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Festival-Bericht

Summer Breeze

mit Musikverein Illenschwang, Torturized, A.O.D., Leviathan, Parasite Inc., Kadavrik, Bleeding Red, The Smack Ballz, Suicidal Angels, Suffocation, Rage, Unleashed, Equilibrium, Annotations Of An Autopsy, Milking The Goatmachine, Barren Earth, Dream Evil, Feuerschwanz, Napalm Death, Ill Nino, Sideblast, Parkway Drive, Grailknights, The 69 Eyes, Dew-Scented, Die Apokalyptischen Reiter, Tracedawn, Tieflader, Agnostic Front, Insomnium, Johnny & The Hot Rods, Obituary, Swallow The Sun, Dark Tranquillity, Triptykon, Subway To Sally, Macabre, Raised Fist, Endstille, Necrophagist, The Devil's Blood, Ahab, Cumulo Nimbus, Inme, Deadstar Assembly, Mono Inc., Letzte Instanz, Fiddler's Green, Destinity, The Black Dahlia Murder, Pantheon I, Ensiferum, We Butter The Bread With Butter, Anathema, Downspirit, War From A Harlots Mouth, Cannibal Corpse, Kylesa, End Of Green, Disbelief, Hypocrisy, Das Pack, Origin, Gorgoroth, Despised Icon, Heaven Shall Burn, Watain, Gwar, Dying Fetus, Hail Of Bullets, Orphaned Land, Long Distance Calling, Be'lakor, The Foreshadowing, Undertow, Van Canto, Psychopunch, Frei.Wild, Fejd, Leaves' Eyes, Hacride, Eisbrecher, Callisto, Poisonblack, The Very End, Solstafir, Sepultura, Rebellion, Korpiklaani, Manegarm, Surprise Act, Breschdleng, Sick Of It All, Warbringer, Dark Funeral, Maroon, Children Of Bodom, Asphyx, My Dying Bride, Eisregen, The Crown, 1349 & Count Raven

Flugplatz Sinbronn, Dinkelsbühl 18. - 21.08.2010

Mittwoch, 18.08.2010

Alle Jahre wieder kommt das Chris... äh... Summer Breeze. Auch 2010 ist das nicht anders und wie jedes Jahr ein Grund, sich auf den August zu freuen. Die Qualität des Billings war ja von vornherein überzeugend und auch in Fragen der Organisation hatte ich wenig Zweifel, was den Ablauf des Festival betreffen würde. Wettermäßig sah die ganze Sache schon anders aus, gehörte der August 2010 doch, gelinde gesagt, nicht unbedingt zu den Trockenmonaten dieses Jahres, was mich mit gemischten Gefühlen betreffs des Platzzustandes gen Dinkelsbühl blicken ließ. Nichtsdestotrotz ging es dann Mittwoch früh frohen Mutes los in Richtung Festivalgelände. Bis Dinkelsbühl ging es denn auch flott voran, dann aber wurde das Vorwärtskommen doch recht zäh bis gar nicht mehr möglich. Zwar kein Vergleich mit dem Megastau 2008, aber deutlich weniger flüssig als noch im Jahr zuvor, was im Endeffekt auch dazu führte, dass der Herr Schreiberling den New Blood Award komplett verpasste, da nach der eigentlichen Ankunft auf dem Campingplatz ja noch einiges zu erledigen war. Schade drum, aber leider nicht zu ändern. Der Vollständigkeit halber soll hier noch erwähnt werden, dass der Award von Bleeding Red gewonnen wurde, die dafür am nächsten Tag den Opener geben durften.
(Hannes)

Die Brasilianer Suicidal Angels bitten zum ersten Mal auf dem Summer Breeze zum Tanz und können auf eine nicht unbeachtliche Menge an Zuschauern vor der Bühne blicken. Das motiviert die Band ungemein, die fortan extrem spielfreudig zu Werke geht und ihre Slayer-lastigen Songs mit solcher Wucht ins Rund feuert, dass man eigentlich gar nicht anders kann als die Matte im Takt kreisen zu lassen. So kommt es, dass die Jungs nicht nur mit ihrem neuen Song "Bleeding Holocaust" vom kommenden Album gute Eigenwerbung betreiben, als Belohnung diverse Circle Pits und auch eine Wall Of Death einbringen.
(Lord Obirah)

Der letzte Suffocation-Auftritt beim Summer Breeze fand noch auf der Pain Stage statt, damals war mächtig was los vor der Bühne, als Frank Mullen und seine Bande Dinkelsbühl in Schutt und Asche legten. Diesmal sollte es nicht anders sein, abgesehen davon, dass die Jungs diesmal ins Party Zelt verbannt wurden. Das tut aber der überwiegend guten Stimmung keinen Abbruch, wofür nicht nur Frank mit seiner typischen Hand-Hack-Gestik und seinem deftigen Organ verantwortlich ist, sondern auch seine Nebenleute, die ein famoses technisches Death Metal-Gewitter loslassen, das in Mark und Bein geht. Feiner und erneut überzeugender Auftritt!
(Lord Obirah)

Nun, der Auftritt war wirklich überzeugend, aber etwas unverständlich fand ich, dass Suffocation deutlich leiser (und damit für meinen Geschmack zu leise) abgemischt wurden als die Selbstmordengel. Ja, ich weiß, die übermäßige Lautstärke im Zelt war in der Vergangenheit des Öfteren ein Stein des Anstoßes, aber so niedrig, wie der Schallpegel bei Frank Mullen & Co war, nahm er doch einiges an Energie aus dem Auftritt.
(Hannes)

Rage sind eigentlich immer ein Garant für eine gute Live-Show. Prinzipiell verhält es sich bei diesem Auftritt auch nicht anders, allerdings handelt es sich hierbei definitiv nicht um den besten Gig der Jungs. Zum einen mag das am etwas seltsamen Einstieg mit "The Edge Of Darkness" liegen, zum anderen am ebenso seltsamen Sound, der mächtig hohl klingt, als ob Rage in einer Röhre spielen würden. Zum anderen sorgen die ständigen technischen Schwierigkeiten, unter denen vor allem Drummer Andre Hilgers zu leiden hat, für stockenden Spielfluss. Die Band überbrückt das Ganze mit diversen Geschichtelchen und Bandvorstellung, wird trotz allem abgefeiert und beim obligatorischen "Higher Than The Sky" singt das ganze Zelt.
(Lord Obirah)

