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Vain - All Those Strangers

Vain - All Those Strangers
Stil: Sleaze Rock
VÖ: 14. Dezember 2009
Zeit: 52:00
Label: Music Buy Mail
Homepage: www.davyvain.com

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Ein mehr als steiniger Weg:
Vain erschienen erst am Ende der 80er auf der Sleaze- und Glam Metal-Szenerie und hatten es als Formation aus San Francisco, das ja eher als die Brutstätte des Bay Area Thrash Export-Erfolge feierte, sicher nicht einfacher als all die verwandten Sunset Strip-Rocker, die zu dieser Zeit Radio- und Video-Kanäle dauer-belegten. Deswegen und allem voran wegen der kaum kopierbaren Eigenständigkeit ihrer musikalischen Herangehensweise, in der Hard Rock a'la Demon und Glam nach dem Vorbild früher Hanoi Rocks, gewürzt mit Attitude und Eingängigkeit der New York Dolls, in ein eigens geschneidertes Sleaze-Gewand eingepasst wurden, avancierte das Debut No Respect (1989), das wohl in allen gut sortierten Listen zu den besten zehn bis fünfzehn Sleaze-/Glam Metal-Alben überhaupt gezählt werden dürfte, zum unbestrittenen Klassiker. Bevor der Nachfolger All Those Strangers das Licht der Welt erblicken konnte, löste sich das damalige Label von Davy Vain und Co. (Island Records) in seine Bestandteile auf. Tom Rickard (Drums) und Danny West (Git.) kehrten der Band den Rücken, ein Neustart unter dem Namen Roadcrew mit Steven Adler am Schlagzeug scheiterte, doch 1994/95 gelang es Davy Vain noch einmal die Original-Besetzung (lediglich an den Drums war nun Louie Senor zu hören) zusammenzutrommeln, um die beiden Scheiben Move On It und Fade einzuspielen, denen jedoch Erfolge versagt blieben - wohl nicht zuletzt da der Spirit, die Spontaneität, die Kompaktheit und der Grip von No Respect nicht ansatzweise erreicht wurden.
Erst 2005 schien die Zeit reif zu sein, für Vain, die mittlerweile in der Szene regelrechten Kult-Status genossen, ein Comeback zu wagen, was sich in Form eines Re-Releases von No Respect und der brandneuen superben Scheibe On The Line, inklusive Tour im 95er Line Up vollzog. Der viel gefeierte Auftritt auf dem Rocklahoma Festival 2008 bedeutete endgültig die Rückkehr einer der einflussreichsten und in meinen Augen wichtigsten Combos, die der Sleaze Metal je hervorgebracht hat. Umso größer war die Freude über die Nachricht, dass nun dieser Tage das Zweitwerk der Bay Area-Rocker, das bis dato nur auf Gigs der Band erhältlich war, aufgelegt wird. Nach ganzen 19 Jahren werden die elf Songs auf All Those Strangers also endlich einem größeren Publikum zugänglich gemacht.
Kick Off im Uptempo mit "Love Drug" und etwa vergleichbar mit "Who's Watchin You" von No Respect. Genauso hat man sich das gewünscht: die typischen, vom Debut bekannten Melodiebögen, kein unnötiger Zierrat, kompositorische Geballtheit, in der der Song strikt auf den Punkt gebracht wird und ein Davy Vain, dessen unvergleichliches Organ nur so vor Frische und Explosivität strotzt. An zweiter Stelle findet sich "Planets Turning" wieder, das deutlich heavier daherkommt (gar Priest-a-like), in dem die Gitarren phasenweise richtig lärmen und das einen unterschwellig brodelnden Mittelpart, der fast schon an die Doors erinnert, zu bieten hat. "Shooting Star" dagegen ist Sleaze Rock in Reinform - die Band schüttelt sich hier akustisch allen vorhandenen Straßendreck aus den Kleidern, so dass Freunden von Faster Pussycat und den Sea Hags Freudentränen in die Augen schießen werden.
Eine Ecke ruhiger wird es darauf in "Too Bad", das mit seinem unwiderstehlichen bluesigen Groove und dem transportierten Sex-Appeal zum Hit in allen Strip-Clubs dieser Welt aufsteigen könnte. Das folgende "Far Away" wurde dem hingegen nach angezupfter Einleitung fast im Stadium Rock-Format (Tracks von Saxon wie "Broken Heroes" lassen da anklingeln) zusammen gezurrt. Wunderbar nölt hier Mr. Vain (ha) im Singalong-Chorus. Anspieltipp! Bis dahin sind keine Ausfälle zu verzeichnen, lediglich am etwas dünnen Gitarren-Sound ließe sich herum nörgeln, wobei aber anno 1991 die Aufnahme-Technik noch vor ihren größten Quantensprüngen stand.
"Freak Flag" entpuppt sich als flotter Clash City-Rocker, bleibt jedoch vergleichsweise bieder, da Bridge und Refrain weniger mitreißen, als es vorher durchgehend der Fall war und auch die etwas seichte, um nicht zu sagen einfallslose Hard Rock-Nummer "Here Comes Lonely" vermag nicht zu überzeugen. Mit der Ballade "Shouldn't Cry" steigt jedoch wieder der Wohlfühlfaktor, um mit "Do You Sleep With Strangers?" wieder auf höheren Sleaze-Level anzukommen, ohne dass dabei aber die Klasse der ersten Hälfte der Scheibe ganz erreicht wird. Da abschließend in "Looking Glass" allerdings noch mal die Temposchraube angezogen wird und sich der Song ohne Umschweife in die Gehörgänge frisst, kriegt die Band nach dem vorhergehenden kurzen Durchhänger am Ende wieder die Kurve.
Vom steinigen Weg war eingangs die Sprache. Ein solcher zeichnete sich auf All Those Strangers erst ab "Freak Flag" ab, um jedoch mit "Looking Glass" wieder geräumt zu werden. Ansonsten glänzt auf dem Rundling eine Sammlung von Sleaze-Perlen, wie sie nur von dieser Combo in Szene gesetzt werden konnte. Kein Götter-Album wie No Respect, aber eines das fünf Punkte allemal verdient hat.

Fuxx

5 von 6 Punkten

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