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Konzert-Bericht

Finntroll, Die Apokalyptischen Reiter, After Forever, Tarot, Machine Men & All Ends

Earthshaker Roadshock

Backstage, München 02.05.2007

Wie nun schon guter Brauch, durchzieht im Vorfeld des Earthshaker Festivals ein gleichnamiger Tross die Lande, um einigen der Bands, die im größeren Dunstkreis des Festivals erschienen sind oder noch auftauchen werden, die Möglichkeit zu geben sich zu präsentieren. So auch dieses Jahr, wo man ein erstklassiges Billing zusammengestellt hat, angeführt von den mächtigen finnischen Trollen. Wir nehmen das Angebot gerne an und pilgern an den Ort des Geschehens, als die Rasselbande im Münchner Backstage Werk absteigt.

Erste Erkenntnis: als Opener hat man es schwer, wenn man unterwöchig vor sieben ran muss. Das müssen All Ends leidvoll erleben, die ein Backstage beschallen müssen, dessen Füllungszustand mit spärlich noch beschönigt wäre. Die Formation der In Flames-Gitarristen und -Songwriter Björn Gelotte und Jesper Strömblad, die in diesem Jahr noch ihre erste vollgültige Scheibe herausbringen wird, lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und wirft gekonnt ausgereifte Nummern in die Menge, die vom Gegenspiel zwischen den brachialen Gitarren und den zwei Sängerinnen Tinna Karlsdotter (ja sie heißt so) und Emma Gelotte lebt.

Auch als Machine Men die Bühne entern, hat sich der Zuspruch noch nicht deutlich erhöht: vielleicht mal 250 Nasen wollen die Finnen sehen, die auf voller Linie überzeugen können. Vor allem Shouter Antony begeistert mit seinen Vocals, die manchmal unheimlich nahe an Bruce Dickinson liegen. Die herausragenden Melodieführung mit den Double Lead Gitarren kann die Wurzeln im britischen Metallflaggschiff ebenfalls nicht verleugnen, was auch gar nicht nötig ist. Denn die Maschinenmänner präsentieren sich durch gekonntes Songwriting so eigenständig, dass die Fusion zwischen Tradition und Innovation bestens gelingt. Egal ob bei Stücken vom neuen Werk Circus Of Fools, wie etwa "Ghost Of The Seasons", oder dem Titeltrack des Debuts Scars And Wounds: immer wieder muss man über die Künste des Gitarrengespanns J-V und Jani nur so staunen. Schade nur, dass aufgrund der fehlenden Massen im Zuschauerraum die Stimmung gedämpft bleibt. "Strange time, Wednesday night, to listen to some metal music", stellt Antony fest. Recht hat er.

Nachdem die Machine Men selbst beim Abbau mitarbeiten, macht Marco Hietala selbst seinen Soundcheck. Der hauptberufliche Nightwish-Basser ist hier mit seiner ursprünglichen Kapelle Tarot am Start - da Nightwish ja seit einiger Zeit auf Eis liegen, hat der Herr mit dem Zottelbart offensichtlich seine alten Kumpane wieder aktiviert, mit denen er immerhin schon sieben Scheiben eingezimmert hat. Aktuell haben sie ihre neueste Scheibe Crows Fly Black im Gepäck, und nicht zuletzt davon präsentieren sie uns ihre mitreißende Mixtur aus keyboardlastigen, groovigen Rockern mit zumeist düsterem, atmosphärischen Riffing. Marco erweist sich wieder einmal als begnadeter Animationskünstler und schafft es, den mittlerweile vielleicht 300 Schlachtenbummlern erste lautstarke Zustimmungsbekundungen zu entlocken. Stark ist das Material allemal - man nehme nur "Before The Skies Come Down", das deutlich zeigt, dass die eher progressiven Züge auf der letzten Nightwish-Scheibe Once wohl auch von Marco stammen. Nach "Pyre Of God" bollern sie uns noch "Ashes To The Stars" um die Ohren, bevor dann mit "Gleaning Dust" etwas abrupt Schluss ist. Schöner Gig mit einem kleinen Spinal Tap-Touch: das Backdrop hängt nur so hoch, dass es grade mal den Schlagzeuger überragt. Marco nimmt's gelassen.