Da hatte der gute Lord Glück (oder Stehvermögen), denn wenn man wie ich "erst" zehn Minuten vor dem Rage-Gig ins Zelt wollte, war kein Durchkommen mehr möglich, so voll war die Bude mittlerweile. Das stellte überhaupt das meiner Ansicht nach größte Manko der Label-Night dar. Zwar ist das ein wirklich schönes Zuckerl für die Drei-Tages-Gäste, aber da das Zelt nur ein geschätztes Zehntel der Kapazität der großen Bühnen hat, am Mittwoch Abend aber mit Sicherheit schon mindestens 20, wenn nicht 25 Prozent der sonst üblichen Besuchermassen auf dem Gelände ums Zelt herum anwesend waren, nimmt es im Nachhinein nicht Wunder, dass es "ziemlich eng" wurde. Als ich dann noch feststellen durfte, dass man zu Unleashed nicht mal auf zehn Meter ans Zelt heran, geschweige denn hinein kam, war für mich die Label-Nacht gegessen. Dafür allerdings wurde man zumindest teilweise durch die Camel-Stage entschädigt, auf der die Smack Ballz weit mehr waren als bloße Lückenfüller. Klassiker der Rock- und Metalgeschichte wie "Smoke On The Water" oder "Ace Of Spades" erschienen im ganz neuen, halbakustischen Rock'n'Roll-Soundgewand und führten unweigerlich zur Party-Stimmung vor besagter Bühne. Alleine die grandiose Version von Dios "Holy Diver" war das Verweilen vor der Camel-Stage schon wert.
(Hannes)

Donnerstag, 19.08.2010

Es ist Donnerstag und auch der Sebbes darf sich so langsam auf den Weg ins malerische Dinkelsbühl machen. Wäre da nicht noch die Autobahn zu bewältigen, würde das auch ganz stressfrei ablaufen - jedoch darf ich auf der Höhe Pasing erstmal über eine Stunde in einem völlig sinnfreien Stau verbringen. Während meine Begleitung sich schon das zweite Helle hinter die Binde kippt, bleibt mir nichts anderes übrig, als mit im Lenkrad festgebissenen Zähnen auszuharren. Aber nach knappen vier Stunden (!!) erreichen wir so gegen 15:00 Uhr endlich die Glaswegnehmschleuse am Eingang des Campingplatzes. Viel los ist hier nicht mehr, da offensichtlich schon alle anderen in den letzten Tagen angereist sind. Das Auto vor uns bekommt gerade seine Steaksaucen abgenommen, rechts neben uns müssen ein paar Wodkaflaschen dran glauben, während der nette Security anfängt, das lumpige Parfümfläschchen im Waschbeutel meiner Freundin zu beäugen. Aber das Glück ist uns hold, 50 ml sind erlaubt. Also nix wie rauf auf den Zeltplatz...! Ja, welcher wird's denn werden? Am letzten Zipfel des Geländes taucht wie ein böser Fluch Turm O am Horizont auf. Das wird also unser Zuhause für die nächsten Tage werden. So soll es sein.
(Sebbes)

Der Festivaltag begann für den ältesten Berichterstatter mit einer für seine derzeitigen Hörgewohnheiten eher ungewöhnlichen Stilrichtung, nämlich den Heavy Metallern von Dream Evil. Aber es sollte ein sehr gelungener Beginn werden, denn die Herren glänzten sowohl durch Spielfreude als auch durch ansteckend gute Laune. Allen voran natürlich Frontmann Nick, der sich in einer selbstironischen Bruce Dickinson-Parodie sichtlich wohl fühlte und mehr als einmal einen gewollt warmen Eindruck hinterließ. Da sag noch einer, Metal wäre ernsthafte Mucke, hier wurde man im positiven Sinn vom Gegenteil überzeugt, ohne ins Blödelhafte abzudriften. Die Songs waren gut gewählt, die Bandperformance ar***tight und das Publikum sehr gut drauf, besonders wenn man bedenkt, wie früh im Billing des Tages dieser Auftritt stattfand. Feine Sache, gerne wieder.
(Hannes)

Wenn Napalm Death zum Tanz bitten wird es vor der Bühne recht voll. Kein Wunder, denn obwohl die Briten inzwischen knapp 30 Jahre auf den Brettern, die die Welt bedeuten, herumturnen, ist ihnen keinerlei Müdigkeit anzumerken. Bestes Beispiel dafür ist Frontmann Barney, der trotz seines nicht unbeachtlichen Alters einen der agilsten Gigs dieses Festivals hinlegt. Der Mann dreht sich, springt umher, fetzt von einem Ende der Bühne zum anderen und rotzt nebenbei noch dermaßen geile Vocals in sein Mikro, dass es eine wahre Freude ist. Sowas wirkt ansteckend, wie man deutlichst vor der Bühne erkennen kann, denn dort liefern sich die Anwesenden ein echtes Spektakel mit Circle Pit, Headbanging und allem was dazu gehört. Zwischen den Songs gibt's dann immer wieder von der Band verordnete Verschnaufpausen, denn die Zeit nutzt Barney nicht nur, um die Leute zu selbständigem Denken zu animieren, sondern auch um klar Position z.B. gegen Nazis zu beziehen, was laute Zustimmung nach sich zieht. Und so holzen sich Napalm Death absolut überzeugend durch ihre Geschichte und hinterlassen nur glückliche Gesichter!
(Lord Obirah)

Schnell das Zelt aufgestellt und los geht der lange, whiskybewaffnete Marsch zum Eingang des Geländes, um mir - nachdem mir Black Dahlia Murder und Dew Scented nicht vergönnt waren - die Wunden von den Düsterrockern von The 69 Eyes lecken zu lassen. Die Bühne sieht schon mal vielversprechend aus. Die rot-weiße The 69 Eyes-Fahne im Hintergrund und jeweils ein blutverschmierter Totenkopf rechts sowie links sorgen trotz strahlenden Sonnenscheins für die richtige Stimmung. Perfekt gewählt haben die Finnen den für ihre Verhältnisse etwas schnelleren Opener "Back In Black", der gleichzeitig Titelsong der aktuellen Scheibe ist und sehr gut auf die folgende Show einstimmt. Wer The 69 Eyes mit ihrem Sisters Of Mercy-mäßigen Sound kennt, weiß, dass es danach erstmal ruhiger werden muss, und so darf sich die dunkle Seele des nicht unbedingt übermäßig zahlreich erschienenen Publikums an Gothic-Gassenhauern wie dem aktuellen "Devils", dem Klassiker "Framed In Blood" oder dem poppigen "Lost Boys" erfreuen. Ein gar nicht mal so übler Auftakt für Festivalspätankommer wie mich.
(Sebbes)

Dew-Scented waren immer, wenn ich bei einem ihrer Auftritte dabei sein durfte, eine Bank und am heutigen Tag war das nicht anders. Die Band, deren Alben immer mit "I" beginnen, kann auf eine treue Fangemeinde zurückgreifen, von denen nicht wenige den Weg ins Zelt gefunden hatten und die einen Gig genießen durften, der durchweg fesselnd und mitreißend war. Kracher wie "Cities Of The Dead" fehlten genauso wenig wie Material von der aktuellen Scheiblette ("Arise From Decay") und boten einen gesunden Querschnitt durch das Repertoire der Thrasher um den sympathischen Shouter Leif, dessen Bühnenpräsenz keinen geringen Anteil an den Live-Qualitäten der Band hat. Sauberer Auftritt, mit dem Dew-Scented genau das boten, was diese Band ausmacht und was der geneigte Fan auch erwartet hat.
(Hannes)

