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Interview

Interview mit Die Happy (04.11.2005)

Logo Die Happy

Kurz vor ihrem Auftritt in der Muffhathalle standen uns Sängerin Marta und Basser Ralph Rede und Antwort. Was lernen wir daraus? Platz ist in der kleinsten Garderobe; bei Die Happy klingeln ständig die Handies und als Interviewer sollte man sich gründlicher vorbereiten. Und vor Metallern haben sie so richtig Angst. Warum wohl?

Wir marschieren in die Garderobe. Einiges Getümmel, bis wir in der winzigen Bude Platz gefunden haben. Jemand möchte einen Stapel Schuhschachteln abgeben, aber der wird zugunsten unseres Gesprächs des Feldes verwiesen. Dann kann's losgehen:

HH: Besten Dank, dass ihr uns ein paar Fragen beantwortet. Ihr seid schon eine Weile auf Tour, wie läuft's bislang?

Ralph: Heute ist Tourauftakt!

HH: OK, wir sollten besser recherchieren...

Marta: Wir hatten gestern Generalprobe mit einem Auftritt in kleinerem Rahmen, mit einem "secret gig", heute ist Tourauftakt. Wir sind natürlich nervös, weil wir eine neue Platte spielen, eine größere Lichtshow dabei haben. Das ist alles noch nicht so routiniert, obwohl wir natürlich sehr viel geprobt haben.

HH: Wie ist die Produktion im Vergleich zu früheren Tourneen?

Ralph: Wir spielen zwar nicht mehr Konzerte als sonst, aber die Produktion ist größer und aufwändiger. Das ist immer unsere Devise, wenn wir auf Tour gehen, immer zu versuchen, im Vergleich zum Vorhergegangenen noch eins draufzusetzen. Wenn man vor der Halle steht, sieht man da schon unseren 40-Tonner stehen mit 'ner fetten Plane drauf. Das haben wir zum guten Preis bekommen; man hat viel Platz, kann viel mitnehmen. Das haben wir auch gemacht, haben ein paar Bühnenelemente mitgebracht...

Marta: ...jetzt muss die Tournee nur noch zum Erfolg werden, damit wir uns nicht in den Ruin stürzen...

HH: Sicher keine Frage! Wie seid ihr mit der neuen Scheibe und den Reaktionen darauf zufrieden?

Marta: Die Reaktionen sind ein wenig gemischt. Unserer Meinung nach ist es die beste Platte die wir jemals gemacht haben; das ist natürlich bei jeder Platte so, aber dieses Mal hatten wir dieses Gefühl ganz besonders.
Trotzdem glauben wir, dass im Moment nicht gerade die beste Zeit für Bands wie uns ist. Derzeit ist deutschsprachige Musik angesagt, und für deutsche Bands, die englisch singen, ist nicht so viel Platz an der Sonne; für H-Blockxx, Donots, auch für uns ist es gerade ein wenig schwierig. Aber die Reaktionen von den Fans waren sehr gut. Es ist vielleicht ein wenig schwierig was Promo angeht, weil wir nicht auf Deutsch singen, aber wir machen schon so lange Musik, das kann uns nicht erschrecken. Wir sind sehr gespannt wie die Tour laufen wird, denn, wie ich immer sage, wir haben treue Fans, mal schauen!

HH: Aber harte Musik mit Frauengesang ist doch derzeit angesagt, wobei das natürlich ein wenig in eine andere Richtung geht, eher in die Gothic-Opern-Ecke...

Marta: ...jaja...

HH: ...aber wichtiger ist doch vielleicht, dass ihr, sicherlich zu eurem Leidwesen, ständig in eine Ecke mit den Guano Apes gestellt worden seid. Nachdem diese Band sich nun verabschiedet hat, ist es für euch jetzt leichter, euch eigenständig zu machen, oder ist das für euch nicht relevant?

Ralph: Wir waren davor eigenständig, jede Band für sich, also hat das für uns keine Bedeutung. Da hat sich nichts geändert.

HH: Ihr habt für das neue Album mit Udo Rinklin als Produzent gearbeitet, im Gegensatz zum letzten Album, bei dem eine große Produktion in den USA angesagt war. Letztes Mal wurde sogar die eher rockigen getrennt von den eher poppigen Songs produziert. Warum habt ihr das dieses Mal wieder anders gemacht?

