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Metal Church - Dynamo Classic Concerts 1991 (DVD)

Metal Church - Dynamo Classic Concerts 1991 (DVD)
Stil: Heavy Metal
VÖ: 20. April 2007
Zeit: ca. 70 Min.
Label: Escapi Music
Homepage: www.metalchurchmusic.com

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H-E-I-L-I-G-E S-C-H-E-I-S-S-E!!! Dauerrotation bei Dauererektion!!! Ich werd' nicht mehr, ich kann' nicht mehr! Das ist es oder das war es, wie auch immer! Was soll ich nach diesen knappen 70 Minuten metallischer Vollbedienung noch sagen? Völlig fertig, verschwitzt und durchgenässt bis auf die Haut, Blutdruck 200:150, mit Puls knapp unter 200 sitze ich mit Dauerständer im vollkommen feucht versauten Höschen und Dreifachgänsehaut im Sessel vor der Mattscheibe.
Metal Church, Helden meiner pubertären Jugend und eine der US Metal-Bands, die mit ihrem Wahnsinssdebüt 1984 Metal- nein sogar Musikgeschichte geschrieben haben, sowohl musikalisch als auch mit dem kongenialen Cover, das eine vermooste Gibson Explorer als Kreuz zeigt. K-U-L-T!!!

Der vorliegende Livemitschnitt stammt vom Dynamo Open Air aus dem Jahr 1991 und zeigt eines meiner Lieblingsquintette in bester Spiel- und Feierlaune und in dem für mich besten Line-Up. Gerade weil ein blonder unverbrauchter Jungspund namens Mike Howe am Mikro seine Stimmbänder kraftvoll malträtiert. In der Besetzung mit Mike, Craig Wells und John Marshall an den Klampfen, Duke Erickson am Bass und Drumgott Kirk Arrington, welche das damals aktuelle The Human Factor einspielte, wird uns eine Band in Eindhoven präsentiert, die es wissen will und den hungrigen Fans gibt, was diese wollen. Leider blieb der Truppe der kommerzielle Durchbruch verwehrt, aber erfreut seit einigen Jahren wieder die Kuttenträger in rundum erneuter Besetzung um Ur-Gitarrist und Songschreiber Kurdt Vanderhoof mit gleichwertiger Qualität.

