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Konzert-Bericht

Runrig & Erik Penny

Zenith, München 10.05.2010

So richtig den großen Durchbruch haben sie in ihrer Heimat ja nie geschafft, die Jungs von Runrig, was irgendwie so viel heißt wie Ackerfurchenreihe; auf ihren ersten Top Ten-Hit in Großbritannien mussten sie lange warten (das war erst 2007 eine Benefiz-Neuaufnahme des alten Reißers "Loch Lomond" - in den Album-Charts landeten sie mit Amazing Things schon 1993).
In Deutschland sah das Ganze schon immer ein wenig anders aus: da gehörte es in den 80ern schon zum guten Ton eines jeden Anglistik-Studenten, a) Franzosen abzulehnen und b) Runrig zu hören. Neben U2, versteht sich. Die so formierten Fanscharen wurden flugs mit dem treffenden Namen "Riggies" belegt, und die kommen denn auch immer zuhauf, wenn sich die Kombo mal wieder die Ehre gibt.
So auch heute abend im Zenith - zumal dies ja ohnehin schon die Ersatz-Ansetzung ist, nachdem das ursprünglich schon für März geplante Gastspiel verschoben werden musste. Schon als die Vorgruppe die Bühne entert, ist die Halle mit dem Charme einer Industriegasglocke schon gut gefüllt. Gruppe ist im Prinzip auch übertrieben, denn Erik Penny handelt nach dem Motto Me, Myself and I: nur mit Gitarre bewaffnet, schmettert er gekonnt Songwriter-Material ins weite Rund und kann damit durchaus gefallen.