Ralph: Wir wollten es dieses Mal definitiv anders machen, obwohl die Vorgehensweise zu damaligen Zeitpunkt sicherlich gut war. Dann kam der Kontakt zu Udo Rinklin, der hat uns eingeladen einen Song mit ihm vorzuproduzieren, da haben wir gedacht: "Der Mann ist der Typ für alles!" Es war auch für uns eine neue Erfahrung, eine Platte so vor der eigenen Haustür zu produzieren. Wir haben mit der Produktion in Amerika nicht nur gute Erfahrungen gemacht, man arbeitet mit einem Produzententeam, das drei Stunden am Tag da ist, ansonsten arbeitet man mit den Engineers, die haben dann immer noch vier oder fünf andere Baustellen neben deiner Band. Udo hat immer 150% für uns gegeben, das war uns das Wichtigste, dass jemand wirklich Tag und Nacht für uns schuftet, haha...

HH: Stichwort vor der eigenen Haustür, ihr wohnt ja nicht mehr um die Ecke voneinander...

Marta: Das hat sich in diesem Jahr relativiert. Als die Platte fertig war, haben wir gemerkt dass wir an vier unterschiedlichen Orten wohnen. Mittlerweile wohnen meine drei Jungs alle in Berlin, und ich in Hamburg, das ist eine Entfernung von eineinhalb Stunden. Wir sind uns wieder näher gekommen, alles hat sich in den letzten drei Monaten geändert.

Ralph: Aber das Album ist ja schon noch in der Distanz entstanden. Wir hatten zwar noch die Homebase in Ulm, weil unser Drummer Jürgen noch da wohnte und unser Proberaum da war. (Handy klingelt) Ah, das ist Jürgen, unser Drummer...ja, da haben wir uns immer wieder getroffen, wochenweise, danach konnte jeder zu Hause dann wieder seine eigenen Songideen verwirklichen. Dann hat man sich wieder getroffen und die Sachen bearbeitet. Wir haben aber auch viel zusammen im Proberaum entwickelt, und wir haben ziemlich viele files per Internet verschickt und so doch zusammengearbeitet. Ich finde das cool, dass man so viele verschiedene Facetten nutzen kann, um Musik zu machen. Jeder hat da seine Vorlieben, Marta z.B. liebt es im Proberaum zu stehen - wenn ein Stück funktioniert, merkt man das einfach. Das machen wir alle gern, aber persönlich mag ich es auch, mich zu Hause hinzusetzen, mir einen Kaffee zu machen und meine eigenen Konzepte zu entwickeln. Die spielt man dann den anderen vor, und die lachen sich entweder tot oder es ist gut.

HH: Ihr spielt ja jetzt wieder eine Hallentour, seid aber auch schon auf den großen Festivals zu sehen gewesen. Wie vergleicht sich ein Auftritt vor zehntausend Leuten mit einem Hallengig?

Marta: Es geht immer um das Gleiche: zu zeigen was wir können. Man bereitet sich also nicht anders vor. Das Einzige was man bei einem Festival machen muss, ist die Spielzeit zu kürzen; wenn man nicht gerade als Headliner spielt, hat man ja vielleicht gerade mal 45 Minuten. Womit man rechnen und kämpfen muss, das ist die große Nervosität, die man auf einer riesigen Bühne vor großem Publikum nun einmal hat. Ich gebe immer zu viel Gas, bin nach dem dritten Lied erledigt, dann trete ich auf die Bremse, um das Adrenalin runter zu bekommen. Ich verausgabe mich dabei in 45 Minuten mehr als bei einer normalen Zwei-Stunden-Show in der Halle.

HH: (hier schaltet sich der kundige Gastredakteur ein) Habt ihr da Vorlieben, spielt ihr lieber große Gigs oder kleinere Events wie hier?

Ralph: Das ist ein großer Unterschied. Wenn man ein neues Album rausbringt, spielt man viele neue Songs, die man live noch nicht so oft gespielt hat, man probt die Lightshow usw. Bei Festivals ist das ganz anders, du gehst rauf und wieder runter, du weißt genau was du spielst, du gehst einfach routiniert damit um. Du hast auch eine ganz andere Kulisse. Wir spielen sehr gerne neue Songs; auf den Festivals spielt man dagegen Stücke, die man schon auf der Album-Release-Tour gespielt hat. Die Erfahrung der neuen Songs ist also auf der Hallentour besser, aber auf den Festivals hat man die Atmosphäre, unter freiem Himmel vor vielen Leuten zu spielen. Das kann auch Spaß machen.