Zurück vor die Mainstage, wo die Reitermania sich auszubreiten anschickte. Auch auf die Reiter ist dieses Jahr Verlass, auch wenn sich zumindest beim Autor dieser Zeilen so langsam Abnutzungserscheinungen einzustellen scheinen, denn mehr als ein "ganz nett" konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht abringen. Vielleicht habe ich die Band auch schon zu oft gesehen, vielleicht war der Gig auch wirklich nicht mehr als "nur" solide, auf jeden Fall gab es genug Besucher, die ihren Spaß an der Sache hatten und vor allem bei den nicht ganz so neuen Stücken ordentlich abfeierten. Wie immer gab es Gummiboote, Feuerwerk, einen hampelnden Doktor Pest und Mädels auf der Bühne, wie immer war die Stimmung ausgelassen, wie immer wurden Rufe nach "Dschinghis Khan" laut (die diesmal nicht erhört wurden), wie immer... Ja, genau das war mein Problem, dieses wie immer. Na egal, es gab genug Leute, denen der Auftritt gefiel, da fällt mein nur bedingt positives Fazit wenig ins Gewicht.
(Hannes)

Dafür gab es Abends Entschädigung in Form der Death Metal-Urgesteine Obituary und was für eine! Verdammt, war die Band gut an diesem Abend. Die Setlist war vom Allerfeinsten, da wurde absolut kein Highlight aus der Bandgeschichte ausgelassen. So gab es neben dem unvergleichlichen "Slowly We Rot" auch neuere Juwelen wie beispielsweise "Slow Death" oder "List Of Dead" zu hören. Der Sound war nahezu perfekt, die Performance der Mannen um die Tardy-Brüder über jeden Zweifel erhaben und das Publikum nicht nur dankbar, sondern auch äußerst motiviert, der Band sein Wohlgefallen in Form von wunderschönen Pits zu zeigen. Für mich bis zu diesem Zeitpunkt ganz klar der bisherige Gewinner des Summer Breeze 2010.
(Hannes)

Da ich, nachdem ich mir im Pit den Haxen kaputtgemacht hatte, aber einsehen musste, das ich wohl doch keine 20 mehr bin, ging ich den restlichen Abend etwas gemütlicher an. Was bot sich da mehr an, als mal zur Camel-Stage zu schauen, vor der sich der Besucherandrang doch in Grenzen hielt? Johnny & The Hot Rods riefen zum Tanze und auch wenn die Musik nicht wirklich als metallisch zu bezeichnen gewesen wäre, boten Cover-Versionen von Judas Priest oder Soundgarden einen gewissen Unterhaltungswert.
(Hannes)

Nachdem es gegen Abend recht frisch wird in Dinkelsbühl, muss ich den Marsch zurück zum Zelt antreten, um mich mit meiner Abendgarderobe auszustaffieren. Diesmal fallen die Apokalyptischen Reiter und Obituary dem langen Weg zum Zeltplatz O zum Opfer. Aber pünktlich zu Dark Tranquillity, die um halb zehn die Pain Stage entern, stehe ich wieder bereit, um meine Haare in der frischen Abendluft kreisen zu lassen. Schon die ersten Töne von "At The Point Of Ignition" machen sehr überzeugend klar, dass Dark Tranquillity heute hierhergekommen sind, um so richtig abzuräumen. Von der Bühne schmettert mir ein großartiger Sound entgegen, die Jungs um den charismatischen Sänger Mikael Stanne scheinen bester Laune zu sein und geben sich merklich beeindruckt von dem Zuspruch, den sie durch das Publikum erhalten. Spätestens mit dem Hit "Focus Shift", der schon als drittes auf der Setlist steht, wird die Freude im Publikum fast greifbar, wobei das monumentale "Final Resistance" sicherlich genauso gut abgefeiert wird. Bei der Hitdichte geht schon fast die Angst um, dass der Auftritt schon bald wieder vorbei sein könnte, aber das erweist sich erstmal als unbegründet, denn Dark Tranquillity zaubern einen Knaller nach dem anderen aus ihrem inzwischen nicht gerade kleinen Sammelsurium an ausgezeichneten Mitbangnummern. "Lost To Apathy", "Misery's Crown" und das ältere "Punish My Heaven" sind da nur einige Beispiele aus dem gut einstündigen Set der Schweden, das mit "Terminus" ein viel zu frühes Ende findet.
(Sebbes)

Mit leichter Verspätung betreten Tryptikon, die Band um Tom G. Fischer und V. Santura die Bühne. Schon das Intro fällt düster und bedrohlich aus, ebenso wie der restliche Auftritt, was zum einen am schweren morbiden Sound liegt, zum anderen sicherlich auch etwas der Lichtshow geschuldet ist, die die Bühne während des Songs in kalte Farben hüllt. Allerdings können sich nicht wirklich viele Leute dazu aufraffen, den Klängen dieser etwas anderen Combo zu lauschen und auch die die da waren bekommen einen sicherlich eigenständigen, aber dennoch etwas monotonen Auftritt geboten. Das liegt u.a. auch an der stimmlichen Limitierung Toms und an den monolithisch aufgebauten, teils überlangen Stücken. Dennoch wirkt die Band im Gegensatz zu vielen anderen "Höher-Weiter-Schneller"-Combos als erfrischendes Element im Billing. Am Ende zelebrieren Tryptikon ihren Schlusssong mit Hingabe und endlosen Wiederholungen und erzeugen so den Höhepunkt einer beschwörenden Atmosphäre.
(Lord Obirah)

Immer noch mit einem breiten Grinsen vom gerade an mir vorbeigegangenen Dark Tranquillity-Gig im Gesicht, setzt sich die Masse so langsam, aber sicher in Bewegung, um den gleich auf der Hauptbühne gastierenden einzig legitimen Nachfolgern der Kelly-Family zu huldigen. Ja, Subway To Sally sind mal wieder auf dem Breeze. Ich weiß gar nicht, wie oft die Könige der Mittelalterrocker hier schon aufgespielt haben, aber das Publikum ist der Musik noch lange nicht überdrüssig, denn das Gelände vor der Main Stage ist extrem gut ausgefüllt. Los geht das Gelage mit "Henkersbraut", womit Sänger Bodenski und seine Truppe schon mal direkt einen Volltreffer landen. Auch die restliche Songauswahl ist nicht von schlechten Eltern. "Kleid Aus Rosen" wird ebenso wie "Feuerland" mit Inbrunst abgefeiert, während ich mich bei "Kleine Schwester" mit meinem Nachbarn darauf einige, dass Engelskrieger doch die mit Abstand schlechteste Subway To Sally-Platte ist. Gänsehautstimmung ist bei der Ballade "Maria", die nur mit Gitarre und Gesang vorgetragen wird und sich prima zum Mitsingen und Feuerzeugschwingen eignet, angesagt. Fein, fein, aber dem Volk gelüstet es natürlich nach so viel Romantik nach Härte und die bekommt es mit Songs wie "Meine Seele Brennt", "Besser Du Rennst" und "Falscher Heiland" prompt geliefert. Während viele schon versuchen, das Ende der Show mit Julia-Gesängen vorwegzunehmen, bringt erstmal der "Veitstanz" gekonnt Bewegung unter die Leute. Aber auch danach ist es noch nicht so weit, denn der geniale Song "Sieben" vom Nord Nord Ost-Album will noch gehört werden, bevor endlich die ganze Meute in das wohlbekannte "Julia Und Die Räuber" einstimmen darf. Auch wenn man sich nicht unbedingt zu den größten Subway to Sally-Fans zählt, kann man an diesem Auftritt sicherlich Gefallen finden.
(Sebbes)