Doch zurück ins Jahr 1991. Los geht es mit "Beyond The Black", dem gottgleichen Opener des Debüts und einem der Tanzflächenreißer meiner damals schwer angesagten Metaldisco namens Fantasy im Westen von München. Was haben wir dazu gebangt und uns die Metal-Maß schmecken lassen. Jaja, die alten Zeiten. Meine Haare stellen sich bei den ersten Beckenschlägen am ganzen Körper auf, die Luftgitarre wird geschnappt und schon steige ich mit den Jungs in die Vollen ein. Ex-Heretic-Sänger Mike gesellt sich mit seiner langen blonden Löwenmähne zu mir auf die Bühne und singt wie ein junger Gott, Kirk verdrischt vorbildlich die Felle und Becken seiner Schießbude. Herrlich, mittendrin statt nur dabei! Gerade Hungerhaken und Derwisch Mike Howe macht bei allen David Wayne-Songs der ersten beiden Alben Metal Church und The Dark (1986) eine erstklassige Figur und irgendwie habe ich den sympathischen Burschen von Anfang an in mein metallisches Herz geschlossen. Anfang bedeutet hier das 89er Werk Blessing In Disguise, dem zwei Jahre darauf das fabulhafte Traumwerk The Human Factor und 1993 die im Grungescheißdreck versumpfte, aber metallisch grandios rockende, Abschiedsscheibe Hanging In The Balance folgten. Für mich der bessere Sänger der Truppe vor der langen Pause bis 1999/2004, weil er im Gegensatz zu Mr. "Rockstar" Wayne (R.I.P) authentisch bodenständig rüberkam und vor allem mit seiner variationsreicheren Stimme überzeugen konnte. Darüber hinaus wusste der Blondschopf mit seinen speziellen Bang- und Tanzeinlagen und dem neckischen Grinsen das weibliche Metalpublikum vortrefflich zu begeistern.
Die Bildqualität ist erste Sahne, der Sound geht in Ordnung und gewinnt mit jedem Umlauf der Silberscheibe. Man kann alle Instrumente heraushören, jedoch kackt desöfteren Johns Gitarre (linker Kanal) ab. Aber das ist kein Beinbruch, sondern nur ein weiterer Authentizitätsbeweis der sympathischen Heilsbringer aus Seattle. Die Chose hat ja auch schon 16 Jahre auf dem Buckel und so verschwindet Mikes Stimme für einen kurzen Moment im Nirwana. Das sind aber nur kleine und sehr kurze Schönheitsfehler, die den Gesamteindruck der heiligen Zeitreise in keiner Weise trüben. Im Gegenteil, hier geht die Luzi ab!
Weiter geht es mit dem nachdenklichen Stampfer "The Human Factor" und dem flotten "In Mourning", dessen Grundriff sich nach kurzer Zeit in die letzten Hirnwindungen frisst. "Maybe if you'd listen then you'd know just what I said!" brüllt Mike mit Inbrunst und man nimmt ihm den Text, der mit der Bevormundung mündiger Bürger durch die PMRC und deren Hetzkampagne gegen die böse Metalmucke zu tun hat, vollkommen ab.
Weiter zum musikalischen Treiben auf der Bühne. Nahtlos schließt sich der "Fake Healer" der Göttergabe Blessing In Disguise an und jetzt darf wild und orgastisch ekstatisch gebangt werden. Das ist Old School as fuck meine Freunde. Ich dämpfe mein Schwitzen mit einer Fuhre Weißbier und schwinge jetzt imaginär die Drumstöcke. Yeah, bei dem Beat muss man einfach fetzen. Wer hier still bleibt, ist definitiv kein Metaller und darf sich in der örtlichen Klosterschule anmelden.
Die Säfte laufen mir mittlerweile unkontrolliert literweise aus allen Körperöffnungen (pfuibäh! - Kara). Mit den letzten Stakkatobeats und dem Ausklingen der Becken nehme ich freudig grinsend mit den - jetzt tatsächlich in den Händen befindlichen Trommelstöcken bewaffnet - vor dem Flimmerkasten stehend den Beifall Eindhovens entgegegen. Kurz abgenickt und auf der Hi-Hat die ersten Takte von "Flee From Reality" eingezählt. Danach geht es auf die Speedabfahrt vor der Realität. Mike trifft nach wie vor jeden Ton einwandfrei und hopst unentwegt vom linken zum rechten Bühnenrand, als ginge es um einen neuen Eintrag ins Buch der Rekorde. Ich dresche parallel mit dem zuckerkranken Kirk präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und scheinbar ohne jede Anstrengung in das Kit, dass mir die Gischt jetzt auch aus dem offenen Sabberlappen fliesst.
"In Harm's Way" bringt in den Strophen ein bisschen Ruhe und Mike betont auf den Text zu hören, denn es handelt sich hier um das ernste Thema von Kindesmissbrauch. Nach wie vor ein sehr aktuelles Thema und mit eigenen Kindern heutzutage noch besser nachvollziehbar als vor 16 Jahren als feiernder Studi. Schade, dass die ausfadende Leadgitarre von John etwas untergeht, ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Stück amtlich rockt. Die Fans feiern die Band mit Sprechchören und lauschen gespannt den Worten Mikes.
Es geht zurück ins Jahr 1986 und der zweiten Platte The Dark und damit zum Speedhammer "Ton Of Bricks" und dem eingängigen "Start The Fire", bei dem Craig Wells kurz den Ampkontakt der Gitarre verliert. Kein Problem, zwölf Takte später schrubbt er wieder im Duett mit John im Einklang. Johnheidi, Josefheida, ist das hammermäßig! Wer ist oder war eigentlich David Wayne?
Das nachfolgende Human Factor-Triple "The Final Word", "Agent Green" und "Date With Poverty" zeigen auf, dass das Album einer der songwriterischen Höhepunkte in der Karriere der Seattle-Boys ist. Bei "Agent Green" singt Mike den Fans die Choruszeilen vor, die sie brav wiederholen. Die Band steigt beim langgezogenen "...paaaaaay to meeeeeeeee..." ein und ich bin wieder mal schwer Arm fuchtelnd mit den Drums beschäftigt, da meine Bassdrum irgendwie nicht richtig kickt. Oder dehydriere ich just in diesem Moment? Es ist nicht wirklich zu erklären, denn die Fußmaschine ist zu "Date With Poverty" wieder fehlerfrei am Start und ich entlocke meinen Armen die letzten Kraftreserven und entschwinde nach getaner Arbeit mit der Band in die Umkleide.
"Wir müssen da nochmal raus, die Meute tobt, der Redakteur zerfliesst sabbernd in seine Einzelteile, jetzt geben wir ihm den Rest", so vernehme ich es in meinem total überhitzten Köpfchen. Und so haut der US-Fünfer als Zugabe eine alles in den Arsch tretende Version von "Metal Church" raus und erzeugt mit dem galaktisch fantastichen Feuerwerk hinter der Bühne eine unbeschreibliche Stimmung und in mir das Gefühl eines wohlig kaltheissen Schauers, der direkt vom Nacken in das verlängerte Rückgrat läuft und seinen Weg wieder zurück ins verballerte Schädelchen findet. Der letzte Ton ist verhallt, ich sitze verdutzt und total ausgelutscht in meinem Sessel, schwimme zur Fernbedienung des DVD-Spielers und drücke zielsicher die Repeattaste.

K-U-L-T!!!!! H-A-M-M-E-R!!!!! Die Metallkirche ruft euch! Für ALLE Freunde des gepflegten, mächtigen, melodischen und mit ordentlichen Schmackes gespielten Heavy Metal ist hier die Offenbarung unseres heiß und innig geliebten metallischen Glaubens endlich in Bild und Ton erschienen. Greift zu, auch wenn Bonusmaterial oder ein Booklet Fehlanzeige sind und noch circa 30 weitere Songs fehlen. D'rauf geschissen und dem wahren Metalgott gelauscht und gehuldigt. Ich bin so unwürdig! "Many many years ago...", so der textliche Beginn in "Metal Church". Wie wahr, mit einer dicken Freudensträne im Knopfloch hauche ich metaltrunken ein letztes A-M-E-N!!!

Siebi

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