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Interview

Interview mit Death Angel (05.10.2004)

Logo Death Angel

Nachdem die immer-wieder-aber-doch-nie-ganz totgeglaubten Death Angel nach unglaublichen vierzehn Jahren getrennter Aktivitäten ihr Reunions-Werk The Art Of Dying veröffentlicht haben, statteten Mark Osegueda und Co. dem Bang Your Head Festival in Balingen ihren Besuch ab. Ihre Pflichten als Fan-nahe Band nahmen die fünf Amerikaner dann auch sehr ernst und verschanzten sich zum vereinbarten Interviewtermin stundenlang im Autogrammzelt. Die wartende Journalistin wurde derweil mit Nachrichten zum Stand der Dinge ("der Mark muss nur noch schnell mit XY reden...") und kalten Getränken bei Laune gehalten. Schließlich sprang ein aufgekratzter Mark hervor, der allen Wartenden vergnügt in Richtung VIP-Cafe davonlief. Herr Osegueda war unerwartet klein, in Natura älter aussehend als auf der Autogrammkarte und trug (fast) konsequent Sonnenbrille und Häkelmütze. Aber hey, bei einem solchen Charmeur kann man über derartige Kleinigkeiten schon mal hinwegsehen....

HH: Hi, Mark. Wir haben leider nur fünfzehn Minuten, weil deine Band fast zwei Stunden lang Autogramme signiert hat. Und jetzt ist gerade mein Tonband kaputt gegangen. Worst Case, sozusagen.

Mark: Oh, das tut mir leid, und so wenig Zeit! Also, du kannst mich alles fragen. Alles!

HH: Merkt man, dass ich nervös bin?

Mark: Nein. Aber ich bin auch immer nervös. Gerade jetzt, wo ich mir wieder eine Routine erarbeiten muss.

HH: Seid ihr denn zufrieden mit eurem Auftritt? Ihr lauft ja schon die ganze Zeit auf dem Konzertgelände herum und die Leute können ein Bier mit euch trinken. Da werdet ihr doch bestimmt Lob oder auch mal Kritik eingesteckt haben.

Mark: Wir lieben diese Atmosphäre hier, ich trete sowieso am liebsten auf Open Airs auf. Das Publikum ist eigentlich ganz zivilisiert, wir wurden bisher nicht beschimpft (lacht). Und hier ist es total geil, es laufen lauter Verrückte herum. Somit war der Auftritt für uns ziemlich gut. Was soll ich auch im VIP-Bereich 'rumsitzen, wenn ich draussen Konzerte ansehen und mit den Leuten reden kann? Jede Minute, die man nicht mit den Fans verbringt, ist eine verlorene. Es sei denn, man sitzt einer schönen Frau gegenüber... (blinzelt über den Rand seiner Sonnebrille)

HH: Äh... okay. Jetzt habe ich meine nächste Frage vergessen.

Mark: Ruhig Blut.

HH: Ach ja: Du sagtest einmal in einem Interview, dass du die Nähe zu den Menschen brauchst und deshalb am liebsten 365 Tage im Jahr auf der Bühne stehen würdest. Bist du ein "Stage-Junkie"?

Mark: Yeah, absolut! Stage-Junkie, das ist ein geiles Wort, es trifft genau auf mich zu. Es gibt dir ein unglaubliches Gefühl, da oben zu stehen. Ich wollte nie was anderes. Es ist schon eine Art von Sucht, aber eine positive Sucht. (grinst über das ganze Gesicht)

HH: Hast du deshalb immer wieder, trotz vielen Fehlschlägen wie zum Beispiel mit deiner Band Silver in den New Yorker Jahren, auf die Bühne zurückzukehren versucht? Man könnte ja auch denken, du hast nichts gelernt, in all den Jahren.

Mark: Der Lernprozess war ohne Zweifel da. Es hat gearbeitet wie verrückt in mir. Ich bin bestimmt so etwas wie ein Stehauf-Männchen. Erstens: die Liebe zur Musik war einfach schon immer da, meine Eltern haben die ganze Zeit Led Zeppelin und so etwas gehört, damit bin ich groß geworden. Zweitens, wären die vielen Krisen nicht gewesen - dazu gehören die vielen Prozesse, die wir geführt haben, das viele Geld, das wir dabei verloren haben, die ganze Quälerei - dann würden Death Angel heute nicht da stehen, wo wir sind. Manchmal muss man an schlechten Erfahrungen wachsen, wenn man etwas erreichen will. Das weiss man natürlich vorher nicht

HH: Und nun, nach vierzehn harten Jahren, das erste Album der wiedervereinten Band, The Art Of Dying. Was ist das für ein Gefühl? Hattet ihr keine Angst, dass sich niemand mehr für euch interessiert? Ihr seid ja nicht mehr die Jüngsten.

