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Interview

Interview mit Xandria (25.10.2007)

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Kurz vor einem ihrer leider raren Auftritte in unseren Breiten konnte ich La Lisa Vocalista einige Fragen unterbreiten. Dabei zeigte sich, dass die musikalische Neuausrichtung im Hause Xandria System hat, dass Basser Nils auch auf dem Kontrabass einen schlanken Fuß macht und dass man sich seine GEZ-Gebühren doch wieder holen kann.

HH: Hallo, gleich zu Anfang - warum kommt ihr so selten nach Bayern?

Lisa: Ja, wenn man das als Band beeinflussen oder entscheiden könnte... dafür hat man ja eine Booking Agentur. Ich finde es immer sehr schade, wenn Leute uns bitten in ihre Stadt zu kommen, und wenn wir dann sagen ja klar, das würden wir machen - aber wir entscheiden das einfach nicht. Wir würden sehr gerne wieder nach München kommen, aber dieses Mal hat sichs einfach nicht ergeben. Ich hoffe es klappt bald mal wieder.

HH: Am 22.9. habt ihr im legendären "Underworld" in Camden Town / London gespielt. Das ist ja bekanntlich kein leichtes Pflaster, wie wars?

Lisa: Ob das nun einfach oder schwierig ist, können wir gar nicht beurteilen - wir haben schon um zweiten Mal da gespielt, wir waren letztes Jahr schon mal da, und es war beide Male für uns sehr einfach. Wir hatten beide Male ein volles Haus. Anscheinend ist die Gothic-Szene da gerade ziemlich im Kommen, und wir haben da schon eine gewisse Fanbase. Wir können also nicht sagen ob das ein schwieriges Pflaster ist, vielleicht sind wir da auch etwas verwöhnt. Ich kann mir das aber schon vorstellen, Großstadt und Wochenende, das ist immer schwierig, weil es ein immenses Konkurrenzprogramm gibt. Wir hatten aber immer Glück, die Leute scheinen uns zu mögen, insofern war es nicht besonders schwierig - da ist es in Deutschland teilweise viel schwerer, in München zum Beispiel!

HH: Wie seid ihr an den Gig gekommen, ging das auch über die Booking-Agentur?

Lisa: Ja, die Agentur ist angesprochen worden, das ging aber vom Veranstalter aus, das sind echte Sweethearts, die große Fans von uns sind - übrigens immer noch, auch nachdem sie uns live gesehen haben! Wir überlegen gerade, ob wir gemeinsam nicht noch ein paar Auftritte mehr planen, zum Beispiel in Nordengland, weil bei den letzten Konzerten viele Leute aus dem ganzen Land angereist waren. Das ist natürlich sehr schmeichelhaft für uns, aber nicht gerade fanfreundlich, immer nur in der Hauptstadt zu spielen. Da wollen wir noch mehr machen, auch generell wollen wir in Zukunft noch mehr ins Ausland gehen.

HH: Am 3. September wart ihr mit drei Songs auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin auf der ZDF-Bühne zu sehen. Wie kam das, und wie war's?

Lisa: Das ging über das Management. Das war ganz anders als ich mir das anfangs vorgestellt hatte, ich hatte mir das Ganze etwas verstaubt vorgestellt, aber so war es gar nicht. Es war eine richtig coole Umgebung, nette Leute. Aber da ich im tiefsten Inneren meines Herzens doch Metallerin bin, habe ich schon etwas gelitten unter dieser leichten Top of the Pops-Atmosphäre. War aber alles sehr gut organisiert, beim Catering habe ich unsere ganze GEZ wieder rausgeholt. Es war aber eine wichtige Erfahrung für uns, und wenn als Band Erfolg haben will - und ich müsste lügen wenn ich sagen würde dass wir keinen großen Erfolg haben wollen - dann sollte man so was schon mal gemacht haben. Wir werden so etwas sicher auch mal wieder machen, aber es ist sicher nicht das, wofür wir Musik machen. War eine spannende Erfahrung, aber einmal im Jahr reicht. Dann aber auch gerne wieder fürs ZDF!

HH: Abgesehen von diesen Spezialevents, wie seid ihr sonst zufrieden mit euren Live-Auftritten in diesem Jahr?

