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Konzert-Bericht

Crucified Barbara & Nitrodive

Garage deluxe, München 10.10.2012

(Fotogalerie)

Dass wir für Emanzipation immer zu haben sind, ist doch klar - zumal, wenn sie sich in einer so bezaubernden Form äußert wie hier, nämlich in vier adrett gekleideten Damen aus dem beschaulichen Stockholm, die ihren dreckigen Rock so unbekümmert aus den Gitarren zaubern, dass man gerne sagen möchte: "We are Barbara - and we play Rock and Roll". Crucified Barbara sind nämlich absolut nichts anderes als die weiblichen Motörheads und wer die Mädels 2010 in Wacken erleben durfte und sah, welche Begeisterungsstürme sie auslösen können, der darf natürlich die heutige Show in unserer schönen Stadt ebenfalls nicht verpassen.

Nitrodive

So viele scheinen das aber nicht zu sein, die dem Ruf der Weiblichkeit Folge leisten wollen. Denn als wir (die Herren Sebbes und Holgi im bewährten Tandem) im strömenden Regen in der lauschigen Garage auf dem Optimolgelände auftauchen, tummeln sich vielleicht gerade mal 50 Nasen dort, die den Klängen der Götheburger Vorband Nitrodive lauschen. Die drei Kollegen setzen dem Publikum einen schmackigen Punk'n'Roll vor, der Freude macht. Der Sound besteht aus kernigen Punk-Riffs ohne wirkliche Versuche, Gitarrensolos oder ähnliche Spielereien darin unterzubringen, und fröhlichen Refrains, die bei größerer Besucheranzahl durchaus zum Mitsingen bewegen können. So ähnlich dürften Green Day mal geklungen haben - früher, als sie noch jung und weit weg von dem Schmalzpop heutiger Tage waren. Mit bewundernswerter Spielleidenschaft zimmern sie Nummern wie "Get Out Of The Way" ins Rund, auch wenn auf die Dicke-Hose-Frage "How the shit are you??" keiner antwortet.

Nun, zwischenzeitlich schaue ich mich ein wenig um und entdecke zwischen den Dutzendware-T-Shirts (Manowar, Wackööön) auch etwas Spannendes - da hat tatsächlich ein kundiger Mensch ein "Invasion Of The Saucer Men"-Leibchen am Start, aber meine Respektsbekundung erntet nur Verwirrung. Na, vielleicht dachte er ja, das ist eine krasse Punkband, und hat keine Ahnung, mit was er da eigentlich rumläuft... Sei's drum! Nitrodive pfeffern jetzt ein schickes Cover des Ramones-Gassenhauers "Blitzkrieg Bop" raus, der das Eis wahrlich bricht und doch den ein oder anderen zum Mitsingen animiert, und ganz am Schluss erhört tatsächlich noch einer die Forderung nach einem Moshpit. Ein Single-Man-Moshpit sozusagen. Ordentlich, fein, passt, und weiter.

Crucified Barbara

Sehr pünktlich um neun entern dann die Heldinnen des Abends das Parkett und können sich über ein wenig mehr Zuspruch freuen. Der Club ist endlich vernünftig gefüllt, so dass die Sause gleich ein wenig mehr Freude macht. Los geht's standesgemäß mit "The Crucifier", dem Opener vom neuen Album, und vom ersten Moment an ist klar, was hier zelebriert wird: Roggenroll! Das ist keine Frickelmusik, beileibe nicht, sondern rifforientierter, dreckiger Sound, der live massiv abgeht. Auch optisch ist alles in Ordnung, die ja nicht gerade unansehnlichen Damen sind wahlweise gekleidet in Kurzhosen (die Schlagzeugerin Nicki Wicked auch noch irgendwie vergessen hat, also das war scho arg kurz, Mädel) und Strumpfhosen (wir haben ihnen nicht gesagt, dass da teilweise Löcher drin waren) oder Ledergedöns. Dabei posen sie wie die Großen und lassen sich auch von teilweise auftretenden technischen Problemen nicht aus dem Konzept bringen. Mit kurzweiligen, deutschen Ansagen, die allerdings kaum jemand versteht, geht's weiter durchs Programm mit Knallern wie "Play Me Hard" und der Single "Rock Me Like The Devil". Dass das alles weitgehend ähnlich klingt, gehört zu der Art von Musik einfach dazu und wenn wir mal ehrlich sind, wollen wir von Crucified Barbara auch gar nichts anderes hören als die simplen, aber effektiven Riffs, mit denen sie hier sind. Shouterin Mia Coldheart (interessant, welche Namen die Schweden so tragen!) zeigt sich bestens bei Stimme und mit "Jennyfer" gibt's sogar eine fesche Halbballade zu bestaunen. So zieht sich der bunte Reigen weiter über das plakative, aber dafür ins Schwarze treffende und gern mitgesungene "Sex Action" und das rockige "Losing The Game", bis erst mal Schicht im Schacht ist.

Crucified Barbara

Das Publikum schaut sich in die Augen und es herrscht eine fast gruselige Stille in der Garage. Was tun, ohne irgendwas rufen kommen die nicht nochmal, gelle? Aber irgendeiner muss doch mal anfangen, oder? Seltsamerweise funktioniert mein einsam, aber laut geäußertes "Komm, jetzt mach!" auch nicht, aber sobald der Roadie noch mal kurz animiert, rufen alle brav nach den Damen, die dann prompt wieder erscheinen. "Count Me In" fabriziert Gitarristin Klara Force dann auf einem Stuhl sitzend ganz im I'm-A-Cowboy-Stil, bevor dann "In Distortion We Trust" vom letzten Album den Rausschmeißer markiert.

Im Nachgang kann man sagen, dass ein Crucified-Barbara-Gig mit ein paar Bier im Kopf und tausend Mann im Publikum sicher noch mehr Spaß macht. War heute leider nicht drin, aber dafür konnte man mit Nitrodive eine motivierte Punk-Band kennen lernen und einen Abend in einer wahrlich intimen Atmosphäre mit den Mädels genießen. Besser konnte man diesen verregneten Mittwochabend sicher nicht nutzen. Wir sind beim nächsten Mal gerne wieder dabei!

Crucified Barbara

Setlist Crucified Barbara:
The Crucifier
Play Me Hard
Rock Me Like The Devil
Shut Your Mouth
Jennyfer
Into The Fire
Rules And Bones
Sex Action
Go Roffe
Losing The Game
---
Count Me In
Rock N Roll Bachelor
In Distortion We Trust

Holgi & Sebbes

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