12 Headbänga online
29.02.2020 Growl Bowl Festival
19.03.2020 Lordi
26.03.2020 Dark Fortress
29.03.2020 Rose Tattoo
02.04.2020 Knorkator
11.04.2020 Dark Easter Metal Meeting
Reviews (10095)
Navigation
Artikel des Tages
Review:
Agents Of Man

Interview:
Wicked Temptation

Live-Bericht:
Graveworm

Video:
Tyr
RSS RSS
Atom Atom
In eigener Sache

Valid XHTML 1.0 Transitional

Valid CSS!

Valid RSS

Valid Atom 1.0

 

Interview

Interview mit Axxis (17.02.2006)

Logo Axxis

Am 20. Januar wurde der neue Silberling Paradise In Flames veröffentlicht. Wie man in vielen Reviews lesen kann ist die CD eine der besten Scheiben, die die Deutschen jemals veröffentlicht haben. Grund genug um sich mal mit Berny (Bernhard Weiß, Frontmann der Band) über die neue CD und die Band zu unterhalten.

HH: Axxis gibt es ja schon seit 15 Jahren und Paradise In Flames ist mittlerweile ja euer neuntes Album. Woher nehmt ihr die Ideen?

Berny: Das ist eine gute Frage, da wundere ich mich auch immer drüber (lacht). Wir haben bei jeder neuen CD immer die Herausforderung irgendwas ins Spiel zu bringen, was für uns auch neu ist. Oder was wir nicht so häufig benutzen. Und bei diesem Album ist die Sängerin, Lakonia, im Vordergrund gewesen. Was für uns auch eine völlig neue Herangehensweise war um Songs zu schreiben. Denn das war schon ein starker Eingriff in den normalen Ablauf den wir sonst über die Jahre uns angeeignet haben, weil wir ja mit einem zweiten Sänger bzw. Sängerin arbeiten und die Songs danach schreiben mussten. Das fand ich schon für eine sehr interessante Sache. Dadurch sind die Songs auch ganz anders entstanden und haben sich mit der Zeit auch ganz anders entwickelt. Von daher schaffen wir es so immer wieder neue Ideen zu kriegen, uns neu zu motivieren und auch inspirieren von solchen Bällen, die wir immer wieder neu ins Spiel bringen.

HH: Wie seid ihr zu Lakonia gekommen? War sie schon im Umfeld von euch oder habt ihr speziell nach einer Frau gesucht um eine Frauenstimme in die Band einzubringen?

Berny: Das war eine ganz komische Sache. Ich war auf einer holländischen Hochzeit vor drei oder vier Jahren und da hat eine Sängerin gesungen. Die fand ich echt klasse und das war die Lakonia. Sie hat, wie es viele andere das auch vom klassischen Bereich machen, auf Privatfeiern wie Trauerfeiern, Hochzeiten usw. ein bisschen ihre Brötchen verdient. Ich habe sie dann einfach mal angesprochen, da wir auf der Eyes Of Dakness eine Frauenstimme im Chor haben wollten, um die Klangfärbung etwas anders und fetter zu gestalten. Lakonia hat dann schon bei dem Time Machine-Album ein bisschen im Background mitgesungen. Dabei haben wir uns auch besser kennen gelernt. Harry und ich waren einer Meinung, dass sie seit langem mal wieder eine Künstlerin ist, die so an die Musik rangeht wie wir auch. Sehr enthusiastisch, so dass alles links und rechts liegen bleibt nur um Musik zu machen. Sie ist wirklich offen für alle Musikrichtungen. Kommt zwar mehr aus der Gothic-Schiene aber hört sich aber von Techno bis Metal alles an. Und das fand ich sehr reizvoll. Sie ist auch sehr professionell im Studio. Das ist natürlich dann sehr einfach mit ihr zu arbeiten. Dann kam die Idee mit ihr eine Platte aufzunehmen. Während dem Paradiese In Flames-Songwriting haben wir sie schon miteingebunden. Das hatte dann mehrere Vorteile für beide Seiten. Wir konnten unsere Scheibe anders gestalten und gleichzeitig für Lakonias eigenes Projekt Promotion machen. Somit ist sie eine Newcomerin, die schon vor der Herausgabe ihres eigenen Albums bekannt wird im Metalbereich. Das war unser Ziel: mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

HH: Wird sie jetzt fest zur Band gehören oder war das ein einmaliges Projekt?

Berny: Das ist jetzt nur mal für dieses Album und die kommende Saison d.h. sie wird auch bei Liveauftritten mit dabei sein. Sie ist jetzt für ein Jahr bzw. solange wir sie brauchen intrigiert in der Band. (Sie ist wäääs? - Kara)

HH: Was mir bei dem neuen Album aufgefallen ist, dass ihr vom Sound härter geworden seid. War das so beabsichtigt? Wollt ihr so von dem softeren Image weg hin zu einer etwas härteren Stilrichtung?

