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Interview

Interview mit Divine Zero (28.04.2009)

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Mit ihrem Debüt konnten mich Divine Zero aus der Nähe von Mönchengladbach durchaus in ihren Bann ziehen. Anspruchsvolles Songwriting paart sich dort nämlich mit eingängen Melodien und spielerischem Potenzial. Beste Voraussetzungen also, in Zukunft noch für einiges Aufsehen zu sorgen und für uns bei den Jungs mal anzuklopfen. Sänger Björn gab dann auch ausführlich Auskunft.

HH: Wie geht's euch zur Zeit, was treibt ihr abgesehen vom Musizieren?

Björn: Hi! Och, man könnte momentan jeden von uns als "Hansdampf in allen Gassen" bezeichnen. Wir studieren alle noch und meine Wenigkeit sitzt derzeit an seiner Staatsarbeit, um endlich mal in das Berufsleben einzutreten. Beim Rest sieht es nicht viel anders aus. Außerdem sind wir dabei, unsere eigene Festivalreihe "No sleep 'til Hohenbusch" hier bei uns in Erkelenz auf die Beine zu stellen und das füllt uns momentan echt mehr als aus. Es ist also nie langweilig.

HH: Könnt ihr kurz was zur Geschichte von Divine Zero erzählen? Seit wann gibt es euch, was war der Auslöser für die Bandgründung, warum macht ihr die Musik, die ihr macht?

Björn: Also, es gab vor unserer Gründung schon zu Teenagertagen einige Vorläuferprojekte, unter anderem auch schon unter dem Namen Divine:Zero. Das ging seinerzeit etwas mehr in Richtung Symphonic Black Metal. Wir hatten damals Demostatus, das allerdings mit ziemlich guter Resonanz bei den einschlägigen Undergroundzines. In unserer jetzigen Ausgabe haben wir uns 2004 gegründet, damals - wie auch bei den Vorläuferprojekten - noch mit Christoph von Motorjesus an den Vocals. Seit 2005 singe ich nun. Die Musik hat sich wirklich einfach in diese Richtung entwickelt. Wie gesagt, Ende der 90er fuhren wir noch mehr die Black oder Dark Metal-Schiene. Da unsere Einflüsse aber genauso aus den Bereichen des typischen Mittneunziger Thrash oder auch aus dem klassischen Metal kommen, hat sich der Sound irgendwann so entwickelt, wie er nun klingt. Wir spielten früher ja gezwungenermaßen noch mit Drumcomputer und damals wollten wir es alles kalt und steril halten. Als Stefan 2004 bei uns am Schlagzeug dann eingestiegen ist, hat sich das noch mal weiterentwickelt. So ist halt unsere Form des Melodic Death Metal dabei raus gekommen, ohne dass wir uns jemals hingesetzt hätten und gesagt hätten "Wir müssen jetzt unbedingt Melodic Death Metal spielen".

HH: Früher hießen Divine Zero Azrael's Tears wenn ich mich nicht täusche, was war der Grund für die Namensänderung? Azrael's Tears ist doch an und für sich auch kein schlechter Name!

Björn: Ja, Azrael's Tears war der Name einer D:Z-Vorläuferband. Das war eben jene Dark Metal-Band mit Drumcomputer und viel Keyboards. Wir hatten uns im Spätsommer 1996 gegründet und veröffentlichten unser erstes Demo noch vor der großen "Dimmu Borgir"-Welle. Wir standen damals auch mit der ein paar einschlägigen Labels in Kontakt. Aufgrund von internen Querelen und irgendwelchen anderen Komplikationen ist damals leider nichts draus geworden, obwohl Reviews etc. wirklich erste Sahne waren. Wir waren damals zur rechten Zeit am rechten Ort, haben unsere Chance aber einfach nicht genutzt. Dann kam es zum Split von Azrael's Tears. Allerdings lag noch eine fertige Aufnahme parat, die Christoph Birx und ich damals nicht verfallen lassen wollten. Wir entschieden uns für eine etwas andere Marschrichtung was das gesamte Konzept anging und brachten die Sache unter dem Namen Divine:Zero raus. Das war dann 1999. Nach ein paar Monaten war dann aber auch hier die Luft raus und wir gingen erstmal ein paar Jahre getrennte Wege.

HH: Vor eurem Debüt The Day God Left habt ihr das Demo Solarisphere und die EP Burial Seasons veröffentlicht. Wie klingen Divine Zero auf diesen beiden Veröffentlichungen zwischen denen immerhin sieben Jahre liegen?

