den größeren Festivals muss man sich in der Regel bereits für das Folgejahr bewerben, wenn das Festival gerade vorbei ist. Und wenn man erst im Winter versucht, noch auf die Festivals zu kommen, sieht es schon sehr schwierig aus. Es sind zwar einige Bewerbungen am Laufen, aber bestätigt ist noch nichts. Was allerdings so gut wie sicher ist, ist dass wir im April mit Lord Belial für zwei Wochen auf Tour gehen werden.

HH: Werdet ihr dann auch hierzulande zu sehen sein?

V Santura: Ja, die Tour wird BeNeLux, Deutschland, Österreich und die Schweiz umfassen. Und evtl. auch noch Italien.

HH: Wo spielt ihr eigentlich lieber, auf kleinen Clubbühnen oder auf den großen Festivalbühnen? Oder spielt das für euch keinerlei Rolle?

V Santura: Also, einen Unterschied gibt's da schon, nur kann ich dir nicht sagen, was besser ist. Vor vielen Leuten zu spielen, ist natürlich ein geiles Gefühl, auch wenn es schon seltsam ist, bei Tageslicht oder gar Sonnenschein auf die Bühne zu gehen. Das ist für die Musik nicht gerade von Vorteil. Aber generell ist es für uns schon besser, auf großen Bühnen zu spielen, weil wir da einfach mehr Platz haben. Bei den kleinen Clubs ist es einfach problematisch, weil wir uns manchmal auf der Bühne kaum bewegen können. Wenn ich da einen Schritt nach rechts mache, falle ich ins Schlagzeug, bei einem Schritt nach links renne ich in unseren Bassisten. Da leidet das Stageacting natürlich erheblich darunter. Darum finde ich persönlich die großen Festivalbühnen besser, weil wir uns da einfach mehr bewegen können.

HH: Eure Musik muss als Gesamtkunstwerk betrachtet werden, die sich aus dem musikalischen, dem lyrischen und dem visuellen Aspekt zusammen setzt. Wie wichtig ist euch hierbei die Optik? Warum verwendet ihr Corpsepaint?

V Santura: Wie du schon gesagt hast, sehen wir die Band als Gesamtkunstwerk, das aus dem lyrischen, dem musikalischen und dem visuellen Gesichtspunkt besteht. Ich bin der Meinung, dass eben Corpsepaint - wohlgemerkt nicht Warpaint - uns wie Leichen darstellt. Wir benutzen es, weil wir die Atmosphäre und das Feeling der Musik damit zum Ausdruck bringen wollen. Wenn man Black Metal spielt, kann es zwar auch geil sein, wenn man nur "normal" auf die Bühne geht, aber wenn man das Ganze auch noch visuell unterstreichen kann, wird es einfach intensiver. Und hier finde ich Corpsepaint einfach passend. Wenn man musikalisch Dämonen entfesselt, kann man das auch optisch präsentieren.

HH: Nun eine ganz banale Frage: Warum gerade Black Metal? Warum nicht Death, Thrash oder Doom? Ich meine damit, was gibt dir Black Metal, was sonst keine Musikrichtung dir geben kann?

V Santura: Da muss ich gleich vorausschicken, dass ich total auf Thrash Metal stehe! Ich hatte auch schon einmal eine Thrash Metal Band, weil mir der Sound einfach Spaß macht. Mit Black Metal kann man einfach tiefere, krassere Emotionen ausdrücken als z.B. mit Thrash Metal. Ich spiele auch andere Stile außer Black Metal, aber ich brauche diesen Musikstil, um ganz bestimmte Dinge einfach ausdrücken zu können. Und das kann ich nur mit Black Metal.

HH: Was wäre das dann? Hass, Wut? Zerstörung?

V Santura: Ich denke nicht unbedingt an absolut zerstörerische oder hyperaggressive Gefühle, vielmehr diese düsteren, kalten und teilweise depressiven Elemente.

HH: Was sind denn hier deine Einflüsse? Ich denke mal, Satyricon, Dissection und Unanimated liegen nicht ganz so weit weg, oder?

