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Festival-Bericht

Vaya Con Tioz

mit Böhse Onkelz, Machine Head, Motörhead, Children Of Bodom, Rose Tattoo & In Extremo

Lausitzring, Klettwitz 17. & 18.06.2005

Die Böhsen Onkelz hatten eingeladen, ihre fantastische Karriere mit einem Paukenschlag zu beenden und Zehntausende folgten an diesem Wochenende dem Ruf der Trommeln.
Um dem zu erwartenden Anreisestau möglichst zu umgehen, entschlossen wir uns, die Reise bereits in der Nacht zum Freitag nach dem Black Sabbath Konzert anzutreten. So setzten wir uns also gegen zwei Uhr nachts Richtung Osten der Republik in Bewegung. Am Lausitzring morgens um acht angekommen entpuppte sich unser Plan allerdings als gehöriger Griff ins Klo, denn immer weiter nach hinten im Gelände wurde der Autokonvoi durchgewunken (ein Großteil der Fans waren ja schon bereits seit Mittwoch angereist). Schließlich haben wir dann doch noch ein lauschig Plätzchen gefunden und flugs unser Domizil aufgebaut. Anschließend hat meine fahrende Begleitung erstmal einen intensiven (Luft-)Matratzenhorchdienst eingerichtet, während ich mich schon mal mit der ein oder anderen Hopfenkaltschale mit den Nachbarn bekannt machte.
Aufgrund des zu erwartenden langen Wegs zum eigentlichen Festivalgelände entschlossen wir uns, erst gegen Abend dorthin aufzubrechen. Zudem waren wir doch ziemlich gerädert ob der langen Anfahrt. Da hieß es erstmal Kräfte tanken für den noch bevorstehenden langen Konzertabend. Gegen sieben war es dann soweit, wir setzten uns in Bewegung. Da keiner so den richtigen Plan hatte, wo es eigentlich lang geht, folgten wir einfach der breiten Masse (der Mensch ist halt doch ein Herdentier). Immer länger und länger zog sich der Weg dahin, so dass wir schließlich knapp über eine Stunde (!!!) zu Fuß unterwegs waren, bis wir endlich die Einlasskontrollen über uns ergehen lassen konnten. Eigentlich auch kein Wunder wenn man bedenkt, dass sich zu diesem Event ca. 110.000 Fans eingefunden hatten.
Das Gelände an sich war sehr gut für dieses Festival eingerichtet, überall Futter- und Trinkstände, auch für anderweitige Aktivitäten (z.B. Bungee-Jumping) war entsprechend Platz. Nur die Zugangs- bzw. Abgangswege vom Gelände waren meines Erachtens völlig unzureichend, da sich diverse Passagen zusehends aufgrund der Menschenmassen als Nadelöhr entpuppten. Gerade am Abend nach dem Konzert waren hier mächtige Staus vorprogrammiert. Da ging zeitweise gar nix mehr.
Die Bühne an sich hatte wirklich dem Anlass entsprechend gigantische Ausmaße! Sehr groß, sehr breit und mit einer beeindruckenden Lichtanlage bestückt. Zudem waren insgesamt zwölf (!!!) Großbildleinwände angebracht um auch den Fans in den hinteren Reihen das Geschehen auf der Bühne näher zu bringen: sechs standen auf dem Weg zu Bühne, vier waren über der Bühne angebracht und jeweils eine links und rechts davon. So konnte wirklich jeder die Band sehen. Leider waren auf den hinteren Leinwänden die Bilder leicht zeitverzögert, was sich wohl aber aufgrund der räumlichen Distanz nicht vermeiden ließ.
Als wir ankamen, betraten gerade die Urgesteine Motörhead die Bühne und legten mit "Dr. Rock" gleich mächtig los und hatten sichtlich Spaß aufgrund der wirklich beeindruckenden Kulisse. Es folgte Klassiker an Klassiker wie "No Class", "Going To Brazil", "Killed By Death" oder "Over The Top", die von der sehr zahlreich anwesenden Bangerschaft dankend und bangend aufgenommen wurden. Doch auch wenn das Vorprogramm der Onkelz aus hochkarätigen Acts besteht die selbst große Hallen und Stadien füllen, werden alle hier mehr oder weniger zu Support-Acts "degradiert", denn immer wieder waren entsprechende Chöre "Wir woll'n die Onkelz hörn..." zu hören, so auch hier. Motörhead blieben davon nicht ausgenommen doch blieben sie davon unbeeindruckt und beendeten ihren Set mit den obligatorischen "Iron Fist", "Ace Of Spades" und "Overkill". Lediglich "Orgasmatron" hat gefehlt.
