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Chthonic - Mirror Of Retribution

Chthonic - Mirror Of Retribution
Stil: Melodic Black Metal
VÖ: 21. August 2009
Zeit: 50:52
Label: Spinefarm Records
Homepage: www.chthonic.org/en

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Denkt man an Black Metal - sei es nun die rohe, urtümliche Spielart oder die etwas melodischere Variante - schweifen die Gedanken normalerweise eher in nördliche Gefilde. Die West-Pazifikinsel Taiwan haben die wenigsten auf der Rechnung und das obwohl mit Chthonic eine ebenso ambitionierte wie gute Band dort ihre Wurzeln hat. Mit Mirror Of Retribution will man nun auch in Europa nach einer Handvoll Achtungserfolgen (so beackerte die Band u.a. Wacken) vollends durchstarten und verschanzte sich dazu mit Anthrax-Gitarrist Rob Caggiano in Los Angeles.

Und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Fühlt man sich beim ersten Durchlauf noch stark an die Engländer Cradle Of Filth erinnert, so offenbaren sich mit jedem weiteren Durchlauf mehr und mehr Feinheiten, mit denen man sich vom Rest der Symphonic/Melodic Black Metal-Welt abzuheben versucht. Musikalisch gelingt dies am besten sobald die Erhu, die traditionelle taiwanesische zweisaitige Violine, in Erscheinung tritt und den symphonisch-bombastischen Arrangements eine exotische Note verleiht.

Die Kompositionen an sich sind komplex, aber nie überladen und überstrapazieren daher nicht die Gehörgänge. Ebenso gewinnen die omnipräsenten Keyboards nie die Oberhand, sondern stehen ganz im Dienste der Gesamt-Komposition. Und auch der Gesang steht nicht wie von vergleichbaren Bands zu stark im Vordergrund. Freddy Lims Gekeife und Gegurgle ist nicht zu überladen und zehrt demzufolge auch nicht so stark am Nervenkostüm des Hörers wie bei z.B. Dani Filth. Allerdings sollte man hierbei auch, sofern man sich mit den Texten beschäftigt, nicht vor politischen Themen zurückschrecken. Denn wenn Chthonic in ihren Songs eine Sache zum Thema machen können, dann die Geschichte ihres Heimatlandes, die damit verbundenen Konflikte und den noch heute ungeklärten Status der Insel vor der chinesischen Küste.

Aber Politik hin, Nähe zu vergleichbaren Bands her, Chthonic machen ihre Sache verdammt gut und präsentieren rasanten, variablen und leicht melancholischen Symphonic Black Metal, der nicht nur Genrefreunden gut ins Ohr laufen dürfte. Den ganz großen Knaller findet man auf der Scheibe zwar nicht, dafür zwölf qualitativ hochwertige Tracks mit Langzeitwirkung.

JR

5 von 6 Punkten

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