Mark: (riesiges Grinsen, Sonnenbrille ab) Es ist ein irres Gefühl, auch nach so langer Zeit. Wir sind jetzt mehr in den musikalischen Prozess involviert als jemals zuvor und können mehr mitbestimmen. Da ist der Vorteil unseres Alters zu sehen und auch wieder die vielen Erfahrungen, die wir in der Zwischenzeit mit anderen Bandprojekten gemacht haben. Man kann uns jetzt nicht mehr so einfach über den Tisch ziehen. Allerdings war es schon ein Ding, dass ein paar kleine Jungs so einen Erfolg hatten, das lässt sich im Prinzip ja prima vermarkten. Wir waren wirklich irre jung, mein Gott! Wir haben bei der Reunion einfach daran geglaubt, dass es klappen würde. Die Reaktionen der Fans sind bis jetzt großartig, wir erfahren sehr viel Unterstützung. Anders hätte es auch nicht kommen dürfen! (Sonnebrille auf)

HH: Also habt ihr, unabhängig voneinander, eine Art Reifeprozess durchgemacht. Woher kommt die Kraft für neue Projekte?

Mark: Ich bin bestimmt in gewisser Weise reifer geworden, abgesehen davon, dass ja bekanntlich in jedem Mann noch ein Kind steckt (lacht). Weißt du, früher kam die Kraft von allem Möglichem: der schnelle Erfolg, die Aufmerksamkeit, auch Drogen, Alkohol, all die Frauen...(nimmt die Sonnenbrille ab). Heute ist es... im Prinzip das gleiche. Bis auf die harten Drogen, ha ha. In jedem Fall stärkt der Rückhalt derjenigen, die uns in bei unserer Reunion unterstützt haben. Unsere Familien. Die Leute, die vor der Bühne stehen. Es kommt auch aus einem selber. Entweder man ist gemacht dafür, dass man wieder aufsteht, oder nicht. Dann sitzt man irgendwann in einem Büro oder so etwas. Ich hätte das nie gekonnt.

HH: Haben auch die Jahre, die du in Europa verbracht hast, etwas beigetragen?

Mark: Europa, oh yes. Die Zeit in Europa hat mir viel gegeben. Ich habe in einigen europäischen Städten gewohnt, zum Beispiel in Paris. Das hat mir eine andere Perspektive auf die Dinge eröffnet. Ich weiss es zu schätzen, dass man sich mit einem Deutschen oder Franzosen etwa über alles mögliche unterhalten kann, die Leute hier haben eine eigene Meinung. Die Amerikaner sitzen nur den ganzen Tag vor'm Fernseher und lassen sich einlullen. Versteh' mich nicht falsch, ich liebe mein Land. Aber Amerikaner sind mitunter extrem weltfremd. (lugt über den Sonnenbrillenrand)

HH: Aber eine amerikanische Metropole wie San Francisco, die mit der Ära der "Bay Area Trashers" eine wunderbare Grundlage für alle diejenigen Metalbands lieferte, die groß ins Geschäft einstiegen, kann doch so abwegig nicht sein. Bist du Metallica noch freundschaftlich verbunden?

Mark: (Sonnenbrille auf, war wohl die falsche Frage) Aaah, ja, Metallica... hmm, nun, ich wohnte ja damals mit Kirk zusammen, wir hatten ständig diese Parties, wir haben viel Musik gemacht und so. Naja, das war eben damals.

HH: Okay, wir wollen ja auch gar nicht über Metallica reden. Dann erzähl doch noch ein bisschen über San Francisco, da fahre ich nämlich den Sommer über hin.

Mark: Oh, cool. (Sonnenbrille runter) Lass mal überlegen - nein, ich bin leider im Sommer nicht zu Hause. Sag das nächste Mal früher Bescheid! Aber die Stadt ist wirklich ein Paradies für Musiker. Es ist meine Heimat, auch wenn ich gerne auf Tour bin, ich komme doch immer wieder gerne dorthin zurück. Ich bin ja der Meinung, dass wir nur von dort aus starten konnten, wie viele andere Bands auch - das liegt in der Luft, das ist so eine besondere Stimmung, man kann es gar nicht in Worte fassen. Der Lebensstil dort ist so sehr geprägt von den verschiedenen Kulturen und Ethnien, die dort zusammenkommen, einschließlich Bewegungen wie die des New Age und so. Man muss selbst dort gewesen sein, muss es fühlen. (Sonnebbrille auf. Lehnt sich entspannt zurück, die untergehende Sonne spiegelt sich rot-violett in den Gläsern.)

HH: Und was passiert nun, wenn ihr nach eurer jetzigen Tour zurückkommt?

Mark: Es wird definitiv eine neue Platte von Death Angel geben. Wir werden im Frühjahr nächsten Jahres wieder im Studio stehen und weiter am künftigen Erfolg Death Angel arbeiten (lacht), wenn alles gut geht. Bis dahin hoffe ich, noch auf so vielen Festivals wie hier sein zu können. Das Publikum hier ist enorm, womit wir wieder beim Thema "Stage Junkie" wären.

HH: Siehst du den Typen dort? Mit dem muss ich mir die Interviewzeit teilen und die wäre genau jetzt vorbei. Letzte Chance, den Lesern von Heavyhardes.de noch etwas zu sagen.

Mark: Äh, ihr kommt aus München, nicht wahr? Ich liebe München, ich war schon ein paar mal dort. Coole Leute da! Gruß an München! Aber, wegen mir kannst du gern noch bleiben, ich muss nicht unbedingt mit diesem Typen da sprechen! Naja, da siehst du, dass doch nicht immer alles in meinem Leben so ist, wie ich es gern hätte. Ich werde auch dies tapfer ertragen.

(Sonnenbrille ab. Shake Hands. Hach, dieser Blick.)

Liz


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