So, das Selbstmitleid beiseite geschoben, denn ein ganz seltener Gast stand nun im Zelt zur Begutachtung an: Macabre. Die Murder Metaller waren meines Wissens erst einmal beim Breeze zu Gast, dementsprechend gespannt war ich auch auf den Auftritt. Ein Fest für musikalische Feinschmecker habe ich nicht erwartet, aber einen sehr unterhaltsamen Gig, bei dem einen das Dauergrinsen nicht so schnell verlässt. Doch Pustekuchen, das Trio aus Illinois war einfach nur grottenschlecht. Ultradumpfer Rumpelsound paarte sich mit bestenfalls bodenständiger Instrumentenbeherrschung und wenn die häufigen und langen Ansagen von Nefarious dazu gedacht waren, die Stimmung im Zelt anzuheben, ging dieses Ansinnen völlig in den Liebestöter, denn der werte Herr war ob seines lausigen Akzentes (und des wie erwähnt üblen Sounds) schlicht und ergreifend nicht zu verstehen. Nö danke, nach einem Stück, das ich mit Mühe und Not als "Scrub A Dub Dub" identifizieren konnte, war für mich Schicht im Schacht, da konnte ich mit meiner Zeit wesentlich Besseres anfangen.
(Hannes)

Freitag, 20.08.2010

Der Morgen des Summer Breeze-Freitags steht erstmal im Zeichen der Körperpflege. Die Frau an meiner Seite hat Duschen angeordnet. In den auf dem Zeltplatz dafür vorgesehenen Einrichtungen ist dies allerdings nur möglich, wenn man sich zwei Stunden in die Schlange vor den Duschcamps einreiht und dann auch noch stolze fünf Euro abdrückt. Da kam der Geheimtipp von unserer Zeltnachbarin, dass man sich in dem zwei Kilometer entfernten Sportheim unter tollen, fest installierten Duschen für zwei Euro erfrischen kann, gerade recht. Los geht der 45-minütige Marsch zum Sportheim Sinbronn, der sich aber nicht nur wegen des Wassers lohnt, denn dort gibt es auch gekühltes Bier in Flaschen zu erstehen. Eine Wohltat nach dem ganzen warmen Dosenbier! Nun aber schnell zurück zum Zeltplatz und wieder ab vor die Bühnen des Summer Breeze.
(Sebbes)

Selber schuld, wenn du nicht für die nötige Bierkühlung sorgst! Und duschen ist kein Metal, vor allem auf einem Festival hat man frischgeduscht in der stinkenden Menge ziemlich verloren. Dafür sind regelmäßig geleerte Dixies total Metal und während an den Vortagen da noch das ein oder andere Defizit zu beanstanden war, ging dieser Organisationspunkt ab Freitag morgen durchweg in Ordnung. Dementsprechend ging es nach meiner Rückkehr aus dem Dinkelsbühler Krankenhaus mit endlich schlankem Hals ab aufs Gelände, um weiter der musikalischen Unterhaltung zu frönen.
(Hannes)

Wer richtig viel Spaß haben will, ist beim Auftritt einer der ungewöhnlichsten Bands, was die stilistische Ausrichtung betrifft, anwesend, nämlich bei Fiddler's Green. Ich bin ehrlich gesagt etwas skeptisch, was den Gig der Folk Rocker betrifft, doch allein die schiere Masse an Leuten vor der Bühne überzeugt mich vom Gegenteil. Die Stimmung bewegt sich auf einem extrem hohen Level, die Band sprüht, wie eigentlich immer, vor überschäumender Spielfreude, was dazu führt, dass man bis in die letzten Ecken des Festivalgeländes tanzende und singende Leute sieht. Direkt vor der Bühne versuchen die Fiddler's den Rekord an Massen-Wall-Of-Death beim Song "Rocky Road To Dublin" zu brechen, denn bei jedem Refrain stürmen die Fans aufeinander ein. "Folk's Not Dead" dagegen führt zu einer wahren Crowd-Surfer-Welle und beim abschließenden "Bugger Off" schallt den Jungs ein tausendfaches Fuck You entgegen. Der Refrain und dessen Antwort schallen noch lange nach dem Auftrittsende über das Gelände, was beweist, dass auch eine Metal-ferne Band auf dem Summer Breeze bestehen kann.
(Lord Obirah)

Dort komme ich um kurz nach fünf gerade noch rechtzeitig an, um mich einer knappen Stunde Schmusemucke von Anathema hinzugeben. Klar, wer Anathema sehen will, der will nicht den Hintern versohlt haben, sondern träumen, fühlen und schweben. Bei herrlichem Sonnenschein und genügend Platz zum freien Bewegen vor der Bühne zelebrieren die Gebrüder Cavanagh ihre floydschen Epen und sorgen bei den Wissenden im Publikum für Verzückung. Den ein oder anderen mit Slayer- oder Dark Funeral-Kleidung am Leib kann man dagegen, angesichts des bemützten Danny Cavanagh und der seltsamen Töne, die hier vernommen werden müssen, beim Kopfschütteln beobachten. Aber hinweg mit den verlorenen Seelen, Anathema beweisen Lied für Lied, dass sie eine absolut großartige Liveband sind, die dem anwesenden Publikum, insbesondere bei den ansonsten eher harten Sounds auf dem Summer Breeze, genau das Erlebnis bescheren, auf das es gewartet hat. Und wer sich bei dem von Sängerin Lee Douglas begleiteten "A Natural Disaster" oder dem finalen und mit tosendem Beifall willkommen geheißenen "Fragile Dreams" nicht schleunigst auf Wolke Nummer sieben begibt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
(Sebbes)