Berny: Das muss wohl stimmen. Alle sagen dass wir härter geworden sind. Von daher müsst ihr Recht haben. Wir gehen ja gar nicht so ran dass wir sagen, wir wollen jetzt härter werden. Das haben wir einmal gemacht bei der Axxis II. Wir wollten mal richtig Gas geben und dann hat die Presse genau das Gegenteil geschrieben. Auch bei diesem Album ist der Song "Don't Leave Me" nicht gerade hart. Ich finde es ist einer der weichsten Songs und eine der schönsten Balladen die wir je geschrieben haben. Das ist ja auch abhängig von den Ideen die man so hat. Und haben wir parallel dazu einen starken Kontrast mit "Dance With The Dead" und anderen Sachen geboten. Aber ich gebe euch Recht, wir haben ab der Time Machine angefangen mehr Doublebassparts zu machen und bisschen mehr Gas zu geben. Lag aber auch an den Songideen und ist dann einfach so entstanden.

HH: Schreibt ihr beiden - Harry und du - ausschließlich die Songs?

Berny: Eigentlich ja. Aber bei diesem Album wurde der Bonustrack von der ganzen Band geschrieben. Dabei haben die Jungs, außer uns, mal richtig Gas gegeben. Was wir gerne möchten. Da wir auch aus Zeitgründen, die anderen noch viel mehr ins Songwriting einbinden wollen um auch besser parallel arbeiten zu können. Ich habe allein schon vier Projekte am Start, die ich gerne produzieren möchte. Natürlich liegt die Lakonia-Sache für mich im Schwerpunkt. Die Vorbereitungen zum nächsten Axxis-Album fangen auch schon wieder an. Nur Harry und ich schaffen es von der Zeit her nicht alles unter einen Hut zu bringen. Deshalb würde ich mir für die Zukunft wünschen und das hab ich mir schon damals gewünscht, dass da noch mehr von der Band kommt. Das hat leider bisher noch nie so geklappt weil die Zeit, auch für gemeinsame Treffen, nie so da war. Aber langsam haben die Jungs Blut geleckt und haben auch den "Axxis-Stil" verstanden. Das ist zwar einfach zu hören, aber schwer nachzuahmen bzw. Songs zu schreiben für ein Projekt. Aber sie haben es jetzt hingekriegt und der Weg ist nun der Richtige. Lakonia hat ja auch ein paar Sachen auf diesem Album mitgeschrieben. Von daher ist es eine schöne Mischung und das hört man auch.

HH: Auf dem Konzert in München ist mir aufgefallen, dass der Kuno gar nicht dabei war. Ist er verhindert gewesen?

Berny: Nö, Kuno ist in Saudi-Arabien. Er hat ein Jobangebot erhalten, da konnte Axxis nicht mithalten.

HH: Seid ihr da nicht in Schwierigkeiten gekommen wieder einen neuen Bassisten zu finden?

Berny: Wir kamen mal kurzfristig in Schwierigkeiten als wir im Januar vor der Pink Cream-Tour erfahren haben, dass entschieden hat dieses Angebot anzunehmen, was für uns völlig ok war. (Hä? - Kara) Wir standen nur mit dem Problem da wie wir das gebacken bekommen. Er hat dann gesagt, er kneift noch mal die Arschbacken zusammen und spielt noch die Tour und das ganze Gedöns, er hatte ja auch Bock dazu. Nur er muss dann auch den Absprung schaffen. Er hat uns zuliebe aber alles gut durchgezogen.

HH: Ist eine Tour geplant?

Berny: Im Mai ist eine Doubleheadliner-Tour mit Krokus geplant. Ich freu mich schon, da die Jungs sehr gut drauf sind.

HH: Nach 15 Jahren in dem Business seid ihr ja eine richtige Rockgröße geworden. Was für Träume oder Ziele habt ihr noch?

Berny: Das ist eine gute Frage! Ich sage mal so, man hat sich schon so dran gewöhnt, dass es so ist wie es ist. Ich sehne mich gar nicht nach mehr oder weniger. Ich würde mich einfach freuen alles so weiter zu machen. Was allein schon ein Privileg ist. Ich schätze es einfach schon seit fast 20 Jahren von der Musik zu leben und erinnere mich immer an die Anfangszeit wo ich noch in der Lehre war. Da haben mich meine Kollegen, die damals in dem Alter waren wie ich jetzt bin, wie scheiße die ihr Leben fanden mit der ganzen Maloche. Und da habe ich es schon unabhängig von der Karriere ob besser oder schlechter, ein super Glück gehabt. Auch dass es mit Axxis so lange klappt.

HH: Das heißt ihr lebt alle nur von der Musik und geht gar keiner "normalen" Arbeit mehr nach?

Berny: Seit 1989 leben wir eigentlich von der Musik und auch sehr gut kann man so sagen. Wir hatten Zeiten gehabt wo wir richtig viel Geld hatten. Allerdings hatten wir auch hohe Unkosten und einen so großen Apparat der hinter uns steckte. Dieser hat so viel Geld verschlungen, sei es Management, Plattenfirmen, Investments usw., dass sich das dann gar nicht auf die Band niedergeschlagen hat. Das erfolgreichste Jahr in finanzieller Hinsicht war 2004. Das war irgendwie ganz komisch. Wir hatten ziemlich viele Konzerte, alles lief super rund.

