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Konzert-Bericht

Within Temptation, The 69 Eyes & Delain

TonHalle, München 01.10.2007

Gut Ding will manchmal halt etwas Weile haben. So auch im Fall des jüngsten Besuches der Kollegen von Within Temptation: die erste Spielansetzung wäre schon für den 02. April gewesen, aber zum Glück für den Schreiberling wurde das Happening auf den 01. Oktober verschoben, so dass die Teilnahme gesichert werden konnte. Man durfte gespannt sein, immerhin liefert das neue Album The Heart Of Everything deutlich mehr Ecken und Kanten als der Vorgänger The Silent Force, der an manchen Stellen in der Tat allzu silent daherkam. Somit pilgern wir mit großer Erwartungshaltung in die Tonhalle, einerr Spielstätte mit dem Charme einer Müllkippe. Da die Tickets vom April ihre Gültigkeit behalten haben und die Holländer um Sharon den Adel mittlerweile zu einer rechten Größe geworden sind, ist der Laden allerdings bestens gefüllt – auch der Schreiberling erwischte nur noch einen Platz auf der Galerie, wo durch die allgemeinen Gesetze der Physik – warme Luft steigt nach oben – von Anfang an Sahara-Zustände herrschen. Aber genug gejammert, auch ins Getümmel!

Die Opener Delain, ihres Zeiches Landsleute von Within Temptation, liefern sehr gefällige Beispiele dessen, was man landläufig als female fronted metal bezeichnet: leicht bombastisch, a bissi gothic, sehr melodisch. Das machen sie allerdings hervorragend und passend damit ausgezeichnet zur Hauptattraktion des Abends, so dass sich die bunt durchmischte Menge (Kajal-Girls neben wamperten Altrockern, hauptsächlich aber Freizeitmetaller, die hauptberuflich Beamte im gehobenen nichttechnischen Dienst sind) schnell und gern zu Freudenbekundungen bewegen lässt. Nummern wie "Frozen", die Ballade "See Me In Shadow" und die Hüpfburg-Attacke "The Gathering" werden freudig beklatscht. Die Jungs und das Mädel sind wohl sogar für die MTV Awards New Sound Of Europe nominiert, nachdem sie höflich um die Stimme der Angereisten bei diesem Event bitten. Als Sängerin Charlotte Wessels bei "Pristine" auch noch in den massiven Mosh-Einsatz übergeht und sogar einige Grunts zu vernehmen sind, ist nach gut und gerne 20 Minuten der relativ kurze Gig – nach eigenen Aussagen der erste Deutschland-Auftritt für Delain - definitiv als Erfolg zu buchen. Gute Sache!

Nach einer doch etwas länglichen Umbaupause hüpfen die finnischen Sleaze-Düsterheimer The 69 Eyes hervor und bewerben sich ein weiteres Mal um die offizielle Vertretung der Sisters Of Mercy. Geplagt von einem Anfang einigermaßen schlechten Sound, schmeißen sie beherzt ihre Gassenhauer wie "Devils" oder "Never Say Die" in die Menge, die sich allerdings zunächst deutlich zurückhaltender als bei Delain gibt. Die Keyboard-Einsätze kommen überdeutlich aus der Büchse, und auch Shouter Jyrki 69 muss sich erst einmal auf das Auditorium einschießen. Mit zunehmender Spieldauer und Nummern wie "Ghost" bessert sich die Zusammenarbeit aber zusehends, so dass allmählich der Stimmungspegel wieder dort ist, wo er sein sollte. Allerdings offenbart sich live eben das Problem, das auch die Sisters plagt: der Sound wirkt für einige Songs frisch und mitreißend, aber durch die große Dominanz von Rhythmus und das Fehlen von Gitarren-Melodielinien driftet das Ganze am Stück genossen dann doch schnell in die Eintönigkeit ab. Zwar können sie nach insgesamt etwa 40 Minuten mit "Lost Boys" dann doch noch was reißen, aber ein großer Triumphzug sieht anders aus.

