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Interview

English VersionInterview mit Vulture Industries (29.12.2010)

Logo Vulture Industries

Vor drei Jahren haben mich die Norweger Vulture Industries mit ihrem Debut mächtig begeistert. Dann jedoch war es still geworden, ehe nun das Zweitlingswerk The Malefactor's Bloody Register auf die Hörerschaft losgelassen wurde. Und Vulture Industries haben sich damit selbst übertroffen, auch wenn das komplexe Werk doch seine Zeit braucht, bis es sich einem komplett erschließt. Sänger Bjørnar Erevik Nilsen nahm sich meiner Fragen an, die via elektronischer Post in den hohen Norden verschickt wurden.

HH: Hi und viele Grüße aus München, wie geht's dir? Lass uns bei diesem Interview ganz am Anfang anfangen, Vulture Industries wurde 1998 gegründet, was war hier die Initialzündung?

Bjørnar Erevik Nilsen: Ich würde eher sagen, Vulture Industries wurde 2002/2003 aus den Überresten von Dead Rose Garden gegründet. Die Jahre davor hatten eine andere musikalische Ausrichtung, eine andere Besetzung und einen anderen Namen. Die genauen Gründe für die Gründung weiß ich nicht, da ich erst 2002 dazu gestoßen bin. Als ich den Gesang und Kyrre den Bass übernahm veränderte sich die musikalische Ausrichtung der Band drastisch. Und weil wir den Bandnamen nicht mochten, auch weil er nicht zur neuen Ausrichtung passte, änderten wir ihn und starteten damit den Neubeginn. Die alten Songs wurden schrittweise verändert damit sie zu unseren neuen Vorstellungen passten. Daher wurden auch keine Pre-Vulture-Songs unter dem neuen Namen veröffentlicht.

HH: Also können wir 2003 als eigentliches Gründungsjahr festhalten, aber es dauerte immerhin vier Jahre bis zum Debutalbum. Was geschah alles während dieser langen Zeit?

Bjørnar Erevik Nilsen: Wir nahmen zwei Demos/EPs auf und arbeiteten weiter an unserem Stil, unserer Identität. Meiner Meinung nach ist es der richtige Weg, erst durch die Demo-Phase zu gehen, bevor man Album für Album veröffentlicht. Heutzutage erleiden wir doch einen absoluten Informationsüberfluss. Und die Auffassung, dass jede Band sofort ein Album auf den Markt bringt, so bald sie genügend Songs für 35 Minuten Spielzeit geschrieben hat, macht es auch nicht besser. Meiner Meinung nach gibt es heute viel zu viele Veröffentlichungen weil nicht genug im Vorfeld aussortiert wird. Ich versuche, das meiste dieses Schrotts zu ignorieren, aber auch das ist nicht ganz einfach.

HH: Für das Debut habt ihr sehr gute Kritiken bekommen, und ich denke, für The Malefactor's Bloody Register wird es nicht anders sein. Habt ihr diese Reaktionen auch so erwartet und wie geht ihr damit um?

Bjørnar Erevik Nilsen: Wenn man bedenkt, dass das neue Album weitaus komplexer und vielschichtiger ausgefallen ist als unser Debut haben wir dieses Mal mehr polarisierende Reviews erwartet. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass auch dieses Mal die Reviews sehr gut ausgefallen sind. Natürlich gibt's auch schlechte, aber das ist ja auch normal. Mir sind schlechte Reviews sogar lieber als mittelmäßige. Schließlich machen wir keine Musik für jeden, also ist es auch in Ordnung, wenn der ein oder andere unsere Musik nicht mag. Mir ist es lieber, wenn man eine bestimmte Meinung zu uns hat, als wenn man keine Meinung dazu hat.

HH: Meiner Meinung nach war The Dystopia Journals eher geradeaus, während The Malefactor's Bloody Register mehr komplex ausgefallen ist. Einige der Songs haben sogar Soundtrack-Charakter. War das eure Intention? Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen den beiden Alben?

Bjørnar Erevik Nilsen: Unsere Absicht war vor allem erst einmal, ein neues Album zu machen, schließlich wollten wir nicht das gleiche Album noch einmal aufnehmen. Also haben wir zuerst neue Ideen gesammelt und haben uns auf unser Gefühl verlassen, was am besten funktioniert. Es brauchte schon seine Zeit, aber nach einem gefühltem Jahr haben wir gefühlt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Ich stimme dir zu, dass The Malefactor's Bloody Register komplexer ausgefallen ist. Und obwohl es komplexer ist, hat die Produktion mehr Raum für Details gelassen. Es gibt hier eine Menge mehr an Informationen. Auf The Dystopia Journals waren die Melodielinien und die tragenden Elemente sehr dominant, während die Details eher im verborgenen blieben und sich nur dem intensiven Hörer zeigten. The Malefactor's Bloody Register ist zudem mehr Metal als The Dystopia Journals, das oft eher in Richtung Hard Rock tendierte.