Björn: Wie gesagt, Solarisphere ist ursprünglich noch unter dem Namen Azrael's Tears komponiert und aufgenommen, jedoch als Divine:Zero veröffentlicht worden. Die Marschrichtung ist allerdings deutlich erkennbar. Es ist recht thrashiger, technischer Dark Metal mit vielen Stakkato-Parts. Der Sound beinhaltet zwar viele Synths, ist jedoch grundsätzlich immer gitarrenlastig. Was uns von unserem heutigen Sound unterscheidet, ist der Einsatz von Terzen und der damals eher klinische Sound. Mit "Virus" spielen wir manchmal auch noch einen Solarisphere-Track live. Die Burial Seasons-EP beinhaltet vier Songs, die auch auf The Day God Left zu finden sind. Allerdings halt wirklich noch im Demo-Status mit anderen Arrangements, weniger ausgefeilt und vor allem noch mit anderen Texten. Unser alter Sänger hat damals die Texte noch geschrieben und nach seinem Ausstieg haben wir uns dann an die Aufnahmen gemacht. Ich habe damals noch seine Texte gesungen. Für The Day God Left habe ich die Dinger dann komplett neu geschrieben.

HH: Im Review zu The Day God Left habe ich vergleichsweise Bands wie Dark Tranquillity, In Flames oder God Dethroned herangezogen, um dem Leser eine Vorstellung eures Sounds zu geben. Kann man das so stehen lassen oder würdet ihr mir da widersprechen?

Björn: Das kann man durchaus so stehen lassen. Dark Tranquility und In Flames sind mit Sicherheit in unserem Sound präsent. Allerdings dann eher die neuen Dark Tranquility und die alten In Flames. Das sind auf jeden Fall Bands, auf die wir stehen. God Dethroned waren jetzt kein direkter Einfluss, allerdings mögen wir sie und solche Sounds sind bei uns auch vorhanden.

HH: Welche Bands würdet ihr selbst als Einfluss nennen?

Björn: Da muss man wirklich unterscheiden zwischen den Bands, die Einfluss auf den Sound von Divine:Zero haben und jenen Bands, die uns als Musiker geprägt haben. Auf den Sound von Divine:Zero hatten auf jeden Fall Schweden-Bands wie At The Gates, Dark Tranquility, Arch Enemy aber auch Hypocrisy großen Einfluss. Allerdings auch insbesondere die Klavierarrangements von Samael sind nicht außer Acht zu lassen. Ich stehe zum Beispiel tierisch auf Xytra's Passage, diese reine Synth-Vertonung der Passage. Dazu kommen dann unterschwellig noch Bands wie Fear Factory und gerne auch mal modernerer amerikanischer Kram. Wir haben da keine Berührungsängste.
Als Musiker haben wir jedoch gänzlich andere Einflüsse. Ich stehe beispielsweise auf die coolen Gitarrenduos wie Tipton/Downing oder Murray/Smith. Wirklich phänomenal finde ich auch die Arrangierweise der Klampfen auf der Appetite For Destruction. Izzy Stradlins Art die Rhythmusklampfe zu komponieren hat mich maßgeblich beeinflusst. Das kann man zum Beispiel bei uns im Chorus von "Sever The Faithful" hören. Auch wenn der Sound selber natürlich nichts mit Guns'n'Roses zu tun hat. Ben ist vor allem von Kirk Hammet inspiriert worden. Bei Stefan liegen die Einflüsse bei Drummern wie Nick Barker und Derek Roddy. Christophs Art Bass zu spielen ist vor allem sehr treibend und basisbetont. Auf The Day God Left sind aber noch meine Basslinien zu hören.

HH: Das Songwriting auf The Day God Left ist durchaus anspruchsvoll, ihr baut immer wieder gekonnt Taktwechsel ein und variiert geschickt das Tempo. Kann man damit rechnen, dass es in Zukunft vertrackter bei Divine Zero zugeht?

Björn: Wir haben in einem unserer neuen Songs ein paar typische Opeth-Parts drin. Die sind schon vom Feeling her etwas vertrackter. Allerdings werden wir jetzt nicht zu einer Frickel-Band mutieren. Die anderen Songs sind bis jetzt sehr straight geworden. Allerdings vom Gefühl her reifer als noch auf The Day God Left.

HH: Welcher Tag war das für euch, als Gott die Koffer gepackt hat?