Ist ja auch egal, denn jetzt wenden wir uns dem eigentlichen Grund unseres Hierseins zu. Die Bühne wird dominiert von einer düsteren Städte/Ruinenlandschaft, rechts und links geflügelte Löwen und Feuerschalen, Drumkit und Keyaboards wie immer fein erhöht, mit zünftigen schnörkeligen Verzierungen dran. Die Frage ist also nur: wie kommen die neuen Songs live rüber, geht es in Richtung Schmusekurs a la "Memories" oder hauen sie mit "The Howling" auf den Putz? Nach einem kurzen Intro, schön untermalt von Einspielungen auf einer Videoleinwand im Hintergrund, geben Within Temptation klar den Takt vor: zwar legen sie nicht mit dem Opener von The Heart Of Everything los, aber der gewaltige Bombast-Groover "Our Solemn Hour" haut gewaltig ins Kontor. Die Besatzung und Positionierung ist die üblich: Mastermind Robert Westerholt sorgt für ordentlichen Gitarrenauftrieb, die Rhythmussektion steht wie die sprichtwörtliche Eins, aber alle Blicke sind natürlich auf der göttlichen Sharon, die dieses Mal mit einem schicken Ballerina-Röckchen bella figura macht. Die Darbietung steht und fällt natürlich mit ihrer Stimmgewalt, und da ist heute abend alles im tiefgrünen Bereich: wie immer freundlich und unprätentiös, schmettert Sharon die Gesangslinien sicher und mit Verve in die Menge. Die ist von Anfang verzückt und feiert die Holländer gebührend ab. Die stimmungsvolle Lightshow und die Videoeinspielungen tun ein übriges, um eine prächtige Stimmung zu erzeugen. Weiter im Text geht’s dann doch mit dem Spellborn-Soundtrack-Kracher "The Howling", und von da ist klar: Within Temptation sind heute rocking und teilweise sogar recht heavy, was durch die Mosh-Attacken von Sharon wiederholt auch optisch inszeniert ist. Mit "Stand My Ground" und "Forsaken" kommen umjubelt zwei Nummern von The Silent Force zu Ehren, bevor man sich mit "The Cross" gleich wieder einem düsteren Reißer der aktuellen Scheibe zuwendet. Beglückt quittiert man auf der Bühne die Publikumsreaktionen gewohnt sympathisch mit "Super!" – schaut, ein bißchen Höflichkeit kann auch im Metal nicht schaden, möchte man dem einen oder anderen blasierten quasi-Star zurufen. Bei "What Have You Done" kommt Gastvokalist Keith Caputo live vom Band und von der Videoleinwand, bevor wir uns endlich dem Titeltrack von The Heart Of Everything zuwenden, wobei Szenen des Auges von Mordor aus dem Herrn der Ringe eingespielt werden. Eine Sache kann man allerdings nicht bestreiten: die Komplexität und emotionale Kraft ihres Alltime-Klassikers werden sie wohl nie wieder erreichen – das zeigt das folgende "Mother Earth" überdeutlich. Was hier an düsterer Stimmung hereinbricht, wird immer zu ihren Sternstunden gehören, weshalb wir über so krachige Fassungen wie heute abend immer wieder glücklich sind. Großes Kino! Mit "See Who I Am" und "Angels" gibt’s dann wieder leichtere Silent Force-Kost, bevor "Hand Of Sorrow" wieder ordentlich Hüpf-Anlass gibt. "It’s warm!", informiert uns Sharon denn auch folgerichtig, und die langsamere Gangart von "All I Need", der brandneuen Single, ist somit recht willkommen – aber, Freunde von Antenne Bayern, die Wunderkerzen lasst ihr nächstes Mal bitte zu Hause oder nehmt sie zu den No Angels mit, ok? Wie Meister Westerholt uns informiert, haben Within Temptation am Vortag in Potsdam einen Videodreh beendet, und flugs präsentieren sie uns mit "Final Destination" (inspiriert von den gleichnamigen Schauerfilmen) einen weiteren Reißer. Hier ist der einzige Moment, wo Sharon stimmlich etwas an Grenzen stößt – aber das sei ihr mal verziehen. Die Luft ist zum Schneiden, es ist ohnehin ein Wunder, in diesem Stickpalast solche gesanglichen Leistungen zu vollführen. Als das Intro zu "The Truth Beneath The Rose" nicht funktioniert, läßt man sich nicht verdrießen, sondern geht in ein improvisiertes Keyboard-Medley über – so kann man Pannen auch nehmen. Siehe oben, Eintrag Höflichkeit und Sympathie. Als nach 80 Minuten erst mal Schluss ist, sind fast alle Wünsche erfüllt, die Setlist hätte man selbst kaum besser zusammenstellen können. Die neuen Stücke zünden live hervorragend, und die Spielfreude der Truppe steckt immer wieder an. Aber ihr größtes As haben sie noch in den Plüschärmeln – und gottlob lassen sie sich nochmal für eine Extrarunde bitten. Das bombastische "Deceiver Of Fools" zeigt nochmal die ganze Klasse von Mother Earth, die Ballade "Memories" darf nicht fehlen, aber dann ist es endlich Zeit für die unsterbliche, die unvergleichliche "Ice Queen". Dazu fällt aber erst mal die gesamte PA aus, der Song wird abgebrochen. Oh Schreck, sollte es etwa nicht mehr zum Highlight kommen? Die Band schickt sich schon an, das Stück auch so – dünn, nur über die Bühnen-Boxen - zu spielen (würdest Du das auch machen, Blackie?). Aber kurz vor dem Neubeginn setzt die PA wieder ein, die Menge ruft die Chöre freudig aus, und dann können wir sie doch noch mit ihrem wohl unzweifelhaft größten Hit so abfeiern, wie wir uns das erhofft haben. Sie haben wieder einmal gezeigt, dass sie live eine zuverlässige Macht sind. Der mittlerweile große Backkatalog ist gekonnt durchgemischt, die Setlist enthält trotz der großen Dominanz des aktuellen Albums alles, was das Herz begehrt, die Spielzeit von 95 Minuten geht völlig ok, an der Darbietung gibt es nichts auszusetzen. Runde Sache also. Bitte bald wiederkommen!

Setlist Within Temptation

Our Solemn Hour
The Howling
Stand My Ground
Forsaken
The Cross
What Have You Done
The Heart Of Everything
Mother Earth
See Who I Am
Angels
Hand Of Sorrow
All I Need
Final Destination
The Truth Beneath The Rose
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Deceiver Of Fools
Memories
Ice Queen

Holgi

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