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Konzert-Bericht

Exilia & Tri State Corner

Backstage, München 24.05.2012

(Fotogalerie)

Es ist wieder Zeit zum Rocken und wieder liegt eine erbarmungslose Hitze über der Stadt der Weißwürste und Biergärten. Ob das wohl ein Grund dafür ist, dass um halb acht - das heutige Konzert soll um acht Uhr beginnen - auf dem Backstage-Gelände, nun ja, ein eher überschaubarer Andrang herrscht? An den Kapellen, also an Exilia (quasi die italienischen Guano Apes) und der Multikultitruppe Tri State Corner, kann es eigentlich nicht liegen, dass sich vor dem Eingang nicht mal der Ansatz einer Schlange bildet. Aber eventuell ging es ja vielen wie meinem Kollegen Holgi, der sich gedacht hat, die falsche S-Bahn nehmen zu müssen und erst noch mal dem malerischen Heimeranplatz einen Besuch abzustatten [Anm. Holgi: haha!]. Dem mäßigen Besucherzustrom entsprechend, findet die Veranstaltung auf der kleinen Clubbühne des Backstage statt, wo man heute zumindest nicht lange für eine Erfrischung in Form eines kühlen Hellen anstehen muss. Ist ja auch was wert und auch, dass die Zeit bis zum Beginn des Konzertes von zwei miteinander kuschelnden Damen in der ersten Reihe vorzüglich überbrückt wird, ist nicht zu verachten.

Tri State Corner

Punkt acht Uhr kommt dann in der Tat Bewegung auf die Bühne, die, wie auch die restliche Halle, dummerweise von einem nicht bedeckten Dachfenster taghell erleuchtet ist, was natürlich stark auf Kosten der Atmosphäre geht. Ungeachtet dessen starten Tri State Corner mit ihrer ganz eigenen Marke des Bouzouki-Rock (Metallica mit Ouzo, sozusagen) und lassen sich dabei von den momentan circa 25 anwesenden Zuschauern nicht aus der Fassung bringen. Ebenso die Tatsache, dass das griechische Nationalinstrument eher Ressentiments denn Zuspruch erzeugen könnte, wird von der Kapelle ignoriert. Aber die Show beweist das Gegenteil, schon mit dem kraftvollen Opener und Titelsong des aktuellen Albums "Historia" wird klar, dass die Jungs wissen, wie man mit den Instrumenten umzugehen hat. Insbesondere Schlagzeuger Chris, der die Felle seiner durchsichtigen Schießbude mit der Präzision eines Roboters bearbeitet, sorgt sofort für einen angenehmen und mitreißenden Groove in der Halle. Aber auch der haarlose, aber dafür extrem gut gelaunte und ziemlich sympathische Sänger Lucky - im Nebenberuf der offizielle Andre-Agassi-Imitator - schafft es schnell, die "Menge" mit Sprüchen wie "Ihr jubelt, klatscht und schreit jetzt mal alle jedes Mal, wenn ich unser neues Album erwähne" auf seine Seite zu bekommen. Und... ja, das Publikum macht mit - sogar lautstark! Alle Achtung! Ebenfalls vom neuen Album kommen "Nothing At All" und die aktuelle Single "Sooner Or Later" mehr als nur gut rüber, stellen die Trademarks der Kombo, Härte und Melodie, vorbildlich zur Schau und bisweilen bleibt auch die Bouzouki mal in der Ecke liegen und wird durch eine zweite E-Gitarre ersetzt. Feine Leistung, für die eine sehr junge Holde mehrere hundert Kilometer angereist war. Das nennt man Loyalität!

Exilia

Als dann einige Zeit später die Wüteriche von Exilia die Bühne entern, dreht sich das Blatt aber doch noch mal eine ganze Ecke weiter - und zwar in Richtung massiver und grooviger Härte. In der Minimalbesetzung Schlagzeug, Bass, Gitarre und Brachialfronterin ballern sich die Italiener durch ein Set, das bei Fans der Kapelle kaum Wünsche offen lassen sollte. Der schottenberockte Gitarrero feuert ein Hammer-Riff ums andere unters Volk, während sich die 50 Nasen, die heute mal als Volk durchgehen (die haben nämlich mittlerweile alle vom Heimeranplatz hergefunden) durchaus passabel dem Headbangen hingeben. Aber der Hingucker an diesem Abend ist natürlich das unglaubliche Energiebündel Marsha, das wie ein Rumpelstilzchen auf Drogen über die Bretter fegt. Auch wenn die feuerroten Haare eher an Rotkäppchen erinnern, ist sie eindeutig die unbestrittene Königin der Hüpfburg. Der Sound, bekanntermaßen eine Mischung aus Die Happy und Guano Apes auf Speed, und gerade Nummern wie "Rise When You Fall" oder "Fully Alive", die mit ordentlichem Schmackes rausgezimmert werden, treten kräftig in den Allerwertesten. Bei "Forever" schmeißt die Dame das Mikro wutentbrannt auf den Bühnenboden und für "Far From The Dark" greift sie selbst an die Gitarre und zeigt, dass sie auch dieses Handwerk beherrscht. Ganz zwanglos gibt sie dann noch Kostproben ihrer Deutsch-Kenntnisse zum Besten, die mit "Wunderbar", "Gemüse", "Kartoffel" und "Bier" offenkundig eher der Hausmannskost zuzuordnen sind.

Exilia

A capella stimmen wir dann von Marsha dirigiert gemeinsam "Nothing Else Matters" an, was die Holde allerdings nur mit einem süffisanten "You need some vocal lessons!" würdigt. Da mein mitgereister Redaktionskollege die bange Frage "Nehmen wir noch ein Bier?" mit einem überzeugenden "Klar, wir sind ja nicht zum Spaß da!" quittiert, eilen wir weiter durchs Programm, das auch Knaller älteren Datums wie "Stop Playing God" oder "Kill Me" enthält. Mein ganz persönlicher Favorit allerdings ist die erste Zugabe, das wunderbare "Starseed", welches jenseits aller Hüpfspiele von Marsha alleine mit ihrer Gitarre zum Besten gegeben wird. Fein, fein, auch wenn sie es nicht so oft zeigt, sie kann tatsächlich ganz vorzüglich singen. Nach dem finalen Reißer "Coincidence" ist dann doch Schicht im Schacht. Als sehr sympathisch geben sich die Bands auch nach der Show, da sie noch lange mit den paar Angereisten plaudern, geduldig Autogramme schreibseln und sich mit wenig vertrauenswürdigen jungen Redakteuren sattsam bekannter Online-Magazine fotografieren lassen (ja, ja, ich geb's ja zu, wir haben sie auf ein Bild mit uns gezerrt). Damit endet ein tolles Konzert, das DEUTLICH mehr Zuspruch verdient gehabt hätte.

Exilia

Setlist Exilia:
Satellite
Fully Alive
Rise When You Fall
Over The Edge
The Wrath Of Gaia
Far From The Dark
Emily
No Colors
Stop Playing God
Day In Hell
Kill Me
Unconventional
--
Starseed
Coincidence

Setlist Tri State Corner:
Historia
Katastrophy
Nothing At All
Sooner Or Later
Ela Na This
I Swear
Sudden
Tri State Corner

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