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Festival-Bericht

Rock im Park

mit Metallica, Die Toten Hosen, Linkin Park, Motörhead, Machine Head, Killswitch Engage, The Offspring, Evanescence, Marilyn Manson, Soundgarden, Linkin Park, Trivium, Anthrax, Steel Panther, The Stranglers, Enter Shikari, Refused, Tenacious D, Billy Talent, Donots, Dropkick Murphys, Dick Brave And The Backbeats, Steel Panther, Lamb Of God & Guano Apes

Zeppelinfeld, Nürnberg 01. - 03.06.2012

Samstag, 02.06.2012

Guten Morgen zur zweiten Runde. Wir marschieren wieder entspannt umher, vorbei an den Merchandise-Buden und buntgemischten Fress-Ständen - insgesamt scheint es etwas voller zu sein, und so kann sich King Charles am frühen Vormittag schon durchaus über Zuspruch freuen. Der etwas hippie-haft daherkommende Songwriter aus London (mit bürgerlichem Namen Charles Costa) kann mit gutem Gesang und Songs, die in manchem Moment an die seligen The Alarm erinnern, durchaus punkten.

Früh am Tag müssen dann auch die Donots ran, aber die Dauer-Festival-Beschaller aus dem Rockmekka Ibbenbüren reißen die wachsende Menge auch heute mit. Mit gutem Sound gesegnet, feuern die Jungs um den wie üblich Hut tragenden Sänger Ingo Knollmann ihren punkigen alternative Rock ins Rund, darunter Nummern wie "Calling" oder "What The Hell Are We Waiting For". Erstmals ist nun auch maximaler Hüpfburg-Alarm, die jungen Leute vorne machen alles, was jungen Leuten halt Spaß macht, Circle Pit, Wall Of Death, Guy Of Gisborne, alles ist geboten. "Come Away With Me" und "Wake The Dogs" gehen ab, bevor dann das Verdrehte Schwestern-Cover "We're Not Gonna Take It" am Ende noch ein besonderes Ausrufezeichen setzt. Fein!

Gespannt darf man dann auf Dick Brave And The Backbeats sein, denn nicht nur passt der astreine Rockabilly der Kollegen nicht ganz zum heutigen weiteren Verlauf auf der Centerstrage, nein, es dürfte ja auch sattsam bekannt sein, dass sich hinter dem Alter Ego des kanadischen Rockers, der sein Gedächtnis verloren hat vom Geist von Elvis höchstpersönlich erleuchtet wurde, kein anderer verbirgt als Sascha, der mit diversen unsäglichen Schlagern nicht gerade Freude in der harten Fangemeinschaft erntete. In der Tat gibt es einen kleinen Publikumswechsel zu konstatieren, nach vorne drängt das Weibsvolk, aber auch einige schwarzbehemdete Kollegen, einer sogar mit Iro, versammeln sich vorne. Ärger im Verzug? In keinster Weise, als Dick Sascha Brave und seine Mannen die Bühne stürmen und mit "Tonight I'm Gonna Rock" startet, ist einträchtiges Fußwippen angesagt. Der Mann kann singen, keine Frage, er kann auch den Rock'n'Roll singen, und seine Kombo liefert stilecht mit Piano, großem Bass und stehendem Drummer den Begleitsound dazu. Im Folgenden liefert Dickie eine Mischung aus eigenen Stücken, originalen Rock'n'Rollern (darunter etwa "High School Confidental" von Jerry Lee Lewis oder Chuck Berrys "Come On") und auf Rockabilly gebürsteten bekannten Hits. Das klappt mal sehr gut ("I Just Can't Get Enough", im Original von Teppich Mod, Green Days "American Idiot" oder "Black Or White" vom Jacksons Michel), aber mit Adeles "Rolling In The Deep" funktioniert das weniger brillant. Sagt zumindest eine mittlerweile ebenfalls angereiste Kennerin der Materie. Da wollen wir nicht widersprechen. "Walk This Way" (Luftschmidt) macht Spaß, aber vor allem bei "Great Balls Of Fire" gibt Dickie Gas und beweist, dass er jedes einzelne Instrument seiner Kombo auch selbst spielen kann. Respektinger Sepp! Einziger Minuspunkt ist die weitgehend fehlende Kommunikation mit dem Publikum - der doch allgemein bekannte Gag mit dem Alter Ego hätte doch Anlass zu manchem Scherz gegeben. Aber naja, dennoch: hat gefallen!