Das letzte Drittel des Freitags auf der Summer Breeze Main Stage läutet eine der besten Death Metal-Bands des Planeten ein: Cannibal Corpse. Die Band und vor allem Frontgurgler Georg "Corpsegrinder" Fischer strotzen vor Selbstbewusstsein, was vor allem seinen Ansagen zu entnehmen ist. Als ihm nach wenigen Tracks die Bewegung im Publikum zu wenig ist, droht er damit, sich selbst im Pit auszutoben, wenn die Leute nicht endlich ihre Ärsche bewegen. Kein Wunder, dass danach Sturm vor der Bühne herrscht und ein gewaltiger Pit losgetreten wird. Auch der obligatorische Headbangingcontest darf nicht fehlen, wobei Corpsegrinder alle anderen von vornherein zum Scheitern verurteilt sieht. So freut man sich stattdessen über Göttergaben wie "Unleashing The Bloodthirsty", "I Cum Blood", "Staring Through The Eyes Of The Dead" oder den vermeintlich besten Death Metal-Song aller Zeiten: "Hammer Smashed Face". Mit "Stripped, Raped And Strangled" verabschieden sich Cannibal Corpse schließlich und werden unter lautem Jubel in den Feierabend geschickt.
(Lord Obirah)

Irgendwie weiß ich gar nicht so genau, ob es an mir liegt, dass immer so surreale Dinge um mich herum passieren. Aktuell stehe ich unter dem 5-qm-Vordach des Ficken-Schnaps-Ausschanks und sehe in dicht gedrängter Menge einen Crowd-Surfer auf mich zukommen?!

Egal, es geht auf acht Uhr zu, also noch schnell eine Steaksemmel einwerfen, denn mit knurrendem Magen lässt sich das nun kommende Highlight wohl nur schwerlich ertragen. Gerade rechtzeitig würge ich die letzten Bissen hinunter, greife noch ein Bier bei den mobilen Bierausschenkern ab und schon stehen mighty Hypocrisy auf der Bühne und zeigen den vielen Jungspunden auf dem Gelände, wie man vernünftigen Death-Metal fabriziert. Wie eigentlich immer weiß Herr Tägtgren genau, was das Publikum will, und startet mit "Fractured Millenium" vom Hypocrisy-Album eine Reise durch ihre Discographie, die sich gewaschen hat. Bei Song Nummer drei, dem fulminanten "Eraser", bin ich schon hin und weg von der Vorstellung, die auf der Bühne abgeliefert wird, und wundere mich auch kaum noch darüber, dass neben mir jemand eine komplette Zapfanlage auf Rädern durch die Menge schiebt, was aber nicht heißt, dass hier nicht sofort wieder zugegriffen wird. Herrlich, wie schön kann so ein Festival denn noch werden!
Nach "Eraser" geht es mit einer Mischung aus "Pleasure Of Molestation", "Osculum Obscenum" und "Penetralia" zurück in die Anfangstage von Hypocrisy, bevor mit dem genialen "Let The Knife Do The Talking" dem Virus-Album gehuldigt wird. Feine Sache soweit, auch wenn ich zugeben muss, dass Hypocrisy in einer Halle, so wie kürzlich in München im Backstage, noch um eine ganze Ecke direkter und intensiver auf die Fans hereinbrechen. Aber Schluss jetzt mit der Gefühlsduselei, von der Bühne röhrt "A Coming Curse", was mich sofort wieder auf andere Gedanken bringt. So geht das knappe 60 Minuten weiter, bis Herr Tägtgren den Gig mit der energiegeladenen Dampfwalze "Warpath" beendet. Aber da fehlt doch noch was! Klar, die vehement geforderte Zugabe. Was könnte die wohl anderes sein als der schon mit seinem Eröffnungsriff gänsehautverbreitende Klassiker "Roswell 47". Ja, für Hypocrisy lohnt es sich doch immer wieder, seinen Allerwertesten vor die Bühne zu bewegen, egal, wie oft man sich die Jungs schon zu Gemüte geführt hat.
(Sebbes)

Kontrastprogramm auf der Pain Stage, denn nicht nur der musikalische Ansatz von Gorgoroth ist ein ganz klein wenig von dem entfernt, was gerade auf der Main Stage geboten wurde, nein, auch die Qualität des Auftrittes der Norweger sowie dessen Eindruck aufs Publikum hatte nicht ansatzweise das Niveau von Tägtgrens Zaubershow. Verspäteter Beginn, verfrühtes Ende und dazwischen nichts, was einen wirklich mitreißen konnte. Optisch konnte man sogar noch von einem gelungenen Bühnenbild sprechen, aber Bilder bewegen sich genauso wenig wie die Herren Musiker es an diesem Abend auf der Bühne taten. Nun erwarte ich gerade bei Schwarzheimern wirklich keine Hüpf- und Hampelvorstellung, aber so gelangweilt, wie die Performance von Gorgoroth an diesem Abend wirkte, könnte man fast von Beamten-Metal sprechen (und ich weiß, wovon ich da rede). Das war eine der wenigen Enttäuschungen 2010, aber dafür eine ziemlich herbe...
(Hannes)

Wenn man den T-Shirts hier auf dem Festival Glauben schenken darf, dann müssten Heaven Shall Burn die absoluten Abräumer des Abends werden. Was sicherlich nicht einfach wird nach dem, was Herr Tägtgren und seine Kollegen von Hypocrisy vor nicht mal einer knappen Stunde auf die Bretter gelegt haben. Wo andere Bands hier auf dem Festival eher sparen, nämlich bei der Show, da greifen die Thüringer in die Vollen und haben immense Leinwände und allerlei blinkenden und bunten Schnickschnack auf der Bühne aufgebaut. Insbesondere die riesigen LED-Leinwände machen gehörig Eindruck und zeigen den Sportlern im Publikum immer mal wieder an,in welche Richtung sie gerade in den Circle Pits zu rennen haben. Wer die letzten Jahre mal In Flames gesehen hat, der kann sich wohl ungefähr vorstellen, in welcher Liga Heaven Shall Burn inzwischen ihre Bühnenshows gestalten. Ach ja, das Thema Circle Pits: Nachdem Wacken das Gerenne ja inzwischen komplett verbannt hat, begnügt sich das Summer Breeze mit den natürlichen Feinden der Metalcorler, nämlich mit Wellenbrecherzäunen, die ausuferndes Gerenne um das Mischpult und ähnliche Aktionen schon im Keim ersticken. Aber Sänger Marcus Bischoff weiß sich durchaus zu wehren und fordert die Menge in astreinem Thüringisch auf, dann eben ganz viele kleine Circle Pits zu organisieren - was natürlich auch sofort in die Tat umgesetzt wird. Ungewöhnlich sind die Schlachthausszenen, die immer wieder von knusprig gebratenen Hähnchen unterbrochen werden, mit denen uns suggeriert werden soll, dass wir doch mehr Gemüse essen sollten. Mal ganz zu schweigen von der Überblendung eines Hundehaufens mit unserem geliebten Außenminister. Das lässt wohl kaum Zweifel an der Meinung der Band über dessen politisches Wirken. Aber ich wollte doch eigentlich auch was über die Musik erzählen und da muss ich als absolut skeptischer Metalcorehörer sagen:

Meine Fresse!!!! Ist das geil!!!!

