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Avantasia - The Scarecrow

Avantasia - The Scarecrow
Stil: Heavy Metal
VÖ: 22. Januar 2008
Zeit: 64:12
Label: Nuclear Blast
Homepage: www.tobiassammet.com

Und er hat es doch wieder getan. Das von Tobias Sammet ursprünglich nur als einmaliges Projekt gestartete Avantasia geht in die dritte Runde. Aber dieses Mal mit einem anderen Konzept, doch dazu gleich mehr. Wie schon auf den ersten beiden Teilen konnte der Edguy-Sänger abermals auf eine illustre Gästeschar zurückgreifen. Neben der Basis-Instrumentenfraktion um Tobias Sammet (Bass), Sascha Paeth (Gitarre) und Eric Singer (Drums) gaben sich Kai Hansen, Henjo Richter, "Miro" Rodenberg (Keyboards) und Scorpions-Gitarrist Rudolf Schenker die Klinke in die Hand.

Die Auswahl der singenden Zunft liest sich noch beeindruckender: angefangen von Roy Khan (Kamelot), Jorn Lande (überall...) und Oliver Hartmann (Ex-At Vance, Hartmann) über die noch relativ unbekannte Amanda Somerville (u.a. Aina) bis hin zu Michael Kiske, Bob Catley und wohl der Überraschung schlechthin: Alice Cooper.

Mit The Scarecrow entfernt sich Tobias Sammet thematisch vom Fantasy/Geschichte-Bereich, sondern betritt schon nahezu philosophisches Terrain. Im Mittelpunkt steht eine wahrnehmungsgestörte Person, die in Isolation aufwächst und die durch die Musik ihre Kraft sammelt. Diese Person (übrigens dargestellt von Tobi himself) beginnt mit höchster Leidenschaft zu komponieren und wird mit der Zeit aufgrund seiner Musik berühmt. Dabei entwickeln sich neben den Hochgefühlen auch andere Gefühle wie Schizophrenie...
Und genau da kommen die SängerInnen ins Spiel: Sie übernehmen keine bestimmte Rolle, sondern reflektieren Gefühle und Eigenschaften. Welcher Sänger dabei was übernimmt, darf jeder für sich selbst herausfinden.

Das stampfende und schwer groovende "Twisted Mind" stellt den Opener dar, bei dem sich Tobi mit Roy Khan das Mikro teilt. Sehr starker Einstand! Doch was danach folgt bläst mich aus den Latschen: zwar beginnt der Titeltrack mit einem folkigen Intro, doch mit der Zeit entwickelt sich "The Scarecrow" zu einer bombastischen Heavy Rock/Metal-Nummer allerhöchster Güte. Melodiös und heavy gleichzeitig bahnt sich der perfekt arrangierte Track über die kompletten elf Minuten unaufhaltsam ins Kleinhirn. Dass dabei Jorn Lande eine wirklich grandiose Leistung abliefert sollte nicht unerwähnt bleiben. Das im Anschluss folgende "Shelter From The Rain" klingt Dank eines Michael Kiske nach typisch Helloween, und dabei hat er nichts, aber auch gar nichts verlernt. Klassischer und sehr guter schnellerer Song! Eine kleine Verschnaufpause ist erst mal bei dem sehr eingängigen "Carry Me Over" angesagt, das durchaus auch Hitpotenzial besitzt und anschließend auch bei der Ballade "What Kind Of Love". Hier darf erstmals Amanda Somerville ihre Stimmbänder schwingen und das macht sie wirklich gut. Sehr angenehme und warme Stimme, hoffentlich wird man in Zukunft noch mehr von ihr hören. Aus den Träumen wird man allerdings gleich danach mit dem ruppigen "Another Angel Down" gerissen, das wiederum Platz macht für das groovige und düstere "The Toy Master", bei dem Alice Cooper zum Einsatz kommt. Dabei scheint es als ob ihm der Track quasi auf den Leib geschneidert wäre. Mit "Devil In The Belfry" folgt ein weiterer Uptempo-Song, abermals mit Jorn Lande. Mit "Cry Just A Little" ist die nächste Ballade am Start, doch dieses Mal darf Bob Catley einen Teil der Lead Vocals übernehmen. Danach gibt es mit dem Ohrwurm "I Don't Believe In Your Love" ordentlich was auf die Ohren, ob das an Oliver Hartmann oder Rudolf Schenker liegt, lässt sich nicht erschließen. Aber dafür ist das mit einer der besten Tracks des Albums. Mit dem wohl bereits bekannten "Lost In Space" (wurde ja schon vor geraumer Zeit als Doppel-Single-Ausführung veröffentlicht) endet das Album mit einem Ohrwurm, und abermals kann ein gewisses Hitpotenzial nicht abgestritten werden.

The Scarecrow bietet alles was das Melodic Metal-Herz begehrt: Abwechslungsreichtum, Härte, Melodie, Bombast und ja, auch potenzielle Chartbreaker. Über die musikalischen Fähigkeiten braucht man ebenso wenige Worte verlieren wie über die fette und dynamische Produktion. Tobias Sammet untermauert mit The Scarecrow sein unglaubliches Gespür für starkes Songwriting und hohen Unterhaltungsfaktor. Darüber hinaus konnte er seine Sängerschar zu sehr starken Leistungen animieren, was umso mehr Spaß macht. Es ist natürlich müßig darüber zu diskutieren, welcher Teil nun denn der beste ist, The Scarecrow stellt zumindest das reifste Werk dar. In der Limited Edition gibt es eine Extra-DVD u.a. mit den Videoclips zu "Lost In Space" und "Carry Me Over" sowie ein Track-by-Track-Interview mit Tobi. Das alles sollte locker reichen um die Zeit bis zum zweiten Teil dieses Konzeptes zu überbrücken. Alles in Allem bleibt mir nur eins zu sagen: Ich bin entzückt!

Andi

6 von 6 Punkten


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