HH: Ihr habt auch schon auf Metal-Festivals gespielt, wie sind denn dort die Reaktionen? Eher tolerant oder schwierig?

Marta: Komischerweise sehr tolerant (Wieso komischerweise? - Holgi). Ich bin froh, dass wir in diesem Jahr kein solches Festival gespielt haben, weil ich die letzten Male immer ein wenig Bedenken hatte. Wenn man sich die anderen Band mal anschaut: wir haben mal vor Kreator gespielt, abends auf dem Summer Breeze... dann im Sommer 2004, haben wir auf dem With Full Force gespielt, auf der Hauptbühne im ein Uhr mittags, es war Sonntag, und die Band vor uns hat die Bühne vollgekotzt... dann sind wir auf die Bühne und haben gedacht, die werden uns jetzt gleich steinigen... ich bin auf die Bühne und war fit, weil wir schon morgens um acht angekommen sind und lecker gefrühstückt haben, (es klingeln ca. zehn Handies) - ja, das sind die Jungs - dann hab ich die Leute aufgefordert zu springen, aber natürlich hatte keiner von denen am Sonntag Mittag Lust zu springen... aber die sind alle geblieben. Ich finde wir sind eher so ein Amüsement für die... so ein Brot zwischen der Weinprobe. Die haben alle geschmunzelt, haben sich amüsiert, und haben dann geklatscht, haben uns doch ernst genommen, aber irgendwie anders. Ich fand das irgendwie nett - wir sind lachend von der Bühne gegangen und fanden's doch irgendwie cool.

Ralph: Man fragt sich dann immer, soll ich jetzt das schwarze T-Shirt anziehen, das Manowar-Shirt, aber wir machen's dann einfach wie immer und schauen was passiert. Wir hatten da noch nie ein schlimmes Erlebnis...

Marta: Nein, die waren da immer alle superlieb... Beim Summer Breeze war das der Wahnsinn, es war schon dunkel, nach uns kam Kreator, vor uns das Publikum alle in Schwarz, oha, Angst... aber die sind dann alle so abgegangen... bis auf zwei, die sich aufgeregt haben, aber die gibt's immer...

HH: (fühlt sich jetzt mal genötigt etwas zur Ehrenrettung von "denen" zu sagen) Die sind alle ganz harmlos, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen...

Ralph: Es ist auch irre, wann man so ganz harte Typen mit versteinerten Mienen sieht und denen dann ein Lachen entlocken kann, das ist dann der Hammer. Das sind ja auch nur Menschen... (na jetzt aber!! - Holgi)

HH: Marta, du hast zusammen mit Apokalyptika einen Song für den Bundesvision Song Contest von Stefan Raab gemacht. Wie bist du auf diese Zusammenarbeit gekommen, und wie ist das mit Stefan Raab gelaufen?

Marta: Apokalyptika wollten schon auf ihrer vorletzten Platte mit mir zusammenarbeiten, weil sie immer auf der Suche nach Stimmen sind, die haben ja mittlerweile auf jeder Platte zwei, drei Gastauftritte. Dann kamen die irgendwie auf mich, ich weiß nicht ob sie uns im Fernsehen oder auf einem Festival gesehen haben, dann kam die Anfrage, aber das hat dann leider nicht geklappt, aus zeitlichen Gründen, was ich sehr schade fand. Sie haben dann aber versprochen, wenn die nächste Platte ansteht kommen sie wieder, das haben sie dann auch getan. Zuerst war geplant das auf Englisch zu machen, doch dann kam Stefan Raab auf Apokalyptika zu und meinte "Macht das Lied doch auf Deutsch, wäre doch klasse für meine Show", und plötzlich musste ich zwei Texte schreiben. Ich habe das dann eingesungen bei Udo Rinklin, obwohl noch nicht feststand ob er unser Album produzieren würde. Aber ich hatte zunächst einmal die geographische Nähe, da er bei Ulm wohnt, und außerdem hatte ich mit ihm schon zusammengearbeitet und wusste, dass ich bei ihm keine Angst habe, irgendwas zu machen - quieken, schreien, quäken, er nimmt alles total ernst, deshalb habe ich das mit ihm gemacht. Ich hatte nur einen Nachmittag Zeit für die Aufnahmen, wir haben beide Versionen wirklich reingeprügelt... einen Monat später war dann der Videodreh, in Berlin, ich kam gerade mit dem Zug vom Skiurlaub zurück und habe die Jungs zum ersten Mal in meinem Leben gesehen, am Set. Wir haben uns vorher nicht gekannt, wir haben vorher nur ein Mal telefoniert. Dann hab ich sie noch mal bei TV Total gesehen, dann beim Bundesvision Song Contest, und dann hab ich noch zwei Mal mit ihnen gesungen, einmal bei Rock am Ring und einmal in Stuttgart. Das ist immer sehr nett, wenn sie da sind rufen sie immer an, sie wollten zum Beispiel dass ich in Prag mit ihnen auftrete, weil ich da her komme, und einmal waren sie in Ulm, da war ich aber grade in Dänemark. Die rufen immer an und fragen, hast Du Lust mit uns zu singen, wir sind glaube ich grade in deiner Nähe...