Auf die kurz darauf folgenden Machine Head war ich besonders gespannt, hatte ich die Jungs bislang live noch nicht erleben dürfen. Um 21:45 Uhr (ca. ne halbe Stunde hinter dem eigentlichen Zeitplan) war es dann soweit, die ersten Takte von "Imperium" drangen aus den Boxen und die Menge tickte aus. Von der ersten Sekunde an war ein amtlicher Pit vor der Bühne. Da es inzwischen auch dunkel geworden war kam zum ersten Mal die gigantische Lightshow so richtig zur Geltung. Robert Flynn (Vox, guitar) kommunizierte während des Gigs sehr viel mit den Fans, doch außer "Fuck" hat man meistens nicht viel verstanden ;-) Sei's drum, Machine Head zockten sich amtlich durch ihr Repertoire, das eine gesunde Mischung aus altem und neuem Material bot: "Old", "Ten Ton Hammer", "Davidian" oder "Bite The Bullet" wurden ins Auditorium gebollert, dass es eine wahre Freude war. Als sich jedoch Gonzo kurz am linken Bühnenrand zeigte und sich mit der Menge im Hintergrund ablichten ließ, war das Geschehen auf der Bühne egal. Nach knapp einer Stunde war dann allerdings Schluss und Machine Head verließen unter "Onkelz Onkelz" Rufen die Bühne.
In der nun folgenden Umbaupause wurde, wie in den vorangegangen auch, für den Tourfilm der Böhsen Onkelz Werbung gemacht. Da sich die Pause jedoch etwas länger hinzog, wurden die Fans - vor allem die männlichen - mit einem speziellen Service unterhalten: wie bei anderen Festivals auch nahmen einige Besucher ihre weiblichen Begleitungen auf die Schulter, damit diese besser sehen konnten (oder besser gesehen wurden). Eben jene wurden in Nahaufnahme gezeigt, die nach anfänglichem Zögern der Reihe nach unter entsprechendem Beifall blank zogen.
Dann war es endlich soweit: der erste Teil des Mega-Abschieds-Events startete, wenn auch mit Verspätung. Der erste Abend stand ganz unter dem Motto der ersten zwölfeinhalb Jahre der einzigartigen Karriere der Böhsen Onkelz. Mit "28" wurde der Freitag eröffnet und die Fans rasteten völlig aus. Die überall gebildeten Moshpits waren gar nicht mehr zu zählen und nirgends im vorderen Bereich war man davor mehr sicher. Als Kevin (Vox) anschließend bei "10 Jahre" die Bühne betrat, wurde jede Textzeile von allen sicher mitgesungen. Das war Gänsehautfaktor 1000! Über die Livequalitäten dieser Band braucht man wahrlich keine Worte mehr zu verlieren, wohl keine Band hat ihre Fans so dermaßen im Griff wie diese. Geboten wurden Songs bis zum Heilige Lieder Album, gespickt mit den bekannten Ansagen von Stefan Weidner (Bass). So bezeichnete er mit einem Augenzwinkern den Text zu "Dick Und Durstig" als einen seiner tiefgründigsten und literarisch wertvollsten. Zudem fanden Songs den Weg auf die Setliste, die schon lange nicht mehr live gespielt wurden. So wurden "Ich Lieb Mich", "Falsche Propheten" und "Religion" auf die Fans losgelassen, die auch bei diesen wirklich alten Liedern jedes Wort sicher mitgrölten. Hier Höhepunkte herauszustellen, ist schier unmöglich, denn zu keiner Zeit fiel das Stimmungsbarometer auch nur annähernd ab. Die mehrfachen Danksagungen konnte sich Stefan Weidner ebenso wie den netten Gruß an die Bundesprüfstelle bei "Der Nette Mann" nicht verkneifen. Auch für die Band war dieser Abend wohl einer der eindruckvollsten, der nur noch vom darauf folgenden Samstag übertroffen werden konnte, so beeindruckt zeigten sich die Böhsen Onkelz. Stefan Weidner fand einfach keine Worte und konnte seine Begeisterung nur mit "Bei dem Anblick krieg ich nen Harten" zum Ausdruck bringen. Auch "Mexiko" fand den Weg in den regulären Set, war dieser Song doch meistens Bestandteil des Zugabenblocks gewesen. Doch einen solchen gab es an diesem Abend (und am Samstag ebenfalls) nicht. Den Abschluss bildete wieder einmal "Erinnerungen", den Stefan ohne große Umschweife ansagte, da man sich ja nur bis zum nächsten Tag verabschiedete.
Nach den letzten Klängen hieß es erst einmal Geduld beweisen, denn nun drängten die Massen zu den kleinen Nadelöhren, auch Ausgänge genannt. Hier war Stau und Tippelschritt angesagt, so dass sich die Rückwanderung auf über zweieinhalb Stunden streckte. Völlig fertig wurde dann noch ein Schlummertrunk mit den Zeltnachbarn eingenommen bevor es ab in den Schlafsack ging.

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