V Santura. Nun, mittlerweile denke ich schon, mit Dissection und Unanimated sehe ich inzwischen keine Parallelen mehr. Bei unserem Debut kann ich wirklich nicht leugnen, dass diese beiden Bands uns beeinflusst haben. Und Satyricon... ich denke, mittlerweile haben wir keine konkreten Einflüsse mehr, weil wir einfach unsere eigenen Ideen umsetzen und nicht mehr schauen, was andere Bands machen. Aber Satyricon sind eine geile Band auf die ich total stehe! Von daher ist es wahrscheinlich nicht ganz unnatürlich, dass hier und da Parallelen sind, weil ich auf diesen Sound einfach abfahre. Und wenn ich an früher denke, haben mich Emperor doch auch geprägt.

HH: Ihr habt ja gerade eben erst auf dem Metal Battle in Rosenheim gespielt. Wie war der Auftritt für euch? Seid ihr zufrieden?

V Santura: Also, das einzige, womit wir nicht zufrieden waren, war das Licht ha ha, es ist halt einfach beschissen, wenn mitten im Song bei einer geilen Passage das Saallicht angeht haha. Aber generell war es o.K. für uns. Es war zwar nicht unser überragendster Auftritt, aber er war im grünen Bereich. Von den Fans her war es auch sehr gut, da haben die Veranstalter ein cooles Konzert auf die Beine gestellt. Vor allem das Billing.

HH: Man denkt ja immer, die Black Metaller sind alles finstere Typen, die zum Lachen in den Keller gehen und die keinen Spaß am Leben haben. Was macht das Leben für dich lebenswert?

V Santura: Puh, das ist eine philosophische Frage... wirklich schwer zu sagen. Ich denke mal die Hoffnung darauf, dass die Zeiten wieder besser werden. Klar, im Leben gibt es immer wieder positive Erfahrungen, die das Leben lebenswert machen. Man wächst, lernt dazu und reift als Persönlichkeit und das ist in meinen Augen das Hauptziel, dass man eben wächst und seine Persönlichkeit entwickelt.

HH: Nehmen wir einmal an, es gibt Gott wirklich. Wenn du ihm begegnen könntest, was würdest du ihn fragen?

V Santura: Tja, vielleicht würde ich ihn nach dem Sinn des Lebens fragen. Warum gibt es die Menschheit? Und ob er darin eingreift oder nicht, das würde mich interessieren.

HH: Gehen wir einmal in die allgemeine Black Metal Szene. In einem Bericht eines Black Metal Konzertes in Frankreich habe ich gelesen, dass es zu einer Massenschlägerei gekommen ist und die Band dies nur als "Energieaustausch" betrachtet. Wie denkst du darüber? Muss Gewalt sein? Wo sind die Grenzen?

V Santura: Wir sind auf keinen Fall eine gewaltverherrlichende Band. Und ich denke, genau das ist ja einer der Gründe, warum man harte Musik spielt, nämlich um seine ganzen Aggressivitäten in der Musik heraus zu lassen. Deswegen habe ich es nicht nötig, einfach auf die Straße zu gehen und jemandem eins in die Fresse zu hauen, nur weil ich gerade stinksauer bin. Da setz' ich mich lieber hin und schreibe einen Song. Man sollte schon so viel Respekt seinen Mitmenschen gegenüber haben um nicht einfach blind drauf los zu schlagen. Ich bin kein Freund von sinnloser, stupider Gewalt.

HH Wenn ich mich nicht irre, habt ihr ja unter anderen bereits mit Nargaroth die Bühne geteilt. Diese Band ist ja nicht ganz unumstritten, da ihr eine rechte Schlagseite nachgesagt wird. Welche Erfahrungen habt ihr mit besagter Band gemacht?

V Santura: Eben nicht. Genau deswegen haben wir den Gig gecancelt. Und bei besagtem Gig war nicht nur Nargaroth am Start sondern auch irgendeine Extrem-Nazi-Band aus Polen, deren Name mir nicht mehr einfällt. Wir haben damals das Angebot bekommen, auf einem kleinen Festival in Innsbruck zu spielen, worauf wir natürlich Bock hatten. Später sind dann noch Nargaroth und diese Nazi-Band aus Polen auf dem Billing aufgetaucht. Da haben wir uns zusammen gesetzt und beschlossen, diesen Gig zu canceln. Weil wir uns ganz bewusst von dieser NS Black Metal Scheiße distanzieren.

HH: Eine wirklich lobenswerte Einstellung! Was hältst du im Generellen von der leider aufkeimenden NS-Black Metal Szene?