HH: Ihr verbindet in eurer Musik eine Vielzahl verschiedener Stile und Sounds. Welcher Sound, welche Musik hört sich trotzdem in deinen Ohren furchtbar an?

Bjørnar Erevik Nilsen: Ich mag keine allzu fröhliche Musik. Gospel Musik, einiges der kommerziellen amerikanischen Country Musik und für Kinder gemachte moderne Musik sind das schlimmste für mich. Ein paar traditionelle Schlaflieder sind jedoch gut.

HH: Um was geht es in euren Texten? Leider liegen mir diese nicht vor. Kannst du uns etwas über den Inhalt der Songs nennen? Handeln sie von reiner Fiktion oder haben sie einen Bezug zur Wirklichkeit?

Bjørnar Erevik Nilsen: Das Grundthema des Albums beschäftigt sich mit der Menschlichkeit aus der Sicht der Justiz, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Das Coverbild zeigt die Kälte des Gesetzes, der Mensch steht für die Anklage, die Schlinge zählt mehr als das Gesetz und edle Absichten. Die Texte sind erfundene Geschichten, bezogen auf die Realität.

HH: Was inspiriert euch, was sind eure Einflüsse?

Bjørnar Erevik Nilsen: Sehr viel! Ich denke vieles im Leben kann dich und deine Musik beeinflussen. Ich zum Beispiel finde spazieren gehen sehr stimulierend, es regt meine Kreativität an, daher habe ich immer etwas dabei, um Ideen aufzuzeichnen.
Innerhalb der Band haben wir viele Geschmäcker und genau das ist es, was uns auszeichnet. Unsere Geschmäcker und Vorlieben sind verantwortlich dafür, wie wir unsere Musik beziehungsweise unsere Instrumente gestalten. Meine Lieblingskünstler für alle Zeit sind Tom Waits und Devil Doll.

HH: Wie entsteht bei euch ein Song? Ist schon alles fertig geschrieben, wenn ihr ins Studio geht oder arbeitet ihr dort noch weiter an den Songs?

Bjørnar Erevik Nilsen: Unser Songwriting ist ein sehr flüssiger und intuitiver Prozess. Wir machen nicht jedes kleinste Detail im vornhinein fest, wir lassen uns vielmehr von unserer Inspiration des Moments leiten und fühlen dadurch, was gut zusammen passt und was richtig ist für Vulture Industries. Für dieses Album hatten wir bereits die meisten Ideen und Strukturen vor dem Studiotermin fertig, aber wir haben bewusst auch einiges noch offen gelassen. Wir wollten uns damit die Spontaneität bewahren und auch die Möglichkeit, eine der ersten Aufnahmen zu nehmen anstatt alles seelenlos ständig zu wiederholen.

HH: Gibt es bereits Pläne, das neue Album mit einer Tour zu promoten und führt euch das auch nach Süddeutschland?

Bjørnar Erevik Nilsen: Wir haben gerade eine elf-Tage-Tour durch Europa abgeschlossen. Wir waren in Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Slovenien, Slovakei, Serbien, Rumänien und der Tschechischen Republik. Wir hatten eine großartige Zeit und haben viel positives Feedback von Fans, Promotern und der Presse erhalten und freuen uns daher, nächstes Jahr wieder unterwegs zu sein. Wir suchen gerade nach einer geeigneten Tour, und hoffentlich führt uns dann der Weg auch nach Süddeutschland.

HH: Wenn du eure Musik als ein Essen beschreiben müsstest, wie würde es aussehen, wie würde es schmecken?

Bjørnar Erevik Nilsen: Als eine Art Suppe mit jeder Menge seltsamen Zeugs drinnen. Du solltest vorsichtig sein mit diesem Zeug, denn es ist schwer zu schlucken und kann dir die Zähne brechen. Jeder Löffel schmeckt anders, aber du isst gierig weiter, weil du wissen willst, wie der nächste Löffel schmeckt.

HH: Wir kommen nun zum Ende des Interviews, hier habe ich ein paar entweder-oder-Fragen. Wähle bitte spontan eine Antwort aus. Du musst deine Wahl nicht begründen, aber du kannst sie natürlich begründen, wenn du willst. Ich möchte nur sehen, ob es funktioniert.

Gott oder Satan?
Bjørnar Erevik Nilsen: Satan

HH: Laufen oder gehen?
Bjørnar Erevik Nilsen: Kommt darauf an, wer hinter mir her ist, aber grundsätzlich etwas dazwischen, ich bin ein schneller Geher.

HH: Links oder rechts?
Bjørnar Erevik Nilsen: Hängt davon ab, wohin ich gehen will.

HH: Optimist oder Pessimist?
Bjørnar Erevik Nilsen: Optimist

HH: Danke für dieses Interview, die berühmten letzten Worte gehören dir.

Bjørnar Erevik Nilsen: Tote Männer lachen nicht.

Ray


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