Lisa: Deutschland ist in diesem Jahr sehr schwierig. Am Anfang waren wir ein wenig geschockt, denn in den Vorjahren lief es immer sehr gut, in diesem Jahr haben wir gedacht was ist los, machen wir etwas falsch? Wir haben uns dann mit dem Veranstalter unterhalten, und der meinte es sei sehr schwierig, Leute zu Konzerten zu bekommen.

HH: Woran liegt's? Zu viel Angebot?

Lisa: Ja, in der Tat, gerade in unserer Szene. Aktuell kannst du dir in jedem Kaff im Saarland in jeder Woche drei Gothic-Konzerte anschauen. Es sind viele Leute unterwegs, viele auch sehr gute Sachen, ich will nicht sagen, dass der Markt in irgendeiner Weise billig geworden ist, überhaupt nicht, es sind viele sehr hochqualitative Bands unterwegs. Aber im Moment ist es ja nicht gerade so, dass die Leute mit ihrem Geld um sich werfen können. Vor diesem Hintergrund läuft es für uns sehr gut. Aber wenn man so einen Erfolg wie Ravenheart und dann India verbucht hat, und auch Salome lief ja alles andere als schlecht, mit diesen Erfolgen im Rücken denkt man schon: wow, irgendwie ist das anders als früher, da ändert sich gerade sehr viel. Ich muss sagen, im Ausland läuft es für uns sehr sehr viel besser, da haben wir nur volle Häuser - hierzulande läuft es recht gut, aber es gibt keinen Grund euphorisch zu sein. Im Endeffekt macht uns das nicht aus, denn die Leute die gekommen ist wollen uns ja hören, die Stimmung ist daher immer ganz phantastisch, und solange wir nicht drei Leute da stehen haben (wobei wir auch für die auf die Bühne gehen würden), macht man halt eine schöne Atmosphäre. Mir ist dann ein kleiner Club wie hier lieber, das wird dann kuschelig voll, man hat dann eine sehr schöne Stimmung, eine große Halle würden wir wohl nicht voll bekommen. Aber gestern haben wir das fast geschafft, in Memmingen, dort haben wir im Kaminwerk gespielt, das war der Wahnsinn, sehr viele Leute, wir haben toll gefeiert. Es ist einfach sehr unterschiedlich, es kommt auf die Gegend an. Aber es kommt sogar vor, dass es in der gleichen Stadt unterschiedlich läuft - in Berlin hast du einmal volles Haus, dann herrscht wieder gähnende Leere, weil man nicht damit gerechnet hat, dass gerade Sommerferien sind. Völlig unterschiedlich!

HH: Ihr seid mit eurer neuen Website und dem MySpace-Auftritt sehr aktiv im Internet, wer kümmert sich darum, und wieso ist euch das so wichtig?

Lisa: Da ist eine schwierige Frage... zuerst mal ist es so, dass wir unsere Fanmails noch selbst checken und konkrete Fragen auch beantworten. Aber es kommt sehr viel, daher ist es nicht möglich, jede Mail ausführlich zu beantworten. Ich freue mich natürlich, wenn mir jemand schreibt dass er uns toll findet, aber ich kann dann nicht noch jedes Mal einen ganzen Essay zurückschreiben, dann schicke ich nur ein kurzes Danke, das dann aber ehrlich gemeint ist. Wenn ich 50 Mails am Tag bekomme, kann ich die nicht alle ausführlich beantworten, wenn es konkrete Fragen gibt versuche ich das aufzuarbeiten. Dann sind wir auch sehr viel im Forum auf unserer Homepage, das ist sehr nett und familiär, man kennt sich da schon untereinander, MySpace natürlich auch, auch Royal Artists Club, ein sehr schönes Forum. Es kümmern sich immer unterschiedliche Leute darum, den Royal Artists Club macht z.B. Geret, unser Schlagzeuger, die MySpace-Seite macht vor allem Marco, die Homepage wird auch von Marco betreut, im Forum bin ich die Aktivste, weil ich dort immer das Tourtagebuch online stelle - ich habe heute schon zwei neue Berichte geschrieben, aber nicht online gestellt...

HH: Habt ihr zu solchen Dingen auf Tour eigentlich Zeit?

