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Festival-Bericht

Way Of Darkness

mit Absorb, Abysmal Torment, Accuser, Assassin, Cannibal Corpse, Common Grave, Dew-Scented, Die Zwangsversteigerten Doppelhaushälften, Dying Fetus, Ebola, Emergency Gate, Evocation, Fleshgod Apocalypse, Fleshless, Graveworm, Hate, Lower Hell, Malevolent Creation, Malignant Tumour, Marduk, Nervecell, Obscura, Postmortem, The Modern Age Slavery, The Ordher, Vader, Vomit The Soul, Vomitory, Warpath & Wolfchant

Stadthalle Lichtenfels, Lichtenfels 02. - 03.10.2009

(Fotogalerien: Wayofdarkness2009 )

Samstag, 03.10.2009

Der Kater, mit dem ich aufgewacht bin, war gar nicht von schlechten Eltern. Aber wer saufen kann, kann auch berichten, deshalb war ich auch überpünktlich gegen neun Uhr schon wieder vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt war die kleine Vorhalle schon gut gefüllt, das Volk hungerte nämlich nicht nur nach Musik, sondern auch nach den sonst üblichen leiblichen Genüssen und labte sich am gut organisierten gemeinsamen Frühstück. Auch hier noch mal ein Lob an die Organisation, das hatte alles Hand und Fuß, wirkte einfach von vorne bis hinten professionell aufgezogen und durchdacht. Da bis zur ersten Band des Tages noch ein wenig Zeit blieb, war noch Gelegenheit für mich, ein wenig herumzustreunen und die Merch-Stände in Augenschein zu nehmen. 15 Euronen für ein Festival-Shirt sind dann auch wirklich angemessen, auch hier gab es also keine Kritikpunkte meinerseits.

Den Anfang am Samstag machten die Italiener von Modern Age Slavery. Ein Kollege gab mir den Tipp, die Band keinesfalls zu verpassen und er hatte absolut recht mit seiner Meinung, denn die Jungs waren echt spitze! Schade, dass die Halle noch nicht wirklich voll war, denn die Show der Deathcoreler war erste Sahne. Intensiv, brutal, mitreißend und technisch auf höchstem Niveau, diese Band hat Potential und kann es auch nutzen. 20 Minuten waren jetzt nicht die Welt, aber die Band nutzte jeden Augenblick davon. Sehr guter Start in den zweiten Festivaltag!

Die folgenden Absorb konnten von der tollen Vorarbeit ihrer Kollegen spürbar profitieren, trafen sie doch auf ein bereits sehr gut gelauntes Publikum. Zwar war der Gig technisch nicht ganz so anspruchsvoll, dafür konnten die sympathischen Deathsters mit ihrem groovigen Old School-Brett nicht wenige Häupter zum Schütteln bewegen. Die Stimmung konnte durchaus gehalten werden und das zu so früher Stunde, das war schon aller Achtung wert.

Ebola, die danach an der Reihe waren, waren nun wieder musikalisch ganz anders geartet, denn von Old School konnte hier weder vom Sound noch von den Musikern her die Rede sein. Störte aber keinen im Saal und so wurde auch der Thrashcore der Eberner (schreibt man das so?) vom Volk durchaus wohlwollend aufgenommen. Da soll noch jemand sagen, das Publikum auf solch einem Festival wäre nicht offen für etwas musikalische Auflockerung.

Mittlerweile waren wir schon bei einer Spielzeit von immerhin 30 Minuten angelangt, was für einen soliden Gig eigentlich reichen sollte. Sollte muss man hier aber deutlich hervorheben, denn wenn, wie bei Hate, 15 davon einfach verstreichen, ohne dass etwas auf der Bühne passiert, dann bleibt der Auftritt trotz aller Klasse immer irgendwie rudimentär. Ich habe keine Ahnung, wodurch die Verzögerung verursacht wurde, aber sonderlich stimmungsfördernd war die lange Pause keineswegs. So reichte die Zeit gerade noch für drei Songs der Polen, die zwar recht professionell heruntergezockt wurden, aber das Publikum nur zum Teil erreichten. Schade...

Wenn ich vorhin schon den Begriff Old School verwendete, dann muss er bei Accu§er erst recht angewendet werden, denn die Thrash-Urgesteine sind nun schon sehr lange in der Szene unterwegs. Abnutzungserscheinungen konnte man trotzdem keine feststellen, denn der Auftritt der Thrasher war ziemlich energiegeladen. Auch wenn die Jungs nicht die technisch anspruchsvollste Darbietung lieferten, konnten sie mit ihrem Gig bei den Anwesenden mit Ausstrahlung, Herzblut und solidem Liedgut punkten.

Jetzt wurde es richtig kurzhaarig, denn Vomit The Soul glänzten (im wahrsten Sinn des Wortes) erst mal durch Metal-untypische Frisuren, womit sie beim Berichterstatter gleich mal einen Sympathiebonus hatten. Aber haupt(!)sächlich ließen sie die Musik sprechen und die hatte es in sich. Ziemlich heftiges Deathgrind-Geknüppel bekam das dürstende Publikum geboten, Geblaste pur garniert mit Frognoise, keinen Raum für Atempausen lassend, aber nie langweilig und immer mit der gebotenen Verve dargeboten. Ein ziemliches Brett lieferten die vier Herren aus Lecco da ab, das genau nach meinem Geschmack war und anscheinend auch dem von nicht wenigen Zuschauern. Sehr feiner Auftritt, diese Jungs können was!