Weiter im Text mit den Dropkick Murphys. Deren Mischung aus Punk, Rock und Irish Folk sollte eigentlich dazu angetan sein, hier ein Feuerwerk abzubrennen, und als die Herren und Damen zu einem folkigen Intro auf die Bühne marschieren, harren wir erwartungsfroh - aber dann begrüßt uns beim Opener "Hang 'em High" ein doch reichlich matschiger Sound, in dem Flöte und Geige fast untergehen. Sänger Al Barr schreit was aus dem Hals rauskommt, das Ganze ist schon brachial laut im Gegensatz zu den anderen Bands - irgendwie wirkt die Chose wie Pogues auf Speed, permanent Vollgas ohne große Ansagen ein Knüppel nach dem anderen, "Captain Kelly's Kitchen", "Sunday Hardcore Matinee", "The Gang's All Here", immer voll auf die Zwölf. Mein Gast bittet fürs Protokoll festzuhalten man sei nicht entzückt. Na aber das ist schon hart, aber durchaus nicht verkehrt, nach "Sunshine Highway" setzt "Going Out In Style" den Reigen fort und liefert einen ersten echten Leckerbissen - heftig, folkig, gut. "Forever" mit Gastsängerin gefällt ebenso, beim "Irish Rover" (andere irische Folk-Lieder lauten "The Wild Rover" und "The Land Rover") kann man eh nix verkehrt machen, und dann gehen wir - oho! - in einen Akustik-Part über. "The Warrior's Code", "Citizen CIA" und vor allem "The Dirty Glass" zeigen nicht nur, dass die Murphys auch leisere Töne beherrschen, sondern auch, dass Basser Ken Casey gesanglich fast besser drauf ist als Mikroschwinger Barr (der mit dem Hersteller von Irn Bru nach eigenen Angaben nichts zu tun hat). Total spaßig dann "Kiss Me I'm Shitfaced", man hat Sinn für Humor, auch textlich. Den Schlusspunkt setzt dann allerdings ein durchaus ernstes "TNT", dem selbst Angus himself Respekt gezollt hätte.

So, jetzt aber zum ersten wirklichen Kracher des Tages - nach längerer Pause melden sich die alternative Punker aus Orange County zurück, um wieder mal zu zeigen, wie man das eben so macht mit dynamischen, mitreißenden Hymnen in dieser Ecke. Den Einstieg erwischen Bryan "Dexter" Holland und Kevin "Noodles" Wasserman mit "You're Gonna Go Far, Kid" optimal, und auch "All I Want" sorgt für Zustimmung. Noodels, mit grauen Struppi-Strähnen, sieht immer mehr aus wie Keith Richards, und dass der gute Dexter (wasserstoffblond mit Sonnebrille, mei sooo hell ist es auch ned) ein bisschen auseinandergegangen ist, wissen wir auch. Von der großen Publikumsansprache halten sie nichts, ganz im Gegenteil stellt Noodles relativ unumwunden fest "You gotta keep em separated", und aufi geht's mit einem ihrer größten Hits "Come Out And Play". "Days Gone By" vom neuen Album zeigt eine etwas kommerziellere Ausrichtung, bleibt aber als brauchbarer Song im Gedächtnis. Mit "Have You Ever" und "Staring At The Sun" greifen sie weiter trittsicher in die Hitkiste, bevor dann zumindest stimmungsmäßig bei "Hammerhead" und "Bad Habit" etwas zurückgeschaltet wird. Betrachten wir uns also die Kombo: Dexter wirkt alles in allem nicht gerade maximal motiviert, spricht keinen Ton mit dem Publikum, während Noodles durchaus die eine oder andere Gefühlsregung rauslässt - z.B. wenn er sich glaubhaft beim Publikum fürs zahlreiche Erscheinen bedankt und sich freut, mit "die touten housn" auf einer Bühne zu sein. Einziger für mich unnötiger Song im Set ist das hopplige "Walla Walla", auf das ein fein akustisch intoniertes "Kirsty, Are You Doing Ok?" folgt. Gleich die Akustische umhängen lassen, Freunde, denn jetzt folgt die beste Fassung von "Obla Di, Obla Da", die es für trocken Brot zu kaufen gibt: "Why Don't You Get A Job" macht wie immer Ober-Laune. Mit "Americana" legen sie ein heißes Eisen nach, und bei dem wie immer guten "I Want You Bad", bei dem ich mich in eine angeregte Diskussion verstricke, wie der Titel denn zu verstehen sei - "ich will dass Du böse bist?" "Nein nicht ganz, das geht eher in die Richtung..." "Du bist schlimm!" "Nein, so eher ich will dich ganz übel" "Sag ich doch!!" "Nein, ich habe ein enormes Verlangen nach Dir!" "He pass auf!!" Ok lassen wir das. "Can't Get My Head Around You" kommt gut und ist unmissverständlich (ich kapier dich einfach nicht), bevor es dann endlich "Montag niedem mountain moven" heißt - und ist ja egal, dass das von Def Leppard kommt, hier kommt nun die witzige Geschichte von dem Knaben, der gar zu gerne Gangsterrapper wäre und dabei grandios scheitert: "Pretty Fly For A White Guy" war seinerzeit auch meine Eintrittskarte zu den Jungs und kommt immer wieder gut. Dass der alte Kracher "Self Esteem" noch kommt, ist unzweifelhaft, aber kommt schon, biddebidde noch mein all time favorite, und sie tun mir wirklich den Gefallen und ballern uns vorher noch "The Kids Aren't Alright" um die Lauscher. Aus, vorbei, keine Zugabe. Kein "Original Prankster", kein "Hit That". Schade, denn es war kurzweilig. Auch wenn Dexter nix gesagt hat.