HSB, wie Heaven Shall Burn liebevoll von ihren Fans genannt werden, rocken in ihren adretten, roten Hemdchen dermaßen nach vorne los, dass es eine wahre Pracht ist, dabei zuzuschauen. Bei diesem Gig passt einfach alles: der Sound, das technische Können, die bombastische Show und die unglaubliche Aggressivität, mit der die Jungs uns eine Abrissbirne nach der anderen um die Ohren knallen. Leider kenne ich kaum einen der Songs, aber das wird mir in Zukunft sicherlich nicht mehr passieren, denn ich werde baldmöglichst im nächsten Plattenladen stehen, um den gesamten Backkatalog der Kapelle zu erstehen. Ja, liebe HSBs, ihr habt mit mir zumindest einen neuen Fan an diesem Abend gewonnen und wenn ich mich so im Publikum umhöre, dann bin ich nicht der einzige, der von diesem Auftritt mehr als nur ein bisschen beeindruckt ist. Ganz großes Metal-Kino!
(Sebbes)

Was soll jetzt noch kommen? Toppen kann Heaven Shall Burn heute sicher niemand mehr, aber jetzt, wo ich schon mal da bin, kann ich ja noch mal eine kleine Drehung um die eigene Achse machen, um mir die Psychopathen van Gwar auf der Pain Stage reinzuziehen. Mit grausiger Erinnerung an Wacken 2009, wo mich Gwars Quatsch nach circa drei Minuten so gelangweilt hat, dass ich völlig genervt von dannen ziehen musste, läuft mir der Stoff der Ungetümer hier und heute um einiges besser rein. Der Sound ist druckvoller, die Show dafür stupide wie eh und je, hier wird mal ein Bein abgehackt, dort ein Kopf, dann regnet's wieder literweise rote Flüssigkeit aus Gartenschläuchen fürs Publikum, dann wird der Papst hingerichtet und so weiter. Auch dieses Mal werde ich nach ein paar Songs unruhig und verziehe mich an den Cocktailstand, um mir noch in Ruhe einen völlig überzuckerten Caipi zu gönnen. Na toll! Aber immer noch überglücklich mit den Bildern und Melodien von Heaven Shall Burn im Kopf trete ich so langsam den Rückweg zu Zeltplatz O an, auf dem man herrlich ruhig schlafen kann und fast immer unverschämt saubere Dixies vorfindet.
(Sebbes)

Aber halt, da tönt doch noch Musik aus dem Partyzelt... Die israelischen Melodic-Doom-Deather von Orphaned Land besteigen gerade - es ist kurz nach zwei - die Bühne und die haben mir doch in Wacken gerade ganz vorzüglich gemundet. Aber was in Wacken am Nachmittag auf der großen Bühne echt Spaß gemacht hat, verkommt hier dank extrem schlechtem Sound und blasser Bühnenshow irgendwie zu einem völlig verkorksten Auftritt. Schade, denn die Jungs aus dem Nahen Osten sind im Prinzip recht cool und verstehen es, vertrackte, düstere Songs mit einem Hauch Orientalik zu schreiben, die durchaus ankommen. Aber so treibt es mich, wie viele andere auch, wieder hinaus aus dem Partyzelt und stattdessen den eigenen vier Wänden entgegen.
(Sebbes)

Samstag, 21.08.2010

Samstag, was?! Schon wieder letzter Tag? Irgendwie vergehen Festivals immer viel zu schnell, oder? Nachdem die Geschichte mit dem Duschen im Vereinsheim Sinbronn gestern so gut geklappt hat, wird diese Aktion heute direkt noch einmal wiederholt. Aber dafür noch einen Schritt dekadenter, denn statt den weiten Weg zu Fuß zu bewältigen, wird einfach das nächstbeste Taxi gechartert. Fünf Euro Fahrtkosten plus zwei mal zwei Euro Duschgebühr - das ist ja immer noch billiger, als sich mit zwei Personen auf den assigen Zeltplatzduschen beträufeln zu lassen. Verkehrte Welt!
(Sebbes)

Am frühen Morgen um kurz nach zwölf dürfen Undertow der Menge einheizen. Das ist aber auch irgendwie nicht schwer, denn die Menge hält sich in sehr überschaubarem Rahmen und die Temperaturen erreichen um diese Zeit schon beinahe Tageshöchststände. Aber warum zu Undertow gar so wenige Zuschauer erscheinen, kann ich mir nicht erklären, zum einen weil Undertow live immer ein Garant für gute Unterhaltung sind und zum anderen weil das sympathische Schwabentrio in den vergangenen Jahren ausschließlich hochkarätiges Material veröffentlicht hat, das sogar in bekanntesten Musikzeitschriften Top-Positionen erreichen konnte. Auch diesmal können Undertow auf voller Länge überzeugen, was zum einen an den immer witzigen Ansagen von Sänger/Gitarrist Joschi liegt, zum anderen am fetten Brett, das die Jungs fahren. Leider hat das Trio nur 35 Minuten Zeit, um sich ins richtige Licht zu rücken, die kurze Zeitspanne nutzen sie aber effizient aus. Unterm Strich bleibt ein geiler Auftritt, der leider durch zu geringe Zuschauerzahlen getrübt wird.
(Lord Obirah)

Dieses Problem ergab sich beim Gig von Van Canto weniger, denn vor der Bühne hatte sich eine für die Tageszeit stattliche Zuschaueranzahl eingefunden; offensichtlich waren viel an der doch recht ungewöhnlichen Band interessiert. Und anscheinend hat es auch keiner bereut, dort gewesen zu sein, denn von Anfang an sprang die offensichtlich gute Laune der Band auf die Meute über, die den A Capella-Metal der Deutschen in vollen Zügen genoss. Man konnte auch nicht anders, als sich gut zu fühlen und den stimmlichen Leistungen des Sextetts Anerkennung zu zollen. Und war das eigene Material schon sehr gelungen, gab es bei den Cover-Versionen von Metallica und vor allem dem abschließenden "Fear Of The Dark" gar kein Halten mehr, das war ganz großes Ohrenkino und auf jeden Fall das erste Highlight des Samstages.
(Hannes)

Einen ganz anderen Ansatz verfolgten die im Zelt auftretenden Fejd mit ihrem relativ ruhigen Folk-Rock, aber auch wenn die Stimmung nicht von Anfang an überschäumend war, was auch gar nicht zur Musik passen würde, war der Auftritt doch alles andere als schlecht, zog er die Anwesenden doch durch die recht entspannte Darbietung in eine ganz eigene Welt, die eher zum Träumen als zum Slamdance einlud. Ja, der Gig war eindeutig ein Ruhepol im ansonsten deutlich hektischeren Festival-Betrieb, aber ein sehr willkommener und vor allem auch überaus gelungener.
(Hannes)