Nachdem sich die Halle nun doch langsam füllt, ist zumindest der geneigte Schreiberling äußerst gespannt, wie sich After Forever schlagen, die musikalisch nicht ganz zum Billing passen. Machen wir's kurz: grandios! Was Floor Jansen und ihre Jungens um Sander Gommans hier abliefern, ist wieder einmal ganz großes Kino. In krachigem Breitwand-Sound steigen sie mit "Discord" in einen Set ein, der ihr gesamtes Schaffen umspannt. Die Rhythmus- und Melodiefraktion steht wie eine Eins, Sander Gommans mimt den Metal-Heroen, während Keyboarder und Basser - wie meine aufmerksame Begleiterin anmerkt - gar nicht den Versuch machen, gegen die starke Frau im Zentrum anzugehen. Dies ist ganz klar die Show von Floor, die mit einer beeindruckenden stimmlichen Leistung durch Klassiker wie "Digital Deceit" vom Erfolgsalbum Invisible Circles oder "Monolith Of Doubt" vom Zweitling Decipher führt. Dabei legt sie noch einen derartigen Mosh aufs Parkett, dass es nur so raucht. Animiert durch die Kombination von sattem Sound und mitreißendem Stage Acting, erwachen plötzlich auch die Fans zum Leben, und der Stimmungspegel steigt merklich in die Höhe. Als dann die aktuelle Single "Energize Me" vom Stapel gelassen wird, ist die Atmosphäre endlich dort, wo sie hin muss. Allgemein Jubel, Trubel, Heiterkeit, und es wird so richtig warm ums Herz. Auch wenn es Holländer sind: alter Schwede, denkt man da unweigerlich. Mit weiteren feinen Effekten - Floors Haare wirbeln im Ventilatorwind so schön, dass sie sofort im nächsten X-Men-Film als Jean Grey mitmischen könnte - angereichert, freuen wir uns noch an "Face Your Demons" und "Equally Destructive", bevor nach 50 Minuten gefühlt viel zu früh Ende ist. Floor verspricht noch, bald wieder zu uns zu kommen. Wir bitten darum.

Jetzt wird allerdings deutlich, auf wen die Mehrzahl der Meute wartet, die mittlerweile auf ungefähr 500 angeschwollen ist: total fucking Reitermania ist angesagt! Als Fuchs und seine Räuberbande nach dem Intro aus Highlander ("Ihr wusstet nicht, dass wir unter euch sind - bis heute") die Bretter entern, fliegen im Moshpit die Kühe tief. Nach einer sehr höflichen Begrüßung - bekanntlich sind wir die Reiter, und wir reiten weiter - dreschen sie mit "Friede Sei Mit Dir" derartig los, dass es eine Pracht ist. Die Kids gehen sofort steil, was den Reitern sichtlich Genuss bringt. Fuchs, der wieder barfuß über die Planken wirbelt, zeigt sich bestens aufgelegt und schmettert auch das folgende "Riders On The Storm" mit Inbrunst. Mittlerweile sind auch die Crowdsurfer am Werk, so dass im Fotograben Tieffliegeralarm herrscht. Der gilt auch bei "Unter Der Asche", zu dem Fuchs uns den fetten Feuerspucker macht und ganz nebenbei krasse Death-Grunzer herauswürgt. Die Energie dieser Kombo ist immer wieder erstaunlich, ebenso wie die frenetischen Fans, die das Ganze mit lautstarken "Reiter"-Chören honorieren. Beim folkigen "Seemann" holt man sich dann eine Holde auf die Bühne, die ihren 20. Geburtstag noch nicht gesehen hat, und sperrt sie nach einem Tänzchen mit Fuchs kurzerhand zu Dr. Pest in den aufgestellten Käfig. "Na, ihr kleinen Wichte, dann dreht mal richtig durch", fordert Fuchs nun auf - und was war das bislang, ein laues Lüftchen? Stimmt, denn beim "Kleinen Wicht" geht es noch mal heftiger zur Sache. Weiter geht's im Schweinsgalopp mit "Sehnsucht", und so donnern die Reiter weiter durch die Nacht, bevor auch hier nach den für alle zur Verfügung stehenden 50 Minuten Ende des Ausritts ist. Respekt!

Gleiches gilt dann auch für Finntroll, die live ebenfalls immer eine Bank sind. Gut gelaunt bolzen sich die Finnen durch ihr bewährtes Gebräu aus Death, Thrash und vor allem Humppa, wobei sie auch ihr aktuelles Langeisen zum Vortrag bringen. Mittlerweile zeigen einige der Angereisten aber deutliche Konditionsspuren - das Tollhaus, das die Reiter angezettelt haben, fordert eben seinen Tribut. Aber die Meute um Teemu und Kattla präsentieren dennoch frohgelaunt neues Material Seite an Seite mit Evergreens wie "Trollhammaran" und punktet dabei voll. Gegen eins heißt es dann Schicht im Schacht: auf geht's in die laue Nacht und zum Earthshaker-Festival, das im Juni in Kreuth steigt.

Fazit: ein herausragendes Package, bei dem allerdings eine Kombo weniger vielleicht etwas mehr gewesen wäre. Das soll aber die Leistung der Akteure keinesfalls schmälern. Wir sind gehörig road-geschockt und freuen uns auf die nächste Auflage.

Holgi

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