So, und dann bleibt noch der Hauptact des Abends, zumindest auf der Center-Stage - denn während auf der Alternastage die Hip Hopper Beginner und Deichkind ihre Geschichten erzählen, kommen unser alle liebsten Altpunker "Die touten Housen" an die Reihe. Gefühlt an jeder Streckdose präsent und mittlerweile fest im Mainstream verankert (Campino ist Gast in Talkshows, gibt Interviews in der bürgerlichen Presse, sogar nahe Anverwandte finden die "neue Single gut" - hier ist was verkehrt), stellen die Hosen ihre subversiven Wurzeln schon ein wenig in Frage - kracht das wirklich noch, ist das gut? Nun, als sie auf die Bühne hüpfen, ist schon mal eines klar: die sind zwar noch "voll älter" als ich, aber so fit dass eine Frechheit ist. Campino ist schlank, gut drauf, und der Rest der Band ist, wie sie halt immer sind: wundersame Beispiele, wie man ein Leben voller Exzesse nicht nur wegsteckt, sondern sogar bestens konserviert. Klar, Breiti sieht aus wie ein verirrter Steuerbeamter, aber das tat er schon immer - der Rest scheint fast direkt den frühen 90ern entsprungen. Ich habe zwar den Moment verpasst, in dem sie in die breite Mitte sprangen, aber das ist heute mal egal, mit "Ballast Der Republik" steigen sie in ein Set ein, das für mehr als zwei Stunden keine Wünsche offen lassen wird. Gesegnet mit klarem Sound, geht's weiter mit der echten Perle "Liebesspieler", die dann sogar mich zum gepflegten Ausrasten bringt. Im Gegensatz zu gestern gibt es keine breiten Stege ins Publikum, aber das hindert die Herren nicht, rechts und links rumzuspringen und die Nähe zu suchen. Man nimmt ihnen die ehrlich arbeitende Band einfach ab, ja klar ist das auch alles ein bisschen Routine, aber man muss sie einfach mögen heute. "Du Lebst Nur Einmal", "Auswärtsspiel" und das schöne "Alles Was War" folgen, und Campino erweist sich als Duracell-Häschen, das schier unerschöpfliche Energie hat. Auf "Hang On Sloopy" könnte man verzichten, auch das Hannes Wader-Cover "Heute Hier, Morgen Dort" steht jetzt nicht gerade im Kern des Kanons, aber mit "Bonny Und Clyde" fliegt das Nutztier wieder hoch. Sehr gut. Nach "Paradies" setzt es - natürlich - was in Richtung Club: wenn man bald in diesem Stadion auflaufe, verkündet der bekennende Düsseldorf-Anhänger Campino, werde man natürlich drei Punkte mitnehmen, aber man habe für den Verlierer natürlich einen Song parat, der in Gestalt von "Schade, Wie Kann Das Passieren?" gleich daherkommt. Luschdig. Auch die englischsprachige Single "Pushed Again" geht ordentlich los, und "Steh Auf, Wenn Du Am Boden Bist" erntet massive Mitsingchöre. Schon wieder eine Cover-Version - "Halbstark" war ja seinerzeit auf der Rote Rosen-Scheibe, schon klar, aber haben die nicht genug Material (wohl kaum) oder wirklich so viel Zeit? Na mal egal, jetzt beginnt ein wirklich starker Block, der mit "Alles Aus Liebe", dem