Als wir, dank ausgiebiger Körperpflege wieder erst nachmittags, auf dem Festivalgelände ankommen, vernehme ich gerade noch die letzten paar Songs von Leaves' Eyes. Wie auch schon bei Anathema kann man hier ein sehr gespaltenes Publikum erleben. Auf der einen Seite der genervte Schwarzmetaller und auf der anderen Seite vor der Bühne jauchzende Gothic- und Symphonic-Fans, die Liv Kristine und die Atrocity-Mannschaft trotz der sengenden Hitze mit enormem Beifall bedenken. Wie immer ist die Kombination aus Liv Kristine, heute in einem ausladenden Kleid mit roter Corsage, und dem mit einer unglaublichen Haarpracht gesegneten Alex Krull, der immer mal in die Lücken, die nicht von Livs Sopranstimmchen ausgefüllt werden, grunzen darf, eine wahre Augenweide auf der Bühne. Auch wenn der Sound der deutsch-norwegischen Liaison nicht bei jedem hier gleich gut ankommt, denke ich, dass Leaves' Eyes diesen Auftritt durchaus als Erfolg verbuchen können.
(Sebbes)

Die Franzosen Hacride dürfen sich dieses Jahr erneut auf dem Summer Breeze beweisen, allerdings nach dem furiosen Auftritt aus der Vergangenheit nicht auf einer der großen Bühnen, sondern wieder auf der Party Stage. Eigentlich schade aber angesichts des mauen Zuschauerzuspruch, das Zelt war wirklich nur spärlich besetzt, eine nachvollziehbare Entscheidung. Hacride lassen sich davon aber wenig beeindrucken. Von Beginn an erzeugt das Quartett eine düster-apokalyptische Atmosphäre, die durch allerlei Samples untermalt wird. Dazu gesellt sich der dicke Gitarren- und Schlagzeugsound, die ebenso zum Gelingen des Gigs beitragen wie das kollektive Ausrasten bei den heftigen Songpassagen sowohl auf als auch vor der Bühne. Lediglich beim Gesang habe ich das Gefühl, dass er etwas lauter sein könnte. Für Eingeweihte, Kenner und Genießer gibt es auch diesmal wieder feines Futter, doch auch wenn sich Hacride wieder und wieder mächtig ins Zeug legen und überzeugende Alben veröffentlichen, der große Wurf und damit der Schritt auf eine der beiden großen Bühnen wird ihnen vermutlich so schnell nicht gelingen.
(Lord Obirah)

Bei immer noch gefühlten 95 Grad in der Sonne erhoffen sich viele eine Abkühlung von Eisbrecher. Was so herrlich kalt und eisig klingt, stellt sich aber alsbald als ziemliche Enttäuschung heraus, denn Eisbrecher-Sänger Alex Wesselsk, der sich liebevoll "Checker" nennt, sorgt eher dafür, dass das Publikum noch mehr Hitze in die Nachmittagsluft entlädt. Dankenswerterweise bekommen die vorderen Reihen eine Dusche per Feuerwehrschlauch, was die angestaute HItze wenigstens etwas erträglich macht. Während des Sets lässt sich der "Checker" mehrmals über ihm unverständliche Eigenarten der bayerischen Politik (Nichtrauchergesetze) oder sein Missfallen an der Institution Kirche aus. Aber das Publikum bekommt man natürlich mit guten Songs auf seine Seite und da machen Eisbrecher mit ihrem rammsteinartigen Sound und Liedern wie "Eiszeit", "Schwarze Witwe" und natürlich "Miststück", welches ja eigentlich in das Repertoire von Alexx' vorheriger Band Megaherz gehört, alles richtig und finden bei Crowdsurfern wie Headbangern Zustimmung.
(Sebbes)

Das ist der Moment, auf den ich schon während des ganzen Festivals gewartet habe. Ville Laihiala, ehemaliger Frontmann der göttlichen Sentenced, besucht das Summer Breeze und lädt zu einer Stunde Gothic Metal vom Feinsten ein. Rumgesprochen hat sich das offensichtlich noch nicht oder ist es der Hitze zuzuschreiben, dass der Platz vor der Pain Stage noch so unausgefüllt ist? Aber mit den Tönen aus Villes Mund ist alles andere vergessen und ich gebe mich der charismatischen Stimme, den düsteren, aber doch heftigen Riffs und den sensiblen Keyboards von Poisonblack komplett hin. Ein Blick in die vielen glücklichen Gesichter um mich herum zeigt, dass ich nicht der einzige bin, der von diesem Auftritt vollauf begeistert ist. Auch auf der Bühne ist insbesondere dem Bassisten Antti Remes, der viele Thumbs Up-Zeichen ins Publikum verteilt, die Freude förmlich anzusehen. Was für ein Auftritt, was für eine geniale Stimme, was für mitreißende Songs...! Auch wenn es nur wenige zu schätzen wissen, für mich ist dies definitiv ein Highlight des diesjährigen Summer Breeze-Festivals.
(Sebbes)

Nun war es aber mal wieder an der Zeit für klassischen teutonischen Edelstahl in Form der Truppe um die Ex-Totengräber Uwe Lulis und Tommi Göttlich. In letzter Zeit eher selten live zu sehen, war dies natürlich eine willkommene Gelegenheit für den Schreiberling, die Rebellen einmal in Action zu erleben. Und sie enttäuschten den nach Edelmetall hungernden Rezensenten mit ihrer Performance auch keinesfalls, äußerst energiegeladen und spielfreudig gab sich das Quintett auf der Zeltbühne. Einzig die Songauswahl im relativ kurzen Set mag diskussionswürdig gewesen sein, wurde das erste Wikinger-Album doch sträflich vernachlässigt und das unvermeidliche "Rebellion (The Clans Are Marching)" zeigt bei mir so langsam ein paar Abnutzungserscheinungen, aber dies ist natürlich nur meine persönliche Meinung und hat keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit, irgendwas zu meckern gibt's ja immer.
(Hannes)

Auch wenn sie inzwischen besetzungstechnisch mehr zu einer Coverband verkommen sind und auch in Punkt Albumqualität kaum mehr an die glorreichen Tage heran reichen, so genießen Sepultura nach wie vor hohes Ansehen, was sich dann auch in den Zuschauerzahlen niederschlägt. Viele sind gekommen, um Klassiker wie "Arise", "Refuse/Resist", "Troops Of Doom", "Escape To The Void" oder "My Inner Self" zu hören. Die gibt die Band dann auch hochmotiviert zum Besten, was zu Massenausrasten im Publikum führt. Aber nicht nur das erfreut die Brasilianer, sondern auch die Fans aus der Heimat, die sich wiederum über Gruß- und Dankesworte von Andreas Kisser in der Landessprache freuen dürfen. Auch Derek Green kann beim deutschen Publikum punkten, nicht nur weil er ein sehr agiler und sehr kommunikationsfreudiger Frontmann ist, sondern auch weil er sich an einigen Brocken Deutsch versucht und das auch ganz gut auf die Reihe bekommt. So feiern Sepultura nebenbei noch ein Vierteljahrhundert Bandgeschichte und verwandeln das Festivalgelände mit "Roots Bloody Roots" zum Abschluss in einen springenden Mob.
(Lord Obirah)