HH: Wievielter seid ihr mit dem Song geworden?

Marta: Fünfter! Nicht schlecht für Nicht-Favoriten. Sogar Stefan Raab ist gekommen und hat uns gratuliert, der hatte das auch nicht erwartet.

HH: Ihr habt mittlerweile schon zwei DVDs herausgebracht...

Ralph: ...eigentlich drei...

HH: ...wieder schlecht recherchiert?

Ralph: Nein, ich zähle die Dual Disc mit, als die wir Bitter To Better auch auf den Markt bringen.

HH: Wie wichtig ist es, mittlerweile auch in diesem Medium unterwegs zu sein und DVDs zu veröffentlichen?

Marta: Ich glaube, das ist sehr wichtig, obwohl ich mir selbst keine Musik-DVDs kaufe. Ich bekomme die Dinger zum Geburtstag, ich selbst kaufe mir lieber Filme. Ich schaue mir die Bands lieber persönlich an, als zu Hause auf dem Fernseher. Aber die Nachfrage ist groß, kürzlich habe ich mit einem (hier kommt der Name eines bekannten Elektronik-Großmarktes - Schleichwerbung machen wir nicht, denn wir sind ja nicht blöd...) Mitarbeiter unterhalten, Chef der CD und DVD-Abteilung, der meinte dass Klassik-Regale ausgeräumt und dafür Musik-DVDs hingestellt werden. Es gibt wohl eine Riesen-Nachfrage. Ich denke, bei uns Musikern ist das anders, weil wir so viele Bands live sehen, aber für den "Normalhörer" ist das sicherlich sehr attraktiv, zumal ja mittlerweile fast jeder eine Dolby Surround-Anlage hat (aha. also, ich nicht - Holgi), damit das richtig gut rüberkommt. Was ich aber an einer DVD noch wichtiger finde sind die persönlichen, privaten Sachen, also die Backstage-Szenen - das schaue ich mir viel lieber an als das Konzert selbst, weil man da sieht wie die Leute im Studio sind, wie sie Backstage sind - wie normale Menschen eben...

Ralph: Deshalb haben wir uns auch für eine Dual Disc entschieden, da sind ja auch einige Filme drauf, die uns hinter der Bühne und im Studio zeigen... also hinter den Kulissen.

HH: (jetzt wird die ultimative Waffe gezückt, als der Sekundant sich endgültig outet): Ich komme auch aus Ulm, und ich hab euch vor ungefähr 100 Jahren mal live gesehen, als ihr grade mal eure erste EP raushattet... das Größte was man in Ulm erreichen kann ist die Roxy Halle, da habt ihr ja schon ein paar Mal gespielt... wie geht's also weiter mit euch, ihr habt euch jedes Jahr weiterentwickelt, wo seht ihr eure Zukunft?

Marta: Ganz einfach, dass es immer wieder einen Schritt nach oben geht, nie zurück... klar wünsche ich mir in der Donau-Halle zu spielen, aber die ist so kalt - dann lieber draußen eine Art Festival. Aber am wichtigsten ist uns, die deutschsprachigen Ländern zu erobern, uns nicht Sorgen machen zu müssen ob Leute kommen oder nicht, wenn wir auftreten... da macht man sich immer Gedanken, bevor man wirklich ganz oben angekommen ist. Wir wollen auch Europa erobern, und wir wünschen uns in diesem oder dem nächsten Jahr mal durch Japan touren zu dürfen, da wurde unsere Platte ja auch veröffentlicht... und danach der Rest der Welt!

HH: Danke! (jetzt reichen wir wie üblich noch einige uralte Bilder umher. Großes Hallo):

Marta: Da hab ich noch einen Rock an...das ist lange her...!

Holgi


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