erst balladesken, dann krachig-punkigen "Liebeslied" und natürlich "Hier Kommt Alex" mehr als nur ein kleines bisschen Horrorshow entfacht - mit dem Effekt, dass die Stimme des Schreiberlings spätestens jetzt einen ordentlichen Schlag mitbekommt. Die wirklich kommerzielle, aber auch wirklich grandiose aktuelle Single "Tage Wie Dieser" schließt diesen Part ab - aber das kanns doch nicht gewesen sein? Neiiiin, Campino kommt zurück, erzählt ein wenig von den Wohnzimmerkonzerten, die sie verlosen, und davon, dass sie regelmäßig gefragt werden, ob sie denn auch bitte "Westerland" spielen könnten. Nun, da gibt man am besten einfach auf und machts halt - und deshalb bringen sie wirklich die Ärzte-Nummer "Schrei Nach Liebe", die aber mal so richtig reinkracht. Jetzt berichtet Campino, dass er von den Konzerten der 80er und 90er nicht mehr weiß ("irgendwie war Alex dabei"), aber dass er sich an Personen erinnern kann. Und eine ziehen sich jetzt hervor, und zwar keinen Geringern als Bad Religion-Mastermind Greg Graffin himnself, mit dem sie zunächst die Religion-Stücke "Raise Your Voice" und "Punk Rock Song" und dann den alten Ramones-Heuler "Blitzkrieg Bop" runterreißen. Graffin singt gut, aber sieht immer mehr aus wie der Spießer aus dem Reihenmittelhaus, und ist auch noch so gekleidet... wieder aus, aber so geht das nicht, ihr kommt noch mal! Und jetzt gibt's das zirkusreife Kabinettstückchen des gesamten Wochenendes. Campino hat gewettet. Und zwar, dass ihn die Menge inklusive einer Bierdose von vorne bis zum Mischturm trägt. Ohne Schaden für Dose, und ihn. Wenn er verliert? "Dann hab ich die Minibar-Rechnung der ganzen Crew auf mir..." Na das ist nicht zu verantworten. Er wirft sich rein, "wenn ich mit dem Gesang abkacke, ihr wisst ja wies geht", ja wir kennen das "Wort Zum Sonntag" natürlich, und so sieht man ihn kuglen, versinken, geworfen werden, das Mikro kracht und scheuert ordentlich, aber irgendwann hat er es tatsächlich geschafft. Und weil das natürlich noch nicht genug ist, krabbelt er auch noch auf den Turm hoch und zündet dort oben ein bengalisches Feuer. Ok, hab ich irgendwo gesagt, dass die in der Mitte angekommen sind? Ich nehm alles zurück. "Wir haben ein Problem!" Schon wieder? "Ich bin hier, und ihr seid da drüben! Das heißt, ihr müsst irgendwas spielen, was jeder kennt, damit ich Zeit habe, den ganzen Quatsch wieder zurückzumachen!" Und genau so geschieht es - Kuddel und das Publikum singen "Bis Zum Bitteren Ende", bis der Meister wieder auf der Bühne ist. Mit Dose. Und einem Club-Trikot, was er dann anzieht. Schick, auch wenn viel zu groß. "Zehn Kleine Jägermeister" und das übliche "Schönen Gruß, Auf Wiedersehn" beenden einen Auftritt, der durch Qualität, Variation, Spielfreude und vor allem vollen Körpereinsatz überzeugt. Klasse!

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