Lisa: Kommt drauf an, manchmal hat man nicht die Ruhe dazu, aber heute habe ich Ottweiler und Pratteln geschrieben, und ich werde hoffentlich schaffen die bald online zu stellen. Es kommt immer drauf an, wer zu der Sache am meisten Bezug und am meisten Zeit hat, die Homepage ist z.B. sehr arbeitsintensiv, das macht Marco, denn der hat von uns am meisten Zeit tagsüber, das ändert sich auch je nachdem wer gerade Zeit hat.

HH: Kommen wir mal zur Musik, die neue Platte Salome ist schon eine ganze Weile draußen, wie sind die Reaktionen?

Lisa: Ich bin insofern sehr zufrieden, als die Platte stark polarisiert hat. Die eine Hälfte der Fans und Presse sagt super, Megasteigerung, die andere Hälfte fands richtig grottig. Das finde ich besser als wenn alle gesagt hätten ja ok, passt so. Da freue ich mich drüber, ich bin ohnehin ein Mensch der Extreme, mit Höhen und Tiefen, also freut es mich dass die Platte extreme Reaktionen hervorgerufen hat. Ich zitiere da immer gerne unseren Drummer Gerit, der vor Erscheinen der Platte gesagt hat, es ist eigentlich völlig egal, was die Leute sagen, er findet die Platte so gut, und so geht es mir eigentlich auch. Wir haben mit der Salome so viele Dinge gemacht, die wir auf den letzten Platten nicht machen konnten, oder auch nicht durften, weil uns Dinge teilweise vorgeschrieben wurden...

HH: Was denn zum Beispiel?

Lisa: Nun, es war schon eine Ansage (von wem, dazu möchte ich nichts sagen), dass sehr viel Bombast gefordert war, um uns in eine bestimmte Nische zu stecken. Wir fanden das auch schön, es hat jede Menge Spaß gemacht mit einem Orchester zusammenzuarbeiten. Wir haben Spaß daran zu experimentieren, aber es ist blöd wenn man sich das nicht selbst aussuchen kann. Wir hätten das vielleicht ohnehin so gemacht, aber wenn man diese Entscheidungsfreiheit gar nicht hat, ist das nicht gut. Wir wollten etwas rockiger und rauer werden, das hat auf der Salome schon ganz gut geklappt, deutlich mehr als auf den anderen Alben, aber das ist die Richtung in die wir gehen wollen, härter und rauer. Du wirst da ja auch live gleich sehen, wir werden live immer erdiger, vor allem kommt es uns dabei auf mehr Vielfalt an. Bei Salome sind wir atmosphärisch wirklich wir selbst, es ist auch das erste Album bei dem wir vollständig demokratisch gearbeitet haben, wir haben unter der Leitung von Marco selbst produziert, der das ganz hervorragend gemacht hat. Das war alles ganz friedlich - bei India haben wir uns richtig in die Haare bekommen während der Produktion, da war richtig Stress angesagt, das war eine richtige ernste Situation. Ich liebe die Songs schon, auch das Album, aber man hat eben negative Assoziationen damit, live ist das anders, da gestaltet man die Songs, aber wenn ich das Album höre, höre ich auch persönlichen Stress heraus. Bei Salome war alles so entspannt und friedlich, das war ein wichtiger Befreiungsschlag für uns. Vielleicht nicht so wichtig wie bei anderen Bands - wie waren uns schon immer so treu, wie es eben ging, insofern ist die Veränderung jetzt nicht so markant, weil wir schon immer versucht haben uns zu erkämpfen was wir haben wollten, aber das hat oft nicht komplett funktioniert. Bei Salome hat alles so geklappt, wie wir das haben wollten. Wobei wir mittlerweile bestimmt schon wieder etwas anders machen würden!

HH: Ok, dann haben wir meine nächste Frage auch schon beantwortet, Salome ist also eine ganz bewusste stilistische Neuausrichtung, um aus einer Schublade herauszukommen...

Lisa: Ja genau. Noch bevor ein einziger Song geschrieben war, haben wir gesagt, wir wollen nicht mehr das extrem Herr der Ringe-mäßige.

HH: Mit "Sisters Of The Light" habt ihr einen richtigen Club-Kracher an Bord, wie kommt man auf so was? Der Remix von Jesus On Extasy hat sich bisher volle vier Wochen in den deutschen Alternative-Charts gehalten, wie kam das zustande?

