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Lyzanxia - Mindcrimes

Lyzanxia - Mindcrimes
Stil: Thrash Metal
VÖ: 10. Mai 2004
Zeit: 52:41
Label: Reality Entertainment
Homepage: www.lyzanxia.com

"Guten Tag! Darf ich Ihnen kurz ein paar Fragen zum Thema "Frankreich" stellen? Ja? Schön."
"Wein?"
"Ah, der Bordeaux... superb... und dann natürlich die Champagne... "
"Urlaub?"
"Sonne... Cote d'Azur... hübsche Frauen... der Ozean... "
"Sport?"
"Zinedine Zidane... Formel 1 in Monte Carlo... der AS Monaco..." (Öhm, zu Monte Carlo und AS Monaco fällt mir spontan Monaco ein, weißt schon, souveräner Staat und so, aber das mit dem Fussball lass ich gerade nochmal durchgehen!;-) *klugscheiß* - Red.)
"Lyzanxia?"
"Gesundheit!"
"Nein im Ernst: Lyzanxia?
"Was ist das? Aha, ne Band... Muss man die kennen?"

Gute Frage. Wer mit dem unaussprechlichen Namen nichts anfangen kann, muss sich jetzt nicht gleich hinterm Schrank verstecken, denn so richtig bekannt sind die vier jungen Franzosen ja nicht wirklich. Schade eigentlich.

Obwohl ich ja anfangs mehr als skeptisch eingestellt war, als der Promozettel von der "neuen Hoffnung am Melodischen Deut Metall Himmel" gesprochen hat (was zum Teufel ist Deut Metal?) und der Opener der Scheibe mir nicht recht viel mehr als ein "Gott ist das langweilig... " entlockt hat, musste ich meine Meinung mit zunehmender Spielzeit revidieren. Was die Herren hier vom Stapel lassen ist nicht einfach nur nach dem Motto "wir machen Krach und kopieren dabei In Flames" entstanden. OK, das Rad erfinden sie nicht gerade neu, aber wo steht geschrieben, dass gute Musik innovativ sein muss? Hauptsache die Geschichte macht Laune - und genau das ist hier der Fall.

Wenn man den Opener überstanden und verdaut hat, kommt die erste faustdicke Überraschung. Statt einer weiteren uninspirierten Nummer, knallen einem die Franzosen ein fast schon experimentelles Stück vor den Latz. Rhythmuscombo und Gitarreros produzieren eine düstere, depressive Grundstimmung mit einer absolut geilen Hookline und der Sänger flüstert sich in einer Mischung aus Jammern, Singen und Keifen durch den gesamten Track. Gänsehautfeeling pur.
Danach geht’s mit einem klassischen Metalsong weiter: Aufbau, Struktur und die Riffs erinnern stark an Priest und Maiden. Das ganze Stück rockt wie Schwein und sobald zum Ende hin die Handbremse gelöst wird, beginnen die Nackenwirbel zu kreisen.
Spätestens mit dem vierten Track offenbart die Band dann ihr wahres Potenzial und beweist ihre Vielseitigkeit. Freunde von Mnemic oder Raunchy werden hier ihre wahre Freude haben.

Auch der Rest der zwölf Nummern scheucht den Hörer von einer Ecke in die andere. Mal geben sich Lyzanxia sphärisch und düster und verzieren ihre Songs mit einem dunklen Keyboardteppich, mal bekommt man einen treibenden, derben Titel, bei dem keinerlei Kompromisse eingegangen werden vor den Latz geknallt, nur um kurz darauf wieder eine zuckersüße Melodie zu hören. Der Sänger bewegt sich zwischen gutturalen Growls, bösartigen Keifen, erbärmlichen Wimmern und wenigen cleanen Passagen. Gitarreros und Rhythmussektion machen eine gute Figur und treiben die Songs immer schön nach vorne. Vor allem der Drummer zeichnet sich durch ein ausgezeichnetes Timing aus. An eingängigen Melodien, unverwechselbaren Soli und den richtig platzierten Breaks mangelt es ihnen aber noch. Trotzdem passt das Ganze super zusammen und bildet mit Gesang und den vielschichtigen Kompositionen eine homogene Masse. Schöne Sache das.

Der große Wurf ist Lyzanxia mit dieser Scheibe sicherlich noch nicht gelungen (schon mal aufgrund dreier völlig uninspiriert runtergekesselter Stücke), aber sie sind sicherlich auf dem richtigen Weg. Wer mit den älteren Amorphis Geschichten was anfangen kann, der sollte hier ein Ohr riskieren. Aber wie schon gesagt: Nicht die Bohne originell, dafür spaßig.

JR

5 von 6 Punkten


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