V Santura: Ich versteh' einfach nicht was das soll, was ist der Sinn dahinter? Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal den Begriff NS BM gehört habe, hab ich mich einfach nur gefragt: Was zum Teufel ist jetzt los? Geht's noch??? Black Metal ist ja ein Sammelbecken für alle möglichen Extremitäten und leider für alle möglichen Idioten, die auf Teufel komm raus provozieren müssen und Aufmerksamkeit wollen für ihr Ego oder für was auch immer. Vor zehn oder 15 Jahren hat man ja noch mit Satanismus oder Blasphemie schocken können, aber mittlerweile ist es schon total normal geworden, kann man fast sagen. Und dieser ganze rechtsradikale Mist ist halt eines der letzten Tabus, den einige Bands wohl nur aus Promotionzwecken benutzen und damit bekommt man Aufmerksamkeit. Aber ich find's halt einfach zum Kotzen und armselig. Noch dazu, wenn man sich mal den philosophischen Aspekt von Black Metal betrachtet, steht diese Musik doch eigentlich für Individualismus und geistige Freiheit und das ist genau das Gegenteil von Faschismus. Und deswegen ist es völlig absurd - gutes Wortspiel - Black Metal mit irgendwelchen Nazi-Ideologien zu kombinieren. Einfach völlig widersprüchlich. Ein totales Paradoxon.

HH: Da hast du gerade selbst ein gutes Stichwort gegeben. Gehen wir in der Zeit zurück zu den Anfängen von Black Metal, z.B. Venoms Album Black Metal, dessen Musik man eigentlich als Thrash'n'Roll bezeichnen kann. Heutzutage versucht jede Black Metal Band, schneller, kälter oder dunkler zu klingen. Wenn du dir diese Entwicklung im Black Metal ansiehst fragt man sich doch: Black Metal, quo vadis?

V Santura: Das ist eine gute Frage. Ich denke, Black Metal hat gerade in den letzten Jahren eigentlich wieder an "Popularität" eingebüßt. Die wirklich große Phase hatte Black Metal meiner Meinung nach so 1997 bis 1998, als Dimmu Borgir ihren großen Durchbruch hatten. Da wurde Black Metal schon fast kommerziell und war wahnsinnig erfolgreich. Auf einmal gab es wahnsinnig viele Bands, die wie Pilze aus dem Boden geschossen kamen und dadurch wurde die Szene übersättigt was zur Folge hatte, dass viele das Interesse am Black Metal verloren haben. Was aber auch wieder gut ist, denn dadurch hat sich die Szene in gewisser Weise wieder gesund geschrumpft. Aber ich habe das Gefühl, dass so langsam aber sicher das Interesse wieder kommt am Black Metal. Ganz einfach deswegen, weil es inzwischen Bands gibt, die wieder frischen Wind in die Szene bringen und nicht nur in den ganz eng gesteckten Grenzen dieser Musikrichtung agieren. Und man muss ja auch, um interessant und aktuell zu bleiben, sich weiterentwickeln. Die Leute, die damals z.B. mit Mayhem oder Emperor Anfang der 90er, groß geworden sind, waren zu diesem Zeitpunkt 16 bis 19 Jahre alt. Und dann kann ich erwarten, dass dieselben Leute heute mit Anfang/Mitte 30 anders drauf sind als noch als 16-jährige Kiddies. Ich meine damit, dass sich diese Musik auf ganz natürliche Art weiterentwickeln muss und das geht nicht unbedingt dadurch, einfach nur noch schneller zu werden. Jede Band muss einfach versuchen, für sich selbst gute Songs zu schreiben.

HH: Habt ihr noch Kontakt zu euren ehemaligen Mitgliedern? Ich denke hier mal an Crom, der ja mit seinem Soloprojekt aus dem Quark gekommen ist.

V Santura: Ja, das ist nach wie vor ein guter Kumpel von uns. Damals, bei seinem Ausstieg, hatte er sich massiv mit unserem Sänger zerstritten, was einer der Hauptgründe für seinen Ausstieg war. Mittlerweile ist die Sache aber wieder aus der Welt und sie sind wieder gute Freunde. Die beiden haben nun zusammen sogar ein gemeinsames Side-Projekt, Sindecade, das eben aus unserem Sänger Azathoth und Crom besteht. Da gibt also kein sogenanntes böses Blut mehr und wir sehen uns mehr oder weniger regelmäßig. Crom war z.B. in Rosenheim bei unserem Gig auch anwesend. Oder z.B. unser erster Drummer und unser erster Bassist, die waren bis vor kurzem noch mit im Proberaum von uns und nehmen gerade zusammen ein Album auf. Und da bin ich z.B. Tontechniker. Es besteht also nach wie vor Kontakt zu allen. Bis auf unseren ersten Keyboarder, den kenne ich überhaupt nicht.