Pünktlich um 20:15 Uhr ist der Herr mit seinem Set durch, und nachdem es keine große Umbaupause braucht - die Runrig-Utensilien stehen alle schon auf der Bühne - kann es denn auch um 20:45 Uhr schon losgehen. Kurzer Blick durchs Publikum: durchweg Normalos, keine jungen Leut', aber auch nicht das typische Antenne Bayern-Zeug, sondern eben die älter gewordenen Anglistik-Studenten, die ihre anglophilen Neigungen (das sind keine Schweinereien, keine Angst) heute schön ausleben wollen.
Sollen sie nur, und als Runrig dann zu einigem Jubel die Bühne betreten und mit "Heartland" einsteigen ist klar, dass heute abend genau das serviert wird, was man sich als "Riggie" wünscht: glasklarer Sound, erstaunlich stimmige Harmoniegesänge (hier sollten diverse Metalshouter mal vorbeisehen...) und eine Setauswahl, die einen breiten Bogen durch die Bandhistorie spannt. Vor allem Gitarrist und Instrumental-Multitalent (Elektro-Dudelsack, meine Herren!) Malcolm Jones beeindruckt durch charakteristischen, kraftvollen Sound, der ein Markenzeichen der Kombo ist. Weiter geht's mit dem Titeltrack vom nach wie vor aktuellen, 13. Album Everything You See. Untermalt wird das Ganze von feinen Videoeinspielungen, die die Songs bildlich begleiten - bevorzugt natürlich durch atmosphärische Landschaftsaufnahmen von good ol' Scotland.
Sänger Bruce Guthro, der 1998 ja für das Urmitglied Donnie Munro einsprang, sprüht zwar nicht gerade vor Enthusiasmus und wirkt manchmal, als ob er gerade bei Herrn Heck in der Hitparade aufträte (wedelnde Handbewegungen... ihr erinnert euch), aber stimmlich ist das alles absolut im grünen Bereich. "Edge Of The World" und "Beat The Drum" sorgen weiter für ausgelassene Stimmung und viel freudiges Mitsingen - der eine oder andere ist bei jeder einzelnen Songzeile dabei.
Nachdem Meister Guthro darüber philosophiert, dass der Musikgott wohl etwas dagegen gehabt hätte, dass man in Deutschland spiele - erst Ausfall, dann wieder die vermaledeite Aschewolke - gibt man das ebenfalls noch relativ neue "Ocean Road", das von einem balladesken Anfang hin zu einem mächtigen Gitarrensolo strebt. Sehr fein! Mit "Big Sky" können die Jungs dann die Qualität nicht ganz hoch halten, allzu gefällig und radiotauglich ist die Nummer, und das war ja immer schon die Gefahr bei Runrig, das doch etwas zu Geschliffene, teilweise Zuckersüße - aber hier und heute sind diese Momente dankenswerterweise nicht allzu häufig. Ein wunderbares "Alba" macht dies denn auch mehr als wieder wett. Bei der wunderbaren Ballade "In Search Of Angels" beweist dann auch noch Keyboarder Brian Hurren, dass er besser bei Stimme ist als so mancher hauptamtlicher Sänger.
Und wie es der Zufall will, erlebe ich jetzt innerhalb kurzer Zeit schon wieder eine Ausnahme der ehernen Regel: ein Schlagzeugsolo ist unnötig, auch wenn es von Albert Einstein selbst für eine fünfte Klasse dargeboten würde. Die erste Ausnahme waren die Red Hot Chilli Pipers, und heute beweisen auch Runrig, dass es spannend geht: bewaffnet mit umgehängten Snaredrums, ballern Keyboarder, Drummer und natürlich auch Gitarrero Jones eine meisterhafte Drum-Fanfare in die Halle. Großes Kino, und ein Muster an Variationsbreite!
"Dieser Song erinnert an alle, die sich von Ullapool in Schottland aufgemacht haben nach Nova Scotia in Kanada", erzählt Guthro nun - und jetzt bin ich mit dem Handwedeln dran, denn schließlich war die riesige Metropole Ullapool (zwei Haus, ein Pub) eines der Highlights meiner ersten großen Rundreise zu den Inselbewohnern. "The Mighty Atlantic" sorgt dann, untermalt von Filmszenen von Auswandererschiffen, für astreines Gänsehautfeeling. Klar eines der Glanzlichter des Abends.
Lauter und bunter wird's dann wieder mit "Atoms", das gefolgt von "Wall Of China" dann den wieder betont rockigen Schlussblock einläutet, der mit "Rocket To The Moon" und "'S tu mo Leannan / Nightfall On Marsco" gehörige Energie entwickelt. Nicht fehlen darf natürlich die Hymne auf die Hebrideninsel "Skye", und klar hat man da sofort den Geschmack eines Talisker im torfigen Munde. "Take me there", ja da möchte man doch glatt zustimmen. "Every River" schlägt dann wieder in die etwas balladeskere Kerbe, steigert sich gegen Ende enorm und beendet nach exakt 90 Minuten den regulären Set.
Dass hier natürlich noch etwas fehlt, ist natürlich jedem klar, und so kommen sie denn auch recht bald wieder zurück und bringen zunächst ein ehrlich gesagt etwas ödes, krachiges Instrumental zum Besten. "Clash Of The Ash" bereitet dann eigentlich nur noch das vor, auf was jeder harrt: und einmal mehr wird eindeutig, dass sie mit "Loch Lomond" ihren absoluten Geniestreich abgeliefert haben. "You'll take the high road and I'll take the low road, and I'll be in Scotland before you, where me and my true love will never meet again, on the bonnie bonnie banks of Loch Lomond." Immer wieder brillant - wer hier nicht heult, der ist wohl auch sonst im Leben seltsam. Großes Kino, und immer wieder schön. Zum Schluss bekommen sie noch eine goldene DVD verliehen. Recht so.

Setlist Runrig:
Heartland
Edge Of The World
Beat The Drum
Ocean Road
Big Sky
Alba
In Search Of Angels
The Mighty Atlantic
Atoms
Wall Of China
Rocket To The Moon
Nightfall On Marsco
Skye
Every River

Clash Of The Ash
Loch Lomond

Holgi

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