Mit Obscura wurde zwar der Knüppelfaktor etwas zurückgenommen, dafür aber deutlich an der Technikschraube gedreht. Und im Gegensatz zu einigen anderen Kapellen aus dieser Musiksparte herrschte da auf der Bühne keine Standbild-Statik, nein, auch in Reihen der Musiker gab es durchaus so etwas wie Bewegung. Sogar launige Ansagen konnte man vernehmen, was die sehr anspruchsvolle Musik sehr gelungen auflockerte. Musikalisch sind die Bayern eh über jeden Zweifel erhaben, aber auch als Liveband können sie überzeugen. Dazu kommt natürlich, dass die Stücke vom aktuellen Album verdammt gut sind, mit dem Material im Rücken kann ja fast nichts schief gehen. Ging es auch nicht, der Gig konnte als voller Erfolg verbucht werden.

Dafür ging die Show von Postmortem ziemlich an mir vorbei. Musikalisch war es sogar recht brauchbar, aber irgendwie gelang es mir nicht, Zugang zur Bühnenpräsenz der Truppe zu bekommen. Nun, das ist ganz klar meine persönliche Meinung und muss nicht mit derjenigen der Mehrheit übereinstimmen, aber es macht mir halt eine Bewertung der Show recht schwer. Belassen wir es bei einem "nicht mein Ding".

Dafür aber schlugen Dew-Scented umso mehr ein. Nicht nur musikalisch, da boten die Norddeutschen gewohnt gute Kost, auch die Interaktion von Band und Publikum stimmte durchweg. Die Thrasher waren sich durchaus bewusst, dass sie die letzte Thrashband des Abends sein sollten und versuchten, mit ihrer Setlist eine Brücke zwischen den moderateren Tönen bisher und dem folgenden "Ami-Geblaste" (O-Ton Leif) zu schlagen, was ihnen mit Stücken wie "Cities Of The Dead" auch problemlos gelang.

Danach kam eine Überraschung für mich, denn Malignant Tumour kannte ich bisher überhaupt nicht. Aber diese Art von Motörhead-auf-Death-Metal machte vom ersten Ton an unglaublich Spaß und wirkte bei allem clownesken Gebaren auf der Bühne trotzdem nicht zu albern. Das Motto war ganz klar: Spaß haben und nichts weiter. Dieses Konzept ging voll auf und steckte den kompletten Saal mit guter Laune an. So hat Unterhaltung auszusehen und zu klingen!

Evocation dagegen sind nicht unbedingt die Gute-Laune-Band schlechthin, zu ernsthaft ist der Sound der Schweden. Das aber ist keineswegs ein Makel, denn die Klasse sowohl der Band als auch des Liedgutes zog die Halle von Anfang an in ihren Bann. Gerade die Bühnenpräsenz von Fronter Thomas Josefsson fesselte das Publikum durchgehend, aber auch der Rest der Band versteckte sich keineswegs. Und bei Songperlen wie "Razored To The Bone" war es kein Wunder, dass dieser Gig zu einem kleinen Juwel wurde. Verdammt starke Band.

Nicht ganz so fesselnd, aber sehr solide, gingen danach Vomitory zu Werke und hatten leichtes Spiel mit dem schon sehr angeheizten Publikum. Man musste sich schon wundern, dass das Volk nach einem eh schon recht langen Festival-Tag noch so viel Energie freisetzen konnte, aber anscheinend trafen die Schweden genau den Nerv der Anwesenden. Die feierten die Band, als gäbe es kein Morgen mehr, dabei standen doch noch drei weitere Kapellen in den Startlöchern! Hier mal ein Lob an die Zuschauer, so macht es den Bands sicher noch mehr Spaß, ihr Bestes zu geben.

Und das ließ auch bei Malevolent Creation nicht nach, die wurden, wenn überhaupt, sogar noch mehr gefeiert. Brett Hoffmann und seine Mannen waren aber auch in überzeugender Form und haben sich diese Reaktionen leidlich verdient. Eine Stunde lang war intensivste Unterhaltung geboten, die kaum Zeit zum Luft holen ließ. Aber Luft holen wird eh überbewertet, also Augen zu und durch. Sehr überzeugende Leistung einer Band, die sowohl abgeklärt als auch leidenschaftlich war.

Dying Fetus konnten dies zwar nicht toppen, aber schlugen sich dennoch wacker und schafften es, dass die Stimmung im Saal nicht wirklich abflaute. Insgesamt ging es auf der Bühne ein wenig statischer zu als bei ihren Vorgängern, aber die Musik war dennoch überzeugend. So erhielt das Publikum eine weitere Stunde lang eine hochklassige grindgeschwängerte Death Metal-Vollbedienung, die den Mob bestens auf den Headliner vorbereitete.

Und der kam, sah und siegte, was auch sonst. Vernichtend wie immer und verlässlich wie eh und je entfesselten Corpsegrinder & Co einen Orkan der bösartigen, zielgerichteten Vernichtung, der durch die gewohnt launigen Ansagen des Herren am Mikro ("And now a song for all the women out there: Fucked With A Knife!") die dringend benötigte Auflockerung bekam. Cannibal Corpse sind halt ein Faktor, auf den man sich immer verlassen kann.

Tja, und dann war es auch aus, das Way Of Darkness IV. Anstrengend war's und lohnend obendrein. Besonders lobend muss ich noch die immer tipptopp gepflegten Toiletten erwähnen, bei solch einem Event sicher keine Selbstverständlichkeit. Und auch das eigens für's Festival gebraute W.O.D. Bier hat gar ausgezeichnet gemundet (habe ich mir zumindest sagen lassen...). Dazu noch eine ausgezeichnete Verpflegung und das alles zu durchaus humanen Preisen, ich bin immer noch sehr angetan von der Organisation der Angelegenheit. Ich bin ja gespannt, wo das W.O.D. nächstes Jahr Station machen wird, aber eines ist sicher: Wenn ich es irgendwie einrichten kann, bin ich auch 2010 wieder dabei!

Hannes

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