HH: Machen wir einen Rückblick auf 2005. Was hat dich bewegt, was enttäuscht und was aufgeregt?

V Santura: Ich denke, 2005 war für uns als Band ein verdammt hartes Jahr. Das war so die Zerreißprobe für uns, die wir überstanden haben, was gut so ist. Rückblickend kommt es mir so vor, als ob 2005 nur von unseren Anstrengungen geprägt ist, aus dem alten Plattenvertrag raus zu kommen und ein neues Label zu finden. Also hatten wir den ganzen Business-Scheiß um die Ohren. Somit kann man sagen, wir haben 2005 eigentlich stagniert: kein neues Album von uns, sehr wenig Live-Gigs, keine Tour von uns, obwohl die geplant war von der Plattenfirma und uns auch so versprochen wurde. Zudem habe ich letztes Jahr viel Zeit beruflich in Hamburg verbracht, was die ganze Sache nicht einfacher gemacht hat. Aber wir haben zusammengehalten und uns gemeinsam durchgebissen, worüber ich verdammt froh bin. Ich bin echt glücklich, dass wir das alles geschafft haben. Denn schließlich haben wir trotz dieser Umstände ein geiles Album produziert und den Deal mit Century Media an Land gezogen. Besser kann es derzeit gar nicht ausschauen.

HH: Ich gebe dir nun ein paar Begriffe/Stichworte, und du sagst einfach, was dir am ersten dazu einfällt.

V Santura: O.K., leg los.

HH: Was Einfaches: Black Metal.

V Santura: Da habe ich eingangs schon einiges dazu gesagt, zu meiner Meinung zur Black Metal Szene generell bzw. zur Musikrichtung. Es ist die Musik, die mir am meisten bedeutet, mit der ich am besten tiefgreifende Emotionen ausdrücken kann. Man kann zwar auch mit anderen Richtungen Emotionen vermitteln, aber diese wirklich tiefgreifenden Emotionen sind nur mit Black Metal transportierbar. Bei dieser Musik jagt es mir einfach kalte Schauer den Rücken runter, was bei anderen nicht der Fall ist.

HH: Amerika.

V.Sanutra: Unsere liebe Weltpolizei.

HH: Selbstmord.

V.Sanutra: Selbstmord sehe ich sehr kritisch. Ich persönlich sehe Selbstmord nicht als Lösung an. Es ist ein Davonlaufen von seinen eigenen Problemen. Aber wirklich feige ist es auch wieder nicht, denn es gehört schon ein extrem krasser Mut dazu, wirklich die letzte Konsequenz zu tragen. Insofern finde ich es einerseits mutig, anderseits aber auch feige. Sehr, sehr zweiseitig, das Ganze. Hier könnte man ganze philosophische Abhandlungen mit diesem Thema befüllen.

HH: MP3, Downloading aus dem Internet.

V Santura: Die klingen doch einfach beschissen! Ich kann MP3s nicht leiden, ich höre sofort, wenn ein MP3 gespielt wird. Deswegen kommen MP3s für mich nur in Frage um mich über eine Band zu informieren. Ich höre mir niemals MP3s zum Genuss an.

HH: Landshut.

V Santura: Landshut ist eine wunderschöne Stadt. Die Stadt, in der ich mich wohl und zuhause fühle.

HH: Religion, gerade hier im erzkonservativen Bayern.

V Santura: Religion ist problematisch. Religion ist leider nach wie vor einer der Hauptauslöser und Hauptgründe für Kriege weltweit, selbst wenn bei uns Religion nicht mehr so einen hohen Stellenwert hat. Ich bin der Meinung, jeder soll nach seiner Art und Weise glücklich werden. Ich finde es falsch, andere von seiner Meinung zu überzeugen bzw. anderen seinen Glauben aufdrängen zu wollen.

HH: Wenn alle so denken würden, hätten wir weit weniger Probleme auf dieser Welt. Themenwechsel:
Das Vorgängeralbum war auch auf Vinyl zu erwerben. Seid ihr Traditionalisten und Vinyl-Liebhaber? Wird es von Seance auch eine Vinyl-Auflage geben?

