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Interview

Interview mit Oysterband (07.03.2007)

Logo Oysterband

Mit Meet You There legt die Folk-Institution Oysterband ein wie gewohnt gutes Album vor. Grund genug, John Jones auf den folkloristischen Zahn zu fühlen und dabei so manches über deutsche Bierstiefel zu erfahren.

HH: Euer letztes Album Rise Above kam 2002 heraus - warum habt ihr euch mit dem neuen Werk Meet You There so lange Zeit gelassen?

John: Wir haben mit anderen Projekten die Hände voll zu tun gehabt, vor allem dem Big Session Festival. Aber um die Wahrheit zu sagen, Alben aufzunehmen ist (und das sollte so sein) Schwerstarbeit. Elf oder zwölf gute Songs zu schreiben ist schwer für jeden. Lange CDs mit 15 oder 16 Nummern haben meistens auch Schrott dabei. Wir haben an diesen und anderen Songs zwei Jahre lang gearbeitet - wir sind anspruchsvoll!

HH: Was ist der Hauptunterschied zwischen der neuen Scheibe und Rise Above?

John: Dieses Mal haben wir keine Gastmusiker dabei. Wir haben uns wieder auf uns fünf konzentriert, um einen frischen Sound und Originalität in den Songs zu bekommen. Es fühlt sich gut an, wieder zurück zu den Wurzeln der Band zu gehen.

HH: Gibt es auch dieses Mal wieder Songs mit politischem Hintergrund?

John: Die meisten Songs handeln vom Menschsein, aber ja, es gibt ein paar explizit politische Stücke. "Here Comes The Flood" ist ein humorvoller/sarkastischer Song über die Globalisierung. "Control" geht so ziemlich gegen alles.

HH: Wie wichtig ist für euch die Inspiration durch Traditionals?

John: Traditionals sind für uns ein reichhaltiger Fundus - wir lieben die finsteren Geschichten und die wunderbaren Melodien. Eine Inspiration und eine Freude, aber wir versuchen nicht, hier irgend etwas zu kopieren.

HH: Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

John: Wer weiß?? Zu viele - von Kirchenmusik bis Punk.

HH: Wird James O'Grady (auf früheren Alben erscheinender Gastmusiker an Uillean Pipes und Whistles) wieder mit euch auf Tour gehen?

John: Nein, nicht im Moment. Aber er wird irgendwann sicher wieder mit uns spielen.

HH: Eure CD Alive & Acoustic ist heute sehr gesucht, aber dennoch gibt es keine Neuauflage. Warum nicht? Seht ihr die neue akustische CD Northern Lights als gleichwertigen Ersatz?
John: Die Scheibe ist so selten, weil unsere frühere Plattenfirma uns nicht erlaubte, mehr Kopien herstellen zu lassen. Insofern ja, Northern Lights ist eine Art Ersatz für Alive & Acoustic - dort sind viele (wenn nicht alle) der Songs ebenfalls enthalten. Auf der anderen Seite ist es gut, wenn ein paar Dinge selten und gesucht sind - das macht sie zu etwas Besonderem.

HH: Auf The Shouting End Of Life (1995) covert ihr "The World Turned Upside Down", einen Song des Folk-Sängers und Schriftstellers Leon Rosselson. Der Song wurde auch von Billy Bragg und Chumbawamba gespielt, aber ihr habt ihn zu einem Oysterband-Klassiker gemacht. Wie kommt ihr auf diesen Song, der von der Zeit Oliver Cromwells handelt?
John: Es ist ein guter Song, und wir spielen ihn gut, deshalb. Bei unseren Konzerten ist das eine Art alternativer Nationalhymne. Der englische Bürgerkrieg ist ein faszinierendes Kapitel unserer Geschichte - blutig, verwirrend, extrem, aber als Ergebnis gab es viele Ideen und Einflüsse, die England geformt haben - zum Besseren oder Schlechteren.

HH: Ihr seid sehr erfolgreich in Spanien, das Album-Cover zu Holy Bandits wurde in Spanien aufgenommen - wie kommt das? Ist Spanien eine Folk-Hochburg?