Lisa: Jetzt schlagen mich wieder alle, wenn ich darauf ehrlich antworte.. ich machs trotzdem. Den Song im Original finde ich total witzig, wir werden ihn heute auch spielen, das macht sehr viel Spaß. Mit dem Remix kann ich - obwohl ich Jesus On Extasy gut finde und die Leute auch mag - ehrlich gesagt nicht viel anfangen, weil ich einfach keine elektronische Musik mag. Ich mag keine Remixe von gar nichts. Ich bekomme wirklich Ausschlag, wenn ich eine Techno-Version von "Poison" höre, oder "November Rain" als Reggae, das muss alles nicht sein. Es ist ein witziges Gefühl, geremixt zu werden, aber das macht mich jetzt nicht zu einem besseren Menschen. Der Kontakt ist über die Plattenfirma und Marco gelaufen, ich kenne mich damit nicht so gut aus, ich frequentiere diese Musik nicht, insofern kann ich nicht wirklich ein Urteil fällen, weil ich keinen Vergleich habe. Ich finde es witzig, weil ich weiß, dass sich die Jungs (oder Mädels) viele Mühe gegeben haben, wir haben sie auch persönlich kennen gelernt, was eine sehr schöne Sache war, aber Remixe sind einfach nicht mein Ding.

HH: Im Video zu "Save My Life" seid ihr mit klassischen akustischen Instrumenten zu sehen, wer hatte denn die Idee?

Lisa: Das war schon eine visuelle Geschichte, das sah einfach gut aus und war eine Idee der Videofirma. Dazu gibt es noch eine lustige Geschichte, mein Mann Nils spielt ja bei uns Bass, hatte aber noch nie Kontrabass gespielt. Aber er hatte dann diesen Kontrabass da stehen, und es gab ja auch Nahaufnahmen von den Jungs. Er hat sich dann eingezupft - er ist sehr musikalisch und hatte es nach einer Stunde schon raus, wie die Tonabstände sind, und hat dann im Video genau das gezupft, was er auch auf dem E-Bass spielt. Bei den Aufnahmen hat er sich dann einmal im Ton vergriffen, bei einem Instrument, das er eigentlich gar nicht spielt - und ich schwöre, dass ich gesehen habe, wie er sich geärgert hat. Er stand da, hat zum ersten Mal im Leben einen Kontrabass in der Hand, und ärgert sich, dass er einen Ton nicht trifft. Das ist mein Mann!

HH: Du warst als Gastsängerin auch zu hören auf der aktuellen Scheibe von The Dogma, A Good Day To Die, wie kam das zustande?

Lisa: Das kam über die Plattenfirma, ich kannte die Band vorher nicht, ich habe dann eine CD zugeschickt bekommen, das gefiel mir recht gut, mein erster Eindruck war, das ist so eine Kreuzung aus Iron Maiden und Nightwish. Ich habe dann zugesagt, habe leider aber nur den Sänger kennengelernt, mit den anderen habe ich telefoniert, aber er war als Einziger im Studio. Das ist dann leider eine etwas stressige Zeit geworden, weil wir gerade mit der Salome ins Studio gegangen sind, ursprünglich sollte der Song für The Dogma schon im November eingesungen werden, aber aus irgendwelchen Gründen hat sich bei denen die Studiozeit unheimlich nach hinten verschoben. Ich bin dann an einem freien Tag, an dem ich nicht bei uns im Studio war, von Münster nach Dortmund und zurück gefahren. Insgesamt hat das sehr viel Spaß gemacht, wobei ich dazu sagen muss: The Dogma haben mit einem Vocal Coach gearbeitet, was eine spannende Sache ist, weil man vieles über seine Stimme lernt - aber für mich ist das nichts. Dafür bin ich wohl zu stolz - die Dame hat mir exzellente Tipps gegeben, ist selbst eine sehr gute Sängerin, aber ich stand da und war bockig, ich habe gesagt Ich will das aber so singen, wie ich das meine. Aber wie gesagt, die Jungs sind sehr nett, aber wir hatten zu wenig Zeit, als dass wir wirklich eine persönliche Ebene erreicht hätten. Aber es hat Spaß gemacht, und ich fühle mich immer sehr geehrt, wenn ich angesprochen werde.

HH: Danke für das Gespräch!

Holgi

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