V Santura: Zum Thema Vinyl-Liebhaber: Teils-Teils. Ich selbst habe nicht mal mehr einen Plattenspieler um ehrlich zu sein. Eigentlich schade, denn die Vinyl Version von Stab Wounds ist wirklich geil! Vinyl ist für uns eine besondere Sache, allein schon wegen der Optik. Ein Cover wirkt einfach viel geiler auf einem großem Vinyl-Cover als dieses kleine CD-Blättchen. Ich finde es einfach aus ästhetischen Gründen und als Sammlerstück geil.
Seance wird wahrscheinlich auch als Doppel-LP erscheinen und zwar in ähnlicher Art und Weise wie schon Stab Wounds.

HH: Wird es auch wieder Bonus-Tracks auf der LP-Version geben?

V Santura: Eventuell schon. Seance dauert ja schon 62 Minuten. Und normalerweise bekommt man auf eine LP-Seite maximal 30 Minuten Spielzeit. Somit wäre bei einer Doppel-LP auf einer Seite gerade mal zwei Minuten Spielzeit. Sofern wir also eine Doppel-LP machen, müssen wir Bonus-Tracks aufnehmen, um die LP Seiten voll zu bekommen. Da müssen wir uns noch etwas überlegen.

HH: Was sind die drei für dich wertvollsten Stücke in deinen Archiven, vom persönlichen Wert aus betrachtet?

V Santura: Emperor - Anthems To The Welkin At Dusk, Anathema - Alternative 4 und natürlich Slayer - Reign In Blood, das Album des Jahrtausends!

HH: Wo siehst du Dark Fortress in fünf Jahren?

V Santura: Eine interessante Frage, wo sind wir in fünf Jahren... diese Frage stelle ich mir musikalisch gesehen auch ab und zu. Unsere Musik wird ja sehr von persönlichen Gefühlen und Stimmungen, in denen man sich gerade befindet, inspiriert. Wenn es einem beschissen geht, schreibt man natürlich krassere Musik als wenn es einem gut geht. Ich kann es nicht sagen, wie wir in fünf Jahren klingen werden. Vielleicht wird die Musik weniger depressiv als viel mehr aggressiver werden, vielleicht wird es aber auch noch krasser. Das kann ich im Moment echt noch nicht sagen.

HH: Mit welchem Tier würdest du den Sound von Dark Fortress beschreiben?

V Santura: Oh Mann, das ist echt schwierig... muss ich darauf antworten? Ha ha... Ich habe mir vorhin noch ein Interview auf Heavyhardes durchgelesen, da war die Frage: "Mit welchem Auto würdest du deine Band beschreiben". Da habe ich mir noch gedacht, hoffentlich bekomme ich so eine Frage nicht gestellt ha ha... Und schon kommt sie... ha ha ha. Ich glaube, das Tier muss erst noch erfunden werden.

HH: Was macht ihr außerhalb von Dark Fortress? Die typischen 9-5 Jobs?

V Santura: Den typischen Nine-to-five-Job macht bei uns eigentlich nur einer, unser anderer Gitarrist (Asvargr), der hat einen geregelten Job als Zahntechniker. Vier von uns sind zur Zeit Studenten und ich bin freiberuflicher Tontechniker, kann mir meine Zeit somit eigentlich "relativ" frei einteilen. Betonung liegt hier auf relativ.

HH: Was haltet ihr eigentlich von der Landshuter Hochzeit, die ja alle vier Jahre bei euch stattfindet? Wichtiges Kulturerbe oder nur Touristenabzocke? Oder seid ihr selber mit von der Partie?

V Santura: Also, persönlich ist von uns keiner mit dabei. Ich dürfte ja auch gar nicht, da ich nicht direkt in Landshut lebe sondern rund 30 km davon entfernt. Ich finde die Landshuter Hochzeit als gelungene Veranstaltung, die ziemlich einmalig ist. Wenn ich's recht im Kopf habe, das größte historische Fest in Europa und ich finde es einfach geil. Einmal sollte man schon auf dem Festplatz gewesen sein und die Atmosphäre mitbekommen. Einfach klasse.

HH: Danke, dass du dir Zeit genommen hast. Die letzten Worte gehören dir.

V Santura: Meine Lieblingsfrage, the famous last words, bei denen eigentlich keinem etwas Vernünftiges einfällt. Mir geht's auch immer so ha ha. Schön!

Ray

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