HH: Gibt es eine Band (Vorbilder) mit der ihr gerne auf Tour gehen würdet?

Berny: Es ist halt immer so eine Sache wie sich dann die Bands auf der Tour verhalten. Rein vom Musikalischen gäbe es viele. Ich würde ja sehr gerne mit KISS eine machen, weil das meine alten Favoriten sind. Allerdings - und das hört sich jetzt sicher komisch an - ist eine Tour mit Pink Cream 69 immer eine der schönsten Sachen. Weil wir kennen uns, wir sind befreundet, das ist dann wie eine Familie im Tourbus und machen ein bisschen Zirkus. Das ist immer eine sehr entspannte Tournee. Kein Stress. Jeder weiß was der Andere braucht. Das macht unheimlich viel Spaß mit so einer Band auf Tour zu gehen.

HH: Was machst du in deiner Freizeit, wenn du irgendwann mal eine hast?

Berny: Ich tauche ja sehr viel. In der Sommerzeit versuche ich immer irgendein Wasserloch zu finden, wo ich meinen Kopf reinstecke. Das ist eine Sache wo ich sehr viel Spaß dran habe. Gerade im Urlaub siehst du mich gar nicht, da bin ich meist unter Wasser. Ich würde auch gerne im Urlaub mehr in Deutschland sein wenn ich mehr Motorrad fahren könnte, aber in unseren Regionen pisst es ja andauernd. Motorrad fahren ist mein zweites Hobby. Und was ich noch gerne privat mache ist alles was mit PC zu tun hat. Ich bin ein PC-Fan.

HH: Kann man dich in der Küche gebrauchen? Und wenn ja - was gibt es dann?

Berny: Du kannst mich sehr gut in der Küche gebrauchen. Aber ich darf immer nicht in die Küche, weil meine Frau sagt ich mache immer alles so dreckig. Das ist das Problem. Ich koche eigentlich geil, nur ich kann es nicht zeigen. Da kriege ich immer die Krise. Ich koche sehr gerne indisch und jetzt probiere ich nächste Woche mal Sushi aus. Dann kannste mal kucken ob ich noch zur nächsten Tour erscheine oder nicht. Bin echt mal gespannt, da hab ich Bock drauf.

HH: Na, du kannst mir ja dann berichten wie es ausgegangen ist *g*. Was ist das kurioseste Gerücht was es über Axxis gab?

Berny: Es gab mal ein Gerücht, dass wir einen Fan verklopft haben. Da wusste ich auch nichts von. Das war mir ganz neu. Das war bei einem ganz normalen Konzert in Hamburg. Das ist schon ungefähr zehn Jahre her. Das fragt man sich schon was für ein Konzert sich dieser Journalist angeschaut hat. Es gab auch mal Songs, die kritisiert wurden die wir gar nicht gespielt haben oder Songs die es gar nicht gibt. Da sieht man ab und zu schon die Qualität von so manchen Presseleuten, die dann wahrscheinlich blau in der Ecke sitzen und so tun als ob sie Ahnung hätten. Aber damit haben wir auch leben gelernt.

HH: Was würdest du bei einem Neustart anders machen?

Berny: Gar nichts!

HH: Was kotzt dich zurzeit an?

Berny: Eigentlich gar nichts. Vielleicht nur, dass es einige Bands gibt die ich gar nicht mehr kenne, weil ich sie gar nicht kennen muss da sie nach einiger Zeit schon wieder weg sind vom Fenster. Das ist das was ich ein bisschen schade finde, dass es keine Konstanten mehr gibt wo man über Jahre noch sagen kann, oh cool! Das waren damals doch die. So wie bei z. B. Iron Maiden oder Queen. Die sind heute noch präsent, da werden Musicals gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei Bands die heute am Start sind, in zehn oder 20 Jahren Musicals daraus gemacht werden oder sie super Topacts werden. Die Zeiten sind leider vorbei. Und das vermisse ich ein bisschen. Das liegt aber nicht unbedingt an den Bands sondern am Business. Dass sich das Rad schneller dreht und dass mehr konsumiert wird und nicht mehr zum Lebensstil gehört. Musik wird nebenbei mal konsumiert. Heute bin ich Metaller und morgen mal ein bisschen HipHopper. Je nachdem wo die Frauen sind.

HH: Was willst du deinen Fans noch sagen?

Berny: Danke schön, dass ihr mit uns groß geworden seid! Ich find das total klasse! Das ist auch das Tolle an der Szene. Dass wir über Jahre Leute mitgezogen haben, die immer wieder unsere Platten hören und zu Konzerten gehen. Aber auch schön ist, dass langsam immer wieder mehr jüngere Leute Axxis entdecken und auch überrascht sind von so alten Säcken. Das finde ich eine sehr schöne Sache!

Tine


© www.heavyhardes.de