Seit Urzeiten aktiv und doch kein bisschen müde. Wo andere alternde Bands langsam aber sicher zu Kuscheltigern auf der Bühne verkommen, machen Sick Of It All das was sie am besten können: sie liefern eine energiegeladene Show, von der sich sowohl Alteingesessene als auch jegliche Jungspunde eine Scheibe abschneiden können. Beim Summer Breeze verhält sich das nicht anders. Lou und Pete Koller, Craig Setari und Armand Majidi turnen auf der Bühne wie junge Hasen umher, zocken ihre Songs dabei aber sowas von tight herunter, dass einem Hören und Sehen vergehen mag. Zum Glück natürlich nicht, sonst hätte man ja einen der besten Gigs des Festivals verpasst. Wenn schon auf der Bühne so viel Energie freigemacht wird, schlägt sich das natürlich auch aufs Publikum nieder, das einen wahrlich riesigen Pit abzieht und dem sympathischen Fronter Lou quasi aus der Hand frisst. Ehrfürchtig wird seinen Ausführungen gelauscht und seinen Bitten nachgekommen, so dass sich im Laufe des Gigs die größte Spring- und Hüpforgie des Festivals entwickelt. Auch über die vermutlich größte Wall Of Death dürfen sich Sick Of It All freuen, denn die wurde von Lou akribisch vorbereitet und zog sich bis zum FOS nach hinten durch. Ich habe ja wirklich viel erwartet von diesem Auftritt, aber nicht, dass Sick Of It All den Leuten mit ihrem good old New York Hardcore so dermaßen einheizen. Saugeiler Aufritt einer engagierten und überaus mitreißenden Band.
(Lord Obirah)

Nicht alle Jungspunde müssen sich eine Scheibe vom Sick Of It All-Auftritt abschneiden, zumindest nicht die Jungs von Warbringer. Denn deren Show war mindestens so energiegeladen wie die der HC-Veteranen. Vom allerersten Ton an herrschte im Zelt stimmungsmäßiger Ausnahmezustand, was auch der Band und vor allem Frontmann John Kevill nicht verborgen blieb. So ließ sich die Kapelle vom Enthusiasmus der Meute anstecken und gab über jeweils alle vier Backen grinsend einen Auftritt der Ausnahmeklasse zum Besten. Kein Haupt blieb ungeschüttelt, kein Gehwerkzeug still, das Zelt kochte, die Pits rotierten und auch die obligatorische Wall Of Death war trotz des begrenzten Raumes unvermeidlich. Warbringer machte an diesem Abend einfach nur Spaß, das war gute Laune pur, ohne den nötigen Biss vermissen zu lassen. Eine der positiven Überraschungen des Festivals und eine Band, die ihren Weg machen wird, wenn sie dieses Energieniveau halten können.
(Hannes)

Jetzt ist es Zeit für die Headliner des Samstags und man kann das Knistern und die Aufregung im Publikum schon vor Beginn des Konzertes richtig spüren. Saitenhexer Alexi Laiho und seine Kinder vom Bodom-See sind gekommen, um dem Summer Breeze 2010 noch ein weiteres Sahnehäubchen aufzusetzen. Mit den Eröffnungsreigen "Follow The Reaper", "Hate Crew Deathroll" und "Bodom Beach Terror" lassen Children Of Bodom den Crowdsurfern sowie dem restlichen Publikum fast keine Verschnaufpause. Überhaupt muss man sich entscheiden, ob man die Zeit für ausgiebiges Headbangen nutzen soll oder ob man lieber seine Kinnlade ob des unglaublichen Gitarrenspiels von Mr. Laiho bis zum Boden fallen und die Augen keine Sekunde von der Bühne schweifen lässt. Komplett vernachlässigt werden dafür jedwede visuelle Spielereien. Weder Raketen noch LED-Leinwände noch sonst irgendwelche Sperenzchen, mit denen normalerweise Headliner in den virtuellen Himmel gehoben werden, sind auf der Bühne auszumachen. Schwache Leistung, insbesondere, wenn ich mich nochmal daran erinnere, was Heaven Shall Burn hier gestern alles in die Luft gejagt haben. Was hingegen nicht fehlt, sind die typischen CoB-Albereien mit teilweise angespielten, gecoverten Songs von so abstrusen Künstlern wie Lady Gaga, Bon Jovi ("Runaway"), Van Halen ("Jump") oder Michael Jackson ("Billie Jean"). Aber letztendlich wird alles wieder gut und nach dem saustarken Stampfer "Angels Don't Kill" geben Alexi und seine Jungs wieder Gas und hauen dem staunenden Mob vor der Bühne noch feine Leckereien wie "Hate Me", "Silent Night, Bodom Night" oder "Needled 24/7" um die verwöhnten Ohren. Auch wenn die Show wie gesagt recht lahm war - die Songs von Children Of Bodom sind einfach so verflixt gut, dass sie auch ohne großes Brimborium wirken. Aber fürs nächste Mal, lieber Alexi, ein paar kleine Raketen oder Feuerwände wären doch toll, oder?!
(Sebbes)

Zum Abschluss gab es dann für den eh schon verwöhnten Todesblei-Fanatiker ein Sahnehäubchen in Form von Martin van Drunen und seiner Stammcombo Asphyx. Gut, das bot sich natürlich auch an, war Herr van Drunen doch schon am Vortag mit Hail Of Bullets im Zelt zu Gast. Und ein Auftritt des Sängers mit der markanten Haarfarbe kann einfach nicht schlecht sein. Möglicherweise war beim Sound noch ein bisschen Luft nach oben, aber das könnte auch an meinem Platz gelegen haben. Ansonsten gab es an dem Auftritt, bei dem nur Stücke gespielt wurden, die auch auf CD von Martin eingesungen wurden, nichts zu mäkeln. Für mich auf jeden Fall der würdige Abschluss eines gelungenen Festivals.
(Hannes)

Zurückblickend war das Summer Breeze 2010 wieder ein tolles Event, auch wenn es ein paar Anlaufschwierigkeiten gab und die Kapazitätsgrenze meines Erachtens endgültig erreicht wurde. Dafür wurde der geneigte Gast entschädigt durch ein abwechslungs- und umfangreiches Programm, vielfältige Einkaufsmöglichkeiten und eine ab Donnerstag Mittag reibungslos ablaufende Organisation. In diesem Sinne: Wir sehen uns 2011!


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