John: Spanien war für uns all die Jahre ein sehr gutes Pflaster. Wir hatten dort einen Hit mit einer spanischen Fassung des Songs "Granite Years". Es gibt dort auch hervorragende, keltisch beeinflusste Folkmusik, vor allem im Norden.

HH: In welchen anderen Ländern kommt ihr noch gut an, und wie beurteilt ihr euren Erfolg vor allem in Deutschland und den USA?

John: Deutschland war uns persönlich immer sehr wichtig - wir haben dort seit langem Freunde, nicht nur Fans. Amerika ist ein schwieriges Thema, es ist schwer dort zu touren. Wir haben es versucht, und es hat uns zwei Mal fast fertiggemacht. Es gibt sehr viele Leute dort, die die Band sehr gerne wieder sehen würden. Aber musikalisch und politisch sind wir da ein wenig vorsichtig geworden.

HH: Ihr habt schon mal gesagt, dass Frankfurt ein besonders schwieriger Ort für Konzerte sei - auch auf der aktuellen Tournee gibt es keinen Frankfurt-Termin. Wie erklärt ihr das?

John: Da bin ich ganz ehrlich: ich finde Frankfurt seelenlos und steril [Der hat's erfasst!! - Holgi], so wie viele große Wirtschaftszentren der Welt. Wir mussten immer die Hälfte unseres Publikums aus kleineren Städten aus dem Umland mitbringen - also spielen wir doch einfach direkt in den kleineren Städten und haben so mehr Spaß.

HH: Ihr spielt fast jedes Jahr in Trebur in Deutschland. Die Konzerte dort sind fast schon legendär. Woher kommt diese Verbindung zu Trebur?

John: Das kommt von einem netten Typen namens Jochen, der uns mal überredete, dort zu spielen. Das war so erfolgreich, dass wir uns nicht zwei Mal bitten ließen, um wieder dort aufzutreten. Jochen und sein magischer Bierstiefel. [Zu Jochens magic glass boot of beer: Die Band darf in Trebur erst wieder von der Bühne, wenn ein großer Stiefel Bier leer getrunken ist. Selbstredend, dass die Trebur-Jungs den Stiefel immer Wieder "heimlich" nachfüllen, was den Gig äußerst angenehm in die Länge zieht... Danke an Bernd Weigand für diese Insider-Information!! - Holgi]

HH: In England habt ihr euer eigens Festival, das Big Session. Wie kam das zustande?

John: Das Festival entstand aus dem Erfolg der drei Big Session Tours - wo die Oysterband mit anderen Künstlern zusammen auftrat - und aus einem Live-Album. Das war ein großer Schritt, aber wir hatten ein Angebot für die Location und auch ein Budget. Unsere englische Agentur war auch mit an Bord. Es ist ein tolles Wochenende, ich kann's nur empfehlen! 15.-17. Juni 2007 in Leicester. www.bigsessionfestival.com

HH: Habt ihr Kontakte zu anderen Veteranen der Folk-Szene, wie etwa The Men They Couldn't Hang oder den Levellers? Gibt es überhaupt junge Folk-Bands, die im Kommen sind?

John: Wir nehmen im Studio der Levellers in Brighton auf, also treffen wir sie sehr oft. Wir haben auch teilweise die gleichen Roadcrews. Die Men spielen dieses Jahr auf dem Big Session Festival. All diese Bands sind "Mitreisende", und wir wünschen ihnen natürlich alles Gute.

HH: Was haltet ihr von der Pogues-Reunion?

John: Ich hätte das nie für möglich gehalten. Aber doch, sie waren an Weihnachten zurück, und haben jede Menge Tickets verkauft. Also heißt die Lektion: sag niemals nie!

HH: Hast Du oder Ian jemals über ein Solo-Album nachgedacht - Alan Prosser hat ja eines veröffentlicht?

John: Wenn Ian irgendetwas solo machen würde, dann ware das wahrscheinlich ein Gedichtband oder die Geschichte der Oysterband. Ich selbst habe nie ein Soloalbum gemacht - aber ich würde das gerne probieren.

HH: Wie viel kostet ein Pint Milch? [klassische Frage in englischen Zeitschriften, um zu prüfen ob der Gesprächspartner noch im Leben steht - Holgi]

John: 60p für 1,5 Liter semi-skimmed. [er steht]

Holgi


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