Björn: Ich denke, dass der Albumtitel eher visionären Charakter hat. Der Tag, den die Weltreligionen als Tag des jüngsten Gerichts bezeichnen würden, ist letzten Endes noch nicht gekommen. Allerdings macht Gott seit Aufnahme seiner Arbeit ziemlich oft Urlaub.

HH: Stellt man den Albumtitel und das Cover gegenüber so stehen sich beide doch gegensätzlich gegenüber. Der Titel steht nicht gerade für ein positives Ereignis, während das Cover mit den Lichtstrahlen und dem tot anmutenden aber dennoch grünenden Baum durchaus Hoffnung versprüht. Wie kann man denn dann Albumtitel und das Cover in Einklang bringen?

Björn: Albumtitel und Cover kann man eigentlich erst dann richtig in Verbindung bringen, wenn man sich die Mehrdeutigkeit des Titels vor Augen führt. Die Phrase "The Day God Left" ist immer als Bestandteil eines größeren Satzkomplexes zu sehen. "The Day God Left" kann im Deutschen sowohl den Tag bezeichnen, an dem Gott die Koffer gepackt und die Menschheit verlassen hat, als auch den letzten Tag, den Gott uns übrig lässt oder auch hinterlässt. Prinzipiell liegt es im Auge des Betrachters, für welche Möglichkeit er sich entscheidet. Ich persönlich stelle beide auf eine Stufe. Dann nämlich macht das Cover Sinn. Klar, Gott ist weg und nun hinterlässt er eine absolute Ödnis und totale Verwüstung. Allerdings überlässt er der Menschheit auch noch einen weiteren Tag. Dies ist vielleicht die Chance, die es für uns zu nutzen gilt. Was machen wir daraus? Hoffnung gibt es nämlich noch. Sonst hätten wir eben jenen Tag nicht mehr zur Verfügung. Diese Hoffnung wird auf dem Cover durch die grünen Blätter und die einfallenden Sonnenstrahlen symbolisiert. Werden wir das bisschen Hoffnung nun also nutzen und vielleicht eine Chance auf Wiederauferstehung der Schöpfung bekommen? Kernaussage von Cover und Titel soll eigentlich sein, dass es in jedem Chaos immer Hoffnung gibt. Man muss nur die Chance richtig nutzen, um alles zu einem guten Ende zu bewegen. Hierbei muss ich jedoch betonen, dass wir definitiv keine christliche Band sind. Wir sind jedoch auch keine antichristliche Band. Ich würde uns eher als "weltlich" bezeichnen. Allerdings bietet sich religöse Symbolik und Metaphorik durchaus an, um unsere Gedankengänge zu transportieren. Deshalb haben wir das Bild des verdorrten Baumes genommen. Der Baum hat in sämtlichen Religionen und Mythologien der Welt besondere Bedeutung. Er ist also universell einsetzbar.

HH: Wer ist denn für das Cover verantwortlich?

Björn: Das Cover hat unser Klampfer Ben in mühevoller Kleinstarbeit gestaltet.

HH: Kannst du bitte kurz ein paar Wort zu euren Texten verlieren? Worum drehen sich die Lyrics und woher nehmt ihr eure Inspirationen?

Björn: Der Albumtitel ist sozusagen die Quintessenz der Texte. Sie alle beschäftigen sich mit menschlichen Verfehlungen, unseren Grausamkeiten und dem Irrsinn, den wir jeden Tag produzieren. "Sever The Faithful" wurde beispielsweise durch den Leitgedanken der Aufklärung inspiriert: Der Mensch soll sich seines Verstandes bemächtigen und sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien. Wir müssen unsere Leichtgläubigkeit und Unterwürfigkeit überwinden! "The Judgement" handelt ganz offensichtlich vom Tag des jüngsten Gerichts. Allerdings zeichne ich hier eine Art Negativ. "Headshot Messiah" ist wiederum sehr weltlich und beschreibt die Gedankengänge eines Amokläufers. "The Casket Nausea" liegt mir persönlich am meisten am Herzen. Er handelt vom Sterben beziehungsweise von der Ungewissheit des Danach. Ich bediene mich hier vor allem an Motiven aus der Barocklyrik, indem ich den Sarg mit einem Schiff assoziiere, der seinen Hafen sucht und von den Wellen hin und her geworfen wird. Die Inspirationen sind im Prinzip das Leben mit all seinen Facetten und die menschliche Psyche. Allerdings bin ich immer bestrebt, banale Dinge möglichst poetisch zu verpacken. Diesen Anspruch stelle ich einfach an mich selber.

HH: Besonders gut gefallen mir die drei Tracks "The Judgement", "Nihilism Enterprises" und "My Silent Remedy". Welche Songs haben sich bei euren Fans bisher als Faves herausgestellt?

Björn: Auf Konzerten kommt "Empire" immer ziemlich gut an, obwohl der relativ langsam ist. "Headshot Messiah" lädt des öfteren zu der ein oder anderen Wall of Death ein und wird bei Gigs lauthals mitgesungen. Ansonsten steht aber "The Judgement" auch sehr hoch im Kurs.

HH: Was sind eure persönlichen Favoriten auf The Day God Left?

Björn: Ben steht vor allem auf "Headshot Messiah", weil der seiner Meinung nach ein Panzer ist. Stefan bevorzugt "The Judgement" und ich stehe vor allem auf "The Casket Nausea" und "Sever The Faithful".

HH: Wenn man die Spielzeit und die Anzahl der Songs anschaut, sieht man, dass eure Songs im Durchschnitt gut fünf Minuten lang sind. Legt ihr besonderen Wert auf lange Songs oder ergibt sich das so im Laufe des Songwriting-Prozesses?

Björn: Das hat sich wirklich irgendwie immer so ergeben. Wir planen die Länge eines Songs absolut nicht. Wir stehen aber anscheinend irgendwie darauf, dass sich die Lieder nach und nach aufbauen. Es ist nicht unsere Art, nach fünf Sekunden bereits mitten im Song zu stecken. Wahrscheinlich führt dies dazu, dass die Songs etwas länger sind.

HH: Wie entsteht eigentlich ein typischer Divine Zero-Song?

Björn: Meistens ist es bei uns so, dass Ben und ich unsere Ideen zu Hause sammeln und dann den anderen vorspielen. Ich habe meistens sehr genaue Vorstellungen von dem Ergebnis, wie ein Song am Ende zu klingen hat. Ben lässt sich da mehr treiben und schaut, wie sich die Sache entwickelt. Zuerst existieren aber meistens Grundriffs, die dann mit dem Schlagzeug gejammt werden und nach kurzer Zeit fällt mir meistens auch immer die zweite Gitarrenstimme dazu ein. Dann wird so lange arrangiert und gezockt, bis sich der Song fertig anfühlt. Auf The Day God Left habe ich ja noch Bass gespielt und diesen dann um die Klampfen herum arrangiert. Zum Schluss komponiere ich dann die Keys. Wenn die Basics dann stehen sind, würzen wir den Braten mit zusätzlichen Stimmen etc. Alles in allem entsteht ein Song bei uns in Teamarbeit. Nur die Texte schreibe ich komplett alleine, wobei die anderen bei den Gesangslinien selber natürlich Mitspracherecht haben.

HH: Wie kann man sich eine Divine Zero-Liveshow vorstellen? Was zeichnet euch live aus?

Björn: Wenn wir auf die Bühne gehen, explodieren wir förmlich. Manchmal sitzen wir müde oder ausgelaugt vor einer Show rum und sobald es an die Arbeit geht, platzt alles aus uns heraus. Dann sind wir wie ausgewechselt. Auf der Bühne sind wir eigentlich permanent in Action. Es gibt bei uns selten Momente, in denen wir regungslos rumstehen. Das ist der Tod einer jeden Show. Ich denke, dass unsere Shows vor allem energiegeladen sind. Für uns ist es wichtig, dass jeder im Publikum unsere Spielfreude fühlen kann.

HH: Stellt euch vor, The Day God Left wäre ein berühmter Musiker. Welcher Musiker wäre das und warum?

Björn: Am liebsten wäre mir persönlich Robert Plant. Aber unsere Musik versprüht wohl nicht so viel Sex wie Led Zeppelin. Von daher würde ich mir am liebsten für uns das Beste von Iron Maiden, Metallica und Pantera in einem wünschen. Unsterbliche Musik. Naja, bis dahin ist es noch ein langer Weg.

HH: Was steht als nächstes an im Hause Divine Zero?

Björn: Wir wollen dieses Jahr noch viele Konzerte spielen und dann Anfang 2010 wieder das Studio entern, um unsere nächste Scheibe einzuhämmern.

HH: Vielen Dank für eure Zeit und viel Erfolg für die Zukunft. Die letzten Worte gehören euch!

Björn: Leute, unterstützt den Metal-Underground! Wir haben in Deutschland derzeit eine wirklich coole Szene, die noch viele Jahre bestehen und wachsen soll! Up the irons! Wir bedanken uns für das Interview!!